Nachhaltigkeit: Eine Idee verändert die Welt

Forstwirtschaft steht für regionale Kreisläufe

Die deutsche Forstwirtschaft ist Teil des Bündnisses „Tag der Regionen“. Kaum eine andere Branche steht dabei so für starke regionale Strukturen wie die Forstwirtschaft. Vor 300 Jahren definierte sie in Obersachsen das Prinzip der Nachhaltigkeit und damit das heutige Leitbild für den klugen Umgang mit Ressourcen. Die deutsche Forstwirtschaft ist eine wesentliche wirtschaftliche Säule im ländlichen Raum. Der Großteil des hierzulande verarbeiteten Holzes stammt aus heimischen Wäldern, insbesondere aus den Mittelgebirgen. Forstleute und Waldbesitzer stellen jährlich rund 56 Millionen Kubikmeter Holz zur regionalen Be- und Verarbeitung bereit. Je 100 Kubikmeter unbearbeitetem Holz aus dem Wald wird ein Arbeitsplatz im Handwerk, im Holz- und Möbelbau und in verwandten Bereichen gesichert. Insgesamt beschäftigt der Wirtschaftsbereich Forst und Holz einschließlich Papier, Druckerei- und Verlagswesen und dem Energieholzsektor rund 1,2 Millionen Menschen und gehört damit zu den größten Branchen in Deutschland.

Wie kein zweiter Wirtschaftszweig steht die Forstwirtschaft für die Vorteile regionaler Kreisläufe. Die Wirtschaftsräume überschreiten selten einen Radius von 100 Kilometern. Kurze Transportwege sind die Regel. Und auch die ökologische Verträglichkeit zeigt sich stets regional, nämlich im örtlichen Wald. Dank einer verantwortungsvollen, fachgerechten Bewirtschaftung bleibt das Ökosystem Wald intakt. Flora und Fauna bleiben erhalten, Luft und Wasser rein. Und nicht zuletzt sind die Wälder die beliebteste Freizeit- und Erholungsstätte in den meisten Regionen unseres Landes.

Der jährliche Holzzuwachs auf den 11 Millionen Hektar Waldfläche in Deutschland liegt bei ca. 110 Millionen Kubikmeter. Der Holzvorrat beträgt momentan ca. 3,4 Milliarden Kubikmeter. Vor dem Hintergrund ihrer nachhaltigen Wirtschaftsweise feiert die deutsche Forstwirtschaft in diesem Jahr ein wichtiges Jubiläum. Vor genau 300 Jahren entwickelte sich das heute global gültige Prinzip der Nachhaltigkeit aus forstlichen Gedanken heraus.

1713 hatte der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz als erster weltweit das Prinzip der forstlichen Nachhaltigkeit in einem Buch beschrieben, der „Sylvicultura oeconomica“. Unter dem Eindruck der Waldzerstörung und Übernutzung der Wälder, die von Carlowitz in seiner obersächsischen Heimatregion – einer europaweit bedeutsamen Montanregion – beobachtet hatte, beschäftigte er sich wissenschaftlich mit der sensiblen Naturressource Wald. Er empfahl eine geregelte Holzentnahme und das kontinuierliche Aufforsten. Im 19. Jahrhundert trugen deutsche Forstexperten das Prinzip der Nachhaltigkeit aus ihren jeweiligen Regionen hinaus in alle Welt. Ende des 20. Jahrhunderts wurde das Leitbild vor allem von lokalen Agenda-Gruppen aus der Forstwirtschaft entlehnt und auf andere Bereiche ausgeweitet. Von Carlowitz darf so gesehen zugleich als Initiator des Slogans: „Think global, act local“ betrachtet werden.

Zum Hintergrund: Der Tag der Regionen wurde von dem 2007 im mittelfränkischen Feuchtwangen gegründeten „Bundesverband der Regionalbewegung“ ins Leben gerufen. Dieser bündelt die Aktivitäten für eine regionale nachhaltige Entwicklung im ganzen Bundesgebiet, vernetzt Akteure und sendet Impulse für eine regionale Wirtschaftsentwicklung aus. Mit dem Tag der Regionen erreicht die Bewegung jährlich rund eine Millionen Menschen, denen sie die Gedanken von Regionalität, regionalen Wirtschaftskreisläufen und Nachhaltigkeit vermittelt. Die Verbraucher sollen überzeugt werden, dass mit dem Kauf regionaler Produkte die Arbeitsplätze vor Ort, sowie damit einhergehend auch die regionale Umwelt und die heimatlichen sozialen und kulturellen Strukturen gestärkt werden. Dabei will man aber keinesfalls eine „Anti-Globalisierungsbewegung“ sein. Zu dem Aktionsbündnis gehören unter anderem große Verbände des Natur- und Umweltschutzes, der Landwirtschaft sowie auch der Deutsche Forstwirtschaftsrat e. V. (DFWR).