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Marken Sehenswürdigkeiten und Städte - Bella Italia

Ein Freilichtmuseum der Kulturschätze

Die Marken - ein Freilichtmuseum der Kulturschätze. Der ganz andere Urlaub in ItalienWürde man alle Kulturgüter der Marken hier aufzählen wollen, käme man auf viele Hunderte. Ich beschränke mich auf die wichtigsten und imposantesten Kulturschätze der Marche (der ital. Name für die Marken). Bei unseren Touren in den Marken lernen unsere Gäste natürlich sehr viel mehr und umfangreicher alles kennen, als hier nun beschrieben wird. Superlative sind nicht immer da, wo man sie erwartet. Und die Kulturschätze befinden sich nicht nur in Rom oder Florenz. Ein intelligenter Mensch hat einmal geschrieben: "Es gibt noch Orte, wo die Menschen Natur und Zeit respektieren und deren Kunst und Schätze pflegen..." Vielleicht ist diese Aussage ein Anreiz sich einmal von den Massentummelplätzen in andere Gefilde zu bewegen?

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Ascoli Piceno - Stadtplanung nach Römerart

Während man in anderen Teilen Italiens oft in den Museen Schlange stehen muss, erübrigt sich dies in den Marken. Die Region Marken, Le Marche in italienisch, gilt als eine der ältesten in Italien und somit bietet sich Kunst-und Kulturliebhabern ein Eldorado an Kulturschätzen, und dies sogar nicht zwangsläufig in einem Museum sondern einfach mal so am Wegesrand.

Tummelplatz der alten Römer - Geschichte der Marche (Marken)

Dazu müssen wir einen kleinen Blick in die Geschichte der Marche (Marken) werfen. Das Gebiet war bereits 800 v.Chr. von den Picenern bewohnt. Dies war eine der drei großen Populationen, die damals Italien bewohnten. Die beiden anderen Volksgruppen waren die Umbrer und die Etrusker. Von den Picenern haben wir noch viele Reste in Form von Grabbeigaben, Schmuck und Handwerksgeräte. Diese sind jedoch wirklich in verschiedenen Museen untergebracht. Als dann die Römer ins Spiel kamen hinterließen sie nicht wenige Spuren. In der zauberhaftesten Stadt der Marche, in Ascoli Piceno, legten die Römer erst die Stadt in Schutt und Asche um sie dann gleich wieder nach ihrem eigenen System aufzubauen, dem rechtwinkligen Straßensystem mit zwei Hauptachsen (cardo und decumano), von dem aus dann alle Parallelstraßen abgingen. Das ist bis heute erhalten. So gesehen keine große Kunst, aber es gibt auch noch die Römerbrücke.

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Heutige Brückenbauer sollten sich daran ein Beispiel nehmen. In einem einzigen Bogen entstand 89 v.Chr.!! diese Brücke über den Tronto-Fluß. Man höre und staune, es fließt noch immer der Verkehr darüber und sie hält. Gut, etwas mit Beton unterfüttert, aber ansonsten wie neu gebaut. Wer interessiert ist und keine Platzangst verspürt kann in das Innere der Brücke und sich genauer ansehen, wie die alten Römer es geschafft haben, so etwas Dauerhaftes zu bauen. Römer ohne Theater ist undenkbar, so auch in Ascoli Piceno. Auch hier finden sich noch Reste des römischen Theaters.

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Cafe Meletti - hinreißender Charme

Neben dem Cafe Meletti auf der Piazza del Popolo gibt es eine Ausgrabung aus den Römerzeiten, aber nicht nur hier, auch auf der Piazza Arringo. Als dieser 2. Hauptplatz vor ca. 10 Jahren zur Fussgängerzone umfunktioniert wurde und der Straßenbelag und die oberen Erdschichten entfernt waren, stellte man fest, dass darunter eine komplette römische Stadt angelegt war. Da Italien die meisten Kunstschätze weltweit hat, was unmöglich ist, alles zu erhalten, dokumentierte man diese Stadtanlage und schüttete sie dann wieder zu.

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Ascoli Piceno - Das Juwel der Marche - Sehenswürdigkeiten

Eigentlich aber ist Ascoli Piceno Insidern aus drei anderen Gründen bekannt. Ascoli Piceno heißt auch Stadt der 100 Türme. Damit sind keineswegs Kirchtürme gemeint, sondern Geschlechtertürme. Bis ins 13. Jahrhundert waren es sogar mehr als 200, dann aber wurden durch Friedrich II. von Hohenstaufen die Türme der Papsttreuen geschliffen. Das reduzierte die Anzahl um die Hälfte und heute sind oft nur stark verkleinerte Türme übrig, dennoch aber immer noch etliche, die so blieben wie im Mittelalter. Diese Geschlechtertürme dienten sowohl der Verteidigung als auch als Notresservoir in Krisenzeiten. Je höher ein Turm war, desto mächtiger die Familie. Sie waren also auch Prestigeobjekte..

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Die Superlativen einer kleinen Stadt - zum Staunen schön

Der Bekanntheitsgrad der Piazza del Popolo ist gefestigt durch die offizielle Einschätzung. Dieser Platz gilt als eine der 10 schönsten Piazze in ganz Italien. Es ist unschwer zu verstehen, denn fast scheint es sich um eine Theaterkulisse zu handeln. Der Platz spiegelt die Harmonie wider, die überall in Le Marche zu finden ist. Verstärkt wird dieser Eindruck noch durch das Baumaterial. Der ganze mittelalterliche Kern wurde aus Travertin gebaut. Leider neigen viele dazu, Travertin als eine Art Marmor anzusehen, übrigens selbst Fachleute. Hier zur Erläuterung. Travertin ist ein Kalkgestein, das sich in schwefelhaltigem Wasser gebildet hat. Ohne Schwefelwasser kein Travertin! Selbst der Belag der Piazza del Popolo ist aus Travertin. Je nach Lichteinfall schimmert die Piazza von bernsteinfarben bis hellgrau in ihrem Travertingewand. Es ist aber nicht nur dieser wunderschöne Platz.

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Die Nr. 3 ist das nächste Superlativ, das Caffe' Meletti. Was Wien sein Sacher, so ist dieses Cafe' ein Aushängeschild für Ascoli Piceno. Das Meletti wird zu den 10 schönsten Jugendstilcafes Italiens gezählt. Stile liberty, wie der italienische Jugendstil genannt wird. In der Tat ist es ein Schmuckstück mit seiner Inneneinrichtung, den Fresken, diesem Charme, den die heutige Zeit mit ihrem funktionalen, fast schon "charakterlosen" Stil verdrängt hat

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Gleich nebenan befindet sich der Palazzo dei Capitani, Ende des 13. Jahrhunderts erbaut. Wer meint, es hätte etwas mit einem Kapitän zur See zu tun, der irrt. Der Capitano war derjenige Vikar, der mit der Stadtverwaltung beauftragt war. Es lohnt ein Rundgang in diesem Palazzo, der sehr viele einzelne Kulturgüter enthält und dessen Fassade selbst Geschichte erzählt.

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Als dominierendes Gebäude befindet sich auf der Piazza d'Arringo, dem Versammlungsplatz, der Dom von Ascoli Piceno, der dem Hl. Emidio gewidmet ist. Es ist eine besondere Innenarchitektur, die sich dem Betrachter bietet. Dies ist wohl auf die sich über viele Jahrhunderte hinziehenden Bauarbeiten zurückzuführen, denn ab dem 4. Jahrhundert wurde beständig ein ursprünglich römisches Gebäude verändert, erst im 16. Jahrhundert bekam der Dom seine heutige Fassade. Das Dominnere wirkt heiter. Es hat nichts mit der Strenge der Gotik zu tun, blieb aber auch von barocken Auswüchsen verschont.

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Vergreife dich nie an verheirateten Frauen - Ein Künstler der Marken.

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In einer Seitenkapelle befindet sich ein wunderschöner Trytychon von Carlo Crivelli, einer der prägenden Künstler der Marche. Crivelli war ein gebürtiger Venezianer (ca. 1430 geb.), musste sich jedoch zusammen mit seinem Bruder wegen Steuerschulden und Affären mit Frauen, die zudem mit ranghohen Personen verheiratet waren, schnellstmöglich aus Venedig zurückziehen. Viele seiner Werke und Teile seiner mehrflügligen Altarbilder sind heute über die ganze Welt verstreut, von Hawaii bis Großbritannien. Im Grunde wurde Crivelli erst Anfang des 21. Jahrhunderts neu entdeckt und geschätzt.

Weitere herrliche Werke von Crivelli in den Marken sind in Montefiore dell'Aso, Recanati, Villa Colloredo Mels, Macerata und anderen Städtchen zu finden.

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Fermo - große Kultur Sehenswürdigkeiten

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Ein grandioses Kulturgut aus dem 1. Jahrhundert n.Chr. befindet sich in Fermo. Dort sind die zweitgrößten römischen Zisternen des Römerreiches erhalten geblieben. Auf 2200 m2 entstand hier das erste Wasserleitunggsystem der Stadt. Es lässt sich durchaus als genial bezeichnen, wie dieses System perfekt durchdacht war. Erstaunlich wie bei so vielen römischen Kulturgütern ist deren Dauerhaftigkeit. In diesem riesigen Areal der Zisternen musste nur an einigen wenigen Stellen ein wenig abgestützt werden, ansonsten befindet man sich direkt in der Römerzeit. Die Erfindungsgabe der Römer hinsichtlich Bauwerken ist einfach nur bewundernswert und es erstaunt eigentlich nicht wirklich, dass sie in ihren Hochzeiten Monumentalgebäude und Brücken, Wassersysteme und Straßen in Mengen erstellten. Da sie als Erfinder des heutigen Betons gelten, überrascht es nicht, dass sie so bauen konnten. Auch wasserundurchlässiger Verputz geht auf die Römer zurück. Sie bauten für die Ewigkeit, was auch durchaus denkbar ist, aber leider hatten sie eines nicht bedacht: die Menschen selbst.

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Fermo hat neben den Zisternen aber noch viel mehr zu bieten. Die Stadt besitzt eine der ältesten Universitäten und eine der größten und ältesten Bibliotheken Italiens. Diese ist untergebracht im Palazzo dei Priori, in dem auch die Ratsversammlung ihren Sitz hat und in der eine herrliche Pinakothek eine Vielfalt an Kunstwerken präsentiert. Eine der eindrucksvollen Räumlichkeiten ist der Weltkugelsaal, der gleichzeitig auch Bibliothek ist. Diese Weltkugel von 1735 stellt etwas ganz Besonderes dar, denn sie ist nicht aus Schweinsleder, wie damals üblich, sondern aus Papier von Fabriano! Zudem findet sich in diesem Raum auch ein kleiner Christus-Torso, der Michelangelo zugeordnet ist.

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Neben dem Palazzo dei Priori, der dominant am Ende der Piazza del Popolo steht, mit einer Figur von Papst Sixtus IV. über der Eingangstreppe, gebürtiger Marchigianer und ein ganz spezieller Papst! dazu aber später, steht der Palazzo degli Studi. Dies war ursprünglich die Universität und dient heute als sehr gut ausgestattete Stadtbibliothek.

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Die Piazza del Popolo ist ähnlich der Piazza in Ascoli Piceno sehr harmonisch aufgebaut. Cafes und Bars, kleine Geschäfte und am anderen Ende der Piazza, ausgehend vom Palazzo dei Priori, ein wunderbares Restaurant, das Capolinea.

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Wenn man sich nun Richtung hügelaufwärts bewegt, kommt man schon nach wenigen Metern zum Theater. Die Marken sind eine Region mit einigen Hundert Theatern. Dieses Teatro dell Aquila, das Theater des Adlers, gehört zu den größeren, denn es bietet ca. 800 Personen Platz. Es spiegelt die Basis aller Theater wider, die erstens sehr klein, zweitens mit vielen Fresken verziert sind, hier an der Decke der gesamte Olymp und die drittens einem Besucher kaum auffallen, so dass man am Theater vorbei läuft, ohne es zu merken. Dies kommt daher, dass früher die Theater in bereits bestehenden Palazzi untergebracht wurden. So sparte man Geld, das Nachsehen hatte aber oft der Eigentümer, der kurzerhand ausquartiert wurde.

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Das Teatro dell' Aquila ist eines der Vorzeigeobjekte von Fermo, denn es verfügt über eine erstklassige Resonanz und wurde unter Beibelassung des ursprünglichen Interieurs erst vor einigen Jahren renoviert.

Wenn man nun weiter hügelaufwärts geht, kommt man zum Dom der Stadt. Er steht in einem großzügigen Park und wurde seltsamerweise aus istrischem Stein gebaut. Dies ist ungewöhnlich, da in den Marken meist das an Ort und Stelle vorhandene "Baumaterial" verwendet wurde. Der Dom ist weithin sichtbar, bildet er doch die höchste Position, somit auch einen Panoramablick über Meer und Hügellandschaft bis zu den Sibillinischen Bergen. Der große Park kommt nicht von ungefähr. Das ganze Areal war zu Zeiten der Römer "heiliger Bezirk". So ist es nicht verwunderlich, dass im Dom, beim Altar selbst, durch eine Glasscheibe ein Blick in Jahrtausende möglich ist. Es sind die Reste des antiken Tempels zu sehen, dann eine Schicht, die aus frühchristlicher Zeit stammt. In der Seitenkapelle befindet sich der größte Schatz des Doms, eine Ikone mit einem Stofffetzen aus einem Gewand von Maria.

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Leider wurde das ursprüngliche Interieur Opfer des Barock, so dass von den wunderbaren Fresken nur ein Bruchteil im Eingangsbereich geblieben ist.

Im 15. Jahrhundert stand der Palazzo des Statthalters neben dem Dom. Davon ist nichts mehr vorhanden, denn die Fermaner brannten ihr Eigentum nieder, um so dem Tyrannen Sforza seine Bleibe zu zerstören und ihn aus der Stadt zu verjagen.

Wenn Sie nun neugierig geworden sind können Sie die Fortsetzung der Kulturgüter demnächst weiterlesen - oder Sie besuchen die Marken und erleben so viel mehr, als ich Ihnen hier erzählen kann.

Weitere Infos finden Sie bei Ihrer Reiseführerin Ulla Kastner

* http://www.kastner-marche-ital.de
* http://www.unbekanntes-italien.com/

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