Gentechnik in der Landwirtschaft

Naturschutznovelle Was ist gute fachliche Praxis in der Landwirtschaft?

Mit der Novelle des Naturschutzgesetzes wird für den Umgang mit Agrarflächen in Schutzgebieten erstmals die "gute fachliche Praxis" bundesweit festgeschrieben. Der aus dem Fachrecht entliehene Begriff umreißt die Anforderungen, mit denen Landwirte ihre in Naturschutzgebieten liegenden Acker-, Wald- und Fischereiflächen behandeln müssen. Eine genaue Festlegung, welche Arbeiten den Begriff bestimmen, legen die Länder fest. Die "gute fachliche Praxis" ist Grundlage der Novelle und insbesondere bei den Bauern umstritten.

Zudem verlangt der Entwurf die Vernetzung von Biotopen. Dazu müssen die Landwirte etwa Hecken und Feldraine, falls noch nicht vorhanden, neu anlegen. Wie viel der Landesfläche als Biotope ausgewiesen werden und wo die Vernetzungskorridore verlaufen sollen, obliegt ebenfalls den Ländern. Das Rahmengesetz des Bundes verlangt jedoch, mindestens zehn Prozent jeder Landesfläche für den Biotopverbund auszuweisen. Für die Ausweisung erhalten die Länder drei Jahre Zeit.

Ferner schreibt die Novelle den Erhalt der "natürlichen Bodenfruchtbarkeit" fest. Auf Bauern, die in Naturschutzgebieten Flächen etwa für einen Fuhrpark einrichteten, könnten damit erhebliche Änderungen zukommen. Weiter fordert das Gesetz den Aufbau und Erhalt so genannter naturnaher Wälder, in denen Kahlschlag verboten und die Ansiedlung heimischer Forstpflanzen geboten ist. Die Ansiedlung heimischer Tier- und Pflanzenarten wird auch oberstes Gesetz für die Fischerei. Ausnahmen sind bei Fischzuchten möglich. Strommasten müssen binnen acht Jahren so gesichert werden, dass Verletzungen von Vögeln durch Stromschlag ausgeschlossen werden.

Erstmals soll bundesweit auch das Verbandsklagerecht eingeräumt werden. Dadurch erhalten Umwelt- und Kommunalverbände bei rechtzeitigem Einspruch während des Planungsverfahrens die Möglichkeit, gegen Änderungen in Naturschutzgebieten rechtlich vorzugehen.

Am 30-05-2001

Zentralisierung

Ein vom Bundestag verabschiedetes Gesetzesvorhaben zur Verschlankung der landwirtschaftlichen Sozialversicherung wurde vom Bundesrat am Freitag abgelehnt und in den Vermittlungsausschuss verwiesen. Die Bundesregierung möchte die Zahl der zur Zeit 17 regionalen Träger der landwirtschaftlichen Sozialversicherung bis zum 1. Januar 2003 auf neun zu reduzieren. Das Bundeskonzept sieht insgesamt eine weitgehende Zentralisierung der Kompetenzen beim Gesamtverband der landwirtschaftlichen Alterskassen vor. Die Länder hingegen setzen auf die Bewahrung der Selbstverwaltung und den direkten Kontakt zwischen den Versicherten und den regionalen Trägern.

Die Bundesregierung argumentiert, dass der hohe Anteil von Bundesmitteln stärkere Einflussmöglichkeiten des Bundes erfordere, insbesondere in der Altersversicherung der Landwirte. Bayerns Sozialministerin Christa Stewens (CSU) sagte in der Debatte, die Koalitionsfraktionen hätten die Einwände der Länder nicht ernst genommen. Gleiches gelte für die berechtigten Sorgen der Bauern.

Am 22-06-2001

Künast für Gentechnik

Der Präsident des Bundesamtes für Naturschutz, Hartmut Vogtmann, fordert ein Verbot der so genannten "grünen" Gentechnik in der Landwirtschaft. Vogtmann sagte der "Berliner Zeitung": "Wir plädieren für ein totales Verbot der grünen Gentechnik in der Landwirtschaft. Denn eine Aussaat gentechnisch veränderter Pflanzen zu Forschungszwecken ist unverantwortlich." Man könne wissenschaftlich noch nicht einmal abschätzen, auf was man sich mit der grünen Gentechnik eigentlich einlasse. Es bestehe noch ein riesiger Forschungsbedarf. "Und so lange das so ist, sollten wir den Einsatz solcher Pflanzen im Agrarbereich völlig unterbinden", verlangte er.

Vogtmann, dessen Behörde Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) unterstellt ist, lobte zwar Fortschritte für die Umwelt im neuen Bundesnaturschutzgesetz, kritisierte jedoch, dass der Umgang mit genetisch veränderten Pflanzen nicht geregelt sei. "Die grüne Gentechnik kommt in dem Gesetz leider gar nicht vor. Das liegt wohl daran, dass sich die rot-grünen Koalitionspartien grundsätzlich uneinig sind, wie etwa mit genverändertem Mais oder Raps in der Zukunft umgegangen werden soll," sagte Vogtmann.

Unterdessen will die Bundesregierung die auf dem Höhepunkt der BSE-Krise gestoppten Gespräche mit der Industrie über den möglichen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen in Deutschland wieder beleben. Eine Sprecherin von Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) sagte der "Berliner Zeitung", noch "diesen Herbst" werde sich die Ministerin dazu mit Vertretern der Biotech-Branche treffen. Ziel der Gespräche sei es, zwischen Bund, Ländern und Wirtschaft einen Konsens über die Zukunft der so genannten grünen Gentechnik zu finden.

Ob als Ergebnis auch das von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) im vergangenen Jahr angestoßene und derzeit gestoppte Gentechnik-Programm zwischen Regierung und Industrie wieder aufgelegt wird, steht nach Angaben der Zeitung noch nicht fest. Die Verhandlungen würden "ergebnisoffen" geführt, hieß es im Verbraucherschutzministerium. Schröder hatte im Juni 2000 mit der Industrie ursprünglich ein auf drei Jahre angelegtes Forschungsprogramm vereinbart, um auf groß angelegten Testflächen genmanipulierten Mais anbauen zu lassen. Wenige Tage vor der geplanten Vertragsunterzeichnung diesen Januar hatte das Kanzleramt diese Pläne wie auch sämtliche Gespräche darüber wegen der BSE-Krise ausgesetzt.

Am 31-08-2001

Streit um Legehennenverordnung

Der Streit um die geplante Legehennenverordnung hält unmittelbar vor dem Welttierschutztag am Donnerstag an. Tierschützer sehen die Bestimmung als Prüfstein für die Wende in der Landwirtschaft. Wenn das Verbot der Käfighaltung am 19. Oktober im Bundesrat scheitere, sei dies ein Zeichen dafür, dass eine Agrarwende und mehr Tiergerechtigkeit grundsätzlich nicht gewollt seien, sagte der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel in Bonn.

Wenn der Bundesrat der Verordnung zustimme, habe dies sofortige Auswirkung auch auf andere Haltesysteme, betonte Apel. Er verwies allerdings darauf, dass einige Bundesländer wie Niedersachsen oder Mecklenburg-Vorpommern die gesetzliche Bestimmung bislang nicht mittragen wollten. Neben dem Verbot der Käfighaltung verlangte Apel eine Kennzeichnungspflicht für Eier. Die Herkunft jedes einzelnen Eis müsse für Verbraucher nachvollziehbar sein. Dadurch könne auch die Ertragsquote gesteigert werden. Die meisten Deutschen seien Umfragen zufolge gegen Käfighaltung und drückten dies in ihrem Kaufverhalten aus, sagte der Verbandspräsident.

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) rief die Ministerpräsidenten der Länder zur Zustimmung auf. Mehr als 40 Millionen Legehennen würden in Deutschland in viel zu engen Käfigen gehalten, betonte BUND-Bundesgeschäftsführer Gerhard Timm in Berlin. Der Vorsitzende des Bundestagsagrarausschusses, Peter Carstensen (CDU), lehnte die Legehennenverordnung in ihrer derzeitigen Form dagegen strikt ab. Sie bedeute für den Tierschutz keinerlei Verbesserung, da die bestehenden Probleme ins Ausland verlagert würden. Der Verordnungsentwurf sieht vor, die Haltung der Tiere in herkömmlichen Käfigen vom Jahr 2006 an zu verbieten.

BUND-Chef Timm wies darauf hin, dass die artgerechte Haltung von Hennen das einzelne Ei nur geringfügig verteuere. Die meisten Menschen akzeptierten dies im Sinne des Tierschutzes. Nach Carstensens Einschätzung sind Verbraucher hingegen kaum bereit, für Eier und Eiprodukte mehr auszugeben. Daher werde es zu verstärktem Import führen, wenn die Produktion von Eiern in Deutschland verteuert werde.

Am 03-10-2001

Ökologischer Landbau

Wer hätte das gedacht: Kuba führt beim Bio-Landbau weltweit. In der Hauptstadt Havanna kaufen die zwei Millionen Einwohner fast ausschließlich im Bio-Garten um die Ecke. Kohl, Zwiebeln, Tomaten, Salat und Küchenkräuter wachsen in der ganzen Stadt in organisch-biologischen Anbau. Fidel Castro hat Pestizide, Agro- und Petrochemie in Havanna verboten. Durch geringen Autoverkehr sind die Luftbelastungen durch Abgase verträglich.

Das Fernseh-Magazin "Dschungel" im WDR 3 zeigte die Agrarwende Kubas der letzten 10 Jahre. Zu fast jedem Bio-Garten gehört ein kleiner Verkaufsladen. Bio-Obst und Biogemüse sind in Kuba keine Luxusartikel, sondern selbstverständlich. Die Bio-Land-Struktur in der Großstadtschaft Gesundheit und Arbeitsplätze. Pflanzen und Menschen werden durch keinerlei Chemie verseucht. Auch Heilkräuter werden massenhaft angebaut. Weil in Kuba Medikamente fehlen, wird altes Heilwissen wiederentdeckt.

Auf der Insel arbeiten 22.000 Menschen in 7000 staatlichen Bio-Gärten. Hinzu kommen 100.000 private Familienbetriebe. Selbst der traditionelle Exportschlager Zucker, wird immer häufiger biologisch angebaut. Viele Zucker-Anbau-Betriebe erhielten inzwischen das Ökosiegel der Europäischen Union.

Kubas Agrarwende ist erklärbar. Durch den Zusammenbruch der alten Sowjetunion hatte auch Kuba vor 10 Jahren große Probleme. Die agrochemischen Produkte wurden sehr teuer und für Kuba unbezahlbar. Die USA boykottieren die Zucker-Insel bis heute. Es drohte eine Hungersnot. Doch aus der Not wurde eine Tugend gemacht: Die Agrarwende begann. Heute sind 25 Prozent der Agrarfläche biologisch angebaut. In der EU sind es zirka fünf Prozent, in Deutschland 2,6 Prozent.

Dr. Emilio Fernandez vom Institut für Ernährungsforschung in Havanna: "Die neunziger Jahre waren eine echte Revolution. Mit der Einführung der biologischen Landwirtschaft wurde nicht nur die Agrarchemie gestoppt, sondern es wurden uns auch die enormen Schäden bewusst, welche die Chemie verursacht hatte." In 10 weiteren lateinamerikanischen Ländern sind jetzt Agrar-Entwicklungshelfer aus Kuba dabei, den friedlichen Teil der kubanischen Revolution zu exportieren. Auch Deutschland kann von Kuba lernen. Dort wird bereits im großen Stile umgesetzt, was in Deutschland diskutiert wird, ob die generelle Agrarwende überhaupt möglich ist.

Am 17-10-2001

Agrarwirtschaft

Der Naturschutzbund Deutschland wirft den Landwirten vor, durch Lobbyverflechtungen die Agrarwende zu behindern. In einer Studie zeigen die Naturschützer Verbindungen von Agrarindustrie, Landwirtschaft, Versicherungen, Banken und der Politik auf. NABU-Geschäftsführer Gerd Billen kritisierte, Bauernvertreter oft gegen die Interessen der eigenen Klientel. Der Bauernverband wies die Kritik zurück.

Die vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung erstellte Studie durchleuchtet am Beispiel von Landwirtschaftskammern sowie der Puten- und Schweinefleischproduktion die Strukturen im Agrarsektor. Eine mit der Studie verbundene Datenbank umfasst den Angaben zufolge mehr als 5.000 Datensätze mit mehr als 1.000 Personen. Billen sagte, für eine erfolgreiche Agrarwende dürfe es kein Geheimnis bleiben, in welchen Gremien und Aufsichtsräten von Politik und Wirtschaft Bauernfunktionäre mitredeten.

Der Deutsche Bauernverband reagierte entrüstet auf die Vorwürfe. Alle Ehrenamtlichen müssten aktive Bauern sein und den Mitgliedern Rechenschaft ablegen.

Seine Kritik verdeutlichte der NABU anhand der Putenfleischerzeugung in Deutschland. Die fünf führenden Konzerne beherrschten mit einem Marktanteil von 80 Prozent die Produktion und betrieben eine eigene Lobbypolitik, sagte Billen. In der Branche bestehe Handlungsbedarf. Der bei der Putenhaltung notwendige hohe Einsatz von Antibiotika gefährde die Gesundheit der Verbraucher und müsse eingeschränkt werden.

Am 20-11-2001

Lebensgrundlagen schützen

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace will im neuen Jahr verstärkt mit Landwirtschaft- und Ernährungskampagnen auf Missstände aufmerksam machen. Der Erfolg der sechsmonatigen Putenkampagne im vergangenen Jahr habe das große Interesse der Verbraucher an diesen Themen gezeigt, sagte Greenpeace-Geschäftsführerin Brigitte Behrens. "Da sind wir weitaus glaubwürdiger als jede Behörde", sagte sie. So hätten die beiden größten Anbieter für Putenfleisch in Deutschland, die Firmen Gutfried und Heidemark, angekündigt, ab 2002 Puten aus akzeptabler Haltung anzubieten.

Greenpeace werde sich aber nicht mit Problemen befassen, die schnelle Erfolge und Spendergeld bringen, sagte Behrens. "Wir werden uns deshalb auch nicht in Themen wie beispielsweise Tierschutz einmischen", fügte sie hinzu. Auch das Aufzeigen von Missständen in der Putenzucht sei kein Tierschutz-, sondern ein Verbraucherthema gewesen. "Wir können uns nur um die wirklich wichtigen Dinge wie die Erhaltung der Lebensgrundlagen kümmern", sagte Behrens.

In der weltweiten Umweltschutzorganisation muss jede Kampagne international abgestimmt werden. Das gilt Behrens zufolge auch für den Verbraucherschutz. Diese Kampagnen müssten vor allem EU-weit gewonnen werden. Sie fügte hinzu: "Was nutzt es uns, wenn sich in Deutschland die Bedingungen ändern, dafür dann aber die Agrarprodukte aus unakzeptablen Produktionsweisen im Ausland bei uns importiert werden?" Derzeit werde international geprüft, ob etwa eine Kampagne gegen die Vernichtung der Mangrovenwälder zur Aufzucht von billigen Shrimps für den europäischen Markt gestartet werden könne und solle.

Neben den Verbraucherschutzthemen will sich Greenpeace in diesem Jahr vor allem auf seine "klassischen" Anliegen Urwälder und Artenschutz, Klima, Gentechnik, Atom und Wale konzentrieren.

Am 04-01-2002

Greenpeace-Studie

Ökologische Landwirtschaft spielt bei der Bekämpfung des Welthungers eine tragende Rolle. Dies belegt die neue von Greenpeace in Auftrag gegebene Studie "The Real Green Revolution" des Wissenschaftlers Nick Parrott von der Cardiff University in Grossbritannien. Demnach werden schon heute in vielen Entwicklungsländern mit ökologischer Landwirtschaft Erträge erzielt, die weit über denen aus der herkömmlichen Landwirtschaft liegen. Vor allem in Gebieten, in denen die Felder unter schwierigen Bedingungen aber ohne Chemikalien oder Gentechnik bewirtschaftet werden, verzeichnen die Bauern enorme Ernteerfolge.

Die Studie, die Greenpeace heute gemeinsam mit IFOAM (International Federation of Organic Agriculture Movements) auf der internationalen Messe für Naturkost in Nuernberg veröffentlichte, wurde Landwirtschaftsministerin Künast persönlich übergeben. Dabei warnte Greenpeace vor der Gefahr, dass grosse Agrarkonzerne mit Patenten auf Pflanzen und Saatgut den Bauern die landwirtschaftliche Produktion zunehmend diktieren und forderte, besonders in den Entwicklungsländern die ökologische Landwirtschaft finanziell zu fördern.

Entgegen der weit verbreiteten Meinung belege die Studie, dass ökologische Landwirtschaft auch in den Entwicklungsländern sehr gut funktioniere, erklärte Oliver Knowles, Sprecher von Greenpeace England. Deshalb müsse Greenpeace umso mehr dem Trend entgegenwirken, dass weltweit operierende Konzerne die Agrarmärkte beherrschten.

Die Studie nennt zahlreiche Beispiele, die den Erfolg der ökologischen Landwirtschaft in Entwicklungsländern belegt. So falle die Baumwollernte der Bauern in Madhya Pradesh/ Indien durchschnittlich um 20 Prozent höher aus, als die ihrer Nachbarn mit konventionellem Baumwollanbau. In Madagaskar liess sich die Reisernte aus dem Anbau mit ökologischen Methoden der SRI (System of Rice Intensification) sogar verdoppeln.

Weltweit wird mehr als ein Viertel des Bodens landwirtschaftlich genutzt. Doch in den vergangenen 50 Jahren degradierten zwei Drittel dieser Fläche durch Erosion, Versalzung und Nährstoffabbau. Massgeblich dazu beigetragen habe, so Greenpeace, die von den Agrarkonzernen propagierte "Grüne Revolution". Diese solle die Hungersnot in den Entwicklungsländern durch Hochertragssorten, Kunstdünger, Pestiziden und neuerdings durch den Einsatz von Gentechnik bekämpfen.

Am 14-02-2002

Greenpeace: Brüssel verheimlicht brisante Gentechnik-Studie

Die herkömmliche Landwirtschaft würde durch den Anbau genmanipulierter Pflanzen massiv gefährdet, die Kosten für konventionelle Bauern und Öko-Landwirte erheblich steigen. Das ist das alarmierende Ergebnis einer geheim gehaltenen Studie für die EU-Kommission, die Greenpeace vorliegt. Zwar sind die Äcker in Europa derzeit weitgehend gentechnikfrei. Auch in Lebensmitteln lassen sich Gen- Mais oder Gen-Soja kaum finden. Brisanz erhält die Studie durch den vehementen Versuch der Industrie, den Anbau neuer Gen-Pflanzen in Europa durchzusetzen. Wenn Gen-Pflanzen der Studie zufolge nur etwa 10 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche bedecken und sich von dort ausbreiten würden, ließe sich Saatgut nicht mehr sauber halten. Um die Verseuchung mit Gen-Pollen zu vermeiden, würden den Landwirten zusätzliche Kosten von bis zu 40 Prozent entstehen.

Kleinere Betriebe wären von den Kosten für die aufwändigen Maßnahmen besonders getroffen. Ökologischer Landbau wäre nur noch mit großen Einschränkungen möglich. Für den Verbraucher hieße dies, dass er nur noch schwer Lebensmittel ohne genmanipulierte Bestandteile finden würde. "Die Industrie lügt. Sie tut so, als wollte sie uns Verbrauchern auch in Zukunft die Wahl lassen zwischen Gen-Food und richtigen Lebensmitteln", sagt Christoph Then, Gentechnik-Experte von Greenpeace. "Sie will uns die Gefahren der Gentechnik aufzwingen. Die Kosten werden denjenigen aufgebürdet, die gentechnikfrei wirtschaften wollen. Die EU darf dem Druck der Gen-Konzerne nicht nachgeben, und es dürfen keine Gen-Pflanzen auf den Acker kommen."

Die Studie des "Institute for Prospective Technological Studies" des "EU Joint Research Centre" wurde nach Greenpeace-Angaben im Januar abgeschlossen. Sie stütze sich im wesentlichen auf Computermodelle und untersuche die Folgen für den Anbau von Raps, Mais und Kartoffeln. Untersucht werde u.a. wie die normale Produktion parallel zum Anbau von Gen-Saaten aufrecht zu erhalten sei.

Der Konflikt um die Zukunft der Gentechnik auf den europäischen Äckern spitzt sich in diesen Wochen zu: Die Industrie fordert von der EU Gesetze, nach denen Saatgut nicht gekennzeichnet werden muss, wenn es mit Gentechnik verunreinigt ist. Obwohl die Mehrheit der Verbraucher in Europa Gentechnik in Lebensmitteln ablehnt, scheint die EU-Kommission diesen Forderungen nachkommen zu wollen. Mehrfach forderte sie die Mitgliedsstaaten auf, den derzeitigen Zulassungsstopp für Gen-Pflanzen aufzuheben.

"Jetzt muss auch Ministerin Künast einschreiten. Deutschland darf diesen verbraucherfeindlichen Plänen nicht zustimmen", fordert Then. "Der Einzelne entscheidet darüber, was auf seinen Teller kommt, nicht die Gentechnik-Konzerne."

Am 16-05-2002

Nitrofen-Skandal

Vor dem Hintergrund des Nitrofen-Futtermittelskandals hat der Naturschutzbund NABU eine Entgiftungsoffensive für die Landwirtschaft gefordert. "Der aktuelle Fall ist weniger ein Bio-Skandal als vielmehr ein weiterer Beweis dafür, dass die chemisch-industrielle Landwirtschaft in die Sackgasse führt", sagte NABU-Präsident Jochen Flasbarth. Die eklatanten Defizite in der konventionellen Landwirtschaft würden nicht zuletzt durch Aussagen im jüngsten Jahresbericht der EU-Kommission belegt, wonach 4,5 Prozent der Lebensmittel in der EU die zulässigen Rückstands-Grenzwerte überschreiten. Dieser alltägliche Skandal sei umso gravierender, als nicht mehr zugelassene Pestizide wie Nitrofen in der Regel aus den Untersuchungsprogrammen herausgenommen worden seien. "Das Risiko des mit konventionellen Produkten aufgenommenen Pestizid-Cocktails kann noch gar nicht genau abgeschätzt werden", so Flasbarth.

Nach Auffassung des NABU müsse der Einsatz von hochgiftigen Pestiziden deutlich reduziert und nicht-chemischen Pflanzenschutzmaßnahmen Vorrang eingeräumt werden "Nur so kann eine weitgehende Rückstandsfreiheit von Ökoprodukten auch in Zukunft garantiert werden", sagte der NABU-Präsident. Darüber hinaus sei eine Verschärfung der Rückstandskontrollen insbesondere bei importierten Lebensmitteln dringend erforderlich. Schließlich zeige der Skandal, dass eine rasche und transparente Aufklärung der Verbraucher ohne Alternative sei. "Anstatt gegen die Agrarwende von Renate Künast zu schwadronieren, sollten die unionsregierten Länder ihre Blockadehaltung gegen das neue Verbraucherinformationsgesetz aufgeben und dem Entwurf am Freitag im Bundesrat zustimmen", so Flasbarth abschließend.

Am 30-05-2002

Futtermittel

Der Nitrofen-Skandal hat jetzt auch die konventionelle Landwirtschaft erreicht. Nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums vom Mittwoch lieferte im vergangenen Jahr ein in Umstellung auf ökologischen Landbau befindliches Unternehmen 72 Tonnen belasteten Weizens an einen Futtermittelbetrieb. Dieser Weizen, der nach Angaben des Parlamentarischen Verbraucherschutz-Staatssekretärs Matthias Berninger eine erhöhte Belastung von 0,346 Milligramm Nitrofen pro Kilogramm enthielt, sei zu konventionellem Tierfutter verarbeitet worden. Bislang wurde Nitrofen nur in Bio-Futter nachgewiesen.

Berninger betonte im Bundestag, auch der neue Fund stamme aus dem Getreidelager im mecklenburgischen Malchin. Die Quelle Malchin sei eindeutig, andere Herkunftsorte von Getreide mit dem krebserregenden Nitrofen seien nicht festgestellt worden. Zugleich versprach Berninger weitere Aufklärung, da Malchin, das zu DDR-Zeiten zentrales Lager für Pflanzenschutzmittel der drei Nordbezirke war, bereits seit 1995 als Getreidelager genutzt worden sei. Allein 1999 waren es den Angaben zufolge 1500 Tonnen. Das Ministerium gehe davon aus, dass auch hier Belastungen möglich gewesen seien.

Am 12-06-2002

Forschung für Tierschutz und Tierhaltung

Zum 1. Juli 2002 wurde an der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) am Standort Celle ein neues Institut für Tierschutz und Tierhaltung gegründet. Bundesverbraucherministerin Renate Künast wird das neue Institut am 17. Juli 2002 feierlich eröffnen. Aufgabe des neu gegründeten Instituts für Tierschutz und Tierhaltung ist es, Bewertungsverfahren für die Haltung (dazu gehören auch Transport und Schlachtung) landwirtschaftlicher Nutztiere zu verbessern und weiterzuentwickeln.

Die Arbeit des Instituts soll sich auf drei miteinander eng verzahnte Säulen stützen: In der grundlagenorientierten Forschung sollen innovative Indikatoren zur Bewertung der Tiergerechtheit entwickelt und ursächliche Faktoren der Belastungsreaktionen von Nutztieren untersucht werden. In der anwendungsorientierten Forschung sollen diese Erkenntnisse genutzt werden, um konkret die Auswirkungen von Haltungssystemen auf Nutztiere zu erforschen. Gleichzeitig sollen Ansätze für die Verbesserung von Haltungsbedingungen entwickelt werden. Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten sollen schließlich der Information von politischen Entscheidungsträgern, Behörden, Verbänden und der Öffentlichkeit dienen.

Mit Dr. Lars Schrader konnte ein international anerkannter Wissenschaftler als Leiter für das neue Institut berufen werden. Dr. Lars Schrader, geboren 1964 in Cuxhaven, studierte nach dem Abitur von 1985 bis 1991 Biologie an der Freien Universität Berlin. Nach dem Abschluss seiner Diplomarbeit am Institut für Verhaltensbiologie war er dort als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. In dieser Zeit fertigte er auch seine Dissertation an und wurde 1996 promoviert. 1998 wechselte er in die Schweiz zum Institut für Nutztierwissenschaften der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, wo er als Oberassistent tätig war.

Celle hat als Standort für landwirtschaftliche Forschungseinrichtungen eine lange Tradition. Ein großer Sohn Celles, Albrecht Daniel Thaer, gründete dort 1802 die erste akademische Lehranstalt für den Landbau. 200 Jahre nach der Thaerschen Gründung entsteht nun in Celle das neue FAL-Institut für Tierschutz und Tierhaltung.

Am 12-07-2002

EU-Agrarreform

In der Debatte um die Reform der EU-Agrarpolitik hat der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv) die Vorschläge des EU-Agrarkommissars Fischler im Rahmen der Agenda 2000 als "grundsätzlich positiv" begrüßt. "Damit wird endlich die Grundlage geschaffen, eine nachhaltige Landbewirtschaftung mit umweltfreundlichen und sozial verträglichen Leistungen auch wirtschaftlich zu belohnen", so Prof. Dr. Edda Müller, Vorstand des vzbv. Die Agrarpolitik der vergangenen Jahrzehnte hätte maßgeblich dazu beigetragen, dass die wirtschaftlichen Interessen der Betriebe zunehmend im Widerspruch zu ökologischen, sozialen und auch volkswirtschaftlichen Zielen der Gesellschaft stünden. Diese Fehlsteuerung sei mit den Vorschlägen noch lange nicht behoben, betonte Edda Müller, doch die Zustimmung der EU-Regierungen zu dem Programm sei unerlässlich für eine Kehrtwende.

Vor allem die angestrebte Entkopplung der Direktzahlungen von der Produktion zugunsten der Förderung des ländlichen Raumes und die Kopplung der Zuschüsse an Auflagen des Tier- und Umweltschutz und der Produktqualität bezeichnete der vzbv als wegweisend. Dadurch würden Betriebe, die Umwelt- und Tierschutzstandards, Vorgaben zur Lebensmittelsicherheit und zur Pflege der Kulturlandschaf einhalten, belohnt und nicht wie bisher durch Mehrkosten benachteiligt. "Der Einsatz für Umwelt und Qualität muss sich rechnen", so Edda Müller. Auch das Vorhaben, die Garantiepreise bestimmter Agrarprodukte schrittweise zu senken, gehe in die richtige Richtung.

Diese neue Stoßrichtung werde - gerade vor dem Hintergrund immer neuer Lebensmittelskandale - dem Wunsch vieler Verbraucher nach gesunden Nahrungsmitteln und dem Erhalt der Kulturlandschaft und der Artenvielfalt gerecht. Der vzbv wies darauf hin, dass neben den Verbrauchern vor allem auch die Landwirte selber Leidtragende der bisherigen EU-Agrarpolitik seien, indem sie durch die Rahmenvorgaben und den Konkurrenzkampf zu einem Verhalten veranlasst werden, bei dem es in erster Linie um Kostenwettbewerb und nicht um Wettbewerb um Qualität und Vielfalt ginge.

Angesichts der angestrebten Erweiterung der Europäischen Union, dem Druck der Entwicklungsländer und der WTO sei die Fortsetzung der bisherigen Subventionspolitik weder finanziell noch politisch zukunftsfähig. Grundsätzlich äußerte sich der vzbv skeptisch zur Höhe der Finanzierung und forderte insbesondere eine sukzessive Reduzierung der Exportsubventionen. Derzeit beläuft sich der EU-Agrarhaushalt auf jährlich etwa 40 Milliarden Euro. Dies bedeutet, dass der deutsche Steuerzahler - bei einem nationalen Anteil von knapp 26 Prozent am Gesamtetat - die derzeitige agrarpolitische Marschroute mit rund 13 Euro pro Kopf und Monat unterstützt.

Am 15-07-2002

Flutopfer

Die Unwetter der vergangenen Tage haben nach Angaben von Verbraucherschutzministerin Renate Künast Agrarschäden in 7 der 16 Bundesländer angerichtet. In einigen Regionen müsse mittlerweile mit Totalausfällen gerechnet werden, sagte Künast. In anderen Gebieten könne das Brotgetreide aufgrund der hohen Feuchtigkeit maximal noch als Futtergetreide genutzt werden. Das ganze Ausmaß der Schäden sei wegen der anhaltenden Regenfälle aber noch nicht absehbar.

Von Unwetterschäden betroffen sind neben Sachsen und Bayern auch die Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Um die Folgen für die Landwirte zu mildern, ist laut Künast ein 10-Millionen-Euro-Sofortprogramm aufgelegt worden. Zudem stünden bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank 100 Millionen Euro bereit, um zinsgünstiges Darlehen zu vier Prozent auszureichen.

Am 14-08-2002