Aufschwung nach der Krise

Herbstgutachten - Wirtschaftsweise erhoffen Aufschwung im nächsten Jahr

Die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihr Herbstgutachten vorgelegt. Die wirtschaftswissenschaftlichen Institute rechnen aufgrund der konjunkturellen Schwächephase für 2001 mit einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts von real 0,7 % gegenüber dem Vorjahr. Die Abschwächung des Wachstums in Deutschland führen sie auf das negative weltwirtschaftliche Umfeld, den Ölpreisschock und die Folgewirkungen straffer Geldpolitik zurück. Die Auswirkungen der Terroranschläge würden das Wirtschaftsklima zusätzlich belasten. Dagegen hätten die Steuerreform der Bundesregierung sowie die maßvollen Lohnabschlüsse stabilisierend gewirkt.

Angeregt von der Erholung der Exporte und einer kräftigen Inlandsnachfrage erwarten die Institute für das kommende Jahr wieder eine Belebung der Konjunktur mit einem Wachstum des BIP von real 1,3 %. Diese Einschätzung entspricht im Wesentlichen den voraussichtlichen Ergebnissen der Herbstprojektion der

Bundesregierung. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen weltpolitischen Lage verweisen die Institute allerdings auch auf die Risiken, mit denen ihre Projektion behaftet ist.

Angesichts der vorgenommenen Steuerentlastungen sieht die Bundesregierung gegenwärtig keine Möglichkeit für weitere konjunkturanregende Maßnahmen, wie z.B. das von den Instituten angeregte Vorziehen der für das Jahr 2003 beschlossenen nächsten Stufe der Steuerreform. Durch die Verpflichtungen im Europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt sind die nationalen Spielräume für die Bundesregierung eng begrenzt. Ein Festhalten an dieser mittelfristig soliden Politik und die rückläufige Inflation erleichtert es der Europäischen Zentralbank, mittels

günstiger geldpolitischer Konditionen ohne Gefährdung der Preisstabilität den Erholungsprozess in Europa zu unterstützen.

Die sechs Institute sind:

* Institut für Wirtschaftsforschung (ifo): www.ifo.de

* Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel (ifw): www.uni-kiel.de/ifw

* Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Berlin (DIW): www.diw.de

* Hamburgisches Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA): www.hwwa.de

* Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung, Essen (RWI): www.rwi-essen.de

* Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH): www.iwh-halle.de

Am 24-10-2001

Baugewerbe

Das deutsche Bauhauptgewerbe sieht auch für dieses Jahr noch keine Aufhellung der Branchenkonjunktur. "Wir rechnen mit Umsatzeinbußen von etwa 2,3 Milliarden Euro. Dies bedeutet ein Minus von 2,5 Prozent", prognostizierte der Präsident der Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe (ZDB), Arndt Frauenrath, am Mittwoch in Berlin. Als Folge werde die Beschäftigtenzahl bundesweit um weitere 40 000 bis 50 000 Stellen zurückgehen, erklärte er. Im abgelaufenen Jahr war sie um rund 95 000 Jobs auf nur noch 954 000 Beschäftigte gesunken. Sie fiel damit erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik unter die Millionenmarke.

Die Bauinvestitionen werden nach ZDH-Einschätzung noch um zwei Prozent zum Vorjahr sinken. Dabei sei der Wohnungsbau mit einem erwarteten Rückgängen von drei Prozent erneut am stärksten betroffen. 2001 sanken die Bauinvestitionen laut Branchenverband um 5,7 Prozent. Rund 71 Prozent des gesamten Rückgangs um 13,8 Milliarden Euro wurden dabei durch die negative Entwicklung im Wohnungsbau verursacht. Dort betrug das Minus den Angaben zufolge sieben Prozent.

In der jetzt angelaufenen Tarifrunde für das Bauhauptgewerbe fordert die IG Bauen-Agrar-Umwelt dennoch 4,5 Prozent mehr Einkommen, damit die Bauleute nicht von der notwendigen Einkommenssteigerung abgekoppelt würden. Sie verlangt zudem gleiche Tarife für die Beschäftigten in Ost und West. Die Löhne in den neuen Ländern liegen erst bei 89 Prozent des Westniveaus. Gefordert werden außerdem einheitliche Mindestlöhne am Bau für die alten und die neuen Länder sowie wirksamere Maßnahmen gegen illegale Beschäftigung und Dumpingangebote ausländischer Bauunternehmen.

Das Argument, nur Lohnzurückhaltung oder sogar Verzicht machten Arbeitsplätze sicherer, sei von der Wirklichkeit schmerzhaft widerlegt, betont die Gewerkschaft. 2001 habe bei der Vernichtung von Arbeitsplätzen einen "Negativrekord" ausgerechnet in einem Jahr gebracht, in dem mit 1,6 Prozent Zuwachs (West) die niedrigste Lohnerhöhung seit Jahren erfolgt.

Die Bauarbeitgeber weisen die Forderungen angesichts der ungelösten konjunkturellen und strukturellen Probleme zurück. Sie sehen "keinen Verteilungsspielraum". Die Baubranche befinde sich in einer "tiefen Talsohle" und habe "das schlimmste Jahr der Nachkriegsgeschichte" durchlebt. Der Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken rechnen mit einem Andauern der Baukrise zumindest bis 2003. Erst dann sei mit einer Belebung zu rechnen, aber nur, wenn sich das gesamtwirtschaftliche Wachstum erhole.

Am 27-02-2002

Bio-Technologie

Die deutsche Biotechnologiebranche ist auf dem Weg in eine erste Konsolidierungsphase. Das geht aus dem aktuellen Biotech-Report "Neue Chancen" hervor, den Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn vorstellte. Demnach ist die Zahl der Beschäftigten in der Branche im Jahr 2001 um 35 Prozent auf gut 14 000 gestiegen. Die Zahl der Unternehmen nahm um zehn Prozent auf 365 zu, gleichzeitig kletterte der Umsatz der Branche erstmals über die Schwelle von einer Milliarde Euro.

Alfred Müller, Vorstandsmitglied der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, die den Report erarbeitet hat, wertete diese Zahlen als Zeichen für die zunehmende Reife der Branche. Dass der Umsatzsteigerung um 33 Prozent ein Anstieg der Verluste vor Steuern um 66 Prozent gegenüber steht, sei vor allem darauf zurückzuführen, dass viele Unternehmen gerade im Wandel vom Dienstleister zum Produktanbieter begriffen seien. Da die hierfür nötigen Investitionen sich nach einer gewissen Vorlaufzeit in deutlich höheren Gewinnen auszahlten, sei aber auch dies letztlich ein Zeichen für die gute Entwicklung der Branche.

Bulmahn sieht sich durch den Report in ihrem Kurs der Förderung des Biotech-Standorts Deutschland bestätigt. Die Bundesregierung habe hier mit gezielter Innovationsförderung die Voraussetzungen für mehr Wachstum geschaffen. Die Biotechnologie sei in Deutschland keine Randgröße mehr, sondern eine auch für den Arbeitsmarkt bedeutsame Branche. Dies gelte insbesondere für die mittelbar von der Biotechnologie abhängigen Arbeitsplätze, deren Zahl sich sogar um bis zu 350 000 erhöht habe.

Am 07-05-2002

DIHK reduziert seine Erwartungen für 2003

Die Hiobsbotschaften zur konjunkturellen Entwicklung in der deutschen Wirtschaft reißen nicht ab. Laut Herbstumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) bleibt der Aufschwung in diesem Jahr aus und kommt auch 2003 nicht auf Touren. Das Wachstum im laufenden Jahr tendiere gegen Null, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben am Mittwoch in Berlin. Mehr als ein Prozent Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt sei auch im kommenden Jahr nicht zu erwarten. Das Statistische Bundesamt ermittelte für August einen beschleunigten Rückgang der Industrieumsätze.

Für den DIHK haben sich alle Hoffnungen auf einen wirtschaftlichen Aufschwung noch in diesem Jahr als trügerisch erwiesen. Im Winter müsse sich Deutschland konjunkturell auf eine Durststrecke einstellen. Selbst rezessive Tendenzen seien nicht auszuschließen. Das Konsumklima dürfte im Verlauf des kommenden Jahres durch eine Ausweitung der Exporte zwar etwas aufhellen, sagte Wansleben. Wegen großer Unsicherheiten im Zusammenhang mit der weltpolitischen Entwicklung bleibe die Konjunktur aber "weiter sehr labil". Die andauernde Konsumflaute ist laut DIHK auch im kommenden Jahr die Schwachstelle des Inlandsgeschäftes. Von den aktuellen Unternehmensplanungen gingen für das kommende Jahr weder für die Investitionstätigkeit noch für den Arbeitsmarkt ermutigende Signale aus.

Der Umsatz der deutschen Industrie fiel im August überdurchschnittlich stark. Die Erlöse sanken gegenüber dem Vorjahresmonat um 4,4 Prozent auf rund 103,5 Milliarden Euro, meldete das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Damit lag der Rückgang über dem für die ersten acht Monate ermittelten Niveau von drei Prozent. Der Auslandsumsatz sei im August mit rund 38 Milliarden Euro um 1,1 Prozent niedriger ausgefallen als im Vorjahr. Gleichzeitig sank die Zahl der Beschäftigten den Angaben zufolge um 3,4 Prozent auf 6,22 Millionen.

In der Luft- und Raumfahrtindustrie bewerten inzwischen 63 Prozent der Firmen die Stimmungslage als schlechter als vor zwölf Monaten. Nur knapp 13 sehen eine Besserung, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), Rainer Hertrich, in Berlin. Für das laufende Jahr erwarten fast 50 Prozent der Firmen in der Branche niedrigere Umsätze und nur 22 Prozent eine bessere Geschäftsentwicklung. 30 Prozent der Firmen wollen Beschäftigte abbauen, Neueinstellungen planen 20,5 Prozent. Bei den Investitionen wollen 38 Prozent sparen, 18 Prozent planen eine Ausweitung der Investitionen, führte Hertrich weiter aus. Immerhin rechnet der Verband mittel- und langfristig im deutschen und europäischen Luftverkehr mit einer jährlichen Steigerung der Passagierzahlen um rund fünf Prozent, beim Frachtaufkommen um sechs bis sieben Prozent.

Am 16-10-2002

Regenerative Energien

Im laufenden Jahr kann die Stromerzeugung aus Windenergie in Deutschland auf 21 bis 24 Milliarden Kilowattstunden klettern. Davon geht das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) in Münster in einer am Montag veröffentlichten Prognose aus. Im vergangenen Jahr seien bundesweit 16,5 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Wind erzeugt worden. Schon 2002 habe die Branche weltweit ein Rekordwachstum verbucht. Insgesamt könnten im laufenden Jahr erstmals mehr als 50 Milliarden Kilowattstunden aus regenerativen Energiequellen erzeugt werden, was einem Anteil von neun Prozent am Stromverbrauch entspreche, schätzte das IWR.

2002 wären bundesweit rund 2330 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 3168 Megawatt (MW) neu errichtet worden, wodurch die installierte Gesamtleistung auf rund 12.000 MW gewachsen sei.

Damit liege Deutschland als Windkraft-Weltmeister im globalen Trend: Die Windenergie-Branche habe 2002 insgesamt ein Rekordwachstum verbucht, teilten die amerikanischen und europäischen Windenergie- Verbände mit.

Weltweit seien 6868 MW zusätzliche Windenergie-Kapazitäten erstellt worden, plus 28 Prozent. Der Wert der neu installierten Windenergie-Kapazitäten habe 6,8 Milliarden Euro (7,3 Milliarden Dollar) betragen. Die EU-Länder hätten dabei die höchsten Zuwachsraten erreicht.

Die installierte globale Windenergie-Kapazität erhöhte sich danach im vergangenen Jahr auf 31.000 MW. Die installierte EU-Kapazität sei um 33 Prozent auf 23.056 MW gestiegen. Insgesamt hätten sich die globalen Windenergie- Kapazitäten seit Ende 1997 vervierfacht.

Am 04-03-2003

Flaute

Die Konjunktur in Deutschland kommt nicht in Fahrt. Bereits seit drei Jahren stagniert die gesamtwirtschaftliche Produktion nahezu. Das berichtet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Unterbrochen würde diese Tendenz von allenfalls zaghaften und nur kurzen Belebungsphasen. Im Unterschied zu früheren Flauten könne eine aussufernde Lohnentwicklung nicht verantwortlich gemacht werden. Vielmehr nennt das Institut vielfältige Beeinträchtigungen der Nachfrage als maßgebliche Ursache der wirtschaftlichen Schwäche.

Der aktuelle Wochenbericht des DIW Berlin 20/2003 vergleicht die gegenwärtige wirtschaftliche Schwäche mit entsprechenden früheren Phasen, und zeige Unterschiede, die die aktuelle Entwicklung als ein neuartiges Stagnationsphänomen erscheinen liessen.

Die gegenwärtige Konjunkturschwäche halte ungewöhnlich lange an, so das DIW. Die Ursachen hierfür lägen im Wesentlichen in der schwachen Binnenkonjunktur. Eine starke Verunsicherung der Konsumenten und Investoren sowie eine zögerliche Geldpolitik seien hierfür maßgeblich. Vieles sprche dafür, dass die Unsicherheit nicht in nachhaltig verschlechterten Angebotsbedingungen begründet sei. Hierzu gebe die Lohnentwicklung keinen Anlass. Die ausgeprägte Lohnzurückhaltung stärke eher die Angebotsbedingungen, sie schwächte aber die Nachfrage.

Die akkumulierte Wettbewerbsstärke der deutschen Unternehmen auf den Auslandsmärkten habe zwar die Schwäche der Gesamtnachfrage mildern können, nicht aber die Ausfälle der Binnennachfrage voll kompensiert. Damit liege ein im Vergleich zu früheren Zyklen neuer Typus "nachfragebedingter Stagnation" und damit verbundener Unsicherheit vor, der die Wirtschaftspolitik zu zögerlich begegne.

Am 14-05-2003

Internet wird stärker

Martin Sorrell, Chef der weltgrößten Werbe- und PR-Gruppe WPP, hat bei der World Association of Newspapers in Dublin einen Aufschwung für den problembehafteten Medien- und Werbe-Sektor vorhergesagt. Das berichtet die Financial Times. Allerdings dürfe die Industrie sich keine Wiederholung von einigen "Exzessen" aus der Vergangenheit erwarten, so Sorrell. Die Ursache für den Auftrieb sieht Sorrell in den Olympischen Spielen in Athen, in der europäischen Fußballmeisterschaft sowie in der Präsidentenwahl in den USA.

Nach drei Jahren Turbulenzen werde 2004 zwar ein erfolgreiches Jahr für die Branche werden, die Umsätze der 90er-Jahre würden jedoch nie wieder erreicht werden können, so Sorrell. "Wir müssten in die 1920er Jahre zurückgehen, um den 90er- Jahren entsprechende Zustände zu finden, und wir alle wissen, was 1930 passiert ist", erklärt Sorrell. Einen richtigen Boom sieht der einflussreiche Medienexperte erst im Jahr 2008, wenn die Olympischen Spiele in Peking und eine weitere US-Wahl anstehen.

Sorrell warnte außerdem davor, die Kraft des Internets zu unterschätzen. Allein im letzten Jahr habe es der Branche eine Milliarde Dollar von insgesamt sechs Milliarden eingebracht. Der Fehler vieler Firmen mache andere glauben, dass der Web-Boom vorbei sei. Dem widerspricht jedoch Sorrell. Er warnte auch Firmen davor, Preis-Kriege einzusetzen, um ihre Verkäufe anzukurbeln. Stattdessen lobt er jene Medienunternehmen, die trotz der Schwierigkeiten im Sektor in ihre Produkte investierten.

Am 11-06-2003

Kirchner "speiste Gläubiger ab"

Die Verschuldung der Staatshaushalte ist in aller Munde. Erhebliche Teile der Steuergelder werden dafür aufgewendet, um die Zinsen zu bezahlen. Öffentliche Ausgaben werden gekürzt. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ), eine von Deutschlands führenden Wirtschaftszeitungen, wirft den Blick auf Argentinien. Präsident Néstor Kirchner und sein Vorgänger Eduardo Duhalde haben nach Auffassung der Zeitung "mit geschickten Verhandlungen" und reichlich Glück die schwerste Wirtschaftskrise des Landes überwunden. Das Rezept: Argentinien hatte zur Jahreswende 2001/2002 die Schuldenzahlungen eingestellt, zahllose Verträge gebrochen und die Landeswährung dem freien Fall überlassen. Als erstes hätte es gegolten, "den maximalen Vorteil aus dem Zahlungsmoratorium zu ziehen und sowenig wie möglich an die Gläubiger zu zahlen." Eine weitere "Leitlinie" sei ein ausgeglichener Staatshaushalt gewesen.

Diese Politik habe die Regierung bisher mit großem Erfolg umgesetzt, schreibt die Frankfurter Allgemeine. Erst die Ignorierung der Devisenschulden habe es möglich gemacht, den Peso abzuwerten. Der hohe Dollarkurs erlaube es, "die Gewinne der Exporteure mit neuen Steuern abzuschöpfen".

Die Einstellung der Zinszahlungen und die Erlöse aus den Exportsteuern erzeugten hohe Überschüsse in der Staatskasse und "erlaubten die Auflage von Konjunktur- und Sozialprogrammen".

Die privaten Gläubiger habe der konservative Präsident Kirchner im Frühjahr 2005 nach drei Jahren des Hinhaltens "mit einem geschickt konzipierten und ungewöhnlich knauserigen Umschuldungsangebot" abgespeist. Für die Anleger habe es einen wertmäßigen Verlust von rund zwei Dritteln ihrer Ansprüche bedeutet.

Auch den Internationalen Währungsfonds (IWF) habe Argentinien in die Schranken verwiesen. Der argentinische Präsident zahle fällig werdende IWF-Kredite einfach zurück und verbitte sich jegliche Einmischung aus Washington .

Am 23-08-2005

Wirtschaftsaufschwung

Der Schätzerkreis zur Rentenversicherung hält 2008 eine Rentenerhöhung von 1,03 Prozent in den alten und von 1,13 Prozent in den neuen Bundesländern für möglich. Nach Auffassung des stellvertretenden Vorsitzenden der Linksfraktion, Klaus Ernst, ist die geplante Rentenerhöhung im Jahr 2008 vor diesem Hintergrund "ein sozialpolitischer Skandal erster Güte". Der Schätzerkreis der Rentenversicherung habe den rentenpolitischen Offenbarungseid der Bundesregierung eingeleitet. Mitten im Wirtschaftsaufschwung müssten die Rentnerinnen und Rentner weiter auf eine echte Rentenerhöhung warten, vor allem weil die Lohnentwicklung immer mehr hinter dem Wirtschaftswachstum zurück bleibe.

Die "lohnpolitischen Versäumnisse" der Vergangenheit, vor allem "die beharrliche Weigerung einen Mindestlohn einzuführen", rächen sich nach Meinung von Ernst einmal mehr bitter. "Die Minirentenerhöhung von etwas mehr als einem Prozentpunkt macht für den Eckrentner weniger als 10 Euro im Monat aus. Ein Vielfaches dessen verschlingen die Preisanstiege bei Lebensmitteln, Strom, Wasser und Gas. Übrig bleibt eine weitere Kürzung der Nettorenten."

Die Reformen der Regierungen Schröder und Merkel hätten "das einstmals vorbildliche deutsche Rentenversicherungssystem" nachhaltig beschädigt, kritisiert Ernst. "Die Linke fordert eine Wiederbelebung der bewährten Rentenformel. Die Dämpfungsfaktoren müssen weg, weil sie verhindern, dass der Aufschwung bei den Rentnerinnen und Rentnern ankommt."

Am 31-10-2007

Rentenanhebung um 0,54 Prozent bei 2,2 Prozent Inflation

Die Opposition im Bundestag widerspricht der Regierungsdarstellung, wonach der Aufschwung bei den Menschen angekommen sei. Sinkende offizielle Arbeitslosenzahlen allein seien noch kein Aufschwung für die breite Masse, betonten Redner von FDP, Linke und Grüne am 13. Februar im Bundestag in einer von den Liberalen beantragten Aktuellen Stunde des Parlaments. "Der Einzige, bei dem der Aufschwung so richtig angekommen ist, ist der Staat", sagte der FDP-Abgeordnete Volker Wissing. Wie die FDP beklagten auch Linke und Grüne, dass vor allem Rentner und "Hartz-IV"-Empfänger leer ausgingen. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, Klaus Brandner (SPD) widersprach dieser Darstellung.

Die Arbeitslosenzahl sei im Januar um 1,35 Millionen gegenüber dem Zeitraum vor zwei Jahren gesunken. "Die Menschen profitieren von der guten Entwicklung am Arbeitsmarkt", so Brandner. Auch sei es richtig, keine "Rentenentwicklung nach Kassenlage" zuzulassen. Mit den Neuregelungen sei es gelungen, die Nachhaltigkeitsreserve aufzustocken und sicherzustellen, dass der Rentenbeitragssatz bis 2010 konstant gehalten und danach wieder abgesenkt werden könne.

Wissing entgegnete, eine Rentenanhebung um 0,54 Prozent im vergangenen Jahr entspreche bei einer Inflation von 2,2 Prozent einem realen Minus. Auch verschweige die Regierung, dass immer mehr Menschen auf ihre Spareinlagen zurückgreifen müssten. Die Mehreinnahmen in Milliardenhöhe seien also "Mehrbelastungen der Bürger". Der Linke-Politiker Klaus Ernst monierte, "die Regierung klaut mit ihrer Politik den Rentnern die Rente".

Am 13-02-2008

Wer profitierte?

Der wirtschaftliche Aufschwung der vergangenen drei Jahre ist offenbar auch in seiner Spätphase an den meisten Beschäftigten, Rentnern und Beziehern von Sozialleistungen vorbeigegangen. Das jedenfalls ergibt sich aus einer neuen Untersuchung, mit der das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung seine Studie "Wer profitierte vom Aufschwung?" fortschreibt. Der Zuwachs an Wirtschaftsleistung sei in den vergangenen drei Jahren ganz überwiegend den Beziehern von Gewinn- und Vermögenseinkommen zugeflossen.

Der Zuwachs an Wirtschaftsleistung sei in den vergangenen drei Jahren ganz überwiegend den Beziehern von Gewinn- und Vermögenseinkommen zugeflossen.

Insbesondere die Unternehmen konnten laut IMK ihre Gewinne stark steigern. Die realen Nettolöhne je Beschäftigtem seien dagegen im zu Ende gehenden Aufschwung insgesamt um 3,5 Prozent gesunken - ungeachtet der stärkeren Lohnentwicklung in den vergangenen Monaten. Trotz eines Beschäftigungsanstiegs um 3,3 Prozent verringerte sich den Angaben zufolge das reale Nettolohneinkommen aller Beschäftigten zusammengenommen um 0,3 Prozent.

Das reale Einkommen eines Vier-Personenhaushalts mit einem Alleinverdiener sei während der 13 Aufschwung-Quartale um 3,5 Prozent gesunken, das eines Ein-Personen-Haushalts um 2,6 Prozent. Derartige Reallohnverluste in einer Phase wirtschaftlicher Prosperität sind nach Angaben der Wirtschaftsforscher neu: "Im vorigen Aufschwung, der elf Quartale zwischen 1998 und 2001 umfasste, stiegen die realen Nettolöhne pro Kopf noch um vier Prozent."

Auch die staatlichen Transfers an die privaten Haushalte, darunter die Renten, haben sich laut IMK "real deutlich reduziert. Preisbereinigt sanken diese Transfers um sieben Prozent. Im vorigen Aufschwung waren sie hingegen um rund vier Prozent gestiegen. Insgesamt stagnierte das preisbereinigte verfügbare Einkommen der privaten Haushalte, während es im letzten Aufschwung noch um sieben Prozent gewachsen war."

"Es ist nicht nur ein mehrheitliches Gefühl der Bevölkerung, dass sie vom Aufschwung nicht profitiert. Es ist Realität. Trotz eines gut dreijährigen Konjunkturaufschwungs ist die reale Einkommenssituation vieler Haushalte heute schlechter als zuvor", schreiben die Wissenschaftler. Dazu hätten neben "verhaltener Lohnentwicklung" und geringeren Transfers auch die Mehrwertsteuererhöhung beigetragen. Der Steueraufschlag um drei Prozentpunkte habe "deutliche Preiseffekte" ausgelöst - schon längere Zeit, bevor die Preise für Energie und Lebensmittel anzogen und die Inflation weiter beschleunigten. Der reale private Konsum stagnierte in diesem Aufschwung offenbar fast mit einem Zuwachs von nicht einmal einem Prozent. Im Aufschwung zur Jahrtausenwende stieg er den Angaben zufolge noch um insgesamt 7,5 Prozent.

Am 28-08-2008