Atomkraftwerk Krümmel Rückblende

Unzuverlässiger AKW-Betreiber - Robin Wood fordert Absage des Atommülltransports aus Krümmel

Nach Recherchen der Umweltorganisation Robin Wood wird voraussichtlich in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch kommender Woche ein Atommüllzug mit drei Risiko-Behältern des Typs NTL 11 aus dem Atomkraftwerk Krümmel in die britische Plutoniumfabrik Sellafield fahren. Angesichts der Unzuverlässigkeit des Anlagebetreibers HEW fordert Robin Wood die Aufsichtsbehörden und das Bundesamt für Strahlenschutz dringend auf, den Transport abzusagen.

Im Dezember vergangenen Jahres war es im AKW Brunsbüttel zu einem der schwersten Störfälle gekommen, der sich jemals in einem deutschen Atomkraftwerk ereignet hat. Weil die Hamburger Elektrizitätswerke etwa zwei Monate nicht bereit waren, die Anlage für eine Inspektion herunterzufahren, bezweifeln inzwischen sowohl das schleswig-holsteinische Energieministerium als auch das Bundesumweltministerium die Zuverlässigkeit des Betreibers.

"Es kann nicht angehen, dass ein Unternehmen, dessen Zuverlässigkeit von den zuständigen Behörden in Zweifel gezogen wird, von den gleichen Behörden nicht daran gehindert wird, hochgiftigen Atommüll quer durch die Republik zu transportieren", erklärt Bettina Dannheim, Strahlenbiologin und Energiereferentin von Robin Wood.

Die HEW betreiben nicht nur das AKW Brunsbüttel, sie sind aufgrund ihrer 50-Prozent-Beteiligung auch für das AKW Krümmel verantwortlich. Die dortigen Vorkommnisse belegen nach Robin Wood-Ansicht, dass es massive Mängel im Sicherheitsmanagment der HEW gibt. Ein Viertel aller meldepflichtigen Ereignisse, die zwischen April und Juni vergangenen Jahres in deutschen Atomkraftwerken passierten, seien im AKW Krümmel geschehen. Daher habe die Landesaufsicht dem Betreiber bereits im Sommer zur Auflage gemacht, die "Mängel in der Sicherheitskultur" zu beheben, bevor der Reaktor wiederangefahren werden dürfe. Trotzdem sei bereits am 19. November 2001 der nächste Störfall gefolgt. Bei einer so genannten wiederkehrenden Prüfung ließ sich eine von zwei Armaturen der Entwässerungsleitung des Sicherheitsbehälters nicht schließen. Bei der Untersuchung zeigte sich, dass der Betreiber gegen Sicherheitsvorschriften verstoßen hatte.

Die Kette an Störfällen allein bei der HEW zeige, dass Atomkraftwerke in Deutschland nicht sicher betrieben werden können. Daher wollen sich Robin Wood-AktivistInnen an Protesten gegen den Atommülltransport nach Sellafield beteiligen und für einen sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie demonstrieren.

Am 15-03-2002

Atomkraft

Aktivisten der Umweltorganisation ROBIN WOOD ist es gelungen, im Hamburger Stadtteil Bergedorf den Zug mit Atommüll aus dem AKW Krümmel auf seinem Weg in die britische Plutoniumfabrik Sellafield zu blockieren. Mit ihrer Aktion wollten die Umweltschützer auf die Gefahren des Transports aufmerksam machen und demonstrierten für die sofortige Stilllegung aller Atomkraftwerke. Der Zug mit den drei Risikobehältern des Typs NTL 11 aus Krümmel soll mit weiteren Behältern aus den Atomkraftwerken Brokdorf, Grohnde und Neckarwestheim zusammen gekoppelt werden, bevor er die französische Grenze passieren wird.

Der Zug wurde zwischen Escheburg und Bergedorf aufgehalten. Dort haben sich vier ROBIN WOOD-Aktivistinnen mit Hilfe eines Stahlrohres an das Bahngleis gekettet. An derselben Stelle sind zwei weitere Mitglieder der Umweltorganisation auf ein zuvor aufgerichtetes Dreibein aus Gerüststangen geklettert und haben sich dort in vier Meter Höhe über dem Boden befestigt. Durch die Aktion verzögert sich die Weiterfahrt des Atommüll-Zuges bis auf weiteres.

ROBIN WOOD hat in den vergangenen Wochen die Aufsichtsbehörden und das Bundesamt für Strahlenschutz mehrfach dringend aufgefordert, den Transport abzusagen.

Die Hamburger Elektrizitätswerke seien kein zuverlässiger Betreiber, so ROBIN WOOD in seiner Begründung. So hat die HEW mit dem Störfall in Brunsbüttel vom Dezember vergangenen Jahres einen der schwersten Störfälle zu verantworten, der sich jemals in einem deutschen Atomkraftwerk ereignete.

Die Sicherheit der drei Behälter des Typs NTL 11, in denen die hochgiftige Fracht transportiert wird, sei nicht ausreichend geprüft. Der Behältertyp hätte 1998 mehrere Falltests nicht überstanden und hätte daher aus dem Verkehr gezogen werden müssen. Jetzt werden die Behälter wieder eingesetzt, ohne zuvor realen Belastungstests unterzogen worden zu sein. Daher könne niemand voraussagen, ob die Behälter bei einem Unfall wirklich dicht blieben.

Bei ungünstigen Wetterverhältnissen würde die Bevölkerung im Radius von mehr als zehn Kilometern um die Unfallstelle verstrahlt. Tausende müssten umgesiedelt und das Stadtgebiet dekontaminiert werden. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten, das die Gruppe Ökologie Hannover im Auftrag der Stadt Hamburg erstellt hat.

Am 21-03-2002

Zuviel Radioaktivität

Das Atomkraftwerk Krümmel im schleswig-holsteinischen Geesthacht muss außerplanmäßig vom Netz. In den vergangenen Wochen sei eine deutlich erhöhte radioaktive Belastung des Reaktorwassers festgestellt worden, teilte der Kraftwerksbetreiber HEW am Mittwoch in Hamburg mit. Darum werde der Reaktor am Donnerstag abgeschaltet, um einzelne Brennelemente auszutauschen.

Ursache für die erhöhten Messwerte sind nach HEW-Angaben Undichtigkeiten in Hüllrohren einzelner Brennstäbe. Die Arbeiten werden voraussichtlich gut eine Woche dauern. Die planmäßige Revision des Kraftwerks ist für August vorgesehen.

Am 08-05-2002

Heruntergefahren

Das schleswig-holsteinische Atomkraftwerk Krümmel ist aufgrund eines technischen Defekts heruntergefahren worden. Das teilte das Kieler Energieministerium mit. Nach Angaben des Kraftwerksbetreibers, der Hamburgischen Electricitätswerke AG, war an der Dichtung einer Entwässerungsleitung von etwa 2,5 Zentimetern Durchmesser ein Leck entstanden. Es seien aber keine radioaktiven Stoffe freigesetzt worden, sagte HEW-Sprecher Johannes Altmeppen. Das Herunterfahren wurde dem Ministerium zufolge in Abstimmung mit der Atomaufsicht eingeleitet.

Altmeppen zufolge ist der Austausch der Dichtung nur möglich, wenn Leitung und Sicherheitsbehälter nicht unter Druck stehen. Als Voraussetzung dazu müsse der Reaktor heruntergefahren werden. Im Gegensatz zu einem Vorfall im vergangenen Dezember im AKW Brunsbüttel handle es sich jedoch in diesem Fall nicht um eine Leitung, die an den radioaktiven Kreislauf des Reaktorsystems gekoppelt sei, betonte Altmeppen. Deshalb habe eigentlich keine Meldepflicht für die Leckage in Krümmel bestanden. Dennoch habe man die Aufsichtbehörde informiert. Altmeppen zufolge will HEW das Kraftwerk noch in der Nacht zum Samstag wieder hochfahren und ans Netz gehen lassen.

Am 21-06-2002

Transformator-Brand

Auf dem Gelände des Atomkraftwerks Krümmel im schleswig-holsteinischen Geesthacht hat am 28. Juni neben dem Reaktorgebäude ein großer Transformator gebrannt. Die Kühlflüssigkeit habe sich entzündet, sagte ein Polizeisprecher in Ratzeburg. Über die Trafostation, in der der Brand ausgebrochen war, wird der Atomstrom in das Stromnetz eingespeist. Im Laufe des Tages konnte das Feuer offenbar gelöscht werden. Mehrere hundert Feuerwehrleute sollen den Brand bekämpft haben. Nach Augenzeugenberichten hüllten riesige schwarze Rauchwolken das Atomkraftwerk ein. Die Arbeiten seien schwierig gewesen. Gefahr für den Nuklearbereich habe nicht bestanden. Wie das zuständige Kieler Sozialministerium am 28. Juni weiter mitteilte, habe es keine radioaktive Freisetzung gegeben. Das Atomkraftwerk Krümmel wird von den Konzernen Vattenfall Europe und E.ON betrieben. Laut Vattenfall wurde das Atomkraftwerk durch eine Reaktorschnellabschaltung heruntergefahren. Die Ursache des Feuers sei bislang unklar.

Der Siedewasserreaktor in Krümmel ist seit 1983 in Betrieb und produzierte nach Betreiberangaben im vergangenen Jahr 10,6 Milliarden Kilowattstunden Strom. Es gehört zu den Siedewasserreaktoren der Baulinie 69 und damit zum ältesten noch betriebenen Reaktortyp in Deutschland. In der Umgebung von Krümmel und der Forschungseinrichtung der GKSS findet sich die weltweit größte Leukämierate bei Kindern und Jugendlichen.

Nach dem Jahresbericht des Bundesumweltministeriums hat es im vergangenen Jahr 15 "meldepflichtige Ereignisse" im Kernkraftwerk Krümmel gegeben. Damit liegt Krümmel bundesweit an der Spitze der bundesweiten Pannenstatistik.

Neben Krümmel wurde nach Angaben der Kieler Staatskanzlei auch das Kernkraftwerk Brunsbüttel wegen einer Netzstörung automatisch abgeschaltet. Als Ursache für die Reaktorschnellabschaltung nannte die Reaktorsicherheitsbehörde eine Überlastung des Netzes.

Am 28-06-2007

Weitere Millionen für "Experten"

Mit der Begutachtung, Wartung, Reparatur und Nachrüstung von Atomkraftwerke lassen sich gute Geschäfte machen. Nach Angaben von Vattenfall-Geschäftsführer Reinhard Hassa werden im Kernkraftwerk Krümmel aktuell 25 Millionen Euro für Sondermaßnahmen und die Revision verbaut. Allein für Sofortmaßnahmen wie Reparaturen nach dem Brand in einem Trafogebäude seien rund fünf Millionen Euro veranschlagt. Einer "Expertenkommission" wurde außerdem ein Etat von weiteren vorerst fünf Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Ob es bei dieser Summe bleiben werde, hänge von den Ergebnissen ab, da die Analysen des Zwischenfalls noch nicht abgeschlossen seien. Derzeit wird unter anderem ein Ersatz-Trafo für das ausgebrannte Aggregat eingebaut.

Ein Termin für das Wiederanfahren des abgeschalteten Meilers steht nach Angaben von Hassa noch nicht fest. Damit sei "nicht innerhalb der nächsten wenigen Wochen" zu rechnen. Hassa bezifferte den täglichen Produktionsausfall in den beiden abgeschalteten AKW Krümmel und Brunsbüttel auf insgesamt eine Million Euro. Der Image-Verlust bei den Kunden sei jedoch nicht bezifferbar.

Greenpeace-Energieexperte Heinz Smital bezeichnete die Einladung von 40 Medienvertretern in das AKW Krümmel als "reine PR-Aktion". Die Expertenkommission sei "sehr problematisch". Der Betreiber versuche offenbar, "die Aufsichtsbehörde unter Druck zu setzen, in dem man sich eine Kommission kauft, die wohl ein vorgegebenes Ergebnis erbringen soll". Das seien "Leute, die ihr ganzes Leben in gewisser Weise der Atomtechnologie gewidmet haben. Die werden kaum zu einem anderen Schluss kommen, als das das hier eine tolle Sache ist", sagte Smital.

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bezeichnete die Einsetzung der Kommission als "irrelevant". In der Gruppe säßen mit einem langjährigen Präsidiumsmitglied des Deutschen Atomforums und dem Präsidenten von Swissnuclear, Peter Hirt, "zwei ausgewiesene Atomkraft-Befürworter und -Lobbyisten", sagte BUND-Atomexpertin Renate Backhaus.

Das Atomkraftwerk Krümmel war am 28. Juni ebenso wie das Atomkraftwerk Brunsbüttel per Schnellabschaltung heruntergefahren worden. Brunsbüttel war am vergangenen Samstag werden fehlerhafter Halterungen für Rohrleitungen des Not- und Nachkühlsystems komplett abgeschaltet worden.

In Krümmel hatte nach einem Kurzschluss mehrere Tage lang ein Transformator gebrannt. Im Zuge des offenbar nicht ganz harmlosen Störfalls versagte eine Kühlpumpe und der so genannte Reaktorschutz musste ein Sicherheitssystem aktivieren. Die Betriebsmannschaft riss Ventile zur Druckentlastung auf. Es kam zu einem dramatischen Druck- und Füllstandsabfall im Reaktordruckbehälter, in dem sich die Brennelemente befinden, die stets gekühlt werden müssen.

Am 27-07-2007

Trauernichts Probleme mit dem Reaktordruck

Nach dem Trafobrand im Atomkraftwerk Krümmel am 28. Juni gerät Schleswig-Holsteins Sozialministerium Gitta Trauernicht (SPD) nun in akute Erklärungsnot. Das Nachrichtenmagazin "Focus" und der "Berliner "Tagesspiegel" berichteten, die Chefin der Kieler Atomaufsicht habe womöglich die Unwahrheit gesagt und offenbar mehr gewusst, als sie bisher zugab. Das Ministerium wies dies am Wochenende zurück. FDP und Grüne forderten Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) auf, Trauernicht zu entlassen.

Nach "Focus"-Angaben soll Trauernicht unter anderem noch am 21. Juli behauptet haben, dem Ministerium sei erst am 4. Juli mitgeteilt worden, dass die Ventile zur Absenkung des Reaktordrucks während des Störfalls am 28. Juni rund vier Minuten geöffnet waren.

Der "Focus" berichtete, darüber habe Vattenfall aber bereits am 30. Juni auf einer Expertensitzung im Ministerium in einem vertraulichen Bericht informiert. Trauernicht erklärte dazu, dieser Bericht habe weitere Informationen erfordert, die am 4. Juli im Ministerium eingegangen seien. Am 30. Juni seien vom Atomkraftwerks-Betreiber "zu unterschiedlichen Zeitpunkten unterschiedliche Angaben zu der Dauer der Öffnung der Ventile" gemacht worden.

Wie zudem "Focus" und "Tagesspiegel" unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft Lübeck berichteten, soll Trauernicht bereits einen Tag vor der Polizei-Durchsuchung in Krümmel den Namen des Reaktorfahrers gekannt, ihn aber der Staatsanwaltschaft verschwiegen haben. Am 13. Juli warf die Ministerin Vattenfall vor dem Kieler Landtag öffentlich vor, das Unternehmen weigere sich, den Namen des Reaktorfahrers zu nennen.

Hintergrund war nach Angaben eines Ministeriumssprechers ein Amtshilfeersuchen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung, weil Rauch durch den Brand des Trafos in die Reaktorwarte eingedrungen war und der Reaktorfahrer eine Gasmaske aufgesetzt hatte. Vattenfall habe dem Ministerium am 12. Juli zwar Namen von Schichtleiter und zwei Reaktorfahrern übermittelt, aber eine Genehmigung zur Weiterleitung verweigert.

Solche Daten dürfe die Atomaufsicht nicht ohne Bestätigung weiterreichen, da der Atomkraftwerks-Betreiber das Ministerium bereits mehrfach wegen Informationsweitergabe an Dritte verklagt habe. Dem Ministerium hätten somit zwar Namen vorgelegen, allerdings ohne Angabe, wer die Atemschutzmaske getragen habe. Die entsprechende Aufforderung per Fax an das AKW Krümmel hatte das Ministerium am 12. Juli, einen Tag vor der Durchsuchung, in Kopie auch an die Staatsanwaltschaft weiterleitet.

FDP-Landeschef Jürgen Koppelin sagte, Carstensen solle der Ministerin die Dienstaufsicht über die Kernkraftwerke entziehen und die Atomaufsicht dem Wirtschaftsministerium übertragen.

Am 30-07-2007

"Offene Fragen" und "notwendige Maßnahmen"

Das nach einem Transformatorbrand und Reaktorschnellabschaltung seit Ende Juni stillstehende Atomkraftwerk Krümmel in Schleswig-Holstein geht offenbar nicht vor Oktober wieder ans Netz. Bislang war Betreiber Vattenfall Europe davon ausgegangen, dass der Atommeiler bereits im September angefahren werden könnte. Wie das Unternehmen am 30. August in Hamburg mitteilte, geschieht dies jedoch erst, "wenn alle offenen Fragen geklärt und alle notwendigen Maßnahmen getroffen worden sind". Nach den Rissbefunden in Absaugleitungen wurden bei Untersuchungen einer Armatur des Reaktorwasserreinigungssystems Rissanzeigen festgestellt.

Dies sei der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde in Kiel als sogenanntes meldepflichtiges Ereignis gemeldet worden, teilte das Unternehmen weiter mit. In den kommenden drei Wochen soll ein umfangreiches Austauschprogramm für Entwässerungsleitungen im Sicherheitsbehälter ausgeführt werden.

Bei elektrischen Messungen waren den Angaben zufolge bei einem der beiden Eigenbedarfstransformatoren des Kraftwerks Abweichungen aufgetreten. Der betroffene Transformator soll voraussichtlich am 3. September zur weiteren Prüfung in eine Spezialfirma nach Dortmund gebracht werden.

Am 31-08-2007

Kurzschluss in Elektromotor

Im Atomkraftwerk Krümmel ist es zu einem erneuten meldepflichtigen Vorfall gekommen. Nach einem Kurzschluss in einem Elektromotor sei kurzzeitig eine Pumpe in einem Kühlkreislauf ausgefallen, teilte Betreiber Vattenfall Europe am 2. November mit.

Am Dienstag will der Energiekonzern die Öffentlichkeit über die Ergebnisse einer von Vattenfall Europe eingesetzten Experten-Kommission zu den Zwischenfällen in Krümmel und im AKW Brunsbüttel informieren. Beide Atommeiler bleiben noch mindestens bis Jahresende abgeschaltet. Die Reaktoraufsicht erwartet nach den Störfällen im Juni und weiteren meldepflichtigen Ereignissen frühestens Anfang 2008 mit abschließenden Ergebnissen.

Durch den Stillstand verschiebt sich der Termin für die endgültige Abschaltung des Reaktors Brunsbüttel von Frühjahr 2009 auf Ende 2009. Auch die Restlaufzeit des Atommeilers Krümmel verzögert sich um mehrere Monate. Krümmel wird voraussichtlich im Jahr 2016 endgültig vom Netz gehen. Krümmel war nach einem Störfall am 28. Juni vom Netz genommen worden, Brunsbüttel nach einer Pannenserie am 18. Juli.

Am 02-11-2007

Abluftkamin

Die Pannenserie im abgeschalteten schleswig-holsteinischen Kernkraftwerk Krümmel reißt nicht ab. Am Morgen des 4. Februar kam es am Filter einer Lüftungsanlage zu einem Schwelbrand, wie der Sprecher von Vattenfall Europe Nuclear Energy, Ivo Banek, in Hamburg mitteilte. Der Brand sei durch die Werksfeuerwehr gelöscht worden. Die Ursache für den Schwelbrand ist noch nicht abschließend geklärt und wird weiter untersucht. Der Schwelbrand war im Messraum des Abluftkamins an einer Filtermatte in einer Zuluftanlage entstanden. Er war den Angaben zufolge kurz nach 8.00 Uhr festgestellt worden. Die betroffene Filtermatte wurde entfernt.

Das sei Reaktorgebäude vorübergehend geräumt worden, so Banek. Niemand sei verletzt worden, eine Freisetzung von radioaktiven Stoffen sei nicht erfolgt, hieß es. Die Polizei und das Kieler Sozialministerium als Atomaufsichtsbehörde seien informiert worden.

Der Atommeiler Krümmel ist ebenso wie das Kernkraftwerk Brunsbüttel seit dem Brand eines Trafos am 28. Juni vergangenen Jahres abgeschaltet. Im Januar hatte die Atomaufsicht mitgeteilt, das Kraftwerk werde wegen der ausstehenden Aufarbeitung der Störfälle nicht vor Mitte Mai wieder ans Netz gehen.

Am 04-02-2008

Kühlwasser und Notstrom

In dem nach einem Störfall seit mehr als einem Jahr abgeschalteten Kernkraftwerk Krümmel ist es erneut zu zwei meldepflichtigen Ereignissen gekommen. Während sogenannter Wiederkehrender Prüfungen (WKP) sprachen zwei Schalter nicht an, wie der Sprecher des AKW-Betreibers Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH, Ivo Banek, am Montag (18. August) in Hamburg mitteilte. Beide Vorgänge seien dem schleswig-holsteinischen Sozialministerium als zuständiger atomrechtlicher Aufsichtsbehörde gemeldet worden.

Den Angaben zufolge ließ sich beim Umschalten von Pumpen eines Nebenkühlwassersystems wegen eines defekten Schalters eine von vier Pumpen nicht einschalten. Der Schalter wurde ausgetauscht. Zudem ließ sich einer von sechs Notstromdieseln des Kraftwerks nicht mit dem Netz synchronisieren. Ursache war ein Defekt im Generatorschalter des Diesels. Auch dieses Bauteil wurde ausgewechselt.

Wiederkehrende Prüfungen werden Banek zufolge in Kernkraftwerken auch bei stehender Anlage durchgeführt, um die Funktionsfähigkeit von Systemen zu überprüfen.

Das Kernkraftwerk Krümmel ist ebenso wie der schleswig-holsteinische Meiler Brunsbüttel seit einem Trafobrand beziehungsweise einem Kurzschluss am 28. Juni 2007 abgeschaltet. Nach dem derzeitigen Stand der Arbeiten sei ein Termin für ein Wiederanfahren nicht absehbar, sagte Banek. Die Arbeiten an fehlerhaften Armaturen und Dübeln seien zwar fortgeschritten, aber nicht abgeschlossen. Jede Terminsetzung wäre zum jetzigen Zeitpunkt unseriös, sagte Banek.

Am 18-08-2008

Entscheidungsabläufe bei Störfällen

Zur Rekonstruktion von Störfällen hat die Reaktorsicherheitsbehörde Tonaufzeichnungen im Leitstand des Kernkraftwerks (KKW) Krümmel angeordnet. Die Auflage sei gegen den Widerstand des Betreibers durchgesetzt worden, sagte ein Sprecher des schleswig-holsteinischen Gesundheitsministeriums am Mittwoch (25. Februar) in Kiel. Ziel sei es, Entscheidungsabläufe auf der Kernkraftwerkswarte künftig besser rekonstruieren zu können.

Störfälle könnten dank der Aufzeichnungen schneller und umfassender analysiert werden. Auch für die KKW in Brunsbüttel und Brokdorf solle es eine entsprechende Auflage geben. Bislang zeichnet kein deutsches KKW die Gespräche der Verantwortlichen im Leitstand auf.

Die vom Energiekonzern Vattenfall betriebenen KKW Brunsbüttel und Krümmel waren nach einem Kurzschluss beziehungsweise Trafobrand Ende Juni 2007 abgeschaltet worden. In beiden Kernkraftwerken sind die Reparaturarbeiten bislang noch nicht abgeschlossen.

Vattenfall kündigte an, "die technischen, arbeitspsychologischen und rechtlichen Details" der Audioüberwachung sorgfältig zu prüfen. Die Situation in der 120 Quadratmeter großen Kraftwerkswarte sei nicht mit einem Flugzeugcockpit zu vergleichen, sagte Sprecherin Barbara Meyer-Bukow. Wegen der Größe und der vielen Mitarbeiter sei es schwierig, die komplexe Kommunikation zuzuordnen. Zudem verwies das Unternehmen auf eine mögliche Verunsicherung der Mitarbeiter durch Gesprächsaufzeichnungen.

Am 25-02-2009