PDS-Abgeordnete Marquardt soll Stasi-Informantin gewesen sein

"Spiegel Online"-Vorwurf

Die PDS-Bundestagsabgeordnete Angela Marquardt war nach Recherchen von "Spiegel Online" bis zum Zusammenbruch des SED-Regimes als Stasi-Informantin tätig. Dies belegten bisher unbekannte Dokumente, die von Mitarbeitern der Stasi-Unterlagenbehörde auf Antrag der Redaktion bei Nachforschungen über Stasi-Spitzel an den Schulen gefunden wurden. Wie das Magazin am Dienstag weiter berichtete, unterschrieb Marquardt demnach im April 1987 als damals 15-jährige Schülerin eine handschriftliche Verpflichtungserklärung für das MfS. Marquardt sagte dazu, sie habe zu keinem Zeitpunkt wissentlich mit der Stasi zusammengearbeitet.

Hunderttausende in Angola dem Hungertod überlassen

Ärzte ohne Grenzen kritisiert angolanische Regierung und UN

Nach Angaben der internationalen Organisation Ärzte ohne Grenzen sind Hunderttausende Angolaner vom Hungertod bedroht, wenn die angolanische Regierung und die Vereinten Nationen nicht unverzüglich massive Anstrengungen dagegen unternehmen. Auf einer Pressekonferenz am Dienstag in Luanda warf die Organisation der angolanischen Regierung, dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) und dem UN-Koordinationsbüro für humanitäre Angelegenheiten (OCHA) vor, bislang viel zu langsam und unangemessen auf die humanitäre Notlage von mindestens 500.000 Angolanern reagiert zu haben. Seit dem Waffenstillstandsabkommen vom 4. April 2002 hat Ärzte ohne Grenzen Zugang zu Gebieten, die jahrelang von jeglicher Hilfe abgeschnitten waren. Tausende sind dort bereits an Hunger gestorben.

VCD und Klima-Bündnis starten Aktion "Auf Kinderfüßen durch die Welt"

Kinder-Kampagne im Vorfeld des Weltgipfels von Johannesburg

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) und das Klima-Bündnis der europäischen Städte mit indigenen Völkern der Regenwälder haben am Dienstag in Berlin im Vorfeld des Weltgipfels für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg die gemeinsame Kampagne "Auf Kinderfüßen durch die Welt" gestartet. Kinder im Alter von 4 bis 10 Jahren sollen dabei spielerisch etwas über den Zusammenhang von Klimawandel, Verkehr und eigenem Verhalten lernen. Ziel der Aktion ist es, ein Bewusstsein für umweltschonende Fortbewegung zu fördern und diese im Alltag dauerhaft zu verankern.

Tarifeinigung bei der Post

Vertrag mit 24 Monaten Laufzeit

Bei den Tarifverhandlungen der Post haben die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und die Deutsche Post nach einem 24-stündigen Verhandlungsmarathon ein Ergebnis erzielt. Die Vereinbarung habe eine Laufzeit von 24 Monaten und beginne am 1. Mai, teilten beide Seiten am Dienstag in Münster mit. Für Mai erhalten die 160 000 Arbeiter und Angestellten nach Angaben der Deutschen Post eine Einmalzahlung von 43 Euro, Auszubildende von 15 Euro. Danach steigen die Löhne und Gehälter der Beschäftigten vom 1. Juni 2002 an um 3,5 Prozent, ab 1. Juni 2003 um weitere 3,2 Prozent.

SPD wird Raus Entscheidung akzeptieren - Union warnt Rau vor Unterzeichnung

Zum Zuwanderungsgesetz

Im Streit um das Zuwanderungsgesetz wird der Ton wieder schärfer. Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) warnte Bundespräsident Johannes Rau am Dienstag vor einer Unterzeichnung des Gesetzes. Andernfalls würde die Union die Zuwanderung zum Wahlkampfthema machen, sagte Stoiber. SPD-Generalsekretär Franz Müntefering kritisierte das Vorgehen der Union als "ungeheuerlich". Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) machte indes deutlich, die Entscheidung Raus so oder so anerkennen zu wollen.

Binnenschifffahrt belastet die Umwelt

Umweltbundesamt gegen SPD-Bundestagsfraktion

Der Gütertransport mit dem Binnenschiff ist vor allem wegen des geringeren Energieverbrauchs und der geringeren Lärmemissionen dem Straßengütertransport vorzuziehen. Umweltbelastungen durch die Binnenschifffahrt sind damit aber nicht automatisch ausgeschlossen: Durch einmalige oder wiederkehrende Eingriffe in Flussläufe im Rahmen baulicher Maßnahmen werden Strömungen und die natürlichen Veränderungen des Flussbettes dauerhaft und unter Umständen großräumig eingeschränkt. Daher sind an den Binnenwasserstraßenausbau strenge ökologische Bedingungen zu stellen, fordert das Umweltbundesamt und stellt sich damit gegen die SPD-Bundestagsfraktion. Der BUND forderte daraufhin erneut, den Elbeausbau zu stoppen. Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) müsse "endlich die Fakten zur Kenntnis" nehmen und handeln.

Bundesweites Jugendbündnis fordert Änderung des Wahlrechts

Zeitung mit Argumenten für Jugendwahlrecht

"Deine Stimme zählt - nur wenn Du eine hast". Unter diesem Motto startete am 10. März 2002 ein bundesweiter Zusammenschluß von Jugendlichen die Kampagne "Ich will wählen". Zu den Bundestagswahlen reichen die Jugendlichen im Bundestag eine Petition ein, für die sie zur Zeit auf Papier und online Unterschriften sammeln. Damit fordern die Unter18jährigen ihr persönliches Wahlrecht, weil sie - wie jeder Mensch, der in diesem Land lebt - von politischen Entscheidungen betroffen sind. Jetzt ist die Zeitung zur Kampagne mit dem Namen "Durchwahl" erschienen, in der viele Argumente zur Frage der Altersgrenzen zu finden sind.

"Brot für die Welt"-Partner fordern Umsetzung des Menschenrechts

Menschenrecht auf Nahrung

Die wichtigste Zielvereinbarung des Welternährungsgipfels von 1996 war es, die Anzahl der Hungernden bis zum Jahr 2015 auf die Hälfte zu reduzieren. Im Jahr 2002 hungern weltweit immer noch über 800 Millionen Menschen, kaum weniger als vor acht Jahren. Auf einem von "Brot für die Welt" veranstalteten Vorbereitungstreffen zum Gipfel in Rom diskutieren Vertreter von 12 Partnerorganisationen aus Asien, Afrika und Lateinamerika nun die Frage, wie dies verbessert werden kann.

Erster Internationaler Tag gegen Kinderarbeit

Neue Initiativen von Bundesregierung gefordert

Am 12. Juni 2002, dem ersten Internationalen Tag gegen Kinderarbeit, berät die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) im Rahmen ihrer 90. Tagung in Genf über Maßnahmen zur Abschaffung ausbeuterischer Kinderarbeit. Nach ihrem jüngsten Bericht werden weltweit fast 8,5 Millionen Kinder als Sklaven missbraucht, in die Prostitution gezwungen oder als Soldaten zwangsrekrutiert. 167 Millionen Kinder und Jugendliche verrichten gefährliche Arbeiten, die die Gesundheit und Entwicklung schädigen. Weitere 70 Millionen Kinder unter 14 Jahren arbeiten länger als nach internationalen Bestimmungen erlaubt. Dass das Ausmaß der schlimmsten Formen von Kinderarbeit ernster ist als angenommen, ist eine der Schlussfolgerungen, zu denen der neue ILO-Bericht gelangt.

Plutoniumdiebstahl bringt viereinhalb Jahre Haft

Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe

Der Karlsruher Plutoniumdieb muss mehrere Jahre hinter Gitter. Das Karlsruher Landgericht verhängte am Dienstag gegen den 47-Jährigen eine Haftstrafe von viereinhalb Jahren wegen vorsätzlicher gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen, der Freisetzung ionisierender Strahlen und wegen des unerlaubten Umgangs mit radioaktiven Stoffen. Knapp ein Jahr hat er bereits in Untersuchungshaft verbüßt. Der Mann hatte plutoniumhaltige Abfälle aus der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe gestohlen.

Gütesiegel für kinderfreundliche Urlaubsdomizile

Statt "Bärchen, Smileys und Schnuller"

Mit einem neuen Qualitätssiegel zeichnen der Rheinisch-Westfälische TÜV und der Deutsche Kinderschutzbund ab sofort kinder- und jugendfreundliche Urlaubsdomizile aus. Das europaweit vergebene neutrale Zertifikat "TÜV Service Check - O.K. für Kids" weist darauf hin, dass sich das Hotel oder die Pension ganz besonders um die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen kümmert, wie der TÜV am Dienstag im sauerländischen Willingen berichtete.

Moderne Arbeitswelt führt zu Massenproblem Mobbing

Dennoch kein Anti-Mobbing-Gesetz

Mobbing ist in Deutschland ein Massenproblem: Über 800 000 Arbeitnehmer leiden derzeit darunter, wie die erste repräsentative Studie zum Thema Mobbing ergab, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Hochgerechnet auf die Lebensarbeitszeit werde jeder Neunte einmal in seinem Berufsleben Mobbing-Opfer, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium, Ulrike Mascher (SPD). Nach Ansicht von Experten begünstigen die härteren Arbeitsbedingungen das Phänomen des Mobbings.

Lagerhalle in Malchin weiterhin Hauptquelle

Nitrofen-Skandal

Am 9. Juni 2002 haben sich die Agrarstaatssekretäre von Bund und Ländern getroffen. Sie informierten sich über den gegenwärtigen Stand der Ermittlungen im Nitrofen-Skandal informieren und erstellten einen Bericht für die EU-Kommission. Damit soll die EU-Kommission umfassend über die Ermittlungen und die eingeleiteten Maßnahmen informiert werden. So wollen Bund und Länder eventuelle Maßnahmen der EU-Kommission gegen deutsche Bioprodukte abwenden.

WWF: Seehunde sind hoher Schadstoffbelastung in Nord- und Ostsee ausgeliefert

Giftige Last für kleine Heuler

Das aktuelle und nachweislich durch den Seehundstaupevirus PDV (Phocine Distemper Virus) ausgelöste Seehundsterben in Dänemark und Schweden ist nach Meinung des WWF mit großer Wahrscheinlichkeit auf die hohe Belastung der Tiere mit Schadstoffen zurückzuführen. Bislang wurden etwa 300 tote Tiere gefunden. Behörden, Umweltschutzorganisationen und Wissenschaftler befürchten, dass die Seuche bis Ende Juni auf die deutschen Küsten in Niedersachsen und Schleswig-Holstein übergreifen wird, und warnen vor ähnlich verheerenden Ausmaßen wie bei der Massenerkrankung von Seehunden im Jahre 1988.

NABU und BUND fordern Nachmeldungen für europäisches Schutzgebietsnetz

Natura 2000

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Naturschutzbund NABU haben auf einem Bewertungstreffen der EU-Kommission in Den Haag umfangreiche Nachmeldung bedrohter Lebensräume für das europäische Netzwerk NATURA 2000 gefordert. Ein von der EU beauftragtes unabhängiges Institut hat die von den Mitgliedstaaten nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) gemeldeten Gebiete für die atlantische Region bewertet. NABU und BUND legten zuvor eine Studie zu den Gebietsmeldungen vor, die gleichfalls große Versäumnisse in den relevanten Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein aufgedeckt hat.

14 Tote, 68.000 Obdachlose - Kindernothilfe ruft zu Spenden auf

Unwetterkatastrophe in Chile

Die Hauptstadtregion Chiles sowie die Küstenstädte Valparaiso und Viña wurden seit der Nacht auf Montag, 3. Juni, von den verheerendsten Regenfällen seit 1926 heimgesucht. Vierzehn Menschen konnten nur noch tot aus den Fluten und Schlammmassen geborgen werden und an die 70.000 mussten aus Armenvierteln und anderen betroffenen Zonen evakuiert werden. In insgesamt 48 Stunden fielen in Santiago mit 505 Millimetern fünfmal mehr Niederschläge als normalerweise in einem ganzen Jahr. Der Regen verursachte Geröll- und Schlammlawinen, durch die zahlreiche Armenviertel zerstört und Häuser verschüttet wurden.

Enttäuschung und Unzufriedenheit bei WWF und BDKJ

WSSD-Weltgipfel Vorbereitung in Bali

"Mehr Schatten als Licht". Mit dieser Erkenntnis kehren die Delegatierten des WWF aus Bali von der vierten und letzten Vorbereitungskonferenz für den geplanten Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung heim. Ende August, zehn Jahre nach der Konferenz von Rio, sollen in Johannesburg beim Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung (WSSD) die Weichen für eine bessere Welt gestellt werden. "Die Aussichten, dass die Konferenz ihrem ehrgeizigen Anspruch gerecht wird, sind nach den mageren Ergebnissen von Bali eher düster", prognostiziert der WWF.

Staatsanwaltschaft fordert vier Jahre Haft, Zeuge beschreibt fehlende Kontrollen

Prozess um Plutoniumdiebstahl

Im Prozess gegen den Karlsruher Plutoniumdieb fordert die Staatsanwaltschaft vier Jahre Haft für den Angeklagten. Der 47-jährige Arbeiter müsse wegen der Freisetzung ionisierender Strahlen sowie wegen unerlaubten Umgangs mit radioaktiven Stoffen und gefährlicher Körperverletzung verurteilt werden, sagte Oberstaatsanwalt Peter Zimmermann am Montag in seinem Plädoyer vor dem Karlsruher Landgericht.

Ab 1. Juli nur noch Euro-Postzeichen gültig

Briefmarken-Umtausch

Ab dem ersten 1. Juli sind nur noch Euro-Briefmarken gültig. Darauf wies die Deutsche Post am Montag in Bonn hin. Deshalb bietet das Unternehmen ab diesem Datum einen Umtauschservice an. Dabei können die alten Pfennig-Marken in Euro-Marken umgetauscht werden. Briefmarken, die in Euro und Pfennig ausgezeichnet sind, bleiben auch weiterhin gültig.

Warnstreiks und Urabstimmung

Tarifstreit bei Post, Telekom und Bau

Kurz vor Beginn der vermutlich entscheidenden Tarifrunde für die Beschäftigten der Deutschen Post hat die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di am Montagmorgen ihre Warnstreiks fortgesetzt. Mit Beginn der Frühschicht legten nach ver.di-Angaben rund 700 Briefträger in mehreren Zustellstützpunkten in Nordrhein-Westfalen die Arbeit nieder. Von den Aktionen betroffen waren den Angaben zufolge Bochum, Moers, Düsseldorf, Münster, Iserlohn, Köln, Hürth, Siegen und Haan. Ver.di fordert für die rund 240 000 Beschäftigten 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Die Post hat für diese Gesprächsrunde ein erstes Angebot angekündigt.