Dresden

Auseinandersetzungen um "Bunte Republik Neustadt"

Am Rande des Dresdner Stadtteilfestes "Bunte Republik Neustadt" war es am Sonntag zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen. Der Punkerszene zugeordnete Teilnehmer des Festes hätten am Abend an verschiedenen Stellen versucht, mit Papierkörben, Müllcontainern und ähnlichen Gegenständen Straßen abzuriegeln, berichtet die Polizei. Wenn diese eingreifen wollte, seien die "linken Autonomen" jedes Mal über Hinterhöfe geflüchtet. "Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel", sagte der Polizeisprecher. Bereits am Sonntagmorgen hatte es im Szeneviertel Neustadt heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei gegeben.

Strafmilderung

"Mildes Urteil" gegen Neonazi Roeder hat bestand

Die Mitte April vom Landgericht Schwerin verhängte Bewährungsstrafe gegen den Neonazi Manfred Roeder ist nun doch rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft Schwerin habe die gegen das Urteil eingelegte Revision zurückgenommen, teilte Oberstaatsanwalt Hans-Christian Pick am Montag mit. Zu der Revision war es gekommen, nachdem der Zentralrat der Juden die Milderung der Strafe gegen den Neonazi in der zweiten Instanz heftig kritisiert hatte.

Nach Schlichterspruch

Urabstimmung bei Lufthansa-Piloten

Die Piloten der Deutschen Lufthansa AG stimmen seit Montagmorgen über das vor gut einer Woche von Fluggesellschaft und Pilotenvereinigung Cockpit ausgehandelte Schlichtungsergebnis ab. Die schriftliche Urabstimmung soll drei Wochen dauern und am 6. Juli um 12.00 Uhr enden, wie Cockpit in Neu-Isenburg bestätigte. Für die Annahme des von Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) erarbeiteten Schlichterspruchs muss mindestens die Hälfte der in der VC organisierten Piloten stimmen. Der Lufthansa-Vorstand hat das Vermittlungsergebnis bereits gebilligt.

DDR-Autor

Erik Neutsch feiert 70. Geburtstag

Wer vom ostdeutschen Schriftsteller Erik Neutsch spricht, erwähnt meist sofort den Roman "Spur der Steine". 1964 schrieb der damals 33-Jährige diesen Entwicklungsroman, der von der Aufbruchzeit in der DDR erzählt. Der rebellische Zimmermann Hannes Balla gerät in Konflikt mit den Erwartungen der Gesellschaft. Neutsch äußerte zahme Kritik an den Verhältnissen. Bekannt wurde das Buch vor allem durch den gleichnamigen Film von 1965/66. Frank Beyer führte Regie, die Hauptrollen spielten Manfred Krug und Eberhard Esche. Der Film verschwand nach seiner Uraufführung für gut zwei Jahrzehnte bis zum Untergang der DDR in den DEFA-Archiven.

Matthias-Film

Kinderfilme über Religion, Weltanschauung und soziale Themen

Der Medienvertrieb Matthias-Film bereitet den Einstieg in den kommerziellen Lizenzhandel vor. Das der Evangelischen Kirche nahestehende Unternehmen, das bisher in erster Linie Filme, Videos und DVDs für den Einsatz in Schulen und Bildungseinrichtungen bereit gestellt hat, baut einen Vertriebsarm auf, der sich nicht mehr auf den non-profit-Bereichs beschränkt. Wie der Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH, Friedemann Schuchardt, in Stuttgart ankündigte, wird Matthias-Film bei dem neuen Vertriebsarm "Film +" drei Schwerpunkte setzen: qualitativ hochwertige Kinderprogramme und Filme für Senioren mit den Themenschwerpunkten Religion, Weltanschauung und Soziales.

Zeitdokumente

Bundesarchiv bekämpft Papierzerfall mit neuem Verfahren

Eine der modernsten Anlagen zur Konservierung von geschädigtem Papier arbeitet seit Montag in der Dependance des Bundesarchivs im brandenburgischen Dahlwitz-Hoppegarten bei Berlin. Das Zwischenarchiv war eingerichtet worden, um Schriftgut der Berliner Bundesministerien aufzunehmen, wie das Bundesarchiv am Montag in Dahlwitz-Hoppegarten mitteilte. Vom Papierzerfall betroffen sind vor allem die Bestände des Bundesarchivs aus den letzten 200 Jahren. Vorrang haben allerdings die besonders gefährdeten Akten der Reichskanzlei, des Ministerrats der DDR sowie des Politbüros der SED, sagte Weber. Aber auch alte Aktenbestände des Bundeskanzleramtes müssen vor der Zersetzungbewahrt werden.

Medienkonzentration

"Neoliberale" Holtzbrinck-Gruppe übernimmt Kölner Verlag Kiepenheuer & Witsch

Der Kölner Kiepenheuer & Witsch Verlag feiert von Mittwoch an seinen 50. Geburtstag. Wie jetzt bekannt wurde, wird die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck im Jahr 2002 Mehrheitseigner des bislang überwiegend in Privatbesitz befindlichen Verlages. Die relativ ungekannte Holtzbrinck-Verlagsgruppe gehört mit zahlreichen Beteiligungen an führenden Wirtschaftsmedien, Zeitungen und an einem Fernsehsender zu den einflußreichsten Medienhäusern Deutschlands.

Medienkonzentration

Das Medienimperium der Holtzbrinck-Gruppe

Die relativ ungekannte Holtzbrinck-Verlagsgruppe gehört mit zahlreichen Beteiligungen an führenden Wirtschaftsmedien und Tageszeitungen zu den einflußreichsten Medienhäusern Deutschlands. Über die Verlagsgruppe Handelsblatt steuert Holtzbrinck zahlreiche Tochterunternehmen, die für eine neoliberale Wirtschaftspolitik und die Globalisierung der Wirtschaft stark machen. Mit der Wochenzeitung "Die Zeit" und dem "Berliner "Tagesspiegel" und als zweitgrößter Regionalzeitungsverleger in Deutschland erstreckt sich der Einfluß von Holtzbrinck auch weit in die allgemeine Politikberichterstattung. Hinzu kommen Beteiligungen und Produktionen für Radio und Fernsehen. Holtzbrinck rangiert nach Bertelsmann und Springer auf Rang drei der Großverleger in Deutschland.

EU-Gipfel

Schwedische Polizei schießt auf Globalisierungsgegner

Bei den massiven Protesten von Globalisierungsgegnern im schwedischen Göteborg am Rande des EU-Gipfels kam es zu Schüssen. Die Polizei hat nach offiziellen Angaben drei Demonstranten mit scharfer Munition niedergeschossen. Nach Angaben des unabhängigen Medienzentrums "Indymedia" wurde ein Schwede in die Lunge und ein deutscher Aktivist in den Unterschenkel getroffen. Unter den Protesten von Globalisierungsgegnern, die sich gegen die Ausdehnung des EU-Wirtschaftsblocks nach Osteuropa wenden, waren viele Deutsche beteiligt. Die schwedische Polizei nahm nach eigenen Angaben rund 600 Menschen vorläufig fest. Ein Polizist wurde ebenfalls mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Nach Angaben der Polizei nahmen am Freitag rund 20.000 Menschen an den Kundgebungen teil. Für Samstagmittag werden erneut eine Protestaktion mit rund 7.000 Menschen erwartet.

Kirchentag

Kein Geld für ausländerfeindliche Wahlkämpfe

Das "Forum Migration" des Evangelischen Kirchentages will ausländerfeindliche Wahlkämpfe verhindern. So sollten Parteien ihre Wahlkampfkosten nicht erstattet bekommen, wenn die Wahlkämpfe zu Lasten von Ausländern gehen. Solche Wahlkämpfe seien "nicht mit dem christlichen Menschenbild vereinbar", heißt es in einer Resolution, die Teilnehmer des Forums am Freitag in Frankfurt/Main unterschrieben.

Köln

Ausstellung zeigt Kunstwerke aus der Berliner Mauer

Die Ausstellung "1989 - Berliner Mauer - Kunst für ein Europa im Aufbruch" dokumentiert ab Sonntag eine eigenwillige künstlerische Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte. Für die Schau in der Kölner Josef-Haubrich-Kunsthalle haben international bekannte Künstler jeweils ein Stück der Mauer bearbeitet. Die 34 Arbeiten sollen die Fähigkeit der Kunst zeigen, etwas Trennendes zu einen, wie die Museumsleitung am Freitag mitteilte.

Deutschland im Ausland

Goethe-Institut feiert 50-Jähriges

Nach 50 Jahren Kulturarbeit im In- und Ausland zieht das Goethe-Institut in diesem Jahr mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm Bilanz. Martin Schumacher, amtierender Generalsekretär von Goethe Institut Inter Nationes, erklärte in einer am Freitag in München, nach Ende der Bonner Republik müsse das Bild des neuen vereinigten Deutschland als Teil der europäischen Staatengemeinschaft vermittelt werden.

Pkw-Verkehr

Gebührenerhöhung für Autofahrer zurückgezogen

Nach Protesten von Automobilclubs und Sozialverbänden zog das Bundesverkehrsministerium Pläne für die Erhöhung von Gebühren für Kraftfahrzeug-Zulassungen weitgehend zurück. Die Gebühren seien seit Anfang der 90er Jahre nicht angehoben worden und es gebe in den Verwaltungen eine "Unterdeckung von mehr als 50 Prozent", hatte ein Sprecher zur Begründung erläutert. Die Verwaltungen seien aber gesetzlich verpflichtet, kostendeckend zu arbeiten. Ob die Unterdeckung der Kosten durch den Pkw-Verkehr nun bestehen bleibt, blieb bislang offen. Die Pläne, auch die Ausnahmegenehmigungen für die Fahrerlaubnis Behinderter drastisch verteuern, war beim Sozialverband VdK auf heftige Kritik gestoßen.

Theater

Freie Theater fordern mehr Mittel

"Denk ich an die Freie Theater-Szene in der Nacht, so werde ich um den Schlaf gebracht." So mag Franka Schwuchow, Leiterin des 8. osteuropäisch-deutschen Festivals für Off-Theater "Unidram 2001", in Abwandlung eines Heinrich-Heine-Zitates in letzter Zeit geklagt haben. Schließlich stand die Finanzierung des am Sonntag in Potsdam beginnenden Theaterspektakels lange auf der Kippe. Doch nachdem das Goethe-Institut 10.000 Mark zu den Projektkosten beisteuerte, herrscht Erleichterung. "Wir müssen uns nicht verschulden", frohlockt Schwuchow. Sie ist auch Mitglied der Potsdamer Off-Theatergruppe "DeGater 87", die das Festivalorganisiert.

Breuer

Deutsche Bank macht Hochschulpolitik

Absolventen deutscher Hochschulen können nach Ansicht von Deutsche-Bank Chef Rolf Breuer im Vergleich mit ihren internationalen Konkurrenten nicht mithalten. Als Konsequenz fordert der Manager mehr Wettbewerb zwischen den Hochschulen. Nur so könne dem schwächelnden Bildungsstandort Deutschland wieder auf die Beine geholfen werden, betonte Breuer am Freitag in Berlin auf einem Kolloquium der Alfred Herrhausen Gesellschaft für internationalen Dialog unter dem Titel "Orientierung für die Zukunft, Bildung imWettbewerb".

Gesundheit und Entwicklung

Wieczorek-Zeul plädiert für "globale Allianz" im Kampf gegen Aids

Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) spricht sich für eine "globale Allianz" im Kampf gegen Aids aus. Die Krankheit sei in den vergangenen Jahren vor allem in Afrika, Süd-Ost-Asien und zuletzt auch in Ost-Europa von einem "schwerwiegendem Gesundheitsproblem" zu einem "umfassenden Entwicklungsproblem" geworden, sagte die Ministerin am Freitag in Frankfurt am Main. Wieczorek-Zeul kündigte Anstrengungen zur Vernetzung der verschiedenen Initiativen und eine stärkere Zusammenarbeit mit der Wirtschaft an.

Verkehrspolitik

6 Milliarden-Programm für Bahn soll Verkehrskollaps verhindern

Die Bundesregierung stellt der Deutschen Bahn AG aus den UMTS-Erlösen von 2001 bis 2003 zusätzlich insgesamt sechs Milliarden Mark für Investitionen in die Schienenwege zur Verfügung. Das Schienennetz grundlegend saniert werden. Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) sagte, die Bundesregierung habe eine Grundentscheidung getroffen, nicht nur "prestigeträchtige" Schnellverbindungen zu fördern, sondern das gesamte Bahnnetz. Er möchte die Bahn im Vergleich zu den übrigen Verkehrsträgern - allen voran dem Auto - wettbewerbsfähiger machen und damit den für 2015 drohenden Verkehrskollaps auf der Straße zu verhindern. Dann soll die Bahn in der Lage sein, doppelt so viel Güterverkehr zu transportieren wie derzeit.

Kirchentag

Demonstration vor Frankfurter Großbanken

Mit Kundgebungen vor der Dresdner Bank, der Commerzbank und der Deutschen Bank demonstrierten mehrere hundert Menschen haben am Freitag am Rande des Evangelischen Kirchentages "gegen die Macht des Geldes" demonstriert. Die Großbanken hätten "durch ihre Beteiligung an Spekulationen gegen schwache Währungsländer Finanzkrisen in Asien und Lateinamerika mit verursacht", hieß es in einem Aufruf der "Initiative Kirche von unten", des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Pax Christi Limburg und der "Initiative Ordensleute für den Frieden".

Kinder

Bergmann-Initiative für gewaltfreie Erziehung

Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD) wirbt mit einer bundesweiten Kampagne unter dem Motto "Mehr Respekt vor Kindern" für eine gewaltfreie Erziehung von Kindern. Am Freitag stellte sie in Berlin ein Paket mit neuen Informationsmaterialien für deutsche und ausländische Eltern vor, die Tipps und Hinweise für die Bewältigung von Erziehungsproblemen geben sollen. "Gewalt in der Familie ist in Deutschland immer noch erschreckend weit verbreitet", sagte Bergmann. Ursachen seien oftmals "Hilflosigkeit und Überforderung der Eltern".

Schule

Baden-Württemberg stellt Lehrer ein

Baden-Württemberg möchte die Einstellung von Lehrerinnen und Lehrern vorziehen, um einer Abwanderung von Lehrkräften in andere Bundesländer vorzubeugen. Im Schuljahr 2001/2002 sollen neben 940 neuen Lehrern und 660 "Springern" zusätzlich 300 sogenannte "Bindungslehrer" eingestellt werden, kündigte Kultusministerin Annette Schavan (CDU) am Freitag in Stuttgart an.