Naturschutznovelle

Was ist gute fachliche Praxis in der Landwirtschaft?

Mit der Novelle des Naturschutzgesetzes wird für den Umgang mit Agrarflächen in Schutzgebieten erstmals die "gute fachliche Praxis" bundesweit festgeschrieben. Der aus dem Fachrecht entliehene Begriff umreißt die Anforderungen, mit denen Landwirte ihre in Naturschutzgebieten liegenden Acker-, Wald- und Fischereiflächen behandeln müssen. Eine genaue Festlegung, welche Arbeiten den Begriff bestimmen, legen die Länder fest. Die "gute fachliche Praxis" ist Grundlage der Novelle und insbesondere bei den Bauern umstritten.

Friedensbewegung

7000 Atomwaffen in ständiger Alarmbereitschaft

Die von rund 20 Organisationen der Friedensbewegung getragene Kampagne "Atomwaffen abschaffen" warnt vor Plänen der USA, Frankreichs und Großbritanniens, neue Atomwaffen mit kleiner Sprengkraft, sogenannte "mini nukes", zu entwickeln. Auch zehn Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges sei die Gefahr eines Atomkrieges keineswegs gebannt. Derzeit befänden sich in den Vereinigten Staaten und in Rußland 7.000 Atomwaffen in ständiger Alarmbereitschaft, ein Einsatz sei auf Knopfdruck möglich. Es sei dringend erforderlich, dass der nukleare Nichtverbreitungsvertrag und das umfassende Atomteststopp-Abkommen von allen Staaten unterzeichnet, ratifiziert und eingehalten werde. Die Alarmbereitschaft für die Atomraketen müsse aufgehoben werden.

Chemie-Unfall

Der GAU auf der Schiene fand bei Schönebeck statt

1. Juni 1996: Ein herrlicher warmer Frühlingstag neigt sich seinem Ende. Hunderte Schönebecker verbringen den Samstag im Freien, sonnen sich oder grillen in den Gärten. Plötzlich durchbricht Sirenengeheul die idyllische Ruhe. Für Dutzende freiwillige Helfer beginnt damit einer der größten Einsätze in ihrer Laufbahn. Auf der zweigleisigen Bahnstrecke Magdeburg-Halle war nur einen Kilometer vom Bahnhof entfernt ein mit der gefährlichen Chemikalie Vinylchlorid beladener Kesselwagen entgleist und explodiert, weitere Waggons gerieten in Brand. Zu diesem Zeitpunkt ahnt von den Einsatzkräften niemand, welche brisante Ladung der Zug in sich birgt. Eine riesige, weithin sichtbare schwarze Rauchwolke steht an diesem Abend über dem Süden der Kreisstadt.

Deutsche Bundesstiftung

Viel Geld für Umweltschutz im Mittelstand

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) ist eine der größten Umweltstiftungen Europas. Sie nahm im März 1991 ihre Tätigkeit auf und hat seitdem rund 4.100 Projekte mit insgesamt 1,7 Milliarden Mark gefördert. Knapp die Hälfte des Geldes ging in die ostdeutschen Bundesländer. Bei 89 Prozent der Projekte hat die Stiftung nach eigenen Angaben ihre Förderziele erreicht. Die Stiftung richtet ihr Hauptaugenmerk auf die mittelständische Wirtschaft. Die Förderung geschieht in der Regel außerhalb staatlicher Programme, zum Teil werden sie ergänzt. Insbesondere gefördert werden umwelt- und gesundheitsfreundliche Verfahren und Produkte, der Austausch von Umweltwissen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, die Umweltbildung, die Bewahrung wertvoller Kulturgüter vor schädlichen Umwelteinflüssen sowie der Schutz des nationalen Naturerbes.

Wissenschaftler

Handy-Verbot im Auto ist sinnvoll

1997 hatten die US-Wissenschaftler Donald Redelmeier und Robert Tibshirani von der University of Toronto eine Studie zum Thema Handy-Nutzung im Auto veröffentlicht, die weltweit Beachtung fand (New England Journal of Medicine: "Association between Cellular-Telephone Calls and Motor Vehicle Collisions", Vol. 336, No. 7). Die beiden Forscher hatten herausgefunden, dass Handy-Telefonate während des Autofahrens das Unfallrisiko um das Vierfache vergrößern, da sie zu stark vom eigentlichen Fahrgeschehen ablenken. Doch Handy-Befürworter hatten die Studie als Argument angeführt, dass ein Verbot nicht sinnvoll sei, weil Mobiltelefone einen schnelleren Notruf ermöglichten. Dagegen verwahren sich die Forscher jetzt.

DIW-Chef

150.000 Einwanderer jährlich und Frauen in die Erwerbsarbeit

Das Deutsche Institut für Wirtschaftforschung (DIW) rechnet mit einem deutlich höheren Bedarf an Einwanderern als die von Rita Süssmuth (CDU) geleitete Regierungskommission. DIW-Präsident Klaus Zimmermann sagte der "Berliner Zeitung" (Dienstagausgabe), die Vorgabe, künftig 40.000 Arbeitskräfte pro Jahr ins Land zu holen, sei zwar "ein guter Anfang, um Erfahrungen zu sammeln". Er glaube aber, "dass die Größenordnung von 40.000 Menschen pro Jahr auf Dauer nicht ausreichen wird". Vielmehr veranschlage er für die nächsten Jahre den Bedarf "an temporären und dauerhaften Zuwanderern auf bis zu 150.000 Arbeitnehmer pro Jahr".

Ausstellung

Wie amnesty international für DDR-Häftlinge kämpfte

Eine Ausstellung über die "Arbeit von amnesty international für die Menschenrechte in der DDR" ist ab heute in Berlin zu sehen. Die Schau im Haus der Demokratie und Menschenrechte in Prenzlauer Berg ist nach Veranstalterangaben ein Ergebnis mehrjähriger Recherchen der Berliner Politologin Anja Mihr. Sie dokumentiert die Möglichkeiten, welche die Menschenrechtsorganisation nutzte, um Druck auf die SED-Führung auszuüben.

EU-Statistik

Bundesrepublik mit europaweit höchster Geschlechterdifferenz bei Uni-Abschlüssen

In keinem EU-Land ist der Bildungsgrad von Männern und Frauen unterschiedlicher als in Deutschland. Nach einem gestern in Luxemburg veröffentlichten Bericht der EU-Statistikbehörde Eurostat beträgt die Differenz zwischen Männer und Frauen mit Hochschulabschluss in der Gruppe der 25- bis 64-Jährigen zehn Prozentpunkte. 28 Prozent der Männer, aber nur 18 Prozent der Frauen in dieser Altersgruppe haben in Deutschland einen Hochschulabschluss. Insgesamt liegt Deutschland mit 23 Prozent Hochschulabsolventen leicht über dem EU-Durchschnitt von 21 Prozent.

Bundesverfassungsgericht

Altenpflegegesetz kann nicht in Kraft treten

Das Altenpflegegesetz kann nicht wie geplant zum 1. August in Kraft treten. Der Zweite Senat gab in einem am Dienstag in Karlsruhe veröffentlichten Beschluss einem entsprechenden Eilantrag Bayerns statt. Nach Auffassung Bayerns verletzt das von Bundestag und Bundesrat verabschiedete Gesetz die Gesetzgebungskompetenz der Länder.

Feier

Deutsche Bundesstiftung Umwelt wird zehn

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt feiert am heutigen Dienstag ihren zehnten Geburtstag. An der Feierstunde im Berliner "Haus der Kulturen der Welt" nahm ein großes Aufgebot an Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Umwelt teil. Zu den Gratulanten gehörten auch Umweltverbände wie BUND und NABU. Letzterer begrüßte ausdrücklich, dass kürzlich auch Naturschutzmaßnahmen in die Förderrichtlinien aufgenommen wurden. Bisher ist die Stiftung vor allem auf die Wirtschaft ausgerichtet.

Musik aus dem Netz

Napster soll 4,95 Mark im Monat kosten

Die Partner der Musiktauschbörse Napster, AOL Time Warner, Bertelsmann und EMI, haben laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins Spiegel endgültig den Preis für den neuen Napster-Service festgelegt. User werden künftig für die Nutzung ein monatliches Entgelt von 4,95 Mark an die drei Rechteinhaber zahlen müssen, zusätzlich sind gesonderte Gebühren für Sonderwünsche geplant. Der neue Service startet mit 1. Juli und wird derzeit von Real Networks unter dem Namen Musicnet entwickelt.

Telekom-Hauptversammlung

Immobilienbewertung weiterhin unklar

Neben dem Kurseinbruch der Telekom-Aktie war am Dienstag die Immobilienaffäre Gegenstand der von knapp 10.000 Aktionären besuchten Hauptversammlung der Deutschen Telekom AG. Es steht der Vorwurf im Raum, die Telekom habe das eigene Immobobilienvermögen zu hoch bewertet. Die Affäre hatte im Februar zu einem Abwertungsbedarf von rund vier Milliarden Mark geführt. Vorstandschef Ron Sommer lehnte die Forderung nach einer Sondernachprüfung ab. Die Immobilienwerte seien in der Vergangenheit in den Bilanzen stets rechtlich einwandfrei ermittelt, geprüft und testiert worden. Vorwürfe, er persönlich sei über eine falsche Bewertung informiert gewesen, ohne etwas zu unternehmen, wies Sommer als unbegründet zurück. Dies würden auch die noch laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ergeben. Einige Aktionäre hatten Strafanzeige gegen Sommer und andere Manager erstattet. Umsatz und Konzernüberschuß der Telekom sind im Geschäftsjahr 2000 deutlich gestiegen.

Verkehrswettbewerb

Bahnindustrie für mehr "Chancengleichheit"

Der Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VDB) fordert mehr "Chancengleichheit" für die Schiene. Nur die Bahn könne die wirtschaftliche, ökologische und sichere Bündelung der Verkehrsströme möglich machen, sagte VDB-Präsident Dieter Klumpp am Dienstag in Frankfurt am Main. Solange der Verkehr auf der Straße nicht mit den von ihm verursachten Kosten konfrontiert werde, sollte auch die Bahn nicht einem Trassenpreis der heutigen Art unterworfen sein.

Frauengesundheitsbericht

Mütter mit Job leben gesund

Die Verbindung von Beruf und Familie wirkt sich offenbar positiv auf die Gesundheit von Frauen aus. Berufstätige Mütter hätten ein gesteigertes Selbstwertgefühl und Wohlbefinden, sagte Bundesfamilien- und Frauenministerin Christine Bergmann (SPD) am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung des ersten Frauengesundheitsberichtes der Bundesregierung. Häusliche Gewalt und Misshandlungen seien häufig unerkannte Ursachen für Gesundheitsprobleme von Frauen. 19.000 Frauen sterben jährlich an Brustkrebs. Die Studie beleuchtet erstmals die gesundheitliche Situation von Frauen in Deutschland.

Gentechnik

Biopatente können lokale Produzenten mit Lizenzgebühren bedrohen

Mit dem Vorwurf der "Bio-Piraterie" wollen die Umweltschutzorganisation Greenpeace und das katholische Hilfswerk Misereor gemeinsam gegen ein Mais-Patent des Chemiekonzerns DuPont vorgehen. Der weltweit größte Saatgutanbieter sei dabei, sich durch eine eher zufällige genetische Veränderung an ein paar Maiskörnern ein Monopol auf alle ölreichen Maissorten, deren Züchtung und Verarbeitung zu sichern. Durch derartige Patente könnten sich sogar lokale Produzenten in Mexiko mit Lizenzforderungen konfrontiert sehen.

Rotkreuzschwestern

"Pflegekräfte zu schlecht bezahlt"

Der Bundesverband der Rotkreuzschwestern beklagt eine zu geringe Wertschätzung und schlechte Entlohnung für Pflegefachkräfte. Viele Pfleger verließen daher den Beruf, sagte die Präsidentin des Verbandes der Schwesternschaften vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), Sabine Schipplick, am Dienstag in Bremen. Eine qualitativ hochwertige Betreuung werde immer mehr von Rationalisierungs- und Tarifdruck gefährdet.

NS-Verbrechen

Am Mittwoch Urteil gegen SS-Wachmann Malloth

Im Mordprozess gegen den mutmaßlichen NS-Kriegsverbrecher Anton Malloth wird am morgigen Mittwoch um 11.00 Uhr im Gefängnis München-Stadelheim das Urteil gesprochen. Die Staatsanwaltschaft fordert eine lebenslange Haftstrafe wegen eines Mordes und eines Mordversuchs. Die Verteidigung verlangt einen Freispruch, weil sie Zweifel an den Aussagen der Hauptbelastungszeugen hat.

Kokain

Anklage gegen Daum erhoben

Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat gegen den ehemaligen Bundesliga-Trainer Christoph Daum Anklage wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz erhoben. Dies bestätigte die Koblenzer Staatsanwaltschaft dem Südwestrundfunk (SWR) am Dienstagabend. Daneben werden nach Angaben des "Kölner Stadtanzeigers" (Mittwochausgabe) vier weitere Beschuldigte bei der Ersten Großen Strafkammer des Koblenzer Landgerichtes angeklagt. Dies bestätigen den Angaben zufolge mehrere Verteidiger der Beschuldigten dem Blatt.

Zahnärzte-Forderung

Krankenkassen sollen Zahnreparaturen nicht mehr bezahlen

Deutschlands Zahnärzte fordern von der Bundesregierung eine radikale Reform des Gesundheitswesens mit deutlich höherer Kostenbeteiligung der Patienten. "Zahnreparaturen sollten künftig nicht mehr vollständig als Pflichtleistungen von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt werden", sagte der Vorsitzende der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, Karl Horst Schirbort, der "Berliner Zeitung" (Mittwochausgabe). Das vorhandene Geld müsse stärker auf die Gesundheitsvorsorge konzentriert werden. Es sei nicht Aufgabe der Versichertengemeinschaft, für selbst verursachte Zahnschäden aufzukommen.

ver.di

Gewerkschaft fordert mehr Frauenförderung

Die vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di will sich für eine gezielte Frauenförderung stark machen. Es müsse alles getan werden, um mehr Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern zu erreichen, sagte ver.di-Vorsitzender Frank Bsirske am Dienstag auf einer Konferenz der Gewerkschaft in Leipzig.