Andorra
Das Fürstentum Andorra
Andorra ist ein Kleinstaat im Herzen der Pyrenäen, eingeschlossen zwischen Spanien und Frankreich. Das Fürstentum ist 468 Quadratkilometer groß — etwa zwei Drittel der Fläche des Stadtgebiets von Hamburg — und zählt 87.097 Einwohner (Stand 31. Dezember 2024). Hauptstadt ist Andorra la Vella mit rund 22.000 Einwohnern, Amtssprache ist Katalanisch.
Rund 92 Prozent der Fläche sind Wald, nur acht Prozent sind bebaut. Der höchste Punkt ist der Coma Pedrosa mit 2.946 Metern. Das Land gliedert sich in sieben Gemeinden: Canillo, Encamp, Ordino, La Massana, Andorra la Vella, Sant Julià de Lòria und Escaldes-Engordany.
Andorra ist kein Mitglied der Europäischen Union, verwendet aber den Euro. Ein Zollunion-Abkommen verbindet es seit 1990 mit der EU. Im Lexikon steht der Beitrag neben den anderen Staaten unter Länder.
Zwei Staatsoberhäupter: das Kofürstentum
Andorra hat zwei Staatsoberhäupter zugleich. Das ist kein Kuriosum der Neuzeit, sondern geht auf das Jahr 1278 zurück: Mit dem „Pariatge", einem Schiedsspruch zwischen dem Bischof von Urgell und dem Grafen von Foix, wurde die Herrschaft über die Täler geteilt. Aus dieser Teilung ist das heutige Kofürstentum geworden.
Die beiden Kofürsten sind der Bischof von Urgell — seit dem 31. Mai 2025 Josep-Lluís Serrano Pentinat — und der jeweilige französische Staatspräsident, derzeit Emmanuel Macron. Sie vertreten das Volk gemeinsam und ungeteilt. Die Amtsgeschäfte führen persönliche Repräsentanten.
Regiert wird das Land vom Regierungschef, dem Cap de Govern. Dieses Amt hat seit dem 16. Mai 2019 Xavier Espot Zamora inne. Das Parlament, der Generalrat der Täler, hat 28 Mitglieder und wird alle vier Jahre gewählt. Seine eigene Verfassung hat Andorra erst seit 1993 — davor war die Ordnung von 1278 in abgewandelter Form in Kraft.
Der Nationalfeiertag am 8. September erinnert an beides: die Gründung von 1278 und die Jungfrau von Meritxell, die Schutzpatronin des Landes.
Ein Land der Berge
Andorra liegt zwischen 42 und 43 Grad nördlicher Breite auf Höhen zwischen rund 900 und 2.946 Metern. Das Klima ist ein Hochgebirgsklima mit mediterranen Einflüssen: heiße Sommer, kalte Winter mit ergiebigem Schneefall. Die durchschnittliche Tiefsttemperatur liegt bei minus zwei Grad, die Höchstwerte bei 24 Grad.
Diese Lage bestimmt das Land. Die Pässe sind im Winter lange gesperrt, die Täler liegen abgeschieden, und der Schnee ist seit Jahrzehnten eine wirtschaftliche Grundlage: Andorra ist ein Skigebiet mit mehreren Stationen. 93,3 Prozent des Stroms stammen aus erneuerbaren Quellen, vor allem aus Wasserkraft.
Wovon das Land lebt
Die andorranische Wirtschaft ruht auf drei Säulen. Die erste ist der Handel: Weil die Verbrauchsteuern niedrig sind, kommen jährlich Millionen Tagesbesucher aus Spanien und Frankreich zum Einkaufen von Alkohol, Tabak und Elektronik. Die zweite ist der Tourismus, im Winter der Ski-, im Sommer der Wanderbetrieb. Handel und Tourismus machen zusammen rund 60 Prozent der Wirtschaft aus. Die dritte ist das Finanzwesen.
Nach Sektoren verteilt entfallen 78,3 Prozent der Wirtschaftsleistung auf Dienstleistungen, 12,4 Prozent auf die Industrie und 0,5 Prozent auf die Landwirtschaft. Das Bruttoinlandsprodukt lag 2023 bei 3,7 Milliarden US-Dollar, das sind 43.810 US-Dollar je Einwohner. Die Arbeitslosenquote beträgt 3,7 Prozent (Stand 2025).
Die Steueroase und was daraus wurde
Andorra zählt zu den Steueroasen. Der Spitzensteuersatz auf Einkommen und Unternehmensgewinne liegt bei zehn Prozent, die Mehrwertsteuer — in Andorra IGI genannt — bei 4,5 Prozent. Eine Erbschaftsteuer und eine Vermögensteuer gibt es nicht. Nach Schätzungen legten zeitweise über tausend Deutsche Kapital in Andorra an, viele von ihnen in Immobilien.
Dieses Modell ist in den vergangenen fünfzehn Jahren stark eingeschränkt worden. Schon 2010 unterzeichnete Andorra mit Deutschland ein Abkommen über den Informationsaustausch in Steuersachen, das 2013 in Kraft trat. Im Februar 2016 folgte ein entsprechendes Abkommen mit der Europäischen Union, und im selben Jahr kündigte Andorra an, das Bankgeheimnis aufzugeben.
Der Anlass war ein Skandal. Im März 2015 stufte das US-Finanzministerium die Banca Privada d'Andorra (BPA) als „primary money laundering concern" ein — als Bank, die im Verdacht steht, Geldwäsche in großem Umfang zu ermöglichen. Die Aufsicht übernahm das Institut, die Bank wurde geschlossen. Der Fall traf das Land hart und beschleunigte den Umbau des Finanzplatzes: Andorra wechselte zum automatischen Informationsaustausch und baute seine Aufsicht aus.
Wer heute nach Andorra zieht, muss beachten, dass Deutschland bei einem steuerlich motivierten Wegzug die stillen Reserven besteuert — die Wegzugbesteuerung greift, bevor die niedrigen Sätze in Andorra wirken.
Andorra und Deutschland
Zwischen Andorra und Deutschland bestehen keine Botschaften im üblichen Sinn. Andorra unterhält eine Botschaft in Berlin, Deutschland ist in Andorra über die Botschaft in Madrid vertreten. Grundlage der steuerlichen Beziehungen ist das Informationsaustausch-Abkommen von 2010.
Fakten auf einen Blick
| Amtssprache | Katalanisch |
| Hauptstadt | Andorra la Vella |
| Fläche | 468 Quadratkilometer |
| Einwohner | 87.097 (31. Dezember 2024) |
| Staatsform | Parlamentarisches Kofürstentum |
| Staatsoberhäupter | Bischof von Urgell und französischer Staatspräsident |
| Regierungschef | Xavier Espot Zamora, seit 16. Mai 2019 |
| Verfassung | 1993 |
| Höchster Punkt | Coma Pedrosa, 2.946 Meter |
| Währung | Euro, kein EU-Mitglied |
| Nationalfeiertag | 8. September |
Note
Andorra ist kein Steuerparadies mehr im alten Sinn. Wer dort Kapital parken wollte, muss seit 2010 mit Auskunftsersuchen aus Deutschland rechnen. Die niedrigen Steuersätze gelten für Menschen, die tatsächlich dort leben — und wer aus Deutschland wegzieht, wird vorher noch von der Wegzugbesteuerung erfasst.
Quellen
| [1] | Wikipedia: Andorra (https://de.wikipedia.org/wiki/Andorra), abgerufen am 12. Oktober 2026. |
| [2] | Bundeszentrale für politische Bildung: Andorra, KOSMOS Weltalmanach 2025 (https://tinyurl.com/2bupu47w), abgerufen am 12. Oktober 2026. |
| [3] | Visit Andorra: Die Basics (https://visitandorra.com/de/die-basics/), abgerufen am 12. Oktober 2026. |
| [4] | Bundesministerium der Finanzen: Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Fürstentum Andorra über den Informationsaustausch in Steuersachen, unterzeichnet am 25. November 2010. |
| [5] | US Department of the Treasury, FinCEN: Notice of Finding That Banca Privada d'Andorra Is a Financial Institution of Primary Money Laundering Concern, 6. März 2015. |
| [6] | The Guardian: Andorra to renounce banking secrecy as it sheds tax haven status, 2. Dezember 2016. |