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Nationalpark Harz: Brocken, Natur & Highlights | NGO Online

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Der Nationalpark Harz schützt rund um den Brocken Wälder, Moore und Bergbäche auf 247 Quadratkilometern. Im Mittelpunkt steht der Prozessschutz: Auf großen Teilen der Fläche soll sich die Natur weitgehend ohne forstwirtschaftliche Eingriffe entwickeln.

247 km² Fläche
1.141 m Brocken
2 Bundesländer
> 75 % Prozessschutz

Definition und geografischer Überblick

Der Nationalpark Harz ist ein 247 Quadratkilometer (rund 24.700 Hektar) großes Großschutzgebiet im deutschen Mittelgebirge Harz. Als erster länderübergreifender Nationalpark Deutschlands erstreckt er sich über die beiden Bundesländer Niedersachsen (Landkreise Goslar und Göttingen) und Sachsen-Anhalt (Landkreis Harz).

Das Schutzgebiet umfasst rund 10 Prozent der gesamten Harzfläche und reicht von montanen Höhenlagen bei etwa 230 Metern bis zum Gipfel des Brockens auf 1.141 Metern über Normalnull. Er gehört zur internationalen Schutzgebietskategorie II der Weltnaturschutzunion (IUCN) und ist als europäisches Vogelschutz- sowie FFH-Gebiet in das Schutzgebietsnetz Natura 2000 integriert.

Entstehungsgeschichte und länderübergreifender Status

Die Ausweisung des heutigen Großschutzgebiets vollzog sich in Etappen:

  • 1990: Gründung des Nationalparks Hochharz in Sachsen-Anhalt im Rahmen des DDR-Nationalparkprogramms auf einer Fläche von rund 8.900 Hektar rund um Brocken und Schierke.
  • 1994: Ausweisung des niedersächsischen Teils als Nationalpark Harz auf rund 15.800 Hektar.
  • 2006: Gesetzliche Fusion beider Parks zum ersten länderübergreifenden Nationalpark der Bundesrepublik Deutschland mit gemeinsamer Verwaltung und Sitz in Wernigerode.

Ökologische Kernbereiche und Schutzkonzept

Das Schutzziel des Nationalparks basiert auf dem Leitmotiv der deutschen Nationalparks: „Natur Natur sein lassen“ (Prozessschutz).

Entstehungsgeschichte und länderübergreifender Status

Die Ausweisung des heutigen Großschutzgebiets vollzog sich in Etappen:

  • 1990: Gründung des Nationalparks Hochharz in Sachsen-Anhalt im Rahmen des DDR-Nationalparkprogramms auf einer Fläche von rund 8.900 Hektar rund um Brocken und Schierke.
  • 1994: Ausweisung des niedersächsischen Teils als Nationalpark Harz auf rund 15.800 Hektar.
  • 2006: Gesetzliche Fusion beider Parks zum ersten länderübergreifenden Nationalpark der Bundesrepublik Deutschland mit gemeinsamer Verwaltung und Sitz in Wernigerode.

Ökologische Kernbereiche und Schutzkonzept

Das Schutzziel des Nationalparks basiert auf dem Leitmotiv der deutschen Nationalparks: „Natur Natur sein lassen“ (Prozessschutz).

Das Prozessschutz-Prinzip

Auf mehr als 75 Prozent der Parkfläche greift der Mensch nicht mehr forstwirtschaftlich oder regulierend ein. Die durch frühere Fichtenmonokulturen und Dürreperioden begünstigte Massenvermehrung des Buchdruckers (Borkenkäfer) führte zu einem flächigen Absterben von Altfichtenbeständen.

Die Diskussion über naturnahe Wälder, den Umgang mit dem Borkenkäfer und die Frage, wie stark der Mensch in Waldökosysteme eingreifen sollte, wird seit Jahrzehnten geführt. Historische Positionen des Naturschutzbundes dokumentiert NGO Online im NABU-Dossier zu Naturschutz, Wald- und Umweltpolitik seit 2001.

Wissenschaftliche Untersuchungen der Parkverwaltung und von Forstfakultäten belegen, dass Totholz kein Zerstörungsstadium darstellt, sondern als Nährstoffreservoir, Wasserspeicher und Keimbett für eine standortgerechte, artenreiche Waldwildnis aus Vogelbeere, Weide, Birke und Buche dient.

Hochmoore, Urwaldrelikte und Gewässersysteme

  • Regenmoore (z. B. Torfhausmoor / Großes Torfhausmoor): Über Jahrtausende gewachsene Torfkörper von bis zu fünf Metern Mächtigkeit, die als bedeutende Kohlenstoff- und Wasserspeicher fungieren.
  • Brockenurwald: Reliktvorkommen der autochthonen Harzer Hochlagenfichte in extremen Klimazonen unterhalb der alpinen Waldgrenze.
  • Naturnahe Bergbäche: Nährstoffarme, sauerstoffreiche Fließgewässer (u. a. Ilse, Bode, Ecker, Oder) mit spezialisierter Kaltwasserfauna.

Fauna und Flora: Luchsprojekt und Biodiversität

Der Nationalpark Harz beheimatet über 10.000 nachgewiesene Tier-, Pflanzen- und Pilzarten:

  • Eurasischer Luchs (*Lynx lynx*): Zwischen 2000 und 2006 führte der Nationalpark das erste erfolgreiche Luchs-Wiederansiedlungsprojekt Mitteleuropas durch. Die Tiere haben sich seither im gesamten Harz und angrenzenden Regionen etabliert.
  • Europäische Wildkatze (*Felis silvestris*): Der Harz bildet eines der bedeutendsten Kernvorkommen in Mitteleuropa.
  • Spezialisierte Hochlagenarten: Raufußkauz, Sperlingskauz, Ringdrossel und die alpine Brocken-Anemone (Pulsatilla alpina subsp. alba), die in Deutschland endemisch auf dem Brocken wächst.

Zonierung und Schutzgebietsstruktur

ZoneFlächenanteilFunktion und Bewirtschaftung
Naturdynamikzone (Kernzone)> 75 %Vollständiger Prozessschutz; keine forstliche Nutzung; striktes Wegegebot für Besucher.
Entwicklungsszone< 25 %Zeitlich befristete Initialpflanzung von Laubhölzern (Rotbuche), um künstliche Fichtenforste in Naturwälder zu überführen.
Nutzungszone< 1 %Touristische Sonderflächen, Siedlungsränder, Verkehrsachsen und Brockenplateau.

Zentrale Sehenswürdigkeiten und Attraktionen

Der Brocken (1.141 m)

Als höchster Berg Norddeutschlands weist der Brocken ein raues, subalpines Klima auf, das mit Höhenlagen von 2.000 Metern in den Alpen vergleichbar ist (Jahresmitteltemperatur ca. 3,5 °C; über 300 Nebeltage im Jahr). Er markiert die einzige natürliche alpine Baumgrenze der deutschen Mittelgebirge. Auf dem Plateau befinden sich das Brockenhaus (Besucherzentrum), der historische Brockengarten sowie der Endbahnhof der Schmalspurbahn.

Die Brockenbahn (Harzer Schmalspurbahnen)

Die dampfbetriebene Schmalspurbahn (Meterspur) der Harzer Schmalspurbahnen (HSB) führt von Wernigerode über Drei Annen Hohne und Schierke direkt auf das Brockenplateau (Bahnhof Brocken auf 1.125 m ü. NN). Sie ist das bekannteste technische Denkmal und die am stärksten frequentierte touristische Verbindung in das Kerngebiet des Nationalparks.

Der Oderteich und das Oberharzer Wasserregal

Der zwischen 1715 und 1722 erbaute Oderteich bei Altenau / Braunlage war über 170 Jahre lang die größte Talsperre Deutschlands. Er staute die Oder auf, um Aufschlagwasser für die Schaufelräder des Oberharzer Bergbaus bereitzustellen. Als elementarer Bestandteil des Oberharzer Wasserregals gehört er heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ein Rundwanderweg erschließt die historische Granitbauweise und die angrenzenden Moorwälder.

Wandern, Routen und Infrastruktur

Der Nationalpark Harz verfügt über ein Wegenetz von rund 600 Kilometern Länge.

Wichtige Hauptwanderwege

  • Goetheweg: Klassischer Brockenaufstieg von Torfhaus über das Große Torfhausmoor und die Bahntrasse zum Brocken (ca. 8 km einfache Strecke).
  • Heinrich-Heine-Weg: Anspruchsvoller Aufstieg von Ilsenburg durch das wildromantische Ilsetal und über die Ilsefälle zum Gipfel.
  • Harzer Hexenstieg: 97 Kilometer langer Fernwanderweg, der den Nationalpark von West nach Ost quert.

Besucherzentren und Informationsstellen

  • Nationalpark-Besucherzentrum TorfHaus: Schwerpunkt auf Moore, Waldwandel und Wildnisentwicklung.
  • Brockenhaus: Dreistöckige Ausstellung zu Klima, Geschichte, Grenzregime und Natur auf dem Brockenplateau.
  • Nationalparkhaus Ilsetal (Ilsenburg): Fokus auf Gewässerbiotope und Flussdynamik.
  • Luchs-Schaugehege an den Rabenklippen (Bad Harzburg): Bildungseinrichtung zur Biologie und Wiederansiedlung der Großkatzen.

Was der Nationalpark Harz nicht ist: Mythen und Fakten

  • Mythos: „Der Wald im Nationalpark ist tot und kaputt.“ Fakt: Das Absterben der standortfremden Fichtenforste ist der Beginn einer natürlichen Sukzession. Unter dem Totholz wächst ohne menschliches Zutun ein robuster, klimaresistenter Mischwald nach.
  • Mythos: „Ein Nationalpark ist ein forstwirtschaftlicher Erholungswald.“ Fakt: Das vorrangige Ziel ist der Naturschutz und die ungestörte Eigendynamik natürlicher Prozesse, nicht Holzertrag oder uneingeschränkte Freizeitnutzung.
  • Mythos: „Man darf sich im gesamten Nationalpark frei bewegen.“ Fakt: Zum Schutz sensibler Tierarten (u. a. Auerhuhn, Wildkatze, Brutvögel) und empfindlicher Moorvegetation gilt im gesamten Nationalpark ein striktes Wegegebot.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie viele Nationalparks gibt es im Harz?
Es gibt genau einen Nationalpark im Harz. Er entstand 2006 durch die Fusion des niedersächsischen Nationalparks Harz mit dem sachsen-anhaltischen Nationalpark Hochharz.
Ist der Brocken im Nationalpark Harz?
Ja. Das Brockenplateau sowie die gesamten Hochlagen rund um den Gipfel liegen im Zentrum der geschützten Kernzone des Nationalparks.
Fährt die Brockenbahn direkt in den Nationalpark?
Ja. Die Trasse der Harzer Schmalspurbahnen quert den Nationalpark Harz ab Schierke und endet am Brockenbahnhof auf 1.125 Metern Höhe.
Darf man im Oderteich baden?
Das Baden ist im Oderteich ausschließlich in zwei ausgewiesenen Bereichen am Nordost- und Südostufer während der Sommermonate gestattet. Alle übrigen Ufer- und Wasserzonen unterliegen dem Biotopschutz.
Gilt im Nationalpark Harz eine Leinenpflicht für Hunde?
Ja. Im gesamten Nationalparkgebiet gilt eine ganzjährige und ausnahmslose Anleinpflicht für Hunde zum Schutz der Wildtiere.

Definitionssnippets

Was bedeutet Nationalpark Harz einfach erklärt?
Der Nationalpark Harz ist ein riesiges Naturschutzgebiet rund um den Brocken, in dem die Natur sich selbst überlassen wird, damit aus alten Forsten wieder echte Urwälder entstehen können.
Was ist der Nationalpark Harz in einem Satz?
Der Nationalpark Harz ist das erste länderübergreifende Großschutzgebiet Deutschlands, das auf knapp 250 Quadratkilometern Mittelgebirgsökosysteme, Hochmoore und die subalpine Krummholzzone des Brockens nach dem Prinzip des Prozessschutzes sichert.

Über den Autor

Detlev Lengsfeld ist Herausgeber von NGO Online. Er beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit digitaler Öffentlichkeit, Suchmaschinen und der Frage, wie Fachwissen verständlich, nachvollziehbar und dauerhaft auffindbar vermittelt werden kann.

Dieser Artikel basiert auf aktuellen Veröffentlichungen wissenschaftlicher Institute und Fachgesellschaften.

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