Wolfenbüttel: Sehenswürdigkeiten, Geschichte & Einwohner
Wolfenbüttel ist eine Kreisstadt im Südosten Niedersachsens und die größte Stadt des Landkreises Wolfenbüttel. Die Stadt an der Oker war über vier Jahrhunderte lang Residenz der Herzöge zu Braunschweig und Lüneburg und gilt als die erste nach Plan gebaute Renaissance-Stadt Deutschlands. [1]
Mit rund 52.500 Einwohnern ist Wolfenbüttel eine Mittelstadt und Sitz der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Braunschweig. [2] Prägend sind die Welfen, die Herzog August Bibliothek, das Lessinghaus und eine fast geschlossen erhaltene Altstadt mit rund 600 denkmalgeschützten Fachwerkhäusern. Überregional bekannt ist die Stadt außerdem durch den Kräuterlikör Jägermeister und als Standort der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften. [1] [3]
Wolfenbüttel auf einen Blick
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Wolfenbüttel (Kreisstadt)
Einwohner: 52.511 zum 31. Dezember 2025 [2]
Fläche: rund 78,7 Quadratkilometer [2]
Stadtgliederung: sieben Stadtteile der Kernstadt und zehn 1974 eingemeindete Ortschaften [2]
Postleitzahlen: 38300, 38302, 38304
Vorwahl: 05331
Wahrzeichen: Schloss Wolfenbüttel
Erste urkundliche Erwähnung: 1118 als „Wulferesbutle“ [1]
Bekannt für: Welfenresidenz, Schloss, Herzog August Bibliothek, Lessinghaus, Fachwerkaltstadt, Jägermeister und Ostfalia Hochschule
Wo liegt Wolfenbüttel?
Wolfenbüttel liegt im Südosten Niedersachsens, zwischen Harz und Lüneburger Heide. Die Kernstadt befindet sich etwa zwölf Kilometer südlich von Braunschweig, rund 60 Kilometer ostsüdöstlich von Hannover und unmittelbar nordöstlich von Salzgitter. Die Stadt wird von der Oker durchflossen. [2]
Für die regionale Einordnung sind die Nachbarstädte Braunschweig und Wolfsburg sowie das Mittelgebirge Harz wichtig. Im Städtedreieck Braunschweig–Salzgitter–Wolfsburg gehört Wolfenbüttel zu den kleineren, aber historisch eigenständigen Zentren. [2]
Geschichte: von Wulferesbutle zur Residenzstadt
Die Ursprünge Wolfenbüttels werden im 10. Jahrhundert vermutet. Damals soll sich ein sächsischer Siedler namens Wulferus an einer Untiefe der Oker niedergelassen haben. Der Ortsname setzt sich aus dem altniederdeutschen „bodal“ (Haus und Hof, Siedlung) und dem verschliffenen Personennamen dieses ersten Wolfenbüttelers zusammen – nicht, wie oft angenommen, aus dem Tiernamen Wolf. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1118, damals in der Schreibweise „Wulferesbutle“. [1]
Ab dem 13. Jahrhundert wurde die Siedlung zur Festung ausgebaut. Die Wasserburg – das spätere Schloss Wolfenbüttel – diente den Herzögen von Braunschweig-Lüneburg von 1283 bis 1754 als Residenz. [6]
Die Welfenresidenz
Ab etwa 1430 war Wolfenbüttel ständige Residenz der Herzöge zu Braunschweig und Lüneburg und blieb dies bis ins 18. Jahrhundert. Über vier Jahrhunderte war die Stadt ein Zentrum des Geisteslebens und der schönen Künste. [1]
1570 verlieh Herzog Julius der Stadt Markt- und Wappenrecht und ließ sie planmäßig ausbauen. Die drei Stadtteile Heinrichstadt, Juliusstadt und Auguststadt bilden die älteste regelmäßige Stadtanlage der Neuzeit in Norddeutschland. [1]
1753 bis 1754 verlegten die Herzöge ihre Residenz nach Braunschweig. Wolfenbüttel verlor damit seine Funktion als Hofsitz; der historische Stadtkern blieb jedoch weitgehend erhalten. Von den rund 600 noch vorhandenen Fachwerkhäusern waren bis 2005 etwa 240 saniert. [1]
Bibliothek, Wissenschaft und Theater
1572 gründete Herzog Julius im Schloss die Herzogliche Bibliothek, die heutige Herzog August Bibliothek. Unter Herzog August dem Jüngeren (1579–1666) wurde sie zur größten Bibliothek Europas und galt schon zu Lebzeiten ihres Sammlers als „achtes Weltwunder“. Bereits 1691 übernahm Gottfried Wilhelm Leibniz ihre Leitung; von 1705 bis 1713 entstand die Bibliotheksrotunde, die als Vorbild für Bibliotheksbauten in Oxford, Wien und Weimar galt. [1]
Von 1770 bis zu seinem Tod 1781 war Gotthold Ephraim Lessing Bibliothekar in Wolfenbüttel. In dieser Zeit entstanden unter anderem „Emilia Galotti“ und „Nathan der Weise“; seit 1777 wohnte er in dem Hofbeamtenhaus neben der Bibliothek, dem heutigen Lessinghaus. [1] [4]
Weitere Erstmaligkeiten prägen die Stadtgeschichte: 1589 wurde die Garnison Wolfenbüttel gegründet, die erste stehende Garnison im deutschsprachigen Bereich. 1592 entstand unter Herzog Heinrich Julius das älteste stehende Theater mit Berufsschauspielern in Deutschland, und 1609 erschien mit dem „AVISO“ die erste deutschsprachige Zeitung. [1]
Sehenswürdigkeiten
Die Altstadt gehört zu den geschlossensten Renaissance-Ensembles Norddeutschlands. Ein Überblick:
| Sehenswürdigkeit | Bedeutung |
|---|---|
| Schloss Wolfenbüttel | Zweitgrößtes erhaltenes Schloss Niedersachsens und Wahrzeichen der Stadt. Heute beherbergt es das Schlossmuseum, das Gymnasium im Schloss und die Bundesakademie für kulturelle Bildung. [5] [6] |
| Herzog August Bibliothek | 1572 gegründet und eine der bedeutendsten Bibliotheken Europas. Sie bewahrt das Evangeliar Heinrichs des Löwen, das 1983 für 32,5 Millionen DM ersteigert wurde. [1] [7] |
| Lessinghaus | Ehemaliges Hofbeamtenhaus neben der Bibliothek und Lessings letzte Wohnung in Wolfenbüttel (1777–1781); heute Museum. [4] |
| Hauptkirche Beatae Mariae Virginis | Ab 1608 erbaut und damit der älteste Großbau des Protestantismus. [1] |
| Klein Venedig | Letzter erhaltener Abschnitt des Grachtensystems, das der niederländische Baumeister Hans Vredeman de Vries im 16. Jahrhundert für Herzog Julius anlegen ließ. [8] |
Wirtschaft: Jägermeister und Ostfalia
Die bekannteste Marke der Stadt ist Jägermeister. Curt Mast (1897–1970) entwickelte das Rezept aus 56 Kräutern, Blüten, Wurzeln und Früchten im Jahr 1934; 1935 kam der Kräuterlikör auf den Markt. Er wird bis heute in Wolfenbüttel hergestellt, wo die Mast-Jägermeister SE ihren Sitz hat. [1] [3]
Zweiter wichtiger Standort ist die Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften. Ihre Vorläuferin, das Technikum am Rosenwall, wurde 1928 gegründet; die Hochschule hat ihren Hauptsitz bis heute in Wolfenbüttel. [1]
Hinweis zu den Zahlen
Die Einwohner- und Flächenangaben beziehen sich auf den 31. Dezember 2025. Die geschichtlichen Jahreszahlen folgen der Chronologie der Stadt Wolfenbüttel. Für die Jägermeister-Geschichte sind Entwicklung (1934) und Markteinführung (1935) getrennt angegeben, weil die Quellen beide Jahreszahlen nennen.
Quellen
| [1] | (1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14) Stadt Wolfenbüttel: Stadtgeschichte – Chronologie und Herkunft des Ortsnamens (https://www.wolfenbuettel.de/Stadtleben/Die-Stadt/Stadtgeschichte), Abruf 2026-10-09. |
| [2] | (1, 2, 3, 4, 5, 6) Wikipedia, Artikel „Wolfenbüttel“ (Basisdaten: Einwohnerzahl 52.511 zum 31. Dezember 2025, Fläche, Stadtgliederung, Sitz der Landeskirche) (https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfenb%C3%BCttel), Abruf 2026-10-09. Keine Primärquelle; amtliche Statistik noch gegenzuprüfen. |
| [3] | (1, 2) Mast-Jägermeister SE: Markengeschichte „Wie alles begann“ (https://tinyurl.com/2ckx5ux8), Abruf 2026-10-09. |
| [4] | (1, 2) Herzog August Bibliothek: Lessinghaus und Lessings Leben und Werk in Wolfenbüttel 1770–1781 (https://hab.de/en/lessinghaus), Abruf 2026-10-09. |
| [5] | Lessingstadt Wolfenbüttel: Schloss Wolfenbüttel (https://www.lessingstadt-wolfenbuettel.de/poi/schloss-wolfenbuettel), Abruf 2026-10-09. |
| [6] | (1, 2) Wikipedia, Artikel „Schloss Wolfenbüttel“ (Residenz 1283–1754; zweitgrößtes erhaltenes Schloss Niedersachsens) (https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Wolfenb%C3%BCttel), Abruf 2026-10-09. |
| [7] | Herzog August Bibliothek: Das Evangeliar Heinrichs des Löwen und Mathildes von England (Erwerb 1983 für 32,5 Millionen DM) (https://tinyurl.com/2aszftu9), Abruf 2026-10-09. |
| [8] | Wikipedia, Artikel „Geschichte der Oker in Wolfenbüttel“ (Grachtensystem des 16. Jahrhunderts, Hans Vredeman de Vries, Klein Venedig) (https://tinyurl.com/27f7wx68), Abruf 2026-10-09. |