Ferdinand Piëch
Ferdinand Karl Piëch (1937–2019) war ein österreichischer Ingenieur und Manager. Er entstammte der Familie des Autopioniers Ferdinand Porsche, führte von 1993 bis 2002 als Vorstandsvorsitzender die Volkswagen AG und war anschließend bis 2015 Vorsitzender ihres Aufsichtsrats. [1] [2]
Ferdinand Piëch auf einen Blick
Geboren: 17. April 1937 in Wien [1] [6]
Gestorben: 25. August 2019 in Rosenheim [1]
Beruf: Ingenieur (Maschinenbau) und Manager [1] [6]
Herkunft: Enkel des Autokonstrukteurs Ferdinand Porsche; Sohn des Rechtsanwalts Anton Piëch und dessen Frau Louise Porsche [1] [3]
Ämter: Vorstandsvorsitzender der Audi AG (1988–1993), Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG (1993–2002), Vorsitzender des Aufsichtsrats der Volkswagen AG (2002–2015) [1] [2]
Bekannte Projekte: Porsche 917, Audi quattro, TDI-Motor, Bugatti Veyron [2] [7]
Herkunft und Familie
Piëch wurde als drittes Kind des Wiener Rechtsanwalts Anton Piëch (1894–1952) und dessen Frau Louise geboren, einer Tochter des Autokonstrukteurs Ferdinand Porsche. Sein Vater leitete während des Zweiten Weltkriegs das Volkswagenwerk in Wolfsburg. Die Familien Porsche und Piëch verbrachten die Kriegsjahre am Wörthersee; 1952 starb der Vater überraschend. [1] [3]
Piëch besuchte von 1952 bis 1958 das Schweizer Internat Lyceum Alpinum Zuoz und studierte anschließend Maschinenbau an der ETH Zürich. Seine Diplomarbeit behandelte die Entwicklung eines Formel-1-Motors. Er hatte nach eigenen Angaben zwölf Kinder aus vier Beziehungen; seine Witwe Ursula Piëch nannte abweichend dreizehn. [1]
Werdegang
1963 begann Piëch seine Laufbahn bei der Dr. Ing. h.c. F. Porsche KG in Zuffenhausen unter seinem Onkel Ferry Porsche. Ab 1965 leitete er die Entwicklungsabteilung, 1971 wurde er Technischer Geschäftsführer. In diese Zeit fiel die Entwicklung des Rennsportwagens Porsche 917, mit dem Porsche 1970 seinen ersten Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans erreichte. [1] [7]
Anfang 1972 mussten sich auf einen Familienbeschluss hin alle Familienmitglieder aus der Porsche-Geschäftsführung zurückziehen. Piëch gründete daraufhin ein eigenes Konstruktionsbüro, das für Daimler-Benz den Fünfzylinder-Dieselmotor OM 617 entwickelte. Im August 1972 wechselte er zur Audi NSU Auto Union AG nach Ingolstadt, wo er 1975 Vorstandsmitglied für Technik wurde. Auf seine Initiative brachte Audi 1976 mit dem Audi 100 5E den ersten Pkw mit Fünfzylinder-Ottomotor auf den Markt. Weitere Neuerungen waren der permanente Allradantrieb quattro (1980) und der TDI-Motor mit Dieseldirekteinspritzung (1989). 1988 übernahm er den Vorstandsvorsitz der Audi AG. [1]
Wirken bei Volkswagen
Am 1. Januar 1993 wurde Piëch als Nachfolger von Carl Hahn Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, die damals hohe Verluste erwirtschaftete. Er setzte auf optimierte Produktion und Beschaffung, strikte Qualitätsvorgaben und die Ausweitung des Angebots auf das Hochpreis- und Nutzfahrzeugsegment. 1993 holte er den Einkaufsmanager José Ignacio López von General Motors, was zu Klagen wegen Verrat von Geschäftsgeheimnissen führte; der Streit endete in einem Vergleich. [1]
Unter Piëch kamen mehrere Marken zum Konzern: 1998 Bugatti und über die Audi-Tochter Lamborghini, später die Nutzfahrzeughersteller Scania und MAN sowie Ducati. Das Land Niedersachsen ist Ankeraktionär von Volkswagen. Von 2002 bis 2015 war Piëch Vorsitzender des Aufsichtsrats. [1] [2] [5]
Bedeutung und Kritik
Als Ingenieur galt Piëch als detailversessen; wegen seiner Forderung nach geringen Spaltmaßen erhielt er den Spitznamen „Fugen-Ferdl“. Als Leistungen gelten der Aufbau von Audi zur Premiummarke, der Ausbau von Seat und Škoda sowie technische Projekte wie das sparsame Einliterauto VW XL1. [1]
Kritisch bewertet werden die Kosten von Prestigeprojekten wie dem Oberklassemodell Phaeton und der Marke Bugatti, die sich wirtschaftlich nicht trugen. Die Sparpolitik der 1990er Jahre ging mit Qualitätsproblemen beim Golf IV einher. Piëch war zudem für eine rigorose Personalpolitik bekannt, der mehrere Audi-Vorstandsvorsitzende zum Opfer fielen. Umstritten ist seine Rolle im VW-Abgasskandal: Wann er von den Vorwürfen erfuhr, ist ungeklärt. Im Februar 2017 lehnte er eine Zeugenaussage vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags ab. [1] [4] [5]
Hinweis zu den Angaben
Note
Die Zahl der Kinder wird unterschiedlich angegeben: Piëch selbst nannte zwölf, seine Witwe dreizehn. Der Sterbeort wird teils mit Rosenheim, teils mit Aschau im Chiemgau benannt; Piëch kollabierte dort und starb im Krankenhaus in Rosenheim. Seine Rolle im VW-Abgasskandal ist bis heute nicht geklärt.
Quellen
| [1] | (1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14) Wikipedia: Ferdinand Piëch (https://de.wikipedia.org), Abruf 11.10.2026. Keine Primärquelle. |
| [2] | (1, 2, 3, 4) Volkswagen AG: Volkswagen trauert um Ferdinand K. Piëch, Pressemitteilung 27.08.2019 (https://www.volkswagen-group.com), Abruf 11.10.2026. |
| [3] | (1, 2) Austria-Forum: Biographie Ferdinand Piëch (https://austria-forum.org), Abruf 11.10.2026. |
| [4] | Volkswagen AG: Geschäftsbericht 2015, Besetzung von Aufsichtsrat und Vorstand (https://geschaeftsbericht2015.volkswagenag.com), Abruf 11.10.2026. |
| [5] | (1, 2) Süddeutsche Zeitung: VW-Aufsichtsratschef Piëch tritt zurück, 25.04.2015 (https://www.sueddeutsche.de), Abruf 11.10.2026. |
| [6] | (1, 2) Deutsche Biographie: Piëch, Ferdinand (https://www.deutsche-biographie.de), Abruf 11.10.2026. |
| [7] | (1, 2) Porsche Newsroom: Porsche achieved the first overall victory at Le Mans 50 years ago, 2020 (https://newsroom.porsche.com), Abruf 11.10.2026. |