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Sigmar Gabriel

Sigmar Gabriel – SPD-Politiker, Vizekanzler und Außenminister

Sigmar Gabriel (* 12. September 1959 in Goslar) ist ein deutscher Politiker der SPD, ehemaliger Ministerpräsident von Niedersachsen, Bundesminister und Vizekanzler.

Sigmar Gabriel – ehemaliger SPD-Vorsitzender, Vizekanzler und Bundesaußenminister

Sigmar Gabriel im Jahr 2017. Foto: Viet-Hoang Nguyen / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

Zu den wichtigsten Stationen seiner politischen Karriere gehören das Amt des niedersächsischen Ministerpräsidenten von 1999 bis 2003, das Bundesumweltministerium von 2005 bis 2009, der SPD-Parteivorsitz von 2009 bis 2017 sowie das Amt des Bundesministers für Wirtschaft und Energie und des Vizekanzlers ab 2013. Von Januar 2017 bis März 2018 war Gabriel Bundesminister des Auswärtigen.

Sein Bundestagsmandat legte Gabriel 2019 nieder. Seit seinem Ausscheiden aus der aktiven Bundespolitik ist er unter anderem als Autor, Publizist, Berater und Mitglied verschiedener Aufsichtsgremien tätig.

Note

Sigmar Gabriel im Überblick

  • Geboren: 12. September 1959 in Goslar
  • Partei: SPD
  • Ministerpräsident Niedersachsen: 1999–2003
  • Bundesumweltminister: 2005–2009
  • SPD-Bundesvorsitzender: 2009–2017
  • Bundesminister für Wirtschaft und Energie: 2013–2017
  • Vizekanzler: 2013–2018
  • Bundesaußenminister: 2017–2018
  • Mitglied des Deutschen Bundestages: 2005–2019

Herkunft, Ausbildung und Einstieg in die Politik

Sigmar Gabriel wuchs in Goslar auf. Nach Schulabschluss, Abitur und Wehrdienst studierte er an der Universität Göttingen Germanistik, Politik und Soziologie. Er absolvierte das erste und zweite Staatsexamen für das Lehramt und war anschließend in der Erwachsenenbildung tätig.

Bereits 1976 engagierte sich Gabriel bei der Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken. 1977 trat er in die SPD ein.

Seine politische Karriere begann auf kommunaler Ebene. Von 1987 bis 1998 gehörte er dem Kreistag des Landkreises Goslar an, von 1991 bis 1999 dem Rat der Stadt Goslar. Zwischen 1990 und 2005 war Gabriel Mitglied des Niedersächsischen Landtages.

Ministerpräsident von Niedersachsen

Am 15. Dezember 1999 wurde Sigmar Gabriel Ministerpräsident von Niedersachsen. Er folgte auf Gerhard Glogowski, der seinerseits das Amt nach dem Wechsel Gerhard Schröders ins Bundeskanzleramt übernommen hatte.

Bei der niedersächsischen Landtagswahl 2003 verlor die SPD deutlich gegen die CDU unter Christian Wulff. Gabriel schied daraufhin aus dem Amt des Ministerpräsidenten aus und übernahm erneut den Vorsitz der SPD-Landtagsfraktion.

Die niedersächsische Landespolitik ist für Gabriels weitere Karriere auch deshalb von Bedeutung, weil hier die Beziehungen zwischen Politik, Volkswagen und Arbeitnehmervertretungen immer wieder Gegenstand öffentlicher Diskussionen waren.

Sigmar Gabriel und Volkswagen

Nach seiner Zeit als Ministerpräsident war Gabriel neben seiner politischen Tätigkeit an der Beratungsfirma Communication, Network, Service (CoNeS) beteiligt. Die Firma erhielt einen Beratungsauftrag der Volkswagen AG.

Die Verbindung wurde später öffentlich diskutiert und beschäftigte auch NGO-Online ausführlich.

Die Berichterstattung ist Teil des umfangreichen NGO-Online-Archivs über das Verhältnis von Politik und Wirtschaft.

Bundesumweltminister von 2005 bis 2009

Nach der Bundestagswahl 2005 wurde Gabriel Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in der ersten Bundesregierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

In seine Amtszeit fielen intensive politische Auseinandersetzungen über Atomkraft, Laufzeitverlängerungen, Klimaschutz, Kohlekraftwerke, erneuerbare Energien, Emissionshandel und die Entsorgung radioaktiver Abfälle.

NGO-Online berichtete über diese politischen Konflikte über viele Jahre hinweg.

Atomkraft und Atomausstieg

Gabriel verteidigte als Bundesumweltminister grundsätzlich den damals vereinbarten Atomausstieg. Gleichzeitig musste sein Ministerium über Laufzeiten, Strommengenübertragungen und Sicherheitsfragen bestehender Atomkraftwerke entscheiden.

Zu den von NGO-Online dokumentierten Vorgängen gehören unter anderem:

Die damalige Debatte zeigt, wie stark Energie-, Wirtschafts- und Klimapolitik schon vor der späteren Energiewende miteinander verbunden waren.

Asse, Gorleben und Atommüll

Ein weiterer Schwerpunkt von Gabriels Amtszeit war der Umgang mit radioaktiven Abfällen.

Besonders das frühere Forschungsbergwerk Asse II in Niedersachsen entwickelte sich zu einem politischen und sicherheitstechnischen Problem. 2008 wurde beschlossen, die Anlage künftig unter Atomrecht zu betreiben und die Verantwortung dem Bundesamt für Strahlenschutz zu übertragen.

NGO-Online dokumentierte die Entwicklung ausführlich:

Klimaschutz, Kohle und erneuerbare Energien

Gabriel trat öffentlich für Klimaschutz und den Ausbau erneuerbarer Energien ein. Seine Energiepolitik war zugleich von dem Versuch geprägt, Klimaschutzziele mit den Interessen der deutschen Industrie und der traditionellen Energiewirtschaft zu verbinden.

Gerade die Rolle neuer fossiler Großkraftwerke führte zu politischen Auseinandersetzungen.

NGO-Online berichtete beispielsweise über:

Diese zeitgenössischen Berichte ermöglichen heute einen Rückblick darauf, welche energiepolitischen Argumente vor rund zwei Jahrzehnten geführt wurden und wie sich deren Bewertung verändert hat.

SPD-Vorsitzender von 2009 bis 2017

Nach der schweren Niederlage der SPD bei der Bundestagswahl 2009 übernahm Sigmar Gabriel den Bundesvorsitz der Partei.

Auf dem SPD-Bundesparteitag in Dresden wurde er am 13. November 2009 zum Parteivorsitzenden gewählt. Gabriel führte die SPD anschließend mehr als sieben Jahre.

Unter seiner Führung ging die Partei 2013 erneut eine Große Koalition mit CDU und CSU unter Bundeskanzlerin Angela Merkel ein.

2017 verzichtete Gabriel auf eine Kanzlerkandidatur und gab auch den SPD-Parteivorsitz ab. Martin Schulz übernahm anschließend die Führung der Partei.

Vizekanzler und Wirtschaftsminister

Am 17. Dezember 2013 wurde Gabriel Bundesminister für Wirtschaft und Energie. Gleichzeitig übernahm er das Amt des Vizekanzlers.

Damit wechselte ein großer Teil der Zuständigkeit für die Energiewende, mit der Gabriel sich bereits als Umweltminister beschäftigt hatte, in sein neues Ministerium.

Zu den zentralen Themen dieser Jahre gehörten die Energiewende, Netzausbau, Industriepolitik, Digitalisierung, europäische Wirtschaftspolitik und internationale Handelsbeziehungen.

Gabriel blieb bis Anfang 2017 Bundeswirtschaftsminister.

Bundesaußenminister

Am 27. Januar 2017 übernahm Sigmar Gabriel das Auswärtige Amt von Frank-Walter Steinmeier.

Seine Amtszeit fiel in eine Phase erheblicher internationaler Spannungen. Zu den Themen gehörten das Verhältnis zu den USA nach dem Amtsantritt von Donald Trump, die Beziehungen zu Russland, der Krieg in der Ukraine, die Konflikte im Nahen Osten sowie die Zukunft der Europäischen Union.

Mit Bildung der neuen Bundesregierung endete Gabriels Amtszeit als Außenminister im März 2018.

Ausscheiden aus dem Bundestag

Gabriel blieb nach seinem Ausscheiden aus der Bundesregierung zunächst Mitglied des Deutschen Bundestages.

Mit Ablauf des 3. November 2019 legte er sein Bundestagsmandat nieder. Damit endete nach fast drei Jahrzehnten in Landes- und Bundesparlamenten seine aktive parlamentarische Laufbahn.

Sigmar Gabriel nach der aktiven Politik

Nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik wechselte Gabriel verstärkt in publizistische, beratende und wirtschaftliche Tätigkeiten.

Er ist seit 2019 Vorsitzender der Atlantik-Brücke. Seit 2022 ist Gabriel zudem Honorarprofessor an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Daneben übernahm er verschiedene Unternehmensmandate. Dazu gehören unter anderem Aufsichtsratsmandate bei der Deutschen Bank und Siemens Energy. Weitere Mandate bestehen beziehungsweise bestanden bei Unternehmen wie Rheinmetall und Heristo.

Damit hat sich Gabriels Tätigkeitsschwerpunkt von der unmittelbaren Parteipolitik hin zu Außen- und Sicherheitspolitik, Wirtschaft, Beratung und Unternehmensaufsicht verschoben.

Vom Umweltminister zum Unternehmensaufseher

Gabriels berufliche Entwicklung nach der Politik ist auch deshalb bemerkenswert, weil seine politische Laufbahn über Jahrzehnte eng mit Wirtschafts-, Industrie- und Energiepolitik verbunden war.

Als niedersächsischer Ministerpräsident gehörte er kraft Amtes dem Umfeld des Volkswagen-Konzerns an. Als Umweltminister beschäftigte er sich mit Energiekonzernen, Atomkraft und Klimapolitik. Als Wirtschaftsminister war er für zentrale Bereiche der deutschen Industrie- und Energiepolitik verantwortlich.

Nach seinem Ausscheiden aus der Politik folgten Beratungs- und Aufsichtsratsmandate in der Wirtschaft.

Diese Übergänge zwischen Politik, Beratung und Wirtschaft sind daher ein wichtiger Bestandteil einer umfassenden Betrachtung seiner politischen Biografie.

Historisches NGO-Online-Dossier zu Sigmar Gabriel

NGO-Online begleitet Sigmar Gabriels politische Laufbahn seit vielen Jahren. Das Archiv enthält zahlreiche zeitgenössische Berichte, die politische Entscheidungen und Konflikte aus der damaligen Perspektive dokumentieren.

Eine größere Sammlung findet sich unter:

Alle Nachrichten und Artikel zu Sigmar Gabriel

Einordnung

Sigmar Gabriel gehört zu den Politikern, die über einen ungewöhnlich langen Zeitraum unterschiedliche Ebenen deutscher Politik geprägt haben: von der Kommunalpolitik in Goslar über das Amt des niedersächsischen Ministerpräsidenten bis zu mehreren Bundesministerien und dem Vizekanzleramt.

Besonders seine Energie- und Wirtschaftspolitik lässt sich anhand des NGO-Online-Archivs heute detailliert nachvollziehen. Dadurch bietet dieses Dossier nicht nur biografische Daten, sondern zugleich einen zeitgeschichtlichen Blick auf zentrale energie-, klima- und wirtschaftspolitische Debatten der Jahre 2005 bis 2009 und darüber hinaus.

Quellen und Stand

Stand: September 2026.

Quellen unter anderem:

  • Deutscher Bundestag: archivierte Abgeordnetenbiografie Sigmar Gabriel
  • Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Ministergalerie
  • Auswärtiges Amt: Amtsübergabe und Reden von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel
  • Deutsche Bank: Aufsichtsrat und beruflicher Werdegang Sigmar Gabriel
  • Siemens Energy: Aufsichtsrat und Lebenslauf Sigmar Gabriel
  • Atlantik-Brücke: Vorstand und Gremien
  • Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn: Profil Sigmar Gabriel
  • NGO-Online: Nachrichtenarchiv und historische Berichterstattung zu Sigmar Gabriel