chemie

Aromatische Amine

Kinderspielzeug häufig mit Chemiecocktail belastet

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnt vor Belastungen von Kindern durch gefährliche Chemikalien in Spielzeug. Beleg für die Risiken sei die in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift "Öko-Test" veröffentlichte Liste von belastetem Spielzeug. Betroffen seien beispielsweise Puppen, Krabbeldecken und Wachsmalstifte unterschiedlicher Hersteller. Nahezu die Hälfte dieser Produkte sei deshalb mit mangelhaft oder ungenügend beurteilt worden. Die von "Öko-Test" gefundenen Stoffe, darunter aromatische Amine und zinnorganische Verbindungen, könnten Krebs auslösen, das Hormonsystem beeinflussen und das Immunsystem schädigen, so die Umweltschützer.

Größter Chemiewaffenbesitzer

Zweite Chemiewaffenvernichtungsanlage in Russland eröffnet

Deutschland beteiligt sich in Russland finanziell an der Vernichtung von Chemiewaffen. Am Mittwoch wurde in Kambarka in der zur Russischen Föderation gehörenden Republik Udmurtien eine zweite russische Anlage zur Vernichtung chemischer Waffen eröffnet. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes hat Deutschland den Bau der Anlage mit knapp 150 Millionen Euro unterstützt. Mit diesen Geldern wurden offenbar deutsche Unternehmen bezahlt, die mit Ingenieurleistungen und der Lieferung technologischer Komponenten "entscheidend" am Aufbau der Chemiewaffenvernichtungsfabrik beteiligt gewesen seien. Die Russische Föderation möchte mit dieser Fabrik ihren Verpflichtungen aus dem Chemiewaffenübereinkommen nachkommen, das die komplette Vernichtung chemischer Massenvernichtungswaffen innerhalb festgelegter Fristen verlangt. Russland ist nach Angaben des Auswärtigen Amtes mit etwa 40.000 Tonnen gemeldeten Kampfstoffen größter Chemiewaffenbesitzer der Welt.

Giftige Wolke über Rheinfelden

Ammoniak bei Panne in Chemiebetrieb ausgetreten

Eine Panne in einer Chemiefabrik im südbadischen Rheinfelden hat am Dienstag zum Austritt von giftigen Gasen geführt. Wie die Polizei mitteilte, trieb eine Ammoniak-Wolke in Richtung Innenstadt. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Eine Mitarbeiterin des Betriebs erlitt Reizungen der Atemwege und musste ärztlich behandelt werden.

Große Koalition

BUND befürchtet Rückschläge in der Chemie- und Agrarpolitik

Für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bietet der Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD in wesentlichen Teilen keine ausreichenden Antworten auf die umweltpolitischen Herausforderungen. "Das nur halbherzige Antasten der umweltschädlichen Subventionen" bewertet der Umweltverband als ungenügend. Akzeptabel sei die faktische Fortsetzung der bisherigen Energiepolitik. Hervorzuheben sei "die Tatsache", dass die SPD eine Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke verhindert habe. Bei den Themen Chemikaliensicherheit und Gentechnik haben sich Union und SPD nach Auffassung der Umweltschützer jedoch dem Druck einflussreicher Industriebranchen gebeugt. Die drohende Verwässerung der Schutzbestimmungen vor gefährlichen Chemikalien und das Aufweichen bislang vorbildlicher Haftungsregeln in der Agro-Gentechnik seien gravierende Rückschläge beim Verbraucherschutz.

Wirtschaftswachstum

Chemiearbeitgeber schlagen Allianz für Deutschland vor

Der Bundesarbeitgeberverband Chemie hat eine neue Allianz für Deutschland vorgeschlagen. Mit Hilfe dieses Bündnisses aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften sollen die Weichen "für mehr Wachstum und für mehr Arbeitsplätze" gestellt werden. Verbandspräsident Eggert Voscherau, Vizechef des Chemiekonzerns BASF, sagte der "Berliner Zeitung": "Wir müssen alle in diesem Land zur Kenntnis nehmen, dass wir in den letzten 25 bis 30 Jahren zunehmend über unsere Verhältnisse gelebt haben, wir verteilen mehr, als wir erwirtschaften", sagte Voscherau. "Wir können aber erst wieder mehr verteilen, wenn wir wieder mehr erwirtschaften." Voscherau ging nicht auf den Umstand ein, dass in Deutschland Jahr für Jahr ein Wirtschaftswachstum zu verzeichnen ist und insofern jedes Jahr mehr erwirtschaftet wird, was verteilt werden kann.

Bilanzpressekonferenz

Kritiker werfen Bayer schwere Umwelt- und Gesundheitsschäden vor

Nach dem erfolgreichen Geschäftsjahr 2004 erwartet der Chemie- und Pharmamulti Bayer für 2005 ein deutliches Umsatz- und Ergebniswachstum. Der Konzernumsatz soll 2005 auf über 25 Milliarden Euro anwachsen, sagte der Vorstandsvorsitzende Werner Wenning am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz in Leverkusen. Die Neuausrichtung des Konzerns sei nach drei Jahren grundsätzlich abgeschlossen, nachdem sich Bayer von einem Großteil des klassischen Chemie- und etwa einem Drittel des Polymergeschäfts (Kunststoffe) getrennt habe. Unter der Holding gehe das Unternehmen mit den drei Teilkonzernen "Bayer HealthCare" (Pharma), "Bayer CropScience" (Pflanzenschutz, Schädlingsbekämpfung, Gentechnik) und "Bayer MaterialScience" (Industriechemikalien) in die Zukunft. Die konzernkritische "Coordination gegen BAYER-Gefahren" kündigte am Dienstag Gegenanträge zur Hauptversammlung des Konzerns an. Der Verein wirft dem Unternehmen vor, den Schutz der Umwelt zu missachten und mit seinen Produkten "Tausende Personen zu schädigen". Im Zentrum der Kritik steht die Gefährdung von Patienten durch den "Verkauf unwirksamer oder gefährlicher Pharmazeutika", der Verkauf "hochgefährlicher Pestizide" in Entwicklungsländer, Kinderarbeit bei indischen Zulieferern, die Freisetzung giftiger Chemikalien in die Umwelt und Preisabsprachen mit Konkurrenz-Unternehmen.

Seveso-II-Richtlinie

Vorsorge vor Chemie-Unfällen soll weiter verstärkt werden

Die Bundesregierung möchte die so genannte Seveso-II-Richtlinie der Europäischen Union umsetzen. Die Richtlinie sieht verschärfte Vorsorgemaßnahmen gegen schwere Chemieindustrie-Unfälle vor. Auf Vorschlag des Bundesumweltministeriums hat das Bundeskabinett am Mittwoch beschlossen, das deutsche Störfallrecht zu ändern. Bisher galt das europäische Störfallrecht nicht für Bergbautätigkeiten und Abfalldeponien. Diese Ausnahme werde nun eingeschränkt, so dass künftig zum Beispiel Bergeteiche wie der, dessen Bruch in Baia Mare zur Verseuchung der Donau mit Cyandid führte, den Anforderungen der Seveso-II-Richtlinie entspreche, teilte das Umweltministerium mit. Aufgrund des Explosionsunglücks mit Feuerwerkskörpern in Enschede würden die Mengenschwellen für bestimmte explosionsgefährliche und pyrotechnische Stoffe gesenkt. Gleichzeitig würden zur besseren Identifizierbarkeit die Definitionen des Gefahrgut-Transportrechts übernommen. Als Folge der Explosion in einer Düngemittelfabrik in Toulouse würden die bisherigen Kategorien für Ammoniumnitrat überarbeitet und ergänzt.

20 Jahre Giftgaskatastrophe

Chemiekonzern Dow soll Bhopal sanieren

Ein Mahnmal haben 25 Greenpeace-Aktivisten heute Vormittag zum morgigen 20. Jahrestag des größten Industrieunfalls der Geschichte in Bhopal auf der Mole eines Industriehafens bei der Firma Dow Chemical bei Rheinmünster aufgebaut. Das Mahnmal am Oberrhein ist eine Kopie des "Bhopal Memorial" - die Skulptur einer Frau mit zwei Kindern, die sich vor dem Erstickungstod zu retten versucht. Auf einem Banner am Verladekran steht "Bhopal stirbt - Dow schweigt!" Die Umweltschützer werfen dem Chemiekonzern vor, sich bis heute nicht seiner Verantwortung für die Opfer der Giftgaskatastrophe im indischen Bhopal zu stellen. An den Folgen des Unfalls in der US-Firma Union Carbide starben seit 1984 etwa 20.000 Menschen. Die Folgen der Katastrophe sind bis heute nicht bereinigt, das verseuchte Gelände wurde nicht saniert.

Ermittlungen

Kartellverfahren gegen Chemiekonzerne in den USA

In den USA wurden neue Kartellverfahren gegen die Chemiekonzerne Bayer, Dow und DuPont eingeleitet. Das berichtet das Wall Street Journal in seiner heutigen Ausgabe. Demnach wurden die seit zwei Jahren laufenden Ermittlungen wegen Preisabsprachen beim Verkauf von Kautschuk ausgeweitet, so dass nun vor einem Gericht in San Francisco vier Verfahren anhängig seien. Dabei gehe es unter anderem um das Kunststoffvorprodukt Urethan und den synthetischen Gummistoff-Neopren.

Frauenförderung

Gesellschaft Deutscher Chemiker fördert Chemie-Interesse von Mädchen

Seit dem Jahr 2000 setzt sich die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) mit ihrem Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) für mehr Frauen in der Chemieindustrie ein. Ihren Angaben zufolge würden an den Hochschulen immer mehr Professuren durch Frauen besetzt, auch die Industrie zeigt sich offener für Frauenkarrieren. Besonders erfolgreich verliefen die Bemühungen um die Mädchenförderung. Schülerinnen wurden z.B. spezielle Chemie-Experimentalkurse angeboten, die zeigten, dass Mädchen durchaus für die Chemie zu begeistern sind. Positive Folge: die Zahl der Studienanfängerinnen steigt.

Sicherheit

Anleitung zum Umweltschutz in Industrie- und Chemieparks

Viele Industriestandorte haben sich in den vergangenen Jahren erheblich verändert: Aus dem traditionellen "Werk" ist ein "Industrie- und Chemiepark" geworden. Die Verantwortung für Anlagensicherheit und Umweltschutz liegt dort nicht mehr in der Hand eines einzigen Unternehmens, sondern verteilt sich auf mehrere ausgegliederte oder neu gegründete Betriebe. Industrie und Behörden stehen vor neuen rechtlichen und organisatorischen Herausforderungen, um Sicherheit und Umweltschutz zu gewährleisten. Auf einem Fachgespräch im Juli 2003 zeigten Behörden, Industrie, Beratungsunternehmen und Rechtswissenschaft, wie dennoch Lösungen möglich sind.

Gewässerschutz

Kabinett beschließt Verbot hochgiftiger Stoffe der Chlorchemie ab Mitte 2003

Zum Schutz der Gewässer sollen hochgiftige chemische Stoffe in bestimmten Bereichen der industriellen Produktion künftig verboten werden. Auf Vorschlag von Bundesumweltminister Jürgen Trittin beschloss das Bundeskabinett heute eine Verordnung, wonach chlorierte Kohlenwasserstoffe, sogenannte kurzkettige Chlorparaffine, in der Metall- und Lederverarbeitung ab Mitte 2003 nicht mehr verwendet werden dürfen. Mit diesem Verbot wird der Eintrag der umweltgefährlichen Stoffe in die Gewässer erheblich reduziert. Das Verbot umfasst etwa 90 Prozent der umweltoffenen Anwendungen dieser Stoffe.

Schwefelsäure ausgelaufen

Chemieunfall bei Höchst

Bei einem Chemieunfall im Frankfurter Industriepark Höchst sind am Mittwochvormittag größere Mengen konzentrierter Schwefelsäure ausgelaufen. Durch den Störfall in der Anlage der Firma Grillo wurde nach Informationen des Krisenzentrums ein Mitarbeiter verletzt. Die freigesetzte Schwefelsäure bildete über dem Werksgelände im Frankfurter Westen eine weiße Wolke. Sie zog anschließend in Richtung Innenstadt.

Chlorgas ausgetreten

Alarm in tschechischer Chemiefabrik

In der tschechischen Chemiefabrik Spolana Neratovice ist hochgiftiges Chlorgas ausgetreten. Wie der mittelböhmische Bezirkshauptmann Petr Bendl mitteilte, wurde Alarm ausgelöst. Das Ausmaß der Bedrohung sei noch unklar, hieß es. Die Bewohner von Neratovice wurden aufgefordert, ihre Häuser nicht zu verlassen und die Fenster zu schließen. Der Ort ist in weiten Teilen überflutet.

Wegen Preisabsprachen

Deutscher Chemiekonzern muss 118 Millionen Euro Bußgeld zahlen

EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti hat am Dienstag gegen den Spezialchemiekonzern Degussa wegen jahrelanger Preisabsprachen ein Bußgeld in Höhe von 118 Millionen Euro verhängt. Die ebenfalls am so genannten Futtermittelkartell beteiligte japanische Nippon Soda Company muss neun Millionen Euro Strafe zahlen. Degussa-Konkurrent Aventis blieb hingegen straffrei. Das Unternehmen habe das Kartell angezeigt sowie entscheidende Beweise geliefert und profitierte somit von der neuen Kronzeugenregelung, hieß es zur Begründung.

Reduktion von Stoffmengen

Störfall-Kommission will Sicherheitsprüfung von Chemie-Anlagen

Nach den Terroranschlägen in den USA werden auch Forderungen nach einer Verbesserung der Sicherheit von Anlagen der Chemieindustrie laut. Der Vorsitzende der deutschen Störfall-Kommission, Christian Jochum, sagte der "Financial Times Deutschland", Behörden und Betreiber müssten prüfen, ob nach den Attentaten die Schutzmaßnahmen verbessert werden könnten. Dabei müsse auch über "unkonventionelle Maßnahmen" nachgedacht werden. Jochum fügte hinzu, die Bilder von New York machten allerdings auch deutlich, dass "Prävention und Katastrophenschutz an ihre Grenzen stoßen."

Chemie-Unfall

Konzentrierte Schwefelsäure ausgetreten

Bei einer Chemiefirma in Frankfurt-Hoechst ist es gestern Abend zu einem Unfall gekommen. Der Austritt von konzentrierter Schwefelsäure (Oleum) bei der Firma Grillo im Industriepark Frankfurt-Hoechst sei aber nach zwei Stunden gestoppt worden, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Um 19:45 Uhr konnte für die Anwohner Entwarnung gegeben werden. Messungen hätten gezeigt, dass es keine gesundheitsgefährdenden Säurekonzentrationen in der Luft gegeben habe.