pharma Nachrichten & Informationen

Gesundheit in Entwicklungsländern

Medizin ohne Kommerz

In Bolivien sind 23 Prozent aller Menschen von der Chagas-Krankheit betroffen; 13 Prozent aller Todesfälle im Land sind auf diese Infektion zurückzuführen. Dabei ist die Krankheit durchaus heilbar, sofern sie rechtzeitig erkannt wird. Und das ist das Problem. Oft zeigen sich jahrelang keine Symptome. Erst nach 10 bis 20 Jahren kommt die Krankheit zum Ausbruch – oft mit plötzlichem Herzversagen.

Umweltinstitut München fordert Anbauverbot für genmanipulierte Pharma-Pflanzen

57.000 Einwendungen gegen Freilandexperiment

Das Umweltinstitut München hat am Donnerstag (26. Februar) dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin mehr als 57.000 Einwendungen gegen ein geplantes Experiment mit "Pharma-Kartoffeln" übergeben. Die Universität Rostock will die genmanipulierten Pflanzen in Üplingen (Sachsen-Anhalt) und Thulendorf (Mecklenburg-Vorpommern) im Freiland anbauen. Die Gen-Kartoffeln sollen einen Impfstoff und ein Impfstoffhilfsmittel gegen die Kaninchenseuche RHD beziehungsweise gegen die Cholera produzieren.

Mehr Geld für Arzneimittel als für ärztliche Behandlung

"Gewinnsucht der Pharmakonzerne beschränken"

Der gesundheitspolitische Sprecher der Linksfraktion, Frank Spieth, kritisiert, dass in der Gesetzlichen Krankenversicherung seit drei Jahren mehr Geld für Arzneimittel als für die Bezahlung ärztlicher Tätigkeit ausgegeben wird. In diesem Jahr seien die Ausgaben für Arzneimittel um 6,8 Prozent gestiegen. Die Bundesregierung sehe dennoch keinen Handlungsbedarf, etwa in Form einer gesetzlichen Begrenzung der Arzneimittelausgaben.

Pharmakonzerne konnten sich offenbar bei Online-Fortbildungskursen empfehlen

Mögliches Kartellverfahren gegen Ärztekammern

Das Bundeskartellamt prüft einem Medienbericht zufolge ein Verfahren gegen die Standesorganisation der Ärzte. Die Wettbewerbshüter haben den Verdacht, dass die Landesärztekammern Online-Fortbildungskurse für Mediziner erlaubt haben, bei denen Pharmakonzerne mehr oder minder direkt eigene Arzneien empfehlen, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Viele Kurse seien "Werbemaßnahmen, die als Fortbildung getarnt werden", wirft das Kartellamt dem Blatt zufolge der Bundesärztekammer in einem Schreiben vor. Viele Pharmaunternehmen bieten dem Bericht zufolge kostenlose Fortbildungskurse im Internet an, für deren Genehmigung die Kammern zuständig sind. Das Amt erwäge nun, den Kammern per Unterlassungsverfügung zu verbieten, solche Kurse zu zertifizieren.

Mehr Schutz für die deutsche Pharmaindustrie

Begrenzungen des Freihandels

Die deutsche Bundesregierung will die deutsche Pharmaindustrie stärker vor Importen beispielsweise aus China schützen. Gesetzliche Begrenzungen des Freihandels werdne mit einem "Kampf gegen die Fälschung von Arzneimitteln" begründet. So werde darüber nachgedacht, künftig auch die Fälschung von Wirkstoffen, also den Ausgangsmaterialien für Arzneimittel, zu bestrafen, kündigte das Bundesgesundheitsministerium am 28. April in Berlin an. Auch werde erwogen, in der 15. Novelle des Arzneimittelgesetzes den Handel mit Arzneimittelfälschungen auf deutschem Hoheitsgebiet auch dann zu ahnden, wenn diese hierzulande gelagert würden und Deutschland nur Durchgangsland sei.

Bischof Mixa kritisiert Schavan wegen embryonaler Stammzellforschung

"Vor Pharmaindustrie eingeknickt"

In der Debatte über die embryonale Stammzellforschung hat der Augsburger Bischof Walter Mixa Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) scharf angegriffen. Die Ministerin sei in einer zentralen Frage des Lebensschutzes vor den Interessen der Pharmaindustrie und der Forschung eingeknickt, kritisierte Mixa am 19. März in Augsburg. Gerade Deutschland sei aufgerufen, ethisch unverantwortbarer Forschung eindeutig zu entsagen und weltweit klare Maßstäbe für die Menschenwürde zu setzen. Mixa forderte, die Forschung mit embryonalen Stammzellen in Deutschland generell zu verbieten.

Laut Pharmaexperte sind massenhaft gefälschte Medikamente im Umlauf

Lukrativer als Drogenhandel

In Deutschland sind offenbar größere Mengen gefälschter Arzneimittel im Umlauf. "Es gibt Schätzungen, dass acht bis zehn Prozent der gekauften Medikamente gefälscht sind", sagt der Pharmaexperte Harald Schweim von der Universität Bonn der Frauenzeitschrift "Für Sie". Ob Antibiotika, Impfstoffe oder Aids-Mittel, im Prinzip werde alles gefälscht. Vermutlich werde mit Arzneimittelfälschungen inzwischen mehr Geld verdient als mit dem Drogenhandel, sagte der frühere Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte.

"Wirkungslose Pharma-Erbsen"

Gentechnik & Tierversuche

Das Umweltinstitut München wirft dem Bundesforschungsministerium und dem Land Sachsen-Anhalt vor, die Entwicklung "wirkungsloser Pharma-Erbsen" durch die ostdeutsche Gentechnikfirma Novoplant mit weit über einer Million Euro zu fördern. Durch die Verfütterung der Gen-Erbsen an künstlich infizierte Versuchstiere sei "kein einziger positiver Effekt auf den Infektionsverlauf erreicht" worden, heiße es in einer Fütterungsstudie der Universität Hannover, die dem Umweltinstitut München vorliege. Während also auf der einen Seite kein positiver Effekt festzustellen sei, blieben auf der anderen Seite "die Risiken wie Bestäubung traditioneller Erbsenfelder und die Gefahr einer gentechnischen Verschmutzung der Genbank Gatersleben", kritisiert das Umweltinstitut. Die Umweltwissenschaftler fordern "das Aus für dieses riskante Experiment".

Erbsen mit Mäuse-Genen gegen Schweine-Durchfall

"Pharma-Pflanzen"

Nach Angaben des Umweltinstituts München plant die ostdeutsche Gentechnikfirma Novoplant GmbH die Freisetzung genmanipulierter Erbsen in Gatersleben (Sachsen-Anhalt). Die Gen-Erbsen sollen offenbar ein Medikament gegen Durchfallerkrankungen von Schweinen produzieren. Dazu würden in die Erbsen Mäuse-Gene eingebaut. "Die Gen-Erbsen sollen in Zukunft als Antibiotika-Ersatz in Futtermittel gemischt werden", so das Umweltinstitut. Der Versuch sei auf dem Gelände der Genbank in Gatersleben mit der weltgrößten Sammlung traditioneller Erbsensorten geplant. Hunderte Sorten würden jedes Jahr im Freiland angebaut, um deren Keimfähigkeit zu erhalten. Eine Kontamination der Genbank hätte nach Auffassung der Umweltforscher "verheerende Folgen für die Erhaltungs- und Züchtungsarbeit und damit für die Ernährungssicherheit künftiger Generationen".

Große Koalition plant offenbar "Erleichterungen" für die Pharmaindustrie

Keine Rabatte für Apotheker

Die große Koalition plant offenbar "Erleichterungen" für die "forschenden Hersteller" der Pharmaindustrie. Die Regelung, nach der die Kassen auch für deren neu entwickelte Präparate Höchstpreise festlegen müssen, die die Krankenkassen maximal erstatten, soll gelockert werden. Ziel der Maßnahme sei es, die Arzneimittelforschung zu fördern.

Seehofer übt scharfe Kritik an Pharmaindustrie wegen "Hochpreispolitik"

Wahlkampf

Der Politiker und Sozialverbandsfunktionär Horst Seehofer fordert einen "höheren Solidarbeitrag" der Pharmaindustrie zur Konsolidierung des Gesundheitswesen. Während Patienten erhöhte Arzneimittelzuzahlungen und Selbstbeteiligungen in Höhe von drei Milliarden Euro leisteten, konterkariere die Pharmaindustrie diesen Solidarbeitrag der Patienten durch eine Hochpreispolitik, die allein der Gewinnmaximierung diene, sagte der bayerische Landesvorsitzende des Sozialverbands VdK .

Kritiker von Pharmaindustrie und Apothekern tritt unter Druck zurück

Erneute Korruptionsvorwürfe

Der Vorsitzende des Deutschen Generikaverbandes, Peter Kraus, ist nach seinen Abzocker-Vorwürfen gegen Pharmaindustrie und Apotheken von seinem Amt zurückgetreten. Damit reagierte er auf Proteste von Apothekern, teilte der Verband am Freitag in Berlin mit. Zusammen mit dem Kölner Gesundheitsökonomen Karl Lauterbach hatte Kraus die Rabattvereinbarungen zwischen der Pharmaindustrie und Apothekern kritisiert. "Es ist nicht unüblich, dass Apotheker von diesen Firmen für jede bezahlte Packung eine weitere Packung geschenkt bekommen", hatte Kraus gesagt. Die kostenfrei bezogenen Arzneimittel würden später von den Apothekern zum vollen Preis an die Patienten verkauft und bei den Krankenkassen abgerechnet. Anbieter, die ein günstigeres Produkt ohne Rabatt böten, hätten das Nachsehen. Durch die Praxis entstünden dem Gesundheitssystem hohe Schäden, da die Rabatte nicht an die Kassen weiter gegeben würden. Lauterbach erneuerte inzwischen seine Kritik an Rabatten der Pharmaindustrie und sprach von einer "indirekten Form der Bestechung". Unterstützung erhielt er vom Bremer Gesundheitsökonomen Gerd Glaeske sowie vom Bundesverband der Verbraucherzentralen.

Streit zwischen Krankenkassen und Pharmaindustrie

Wirtschaftsgiganten

Der Vorsitzende der Barmer Ersatzkasse, Eckart Fiedler, kritisiert die Pharmaindustrie in scharfer Form. Die Arzneimittelpreise seien im internationalen Vergleich zu hoch, sagte Fiedler dem "Stern" in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview. Selbst Nachahmerprodukte, so genannte Generika, seien in Deutschland deutlich teurer als in anderen europäischen Ländern.

Festbeträge für "Scheininnovationen" bei Arzneimitteln bleiben erhalten

Nach Pharma-Gespräch

Im Streit zwischen den Krankenversicherungen und den Arzneimittelherstellern haben sich die Krankenversicherungen offenbar weitgehend durchgesetzt: Die Festbetragsregelung, wonach für einige patentgeschützte Arzneimittel - so genannte "Scheininnovationen" - nur noch Festbeträge von den Krankenkassen erstattet werden, soll erhalten bleiben. Diese Festbeträge liegen unter dem vom Arzneimittelhersteller festgelegten Preis. Das ist das zentrale Ergebnis des "Branchengespräches" zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und führenden Vertretern der Pharmabranche.

Pharmacrops bedrohen Nahrungsmittelsicherheit in den USA

"Medikamente in den Cornflakes"

Die US-amerikanische Wissenschaftsvereinigung "Union of Concerned Scientists"(UCS) befürchtet, dass genmanipulierte Pflanzen, die hochwirksame Medikamente produzieren, durch unkontrollierte Kreuzungen viele Lebensmittel gefährden können. Das berichtet das schweizerische Blauen Institut auf seiner Homepage. Die UCS verlangt in ihrem Bericht vom 15.12.04 einen sofortigen Stopp für alle Freisetzungen dieser Pflanzen, sogenannten "pharmacrops".

Chemiekonzern Bayer angeblich in poltischen Ämtern aktiv

Pharmalobbyismus

Der Chemie-Konzern Bayer soll seine geschäftlichen Beziehungen zu Abgeordneten offen legen. Das fordert die Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG) in einem offenen Brief. Seit den 20er Jahren gebe es enge Beziehungen des Bayern-Konzerns zu Politikern und Abgeordneten. Als Beispiel nennt der Verein den Wechsel von Heribert Zitzelsberger, der als ehemalige Finanzvorstand des Unternehmens Staatssekretär im Finanzministerium wurde. Zitzelsberger war von Bundesfinanzminister Hans Eichel mit der Durchführung der Unternehmenssteuerreform beauftragt worden, die für Unternehmen mit großen Gewinnen sehr vorteilhaft war. Sie mussten weniger Steuern auf ihre Gewinne zahlen.

Pharmakonzerne halten Informationen zu Krebsmedikamenten zurück

Doppelt getestet

Mediziner vermissen Schlüsselinformationen bei Krebsmedikamenten, weil Pharmakonzerne diese aus Konkurrenzgründen zurückhalten. Zu diesem Ergebnis kommen Experten der Cancer Research UK, einer Non-Profit-Organisation. Am Schlimmsten sei das Zurückhalten von klinischen Testergebnissen, berichtet BBC-Online. "Wenn klinische Testergebnisse zurückgehalten werden, wird der gesamte Prozess bei der Entwicklung neuer Medikamente verlangsamt", so Richard Sullivan, Chef der klinischen Programme bei Cancer Research UK. Besonders tragisch daran sei auch, dass andere Untersuchungen damit hinfällig seien, da die gleichen Untersuchungen doppelt ausgeführt würden.

Bayer macht Gewinn mit umstrittener Mode-Diät

Pharmaindustrie

Der Umsatz von Nahrungs-ergänzungs-mitteln boomt. So hat der im Frühjahr vom Pharmariesen Bayer herausgebrachte Vitamin-Cocktail "One-A-Day CarbSmart" bis jetzt bereits drei Millionen US-Dollar Umsatz eingebracht. Er ist speziell als Nahrungsergänzungspräperat für Kohlenhydratreduzierte Diäten (typischer Vertreter "Atkins"-Diät) designt. Reizvoll wird diese Diät durch ihr untypisches Ernährungsmuster. Verzichtet wird auf Obst und Brot, Hauptbestandteil hingegen sind fettige Lebensmittel und Fleisch. Philipp Mimkes von der Coordination gegen Bayer-Gefahren kritisiert die Unternehmenspolitik: "Natürlich wissen die Verantwortlichen bei Bayer, dass die Atkins-Diät gesundheitsschädlich ist und dass Vitaminpräparate niemals eine ausgewogene Ernährung ersetzen können. Doch der Pharma-Industrie ist die Gesundheit der Betroffenen herzlich egal - solange die Umsätze stimmen." Die Initiative fordert eine Verschreibungspflicht sowie strenge Kontrollen aller Nahrungs-Ergänzungsmittel.

Vereinfachung der Aids-Behandlung scheitert an Pharma-Konzernen

Welt-Aids-Tag

Millionen von Menschen, die an Aids erkrankt sind, könnten überleben, wenn sie mit antiretroviralen Medikamenten behandelt würden. Dies ist nach Ansicht der internationalen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen jedoch nur möglich, wenn die Therapie an die Alltagswirklichkeit in ärmeren Ländern angepasst wird. Hierbei spielen Kombinationspräparate, in denen mehrere Wirkstoffe in einer Tablette vereint sind, eine wichtige Rolle. Allerdings müssten die Pharmakonzerne dafür Patentmonopole fallen lassen.

Gesundheitsreform belastet Patienten

Pharmakonzerne bevorteilt

Die von der Regierungskoalition, der Opposition und den Ländern ausgehandelten Eckpunkte der Gesundheitsreform sind nach Ansicht des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) „Kein großer Wurf". Die Beitragsentlastungen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber gingen zu großen Teilen zu Lasten der Patienten, Versicherten und Steuerzahler, so die Kritik. Durch die Ausklammerung einer „Bürgerversicherung“ sei eine Chance verpasst worden, die gesetzliche Krankenversicherung auf finanziell sichere Füße zu stellen. Positiv bewertet der Verband dagegen die Finanzierung der gesellschaftspolitischen Leistungen über die Erhöhung der Tabaksteuer sowie den Ausbau der Patientenbeteiligung.