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Bundespräsident Köhler bezeichnet Bildung als wichtigste "Ressource"

Verpflichtende Sprachprüfungen vor Schuleintritt

In seiner Grundsatzrede zur Bildungspolitik in der Kepler-Oberschule im Berliner Stadtteil Neukölln bezeichnete Bundespräsident Horst Köhler Bildung als "wichtigste Ressource": "Unsere Fähigkeiten und unser Wissen, unser Einfallsreichtum und unsere Kreativität sind die wichtigste Ressource, die wir in Deutschland haben." Der globale Wettbewerb sei längst ein Wettbewerb der Bildungssysteme. "Und da zählt eben auch, wie lange eine Ausbildung dauert und wie alt zum Beispiel ein Akademiker ist, wenn er seine erste Stelle antritt." Der Bundespräsident redete dem schnellen das Wort: Es sei nicht gleichgültig, "ob Menschen in einem Land auch nach der Berufsausbildung systematisch weiterlernen oder eher nicht. Mit der Entwicklung in Wissenschaft und Technik hat sich unser Wissen rasant vermehrt. Gleichzeitig verlieren Kenntnisse und Fähigkeiten, die gestern noch richtig und wichtig waren, immer schneller an Bedeutung."

Bildung braucht nach Auffassung von Köhler Anstrengung. Um etwas zu lernen - ob nun eine Mathematikformel oder ein Musikinstrument, ob Judo oder Vokabeln - brauche man "Zielstrebigkeit, Übung und Ausdauer". Das mache nicht immer Spaß, aber die Mühe werde meist belohnt, meint der Bundespräsident und sprach dabei nicht von einem existenzsichernden Arbeitsplatz, sondern von der "Freude am Erfolg".

Dem Trend der Zeit folgend hob der Bundespräsident auch auf die frühkindliche Bildung ab. "Die ersten Jahre sind entscheidend", so Köhler. Vieles lerne ein kleines Kind leichter als ein Jugendlicher oder ein Erwachsener. Bei Älteren sieht der Bundespräsident offenbar eher Probleme: viele Lernfähigkeiten würden sich im Lauf der Zeit wieder zurückbilden. Es sei "gut, dass wir jetzt auch die frühen Jahre der Kindheit als 'Lernzeit' entdecken - als eine Zeit, in der kleine Menschen spielerisch herangeführt werden können an Phänomene der Natur, an logische Zusammenhänge, an musisches Erleben, an die Bedeutung von Sprache."

"Wer früh erfährt, wie spannend es ist, immer wieder Neues zu lernen, dem wird es leichter fallen, offen und neugierig zu bleiben - ein Leben lang", so Köhler. "Darum brauchen wir gute Bildungsangebote schon in der frühen Kindheit und ein enges Zusammenwirken von Kindertagesstätten und Schulen."

Bessere frühkindliche Bildung sei auch ein Gebot der Chancengerechtigkeit: Gerade benachteiligte Kinder profitierten davon, wenn sie möglichst frühzeitig in den Kindertagesstätten gefördert würden - vor allem beim Umgang mit der deutschen Sprache. "Deshalb", so Köhler: "Ich bin für ein verpflichtendes und möglichst kostenfreies letztes Kindergartenjahr. Und ich bin für verpflichtende Sprachprüfungen vor dem Schuleintritt. Gute Deutschkenntnisse sind nun einmal unersetzlich für den Schul- und damit für den Bildungserfolg."

Köhler: Schulen brauchen auch Ruhe

Schulen brauchen nach Auffassung des Bundespräsidenten "nicht nur Lehrpläne, Stellen- und Budgetpläne, sondern sie benötigen innerhalb dieser Pläne auch Freiheit für eigene Gestaltungsideen". Sie sollten inhaltlich ihr "eigenes Profil" entwickeln können, sie sollen "mitentscheiden, welches Personal zu ihrem Profil passt", und sie sollen "Mittel" nach eigenem Ermessen einsetzen können - "für den Schulgarten zum Beispiel, für ein Aquarium oder für neue Computer".

Für all das bräuchten Schulen aber auch Ruhe. "Ihre Kraft darf nicht durch ständig neue bildungspolitische Vorgaben ermüdet werden." Richtig sei, dass sich jede Schule an allgemein verbindlichen Lern- und Bildungszielen orientieren und nachweisbar ein bestimmtes Leistungsniveau sichern müsse - "schon damit Schulwechsel nicht noch schwerer werden". Aber genau so wichtig sei es, Vertrauen in den Gestaltungswillen der Schulen zu haben und auf ihre Bereitschaft zu setzen, selbst etwas verbessern zu wollen.

Köhler sagte, er sei "in unserem Land vielen Menschen begegnet, die lernen und etwas aus sich machen wollen. Ich habe mit Schülern und Lehrern, mit Studenten und Professoren, mit Azubis und Handwerksmeistern gesprochen, die eine genaue Vorstellung davon haben, was sie sich von Bildung erhoffen, was sie persönlich dafür leisten wollen und wo es in unserem Bildungswesen noch hakt." Alle diese Menschen haben nach Auffassung des Bundespräsidenten einen "Anspruch darauf, dass unser Land die besten Voraussetzungen für Bildung schafft".

Köhler beschrieb ein Bild von der Bildung jenseits wirtschaftlicher Verwertungsinteressen: "Gute Bildung stellt den ganzen Menschen in den Mittelpunkt. Diese Erkenntnis finden wir bei Humboldt und Kant, bei Goethe und Pestalozzi." Der Blick auf das Individuum müsse auch heute der Ausgangspunkt sein. "Gute Bildung geht nicht in erster Linie von gesellschaftlichen Bedürfnissen oder den Anforderungen der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes aus. Zuallererst hilft gute Bildung uns, das zu entwickeln, was in jedem einzelnen von uns steckt; was uns von Gott gegeben ist."

Medienberichten zufolge brannte vielen Schülern der Kepler-Schule vor allem die Frage nach den materiellen Existenzmöglichkeiten auf der Seele. Viele fragen sich, wozu sie sich in der Schule anstrengen sollen, wenn sie danach dennoch keine bezahlte Arbeit bekommen. Es stellt sich die Frage, ob der Bundespräsident auf die darin zum Ausdruck kommenende Perspektivlosigkeit eine angemessene Antwort gegeben hat.

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