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NRW subventioniert Desertec

Solarthermische Wüstenkraftwerke

Schon seit mehr als 30 Jahren propagiert das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Errichtung riesiger solarthermischer Kraftwerke in der Sahara. Gebaut wurde bis heute nicht ein einziges Solarkraftwerk in der Wüste. Jetzt spendiert das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) dem Institut in den kommenden fünf Jahren 27 Millionen Euro, um in Köln ein "Institut für Solarforschung" aufzubauen. Eine Vereinbarung darüber haben die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) und NRW-Innovationsminister Andreas Pinkwart (FDP) am Dienstag (4. Mai) in Köln unterzeichnet. Das DLR-Institut für Solarforschung soll seinen Schwerpunkt auf dem Gebiet der konzentrierenden solarthermischen Kraftwerke haben. Damit subventioniert NRW das Wüstenstrom-Projekt "Desertec", an dem auch die in Nordrhein-Westfalen ansässigen Energiekonzerne RWE und E.On interessiert sind. NRW führt damit seine Tradition der Förderung von Großkraftwerken in der Hand großer Energiekonzerne nahtlos fort.

Niedrige Kosten - hohe Preise

Das Geschäftsmodell der großen Energiekonzerne basiert auf der relativ kostengünstigen Erzeugung von Strom in Großkraftwerken und dem Verkauf dieses Stroms an die Bevölkerung zu weit überhöhten Preisen. Dadurch realisieren die Konzerne mit staatlicher Billigung exorbitant hohe Gewinne auf Kosten der Bevölkerung. Mit solarthermischen Wüstenkraftwerken wollen Großbanken und Energiekonzerne dieses Geschäftsmodell auf den Bereich der erneuerbaren Energien übertragen.

Stimmungsmache gegen Solaranlagen "in Bürgerhand"

Das von den Konzernen dominierte Desertec-Projekt mit solaren Großkraftwerken in Nordafrika wird von interessierten Kreisen daher befürwortet und protegiert. Gegen die Solarstromerzeugung auf den Dächern der Bürger wird dagegen beständig Stimmung gemacht. Von den kleinen dezentralen Photovoltaikanlagen profiert nämlich "der kleine Mann auf der Straße". Und: Mit dem Ausbau der dezentralen Kleinanlagen verlieren Konzerne wie RWE und E.On beständig Marktanteile.

Die mehr als 30 Jahre alte Wüstenstrom-Idee

Mit der mehr als 30 Jahre alten Wüstenstrom-Idee wollen sie dieser Entwicklung entgegenwirken. Im Vertrauen darauf, dass bald schon Wüstenstrom aus deutschen Steckdosen fließen könnte, soll der Ausbau der Photovoltaik in Deutschland möglichst ausgebremst werden.

Selbst wenn auch weiterhin keine Kraftwerke in der Wüste errichtet werden sollten - und manche Kritiker zweifeln an den Realisierungschancen, kann es den nordrhein-westfälischen Energiegiganten Recht sein. Dann verkaufen sie eben weiterhin Kohle- und Atomstrom. Schließlich hoffen sie nach der Landtagswahl in NRW auf Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke und auf die Genehmigung neuer Kohlekraftwerke.

Desertec passt ins Politikkonzept der Parteien

Die Förderung von Desertec passt insofern hervorragend in das Politikkonzept der meisten Parteien. Gegenüber den Wählern und der Öffentlichkeit lässt sich die Förderung der Solarenergie hervorragend verkaufen. Diese merken aber nicht unbedingt, dass es sich in Wirklichkeit um eine Subventionierung der Geschäftsinteressen der großen Energiekonzerne handelt.

Förderung der Exportwirtschaft

In NRW wird die Desertec-Förderung vom Innovations- und vom Wirtschaftsministerium finanziert. Es geht hierbei auch um die Förderung der deutschen Exportwirtshaft. "Das Interesse an dieser Technologie ist weltweit enorm. Mit dem Forschungsinstitut kann sich Nordrhein-Westfalen wichtige Anteile an diesem boomenden Exportmarkt sichern", sagte Innovationsminister Pinkwart am Dienstag.

Ebenso betonte Wirtschaftsministerin Thoben, die Konzentration der solarthermischen Forschung in Nordrhein-Westfalen biete "enorme Chancen für unsere exportstarken Unternehmen. Sie können sich zukünftig noch besser an den weltweit boomenden Solar-Märkten beteiligen". Das schaffe Wachstum und Arbeitsplätze.

Thoben macht auch deutlich, dass der Solarstrom nicht in Deutschland, sondern in anderen Weltgegenden erzeugt werden soll: "Klar ist, wir können moderne, hochleistungsfähige Technologien hier im Lande entwickeln und marktfähig machen, die Nutzung der Technologie wird aber vorwiegend in sonnenreicheren Regionen der Welt stattfinden müssen". Mit diesen Worten unterstrich sie die industriepolitische Bedeutung des neuen Instituts.

Mit den finanziellen Mitteln aus NRW möchte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt gemeinsam mit der Fachhochschule Aachen seine bisherige Forschung im Bereich der Solarforschung bündeln und ausbauen. Eng zusammenarbeiten möchte das DLR-Institut auch mit der RWTH Aachen, die am Standort Jülich ebenfalls ihre Solarforschung ausbauen wird.

Testkraftwerk

Sitz des Instituts für Solarforschung wird Köln sein. Mit den Fördermitteln will das DLR in enger Kooperation mit dem Solar-Institut Jülich der Fachhochschule Aachen eine neue Außenstelle in räumlicher Nähe zum Solarturm Jülich aufbauen.

Der seit 2009 von den Stadtwerken Jülich als Versuchs- und Demonstrationsanlage betriebene Solarturm soll dadurch zukünftig verstärkt für Weiterentwicklungen und Grundlagenforschung genutzt werden können. Zum Institut gehören außerdem Außenstellen in Stuttgart und im spanischen Almería.

"Solarthermische Kraftwerke leisten einen wesentlichen Beitrag bei der Verwirklichung des Wüstenstrom-Projekts Desertec", sagte Professor Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des DLR am Dienstag. "Durch das hervorragende wissenschaftliche Umfeld und die gute Anbindung an Industriepartner ist das Institut ideal für eine effiziente Technologieentwicklung, die langfristig auch hochqualifizierte Arbeitsplätze sichert."

DLW gibt sich gewohnt optimistisch

Schon seit mehr als 30 Jahren entwickeln, testen und verbessern die DLR-Forscher in den Laboren am DLR-Standort Köln, in Stuttgart und im spanischen Almería Heliostate, Parabolspiegel, Absorberrohre und Strahlungsempfänger. Diese Einzelteile eines solarthermischen Kraftwerks sind entscheidend für seinen Wirkungsgrad. Das DLR gibt sich wie schon in den vergangenen 30 Jahren optimistisch: Diese Komponenten zu bewerten und zielgerichtet weiterzuentwickeln werde von der Industrie stark nachgefragt und stelle damit eine wichtige Grundlagen für den Bau der solarthermischen Kraftwerke in Südspanien und Nordafrika dar.

Der Energieriese RWE wirbt derzeit in Anzeigen für den Wüstenstrom. Darin heißt es: "Desertec heißt das Projekt. Aber noch ist es Vision." RWE macht deutlich: Von konkreten Planungen kann nicht die Rede sein.

NRW hat eine lange Tradition, an seinen Hochschulen in Aachen und Köln auf Energietechniken zu setzen, die für die Stromerzeugung praktisch keine Rolle spielen. Erinnert sei nur an die Hochtemperatur-Atommeiler, für die man in NRW noch immer verzweifelt wirbt. Der universitären Desertec-Werbung könnte es ähnlich ergehen.

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