Sexualaufklärung und Verhütung entscheidend im Kampf gegen die Armut

Weltbevölkerungsbericht 2003

Millionen junge Menschen können sich nicht vor Aids und ungewollten Schwangerschaften schützen, weil sie keinen Zugang zu Sexualaufklärung und Verhütung haben. Die Förderung der Gesundheit und Bildung von Jugendlichen, insbesondere von Aufklärung und Verhütung, ist jedoch eine Voraussetzung dafür, dass das Potenzial der jungen Generation für die Entwicklung genutzt werden kann. Dies geht aus dem aktuellen Weltbevölkerungsbericht 2003 hervor, den die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) im Auftrag von UNFPA, dem Bevölkerungsfonds der Vereinen Nationen, am Mittwoch in Berlin vorgestellt hat.

Fast die Hälfte der Weltbevölkerung ist unter 25 Jahre alt, 1,2 Milliarden sind Teenager zwischen 10 und 19 Jahren. Weil ihnen Sexualaufklärung vorenthalten wird und Verhütungsmittel fehlen, sind Jugendliche besonders gefährdet, ungewollt schwanger zu werden oder sich mit HIV zu infizieren. "Wenn wir jungen Menschen verweigern, ihr Menschenrecht auf Verhütung wahrzunehmen, setzen wir ihr Leben aufs Spiel", warnt die stellvertretende DSW-Geschäftsführerin Renate Bähr. "Und wir vergeben wider besseres Wissen eine wichtige Entwicklungschance."

Jährlich bekommen rund 14 Millionen Teenager ein Kind. Komplikationen bei einer Schwangerschaft oder während einer Geburt sowie unsachgemäß durchgeführte Abtreibungen gehören zu den Haupttodesursachen für weibliche Teenager in Entwicklungsländern. Alle 14 Sekunden infiziert sich ein Jugendlicher mit HIV. Fast die Hälfte aller Neuinfektionen mit HIV pro Jahr entfallen auf junge Menschen unter 25 Jahren.

Investitionen in die Gesundheit und Bildung von jungen Menschen gehören zu den effizientesten Entwicklungsmaßnahmen, so der UNFPA-Bericht. Sie schaffen die Voraussetzungen für Entwicklung und helfen zugleich, weitaus höhere Kosten zu verhindern, die entstehen, wenn Gesundheit und Bildung vernachlässigt werden.

Neben den Kosten, die den Familien entstehen (für medizinische Betreuung, durch den Wegfall von Einkommen, weil die junge Mutter ihre Ausbildung abbrechen musste), fallen erhebliche volkswirtschaftliche Kosten an, etwa durch Sozialfürsorge für eine Teenagermutter oder Steuereinnahmen, die dem Staat entgehen, weil die Mutter nur ein geringes Einkommen erwirtschaftet. Familienplanung kostet dagegen jährlich durchschnittlich nur 17 Dollar pro Paar.

Zu den Kosten, die einer Volkswirtschaft durch Aids entstehen, zählen der Ausfall der landwirtschaftlichen Produktion, die Betreuung von Patienten, die Versorgung verwaister Kinder ebenso wie die Ausbildung neuen Personals im Gesundheits- und Bildungswesen sowie in der Verwaltung. Eine einzige vermiedene HIV-Infektion spart einem Land, in dem das Pro-Kopf-Einkommen jährlich bei 1000 Dollar liegt, schätzungsweise 34.600 Dollar pro Jahr.

Auf der Kairoer Weltbevölkerungskonferenz hatte sich die internationale Gemeinschaft 1994 auf ein Aktionsprogramm geeinigt, das der Gesundheit und Bildung von Jugendlichen besondere Priorität gibt. "Auch im Zeitalter von Aids bleiben die Regierungen der reichen Länder weit hinter ihren Zusagen zurück", so Bähr. "Doch je weniger wir heute investieren, desto höher werden die Kosten der Untätigkeit in Zukunft ausfallen. Und es sind die Menschen in den ärmsten Ländern, die diesen Preis letztlich bezahlen werden."

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung bittet um Spenden für ihre Aufklärungsprojekte in Afrika unter dem Stichwort "Jugendliche": Spendenkonto 38 38 38 0, Commerzbank Hannover, BLZ 250 400 66.