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"Welt-Schluss-Verkauf" gegen Patentabkommen

Vorwurf der "Biopiraterie"

Mit einem "Welt-Schluss-Verkauf" hat die BUNDjugend (Jugend im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) am Samstag in Berlin gegen das Patentabkommen der Welthandelsorganisation protestiert. PassantInnen konnten bei einem von den AktivistInnen eröffneten Patentamt preisgünstige Patente auf Wasser, Luft, Schnürsenkel und ähnliches erwerben. Konzerne mit entsprechenden finanziellen Mitteln hatten auch die Möglichkeit, Grundnahrungsmittel, überlebenswichtige Medikamente oder Heilpflanzen patentieren zu lassen.

"Wir wollten mit unserer Aktion auf das Patentabkommen der Welthandelsorganisation WTO aufmerksam machen, das weltweit zu Ausbeutung und Hunger führt", sagte die 19jährige Therese Koppe von der BUNDjugend. In diesem Abkommen, dem sogenannten TRIPS, ist geregelt, wie weltweit geistiges Eigentum zu schützen ist. TRIPS steht für "Trade related aspects of intellectual property rights" und gilt unter anderem auch für lebenswichtige Medikamente oder Nutz- und Heilpflanzen, die teilweise in Ländern der Südhalbkugel seit Jahrhunderten genutzt werden.

Beim Welt-Schluss-Verkauf reagierten die Passanten verdutzt auf die jugendlichen AktivistInnen, die sie ansprachen: "Sie haben so schönes blondes Haar. Leider habe ich darauf ein Patent. Dürfte ich um Lizenzgebühren bitten?" Im eigens errichteten Patentamt konnten weitere Patente erworben werden. Im Angebot waren etwa die Patente "Gummisohle", "Roggenbrot" und "Pommes Frites". Dazu zeigten kurze Straßentheaterszenen die Auswirkungen des TRIPS auf der ganzen Welt. Die letzte Szene spielte in Deutschland und ist - noch - fiktiv: Der Anbau von Kartoffeln ist ein Verbrechen, weil sich kein Bauer die Lizenz für Kartoffeln noch leisten kann.

"Wir wollen zeigen, wie absurd die Regeln des TRIPS sind", sagte Therese Koppe. Sie nützten nur einigen Konzernen aus reichen Ländern des Nordens. "Für Kleinbauern, indigene Völker oder Kranke in Ländern des globalen Südens ist das Abkommen hingegen eine Katastrophe", so die Umweltschützerin. "Auf einmal verlieren diejenigen, die eine Pflanze schon immer genutzt haben, ihre Rechte. Das ist Biopiraterie!"