Großmolkerei in Österreich ohne "Gen-Milch"

Appell an Müller-Milch

Die zweitgrößte Molkerei Österreichs hat offenbar ihre gesamten Frischmilch-Produkte auf "gentechnikfrei" umgestellt. Die Niederösterreichische Molkerei (NÖM AG) verzichtet nach Angaben von Greenpeace auf genmanipulierte Pflanzen im Futter ihrer Milchkühe, ohne den Preis für die Verbraucher anzuheben. Deutsche Großmolkereien wie die Unternehmensgruppe Theo Müller behaupteten bislang, dass die Fütterung ohne genmanipulierte Pflanzen nicht möglich sei. Greenpeace fordert, dem Beispiel aus Österreich zu folgen und nur noch Milch von Kühen zu verarbeiten, die keine Gen-Pflanzen zu fressen bekommen.

Noch im September 2004 hatten Greenpeace-Aktivisten vor der Zentrale der österreichischen NÖM AG in Baden bei Wien gegen Gentechnik im Kuhfutter protestiert. Mit rund jährlich 100 Millionen Liter Frischmilch stelle die Molkerei jetzt in Kooperation mit knapp 1800 Landwirten etwa ein Drittel ihrer Milchprodukte ohne Gen-Pflanzen her. In Zukunft wolle die NÖM auch ihre weiter verarbeiteten Lebensmittel wie Joghurt und Butter umstellen.

"Wir sehen uns als eine der innovativsten Molkereien in Europa. Mit der 'Gentechnikfrei-Milch' erhoffen wir uns auch gute Absatzchancen in Deutschland", sagte der Generalbevollmächtigte der Molkerei, Gerhard Schützner. Schützner arbeitete zuvor 17 Jahre als Geschäftsführer der Molkerei Müller. "Die NÖM arbeitet seit über einem Jahr am Verzicht auf Gentechnik im Tierfutter. Aber die Greenpeace-Aktion wirkte wie ein Turbo-Effekt auf unsere Umstellung", sagte der Milch-Manager.

"Die NÖM beweist: Geht nicht, gibt's nicht", meinte Alexander Hissting von Greenpeace mit Blick auf die deutsche Milchbranche. "Die deutschen Milch-Multies boykottieren gentechnikfreie Milch. Das ist ein harter Tritt gegen die Verbraucher, die mehrheitlich keine Lebensmittel wollen, bei denen Gentechnik im Spiel ist." Von den konventionellen Milchproduzenten garantierten bislang in Deutschland immerhin kleinere Anbieter wie die bayerische Andechser Molkerei oder die hessische Upländer Bauernmolkerei einen gentechnikfreien Weg.

Nach Angaben von Greenpeace importiert die EU jährlich rund 20 Millionen Tonnen genmanipulierter Pflanzen. Etwa 80 Prozent aller weltweit angebauten Gen-Pflanzen würden zu Tierfutter verarbeitet. Hersteller von tierischen Produkten wie Milch, Fleisch und Eier unterstützten damit den umweltschädlichen und risikoreichen Anbau von Gen-Pflanzen, meint die Umweltschutzorganisation.