Bischöfin Käßmann zurückgetreten

Nach Kriegs-Kritik und Alkohol

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), Margot Käßmann, hat ihren Rücktritt erklärt. Nach massivem Druck seitens der Medien zieht Käßmann damit sehr schnell die Konsequenz aus ihrer Autofahrt mit 1,54-Promille. Käßmann stand nicht erst seit dieser Autofahrt unter Druck seitens der Medien und einiger Politiker: Am 24. Dezember 2009 hatte die EKD-Vorsitzende Kritik am Kriegseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan geäußert. Schon damals schlug ihr ein medialer Sturm der Entrüstung entgegen, obwohl die Mehrheit der deutschen Bevölkerung den Kriegseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan ablehnt.

Keine sechs Minuten dauerte die Pressekonferenz, auf der Margot Käßmann am 24. Februar in Hannover persönlich bekannt gab, dass sie vom Amt als Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und als hannoversche Bischöfin zurücktritt.

Sie könne "nicht mit der notwendigen Autorität im Amt bleiben", begründete Käßmann ihren Schritt. Es gehe ihr auch um die Achtung vor sich selbst und ihre eigene Geradlinigkeit. Es tue ihr leid, dass sie viele enttäusche, die sie dringend gebeten hätten, im Amt zu bleiben.

Die 51-Jährige zieht damit die Konsequenz aus Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Alkohols am Steuer. Käßmann war am Samstagabend mit 1,54 Promille Alkohol im Blut am Steuer ihres Dienstwagens in Hannover angehalten worden.

Schmutzige Medienkampagne gegen Kriegs-Kritikerin

Daraufhin wurde sie von vielen Massenmedien scharf angegangen: "Die Alkohol-Nacht" hieß es auf Seite eins der "Bild"-Zeitung. Die Münchner "Abendzeitung" zeigte die Bischöfin mit ausgebreiteten Armen im Talar - darunter: "Die Promille-Sünderin".

"Spiegel-Online" fragte in einem Beitrag vom 23. Februar hämisch, ob Käßmann zur Wiedererlangung ihres Führerscheins nun den sogenannten "Idiotentest" machen müsse. Im Abspann machte Spiegel-Online dann unmissverständlich deutlich, worum es eigentlich geht: Käßmanns bisherige Amtszeit sei bestimmt von der Kontroverse um ihre Kritik am Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr.

Die prominente Kritikerin des Kriegs-Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan wurde nun erfolgreich ihres Amtes enthoben. Der Fehler mit Alkohol am Steuer war eine gute Gelegenheit, sich der Kriegs-Kritikerin zu entledigen.

Käßmann: Die harrsche Kritik an "Nichts ist gut in Afghanistan"

Käßmann selbst stellte auf der Pressekonferenz in Hannover einen Zusammenhang zwischen ihrem Rücktritt und der massiven Kampagne in Folge ihrer Kriegs-Kritik her. Sie könne und wolle nicht darüber hinwegsehen, dass das Amt und meine Autorität als Landesbischöfin sowie als Ratsvorsitzende beschädigt seien.

Käßmann weiter: "Die Freiheit, ethische und politische Herausforderungen zu benennen und zu beurteilen, hätte ich in Zukunft nicht mehr so, wie ich sie hatte. Und die harrsche Kritik etwa an einem Predigt-Zitat wie 'Nichts ist gut in Afghanistan' ist nur durchzuhalten, wenn persönliche Überzeugungskraft uneingeschränkt anerkannt wird."

Käßmann: "Aber Waffen schaffen offensichtlich auch keinen Frieden in Afghanistan."

In ihrer Weihnachtspredigt an Heiligabend (24.12.2009) hatte Bischöfin Margot Käßmann in der Marktkirche Hannover wörtlich gesagt:

"Nichts ist gut in Afghanistan. All diese Strategien, sie haben uns lange darüber hinweggetäuscht, dass Soldaten nun einmal Waffen benutzen und eben auch Zivilisten getötet werden. Wir brauchen Menschen, die von der Botschaft der Engel her ein mutiges Friedenszeugnis in der Welt abgeben, gegen Gewalt und Krieg aufbegehren und sagen: Die Hoffnung auf Gottes Zukunft gibt mir schon hier und jetzt den Mut von einer anderen Gesellschaft zu reden und mich für sie einzusetzen. Ja, das ist für mich die weihnachtliche Botschaft: Mut zum Frieden gegen alle vorfindlichen Verhältnisse.

Manche finden das naiv. Ein Bundeswehroffizier schrieb mir heute Morgen etwas zynisch, ich meinte wohl, ich könnte mit weiblichem Charme Taliban vom Frieden überzeugen. Ich bin nicht naiv. Aber Waffen schaffen offensichtlich auch keinen Frieden in Afghanistan.

Wir brauchen mehr Fantasie für den Frieden, für ganz andere Formen, Konflikte zu bewältigen. Da kann manchmal mehr bewirken als alles abgeklärte Einstimmen in den vermeintlich so pragmatischen Ruf zu den Waffen. Vor zwanzig Jahren haben viele Menschen die Kerzen und Gebete in der DDR belächelt ..."