Missbrauch gibt es auch ohne körperliche Gewalt

Berlinerin schreibt ihre Biografie

dem täglichen sexuellen Missbrauch müssen wir in der gesellschaft gemeinsam entgegenwirken In der heutigen Zeit ein heikles Thema und von der Öffentlichkeit viel beachtet: Kindesmissbrauch. Genau zu diesem Thema hat die Autorin eine Autobiographie geschrieben, die im Frühjahr 2011 vom Design Pavoni Verlag veröffentlicht wird. In dem Buch mit dem Titel - Die Suche nach dem geheimnisvollen Gefühl - beschreibt die Autorin ihre Erlebnisse in der Kindheit und welche dramatischen Folgen sich daraus ergeben haben. Die Autorin will der Öffentlichkeit zeigen, dass auch ein Missbrauch ohne körperliche Gewalt das zukünftige Leben der Kinder zerstört. Sie hofft, dass durch ihre Offenheit endlich auch andere wagen, sich zu offenbaren, damit die Täter endlich erkannt und eventuelle zukünftige Übergriffe verhindert werden können.

Was verstehen wir unter Kindesmissbrauch?

Normalerweise denken wir bei diesem Wort an Brutalität, Vergewaltigung, Schläge, Gewalt, Folter, Zwang und Perversion. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Weiter unten, tief im Verborgenen schlummern viele Seelen, die eine andere Erfahrung damit gemacht haben. Sie erfuhren einen Missbrauch, der genauso schlimm ist, weil er die Psyche der Betroffenen bis weit übers Äußerste hinaus strapaziert hat.

Es gibt einen Missbrauch, über den kaum einer spricht.

Sexuelle Übergriffe finden auch ohne körperliche Gewalt statt. Da die Kinder dabei keine Schmerzen verspüren, merken sie nicht, dass ihnen etwas Böses geschieht. Im Gegenteil, oftmals empfinden sie die Berührungen sogar als angenehm und sind dadurch bereit, mitzumachen. Diese Form des Missbrauchs findet meist im Kindergartenalter statt. In einer Zeit, in der die frühkindliche sexuelle Neugierde dem Täter zu Hilfe kommt.

Was ist mit frühkindlicher Sexualität gemeint?

Kleine Kinder, ja sogar Babys haben schon Gefühle, die man in die Kategorie Sexualität einordnen kann. Wenn die Kleinen an der Mutterbrust saugen, haben sie ein angenehmes Empfinden, ebenso, wenn sie von den Eltern gestreichelt werden. Auch beim Stuhlgang werden erogene Zonen stimuliert, was vollkommen normal ist. Später, im Vorschulalter kommt eine natürliche Neugierde auf das andere Geschlecht dazu. Es muss erkundet werden, warum Thomas nicht genauso aussieht wie Heidi. Es finden die uns allen bekannten Doktorspiele statt, die manchmal aus der Sicht der Erwachsenen gesehen, sogar ziemlich ausarten. Die Kleinen betasten sich gegenseitig an den Geschlechtsteilen und stecken sich sogar Gegenstände in die Körperöffnungen. Oftmals legen sich die Kinder sogar aufeinander und ahmen den Geschlechtsverkehr nach.

Die Erwachsenen sollten diese Entwicklung tolerieren, aber sie dürfen sich niemals, wirklich niemals an diesen Spielen beteiligen. Natürlich müssen die Eltern darauf achten, dass sich Sohn oder Tochter nicht verletzen, und eventuell sollten sogar erste vorsichtige Aufklärungsversuche stattfinden. Aufklärung sollte aber den Erziehungsberechtigten vorbehalten bleiben und nicht etwa in die Hand des Nachbarn gelegt werden, der ab und zu auf die Kleinen aufpasst.

Diese Zeit birgt eine große Gefahr

für die spätere Kindesentwicklung. Wenn sich die Erwachsenen falsch verhalten, können sie dadurch das gesamte spätere Leben des Heranwachsenden negativ prägen. Noch vor 50 Jahren war es undenkbar, den Sprössling nicht zurechtzuweisen, wenn Derartiges beobachtet wurde. Oftmals wurde sogar eine Ohrfeige ausgeteilt. Von Aufklärung konnte erst recht nicht die Rede sein. Selbstbefriedigung wurde als ganz schlimmes Übel und krankmachendes Unheil bezeichnet.

Dadurch entwickelte sich eine unnatürliche Sichtweise auf die Sexualität, die womöglich manchmal gerade durch die damals vermittelte Prüderie in Perversion und Abartigkeit ausartete.

Achten Sie auf Auffälligkeiten und hören Sie zu, wenn Ihr Kind Ihnen etwas erzählt. Oftmals erkennt man nur zwischen den Zeilen, dass etwas Ungewöhnliches stattgefunden hat. Werden Sie misstrauisch, wenn Ihre Kleinen plötzlich dauernd von dem netten Nachbarn reden. Es nützt wenig, wenn Sie ein Verbot aussprechen. Gerade das macht es ja für das Kind besonders reizvoll, zu erkunden, was dahinter stecken könnte.

Man erfährt so wenig von diesen Fällen, weil dem Kind bei einem solchen sexuellen Übergriff glaubend gemacht wird, dass es normal ist, dass der Erwachsene sich vor ihm sexuell befriedigt oder es an erogenen Zonen berührt. Erst Jahre später begreift das Kind, was eigentlich passiert ist und schämt sich dafür. Die oder der Heranwachsende entwickelt Schuldgefühle, die sich nicht nur auf psychischer, sondern auch auf körperlicher Ebene bemerkbar machen. Die Scham ist meist so groß, dass es den Betroffenen den Mund verschließt.

Bild: Peggy Steike