Kriminalchronik des Dritten Reiches - Wolfgang Krüger

Mord und Todesstrafe

Spannende Literatur über Mord, Serienmird und Serienmörder Bekannt wurde Wolfgang Krüger durch ausgesprochen anspruchsvolle, spannende und gut fundierte Literatur. Seine hervorragend recherchierten Geschichten in „Thüringer Mörderinnen“ und in „Historische Serienmörder II“, unterscheiden sich deutlich von der üblichen Literatur zum Thema Mord. Er widmet sich ungewöhnlichen, bizarr wirkenden Themen. Primär beschäftigt er sich mit der Todesstrafe. Nicht alleine um Hinrichtungen in Europa geht es in seinen Werken, denn sein Wissen übersteigt diese Breitengrade um Längen. Er ist stolzer – aber auch trauriger Besitzer – des weltweit größten Archivs zum Thema Todesstrafe.

Er ist zu einem Spezialisten der menschlichen Abgründe geworden. Die grausamen Tiefen menschlicher Existenzen spiegeln sich in seinen sachlich beschriebenen Darstellungen der Delikte, die die Todesstrafe forderten und der Durchführung der Hinrichtungen. In der Kriminalchronik des Dritten Reiches I schildert Wolfgang Krüger 20 spektakuläre Mordfälle die in Deutschland stattfanden und an die sich heute kaum noch jemand erinnern kann. In den Kriminalchroniken des Dritten Reiches I und II geht es um "normale Morde", nicht um die schrecklichen Taten der Nationalsozialisten. Der Kriminalhistoriker greift auch den Fall der Charlotte Jünemann auf, die sich auf Tanzveranstaltungen vergnügte, während ihre Kinder verhungerten.

Zwei Bücher über Morde

Herr Krüger, wie sind Sie auf die Idee gekommen, zwei Bücher zum Thema zu schreiben?

Wolfgang Krüger: Die Idee kam ganz spontan. Ich hatte in der „Celleschen Zeitung“ und einigen Periodika schon öfter historische Mordfälle dargestellt und einige der Veröffentlichungen meinem jetzigen Verleger gesandt. Dieser fragte mich, ob ich nicht für ihn schreiben wolle. Ich sagte zu und schlug auch gleich vor, einige Mordfälle aus der nationalsozialistischen Zeit, die ich gerade privat anhand von zeitgenössischen Presseberichten aufarbeitete, zu publizieren. Der Verleger war Feuer und Flamme: die „Kriminalchronik“ war geboren. Wir beide witterten da eine Marktlücke, denn während wir beinahe tagtäglich im Rahmen der nur uns Deutschen eigenen „Erinnerungskultur“ mit den Verbrechen des Regimes konfrontiert werden, wissen wir so gut wie gar nichts über die „ganz gewöhnlichen“ Morde, die in der Zeit des Dritten Reiches begangen wurden, zumal, wie mir noch aus meiner Jugendzeit erinnerlich ist, unter der älteren „Erlebnis-Generation“ die Meinung vorherrschte, „unter Hitler gab es kaum Verbrechen“. Und ob! Ja viele hatten es sogar in sich! Wie heutzutage gab es auch damals fürchterliche Sexual- und Raubmorde, infame Gattenmorde, bei denen damals noch Gift eine große Rolle spielte. Serienmörder waren gerade in der von den Nationalsozialisten genauestens kontrollierten „Volksgemeinschaft“ häufiger anzutreffen, als in unserer Zeit. Mordfälle und die daraus folgenden Prozesse wurden von der gleichgeschalteten Tagespresse förmlich „ausgeschlachtet“, füllten ganze Seiten.

Nur in einem bestand ein Unterschied zu unserer „humanen“ - den Tätern gegenüber - Zeit: Die Strafen waren, dem Zeitgeist entsprechend, drakonisch: In den meisten Fällen wurde die Todesstrafe verhängt und auch vollstreckt. Damals brachte man auch den Opfern gegenüber ein gewisses Mitgefühl auf. Und wer ein Kind oder eine Frau ermordete, der hatte so gut wie keine Gnade zu erwarten. Aus ideologischen Gründen genossen Frauen und Kinder einen besonderen Schutz.

Herr Krüger, meinen Sie, dass in der heutigen Zeit Frauen und Kinder - oder noch allgemeiner - schwächere Lebewesen weniger Schutz genießen?

Wolfgang Krüger: Ja. Im Dritten Reich beispielsweise genossen Frauen und Kinder aus ideologischen Gründen einen hohen Schutz. Aus niederen Motiven begangene Kindesmorde wurden rigoros mit dem Tode bestraft, ebenso Morde an Frauen. Während des Zweiten Weltkrieges wurde sogar Betrug an Soldatenfrauen und versuchte Vergewaltigung mit dem Fallbeil geahndet, gemäß des nationalsozialistischen Grundsatzes: Die Ehre der deutschen Frau ist unantastbar. Heute scheint es mit dem Schutz der Frauen nicht sonderlich gut bestellt zu sein: unzureichend bekämpfter Frauenhandel, dann die staatliche Unterstützung einer oft als archaisch empfundenen „Religion“, die Frauen als etwas Minderwertiges betrachtet. Auch Kinder sind heute viel größeren Gefahren ausgesetzt als früher. Sie wuchsen zwar meist unter autoritären Bedingungen - dafür aber relativ wohl behütet - und ohne die Gefahren des Internets, einer aggressiven Pornographie und gewaltverherrlichender PC-Spiele auf.

Mit „schwächeren Lebewesen“ meinen Sie sicherlich auch die Tiere. Meines Erachtens wird in Deutschland der Tierschutz staatlicherseits nicht genügend überwacht, daher die vielen privaten Tierschutzorganisationen. Ich denke da beispielsweise an die Erlaubnis für eingewanderte Angehörige eines uns fremden Kulturkreises, Tiere ohne Betäubung zu schächten, d.h. sie größten Qualen auszusetzen.

Ein besonderer Fall

Herr Krüger, da stimme ich Ihnen voll und ganz zu. Welcher Fall hat Sie beim Verfassen der Kriminalchronik des Dritten Reiches I besonders berührt?

Wolfgang Krüger: Im ersten Band hat mich vor allem der Mordfall Fischer: „Der Lustmord von Berndorf“, berührt: Eine junge Frau, die ihren verwitweten Vater, ihren Großvater und vier jüngere Geschwister zu versorgen hat, wird beim Holzsammeln im Wald von einem erst kurz zuvor aus der Haft entlassenen Sittlichkeitsverbrecher überfallen und vergewaltigt. Darauf zertrümmert der Mörder ihr den Schädel und schneidet ihr die Kehle durch. Ihre Familie wartet abends vergeblich auf ihre Heimkehr.

Und welcher Fall beschäftigte sie besonders in der Kriminalchronik des Dritten Reiches II?

Wolfgang Krüger: Da ist es der Fall der jungen Frau in der Eifel, die von ihrem Freund geschwängert wurde. Dieser lockt sie unter dem Vorwand, mit ihr zum Standesamt gehen und das Aufgebot bestellen zu wollen, in den Wald, schneidet ihr die Kehle durch und beraubt sie obendrein …

An welchen Projekten arbeiten Sie momentan?

Wolfgang Krüger: Zunächst ist da ein Buch über „Serienmörder im Dritten Reich“, eine Art Sonderband der „Kriminalchronik“. Dazu sind aber umfangreiche, noch lange nicht abgeschlossene Recherchen notwendig. Serienmörder gab es im Dritten Reich relativ häufig. Auch mehrere historische Kriminalfälle sowie Aufsätze über die Anwendung der Todesstrafe im Celler Gebiet - vorrangig erforsche ich die Geschichte der Todesstrafe weltweit, das Interesse an historischen Mordfällen kam da zwangsläufig - sind in Vorbereitung. Sie sollen in der „Celleschen Zeitung“ erscheinen. Anlässlich des 300-jährigen Bestehens des Oberlandesgerichts Celle 2011 werde ich demnächst einen Textbeitrag über die Todesstrafe im OLG-Bezirk schreiben. Privat erforsche ich weiterhin die Todesstrafe weltweit und auf Europa bezogen zurück bis ins Mittelalter.

Herr Krüger, ich bedanke mich für das Gespräch und lese jetzt voller Spannung die Kriminalchronik des Dritten Reiches, Band II - auch der erste Teil hat mich voll und ganz überzeugt!

Die Bücher von Wolfgang Krüger beleuchten zum Teil auch unbekannte oder längst vergessene Fälle. Ein Stück Geschichte wurde für die Leser festgehalten. Grausame Verbrechen werden hier aufgearbeitet, geschehen in einer durch und durch verbrecherischen Zeit. Detailliert beschrieben und hervorragend recherchiert.

Wir dürfen nicht vergessen, was damals wirklich passierte - dazu bieten diese Bücher uns die Möglichkeit.