Weshalb Albert Einstein dem CERN jetzt die Zunge rausstrecken darf

Überlichtschnelle Neutrinos ins Reich der Märchen verbannt

Albert Einstein steckt nun dem CERN die Zunge raus Eines der bekanntesten Porträts zeigt Albert Einstein mit herausgestreckter Zunge. Der Mann hatte Humor, denn das Foto verschickte er an seine Kollegen als Einladung zu seinem 50igsten Geburtstag. Jetzt hätte er allen Grund, seine Zunge in Richtung Genf dem CERN zu zeigen. Warum? Im September vergangenen Jahres verkündeten Wissenschaftler am CERN, dass Neutrinos offenbar in der Lage seien, sich mit Überlichtgeschwindigkeit zu bewegen. In der Fachwelt schlug das Experiment wie eine Bombe ein, denn damit hätte das CERN die Einsteinsche Relativitätstheorie widerlegt. Als die Wissenschaftler nach zwei Monaten das Experiment wiederholten und zu dem gleichen Ergebnis kamen, war die Fachwelt buchstäblich „platt“. Von einer wissenschaftlichen Sensation war die Rede.

Heute mussten die CERN-Forscher mit roten Ohren eingestehen, dass die vermeintliche Überlichtgeschwindigkeit auf einem Messfehler basierte. Ein defektes Kabel sei Schuld gewesen. Weshalb solche grundlegenden Fehlerquellen vor der Veröffentlichung nicht untersucht worden sind, darüber schweigt das CERN sich beharrlich aus.

Nicht nur Albert Einstein kann posthum triumphieren, sondern auch der britische Professor Jim Al-Khalili. Er hat auch nach der im November erfolgten Wiederholung des Experiments die Ergebnisse des CERN für einen Irrtum deklariert und schloss in einer von der BBC übertragenen Rede eine skurrile Wette ab. Sollte das CERN Recht behalten, so der 49-jährige Experte für theoretische Atomphysik, wolle er öffentlich seine Unterhose verspeisen. Kein leichtes Unterfangen, denn Al-Khalili trägt eigenen Angaben zufolge Boxershorts der Größe XL.

Jetzt gibt es für Al-Khalili Entwarnung: Der risikofreudige Wissenschaftler läuft nicht Gefahr, sich seinen Magen zu verrenken. Seine Unterhose bleibt im Wäscheschrank liegen.

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Rolf Froböse

Der Autor ist promovierter Chemiker, Wissenschaftsjournalist und Buchautor von Bestsellern wie „Lust und Liebe – alles nur Chemie?“ oder „Die geheime Physik des Zufalls“.