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Deppendorf will Meinung machen

"Bericht aus Berlin"

ARD-Hauptstadtstudioleiter Ulrich Deppendorf sieht den "Bericht aus Berlin" als meinungsbildendes Magazin. "Man muss deutlich machen, was man will", sagte Deppendorf am Freitag im ARD-Morgenmagazin vor der 100. Sendung des Magazins. Die Internet-Zeitung ngo-online sieht hingegen in dem direkt oder indirekt betriebenen Meinungsjournalismus eine Gefahr für demokratische Entscheidungsprozesse. "Sind heute eigentlich die Journalisten die eigentlichen Politiker und wessen Interessen vertreten sie - die ihrer einflußreichen Anzeigenkunden aus der Wirtschaft", fragt der verantwortliche Redakteur der Internet-Zeitung, Henrik Paulitz.

Deppendorf verweist auf das Thema Zwangsarbeiter. Die "eindringlichste Mahnung" sei das stummlose Abfilmen einer Liste von kürzlich verstorbenen Opfern gewesen. Als persönliches Highlight der vergangenen 99 Sendungen nannte Deppendorf das Interview mit dem früheren Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU). Dies sei eine "harte Angelegenheit" gewesen.

Thema der 100. Sendung am Abend werde unter anderem die Reise von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nach Wien sowie die Diskussion um Gentechnologie, kündigte Deppendorf an.

Die Medienberichterstattung über das Thema Zwangsarbeiter steht für Paulitz in einem größeren medienpolitischen Kontext. Er erinnert an die von dem Großteil der Medien vor einigen Jahren betriebenenen "meinungsbildenden" Kampagne für die Einschränkung des Asylrechts und einer dann folgenden Grundgesetzänderung.

"Wir müssen uns fragen, aus welchen Gründen die Medien plötzlich eine Kampagne gegen Rechts beginnen und für die Entschädigung von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern mobil machen", so Paulitz. "Es bestand doch ein eindeutig zeitlicher und auch entsprechend kommunizierter Zusammenhang zwischen dem Interesse der Wirtscahft am Import billiger IT-Greencard-Inder nach Deutschland und da beschädigten die ausländerfeindlichen und rassistischen Gewaltübergriffe auf der Straße das Bild Deutschlands im Ausland. Und die Entschädigung für Zwangsarbeiter würde es auch 50 Jahre nach Kriegsende nicht geben, wenn es in den USA nicht aussichtsreiche Klagen gegen deutsche Großkonzerne gegeben hätte."

Ein anderes Beispiel sei die monatelange Kampagne der Medien gegen die Bundesminister Oskar Lafontaine und Jürgen Trittin zu Beginn der rot-grünen Koalition. Weil Lafontaine sich mit internationalen Finanzinstitutionen angelegt habe, sei er tagtäglich von den Medien hart kritisiert worden. "Als Lafontaine schließlich aufgegeben hatte, fragten die Medien scheinheilig nach den Gründen für den Rücktritt", so Paulitz. Und Jürgen Trittin habe anfangs noch versucht, entsprechend der Koalitionsvereinbarung ein schnelles Ende der Wiederaufarbeitung gegen den Willen der Atomwirtschaft durchzusetzen. Schließlich habe auch Trittin kurz vor seinem erzwungenen Rücktritt gestanden und willigte schließlich in einen politischen Kurswechsel ein.

Die Internet-Zeitung möchte der deutschen Medienlandschaft einen anderen Journalismus entgegensetzen. Mit Ausnahme von medienpolitischen Themen, wie im vorliegenden Fall, behält die Redaktion ihre Meinung für sich und informiert über Argumentationen von verschiedener Seite. ngo-online moderiert einen Wettstreit der Fakten und Argumente von Personen und Institutionen mit den verschiedensten politischen Interessen. Akteure, die sich sonst in der Medienlandschaft nur sehr unzureichend durchsetzen können, werden etwas bevorzugt berücksichtigt.

"Bei ngo-online dürfen die Sachargumente der Wirtschaft, der Gewerkschaften, der Kirchen, der Parteien, der Wissenschaft, der NGO’s, der politischen Initiativen etc. unzensiert aufeinanderprallen," heißt es in der Pressemitteilung die beim Start der Internet-Zeitung am vergangenen Montag herausgegeben wurde.

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