Trotz Handelsverbotes

Norwegen exportiert erstmals Walfleisch

Norwegen hat die Drohungen vergangener Jahre wahrgemacht und trotz einem internationalen Handelsverbot für Walprodukte acht Tonnen Walfleisch und -Speck nach Island verschifft, wie Pro Wildlife berichtet. Wie am Dienstag bekannt wurde, erfolgte der Transport bereits am Freitag. Nach Pro Wildlife vorliegenden Informationen sollen nun weitere Lieferungen auf die zu Dänemark gehörenden Färöer-Inseln folgen. Damit wäre erstmals sogar ein EU-Land Abnehmer für Walprodukte. Norwegen hat damit nach 14 Jahren ein Tabu gebrochen. "Norwegen provoziert die internationale Staatengemeinschaft. Die EU muss nun mit aller Schärfe reagieren, um weitere Exporte zu stoppen", fordert Pro Wildlife.

Der Schutz von Walen ist durch zwei internationale Gremien geregelt: Die Internationale Walfangkommission (IWC) beschloss 1982 ein Walfangverbot, das 1986 in Kraft trat. Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA) reagierte mit einem absoluten Handelsverbot für alle Produkte aus Walen, inklusive Fleisch und Speck der Meeresriesen. Norwegen hat einen Widerspruch gegen diese Regelungen eingelegt und ist damit formaljuristisch nicht an Fang- und Handelsverbot gebunden. Trotzdem schreckte das skandinavische Land 14 Jahre lang davor zurück, die internationalen Vorgaben zu ignorieren. "Der nun erstmals erfolgte Export von Walfleisch ist in engem Zusammenhang mit der im November stattfindenden WA-Artenschutzkonferenz zu sehen, für die ein Antrag für die Lockerung des Schutzes der von Norwegen bejagten Zwergwalbestände vorliegt", so Pro Wildlife-Expertin Sandra Altherr: "Norwegen will der Welt zeigen, dass es entweder seinen Willen bekommt oder sich über alle demokratischen Absprachen hinwegsetzt."

Norwegen hat für das laufende Jahr eigenmächtig eine Fangquote für 671 Zwergwale (Minkwale) festgesetzt, von der bislang 520 Tiere getötet wurden. Das Fleisch der Tiere wird größtenteils innerhalb Norwegens konsumiert, doch der Speck der Meeresriesen findet kaum Abnehmer im eigenen Land. Japan und Island sind somit seit Jahren potenzielle Absatzmärkte - bisher schreckten allerdings alle drei Länder vor einer Provokation der internationalen Staatengemeinschaft und möglichen resultierenden Sanktionen zurück.

Die Importgenehmigung der Behörden Islands für die brisante Lieferung aus Norwegen ist nach Ansicht der Artenschützer ein ebenso großer Skandal: Islands Beitritt zur IWC wurde vor wenigen Wochen zum zweiten Mal abgelehnt, da die nordische Insel nur Teile der IWC-Statuten anerkennen wollte. Damit und mit seinem Vorbehalt gegen das Handelsverbot für Walprodukte mache Island seine mangelnde Bereitschaft deutlich, mehrheitlich gefasste Beschlüsse anzuerkennen.

Und der nächste Eklat werde bereits vorbereitet: Norwegen und die zu Dänemark gehörenden Färöer-Inseln stünden derzeit in Verhandlungen über Walfleischlieferungen. Damit wäre erstmals ein EU-Staat an einem solchen Deal beteiligt. Pro Wildlife fordert die EU-Kommission und die EU-Mitgliedsstaaten auf, umgehend gegen diese Pläne zu intervenieren und auch bei den Regierungen von Norwegen und Island Widerspruch einzulegen.

Zeige Deinen Kontakten bei Google und Facebook, dass Dir dieser Beitrag gefällt!