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Bertelsmann plant gemeinsam mit US-Banken Beteiligungen an Medienunternehmen

7 Milliarden Euro

Der Bertelsmann-Konzern plant gemeinsam mit der US-amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley und der Citygroup Private Equity einen Beteiligungsfonds mit Sitz in Luxemburg. Ziel sei es, künftig größere Aquisitionen im Medienbereich tätigen zu können, verkündete der Vorstandschef, Gunter Thielen, am vergangenen Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz. Das Investitionsvolumen soll rund eine Milliarde Euro betragen, wovon 500 Millionen Euro der Bertelsmann-Konzern über 4 Jahre beisteuert und je 250 Millionen die Morgan Stanley Investmentbank und Citygroup leisten. Damit können, so Finanzvorstand Thomas Rabe, Finanzbeteiligungen in Unternehmen der Medienbranche realisiert werden. Das erste Objekt, das realisiert wird, könnte die Lehrbuch-Sparte des kanadischen Fachverlags Thomson sei, dessen Kaufpreis rund 4 Milliarden Euro betragen soll. Ab dem Jahr 2008 soll nach Auskunft von Thielen jährlich eine Summe von zwischen 1,0 bis 1,5 Milliarden Euro für Investitionsobjekte bereit stehen, damit sollen bis zum Jahr 2010 Investitionen von 7 Milliarden Euro vorgenommen werden können.

Der Bertelsmann-Konzern hat die Märkte in Europa, Nordamerika, Asien und Osteuropa im Blick. Für die nächsten Jahre sind fünf bis zehn Zukäufe geplant. "Wir wollen auch Zugang zu Medien- und Servicegeschäften haben, die bislang nicht zu unseren Geschäftsfeldern gehören", so Vorstandschef Thielen.

Das Jahr 2006 war wirtschaftlich das erfolgreichste Jahr in der Geschichte des Bertelsmann-Konzerns. Das Unternehmen konnte ein Umsatzplus von 7,9 Milliarden Euro verbuchen, womit der Konzernumsatz auf 19,3 Milliarden gestiegen ist. Eine Milliarde davon stammen aus dem Internetgeschäft.

Die Möglichkeit, sich hoch zu verschulden

Als neues Geschäftsfeld nannte die Geschäftsleitung den Private-Equity-Fonds. Mit dem Beteiligungsfonds könne das angestrebte Ziel zusätzlicher Optionen realisiert werden. Damit habe das Konsortium die Möglichkeit sich hoch zu verschulden, ohne die Bilanz zu belasten. Mit Private-Equity-Fonds könnten Zukäufe mit geringem Eigenkapital getätigt werden.

Der Großteil der Gelder sollen den Angaben zufolge über Kredite finanziert werden. Die Schulden würden in der Regel auf die erworbenen Unternehmen übertragen. Zinsen für das Fremdkapital würden aus der übernommenen Firma beziehungsweise aus deren Ertrag abgesichert, wodurch das übernommene Unternehmen hoch verschuldet sei und die Zinskosten auf das Ergebnis drückten.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di kritisiert, dass dadurch keine Steuern bezahlt würden und so die Steuerzahler die Übernahme subventionierten.

Ver.di: Auf Rendite getrimmt

Private-Equity-Fonds konzentrieren sich auf das Kapital außerhalb der Börsen und umgehen damit die Verpflichtung aus dem Aktiengesetz, regelmäßig Bilanzzahlen offenlegen zu müssen. Bekannte Private-Equity-Fonds sind Blackstone, GS Capital Partners, Warburg Pinus, Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR), Apollo Management, Permira, Apax Partners, BC Partners, TPG, CSFB.

Nach Darstellung von Ver.di kaufen die Fonds vielfach mittelständische Unternehmen, um diese innerhalb von 2 bis 5 Jahren mit Gewinn wieder zu verkaufen. Die Anleger seien anteilig am Gewinn beteiligt. Ver.di kritisiert, dass die Fonds angelsächsische Managementmethoden einsetzten. Die erworbenen Unternehmen würden durch Sparrunden sowie durch Umstrukturierungen, Zerschlagungen oder Sanierungen auf Rendite getrimmt. Entscheidend sei dabei, dass der Wiederverkaufswert deutlich erhöht werde. Bei jungen Unternehmen werde oft versucht, im Zuge eines Börsengangs Kasse zu machen, so Ver.di.

Nach Angaben der Gewerkschaft wurden im Jahr 2005 in Deutschland rund 20 Milliarden Euro mit Private-Equity-Mitteln in 5.500 Firmen investiert. Rund ein Drittel aller Akquisitionen würden in Europa über Private-Equity-Fonds getätigt. Für Investoren stünden die Wachstumsraten im Vordergrund.

Gewerkschaften kritisieren den Fall Grohe

Die Gewerkschaften kritisieren eine in diesem Zusammenhang stehende "aggressive Politik". Ein Beispiel für dieses Finanzierungsmodell sei die Übernahme der Firma Grohe, die 1999 an die Kapitalfondsgesellschaft BC Partner für 0,9 Milliarden Euro verkauft worden sei. Im Jahr 2004 sei sie an die Texas Pacific Group und an Credit Suisse Equity (CSFB) für 1,8 Mrd. Euro weitergereicht worden.

Aufgrund der hohen Zinslast habe das Unternehmen einen Schuldenberg angehäuft. Ein Teil der Produktion sei ins Ausland verlegt worden. Außerdem seien weit über 1000 Arbeitsplätze gestrichen worden. "Die Belegschaft muss dafür bluten, dass die Fonds den Kaufpreis mehr als ausgereizt haben", hieß es dazu in der "Franfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ).

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