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OECD kritisiert erneut deutsches Bildungssystem

"Akademikermangel und ungleiche Bildungschancen"

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) kritisiert erneut das deutsche Bildungssystem. Es weise im internationalen Vergleich weiter erhebliche Defizite auf. Dies gehe aus der neuen OECD-Studie hervor, die am 18. September in Berlin vorgestellt wurde. Danach sei Deutschland wegen des Akademikermangels derzeit nicht in der Lage, Ingenieure, die in den nächsten Jahren in Rente gehen, durch junge Absolventen zu ersetzen.

Bei Pädagogen sei das Verhältnis zwischen Jungakademikern und aus dem Beruf Ausscheidenden noch ungünstiger. Laut OECD hat in Deutschland auch die soziale Herkunft einen starken Einfluss auf die Bildungschancen.

"Eine leistungsfähige tertiäre Ausbildung ist ein strategischer Faktor für wirtschaftliches Wachstum und sozialen Fortschritt. In diesem Bereich gibt die internationale Position Deutschlands einigen Anlass zur Sorge", sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría bei der Präsentation der Studie.

Deutschland führe mittlerweile einen deutlich geringeren Anteil eines Jahrgangs zu einem akademischen Abschluss als die OECD-Länder im Schnitt. So kämen in Deutschland nur 32 Ingenieure auf 1000 Personen eines typischen Abschlussjahrgangs, im OECD-Mittel seien es 44. Bei anderen naturwissenschaftlich-technischen Fächern sei die deutsche Absolventenquote im OECD-Vergleich ähnlich gering.

Zudem sei in Deutschland das Erreichen eines Hochschulabschlusses nach wie vor stark abhängig von der sozialen Herkunft. So sei der Anteil von Akademikerkindern an Hochschulstudenten 2,2 mal so hoch, als es ihrem Bevölkerungsanteil entspreche. "Kinder werden hierzulande bereits mit zehn Jahren auf unterschiedliche Bildungswege verteilt. Wer aus einer benachteiligten Familien kommt, wird dabei eher auf einen Bildungsweg geleitet, der eine geringere Leistung erwarten lässt", kritisierte der OECD-Generalsekretär.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) kündigte für den Herbst eine nationale Qualifizierungsinitiative an mit Schwerpunkten bei der frühkindlichen Bildung, der Integration und der deutlichen Reduzierung der Schulabbrecherquote. Die Ministerin verwies zudem auf den Hochschulpakt und das verbesserte BAFöG, um die Studentenzahlen zu erhöhen und Chancengleichheit zu sichern.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), forderte: "Wir müssen mehr Jugendliche aus Zuwandererfamilien dafür gewinnen, ein Studium aufzunehmen." Unions-Fraktionsvize Katherina Reiche (CDU) mahnte, die Politik müsse das Interesse von Frauen an technischen Berufen stärker wecken. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sprach sich für eine Anhebung des BAFöG um zehn Prozent und für längere gemeinsame Lernzeiten von Kindern in der Schule ein. Auch müsse mehr in Bildung investiert werden.

Der Deutsche Philologenverband hält die OECD-Kritik an den Akademikerquoten in Deutschland für ungerechtfertigt. Verbandschef Heinz-Peter Meidinger verwies darauf, dass es in Deutschland anders als etwa in den USA zum Beispiel Krankenpfleger oder Krankenschwestern im nichtakademischen Bereich der Berufsausbildung angesiedelt seien, aber qualitativ international sehr gut dastünden. Zudem hätten in Deutschland Lang- und Vollzeitstudiengänge Vorrang, während in anderen Ländern Kurzstudiengänge mit geringerwertigen Abschlüssen dominierten.

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