Weltbevölkerung wächst weiter

Bevölkerungsprojektion

Trotz sinkender Kinderzahlen und dem verheerenden Einfluss von HIV/Aids wird die Weltbevölkerung auch in den nächsten 50 Jahren weiter wachsen. Fast neun Milliarden Menschen werden zur Mitte des Jahrhunderts auf der Erde leben. Das geht aus den neuen Bevölkerungsprojektionen der Vereinten Nationen hervor, die am Donnerstag in New York vorgestellt werden. Während sich das Wachstum global gesehen weiter verlangsame, werde die Wachstumsrate in den ärmsten Regionen der Erde im Jahr 2050 mit 1,2 Prozent jährlich fast viermal so hoch sein wie im Weltdurchschnitt.

Erstmals gehen die Vereinten Nationen davon aus, dass die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau weltweit bis zum Jahr 2050 knapp unter das so genannte Ersatzniveau von 2,1 Kindern pro Frau sinken könne. Daraus ergebe sich eine Korrektur der vorausgeschätzten Bevölkerungszahl für das Jahr 2050 von 8,9 statt 9,3 Milliarden Menschen im Vergleich zu den letzten UN-Projektionen von 2000. "Die Voraussetzung für eine Fortsetzung des Geburtenrückgangs ist jedoch, dass sich auch in den ärmsten Ländern der Zugang zu Familienplanung entscheidend verbessert",

so DSW-Geschäftsführer Dr. Hans Fleisch. "Sonst wird sich diese optimistische Prognose der Vereinten Nationen nicht halten lassen."

Die regionalen Unterschiede bei der Bevölkerungsentwicklung würden sich weiter vertiefen. Während in den Industrieländern inzwischen ein Niveau von durchschnittlich 1,58 Kindern pro Frau erreicht sei, bekämen Frauen in den 49 ärmsten Entwicklungsländern im Durchschnitt 5,46 Kinder. In diesen Ländern sei das Wachstum weiterhin sehr hoch. Dort werde sich die Bevölkerung bis zum Jahr 2050 sogar mehr als verdoppeln - von 668 Millionen auf 1,7 Milliarden Menschen - obwohl die UN davon ausgehen, dass sich auch dort die Kinderzahlen bis 2050 halbieren könnten. Die Bevölkerungen der Länder wie Burkina Faso, Mali, Niger, Somalia, Uganda und Jemen mit Wachstumsraten von über 2,5 Prozent würden sich in den nächsten 50 Jahren sogar vervierfachen.

In Schwellenländern wie Vietnam oder Brasilien seien die Kinderzahlen inzwischen auf 2,5 bzw. 2,34 Kinder pro Frau gesunken und werden bis 2050 auf 1,85 weiter abnehmen, schätzen die UN-Experten. "Länder wie Vietnam oder Brasilien zeigen, dass man durch massive Investitionen in

Gesundheit und Familienplanung nicht nur die Gesundheit der Bevölkerung verbessern, sondern auch das Bevölkerungswachstum erheblich verlangsamen kann", so Fleisch.

Die Aids-Epidemie werde sich in den mittlerweile 53 am meisten betroffenen Ländern voraussichtlich stärker auf die Bevölkerungsentwicklung auswirken, als bislang angenommen. Nach

UN-Angaben erhöhe sich dort die Zahl der Aids-Toten bis 2050 von 46 Millionen auf 278 Millionen. Trotz des verheerenden Einflusses von Aids werde die Bevölkerung dieser Länder aufgrund der hohen Geburtenraten weiter wachsen. Allerdings werde die Bevölkerung in den sieben am stärksten betroffenen Ländern im südlichen Afrika mit einer Infektionsrate von über 20 Prozent nur geringfügig zunehmen - von heute 74 Millionen auf 78 Millionen Menschen 2050. Ein Rückgang der Bevölkerung sei nur für Botswana, Lesotho, Südafrika und Swasiland anzunehmen.

Weltbevölkerung

Mit großer Mehrheit hat das Europäische Parlament in Straßburg heute den Bericht zur Bevölkerung und Entwicklung angenommen. Nach kontroverser Debatte wurde der Bericht, der auf Initiative der Europaabgeordneten Karin Junker zustande kam, gegen die Stimmen der Europäischen Volkspartei (EVP) verabschiedet. Der Bericht ruft die EU-Mitgliedstaaten und die Beitrittsländer dazu auf, Familienplanung, Sexualerziehung und den Zugang zu Verhütungsmitteln in Entwicklungsländern stärker zu fördern.

Der Bericht bekräftigt das Recht aller Menschen, frei und in eigener Verantwortung über die Zahl ihrer Kinder und den Zeitpunkt ihrer Elternschaft zu entscheiden. Konservative Kräfte hatten zuvor versucht, das Recht auf reproduktive Selbstbestimmung und die Rechte von Jugendlichen einzuschränken. "Wir sind erleichtert, dass sich das Europäische Parlament hinter die Rechte von Jugendlichen stellt", so die stellvertretende Geschäftsführerin der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW), Renate Bähr. "Verhütung und Aufklärung sind überlebenswichtige Menschenrechte. Es ist ungeheuerlich, dass man jungen Menschen in Entwicklungsländern vorenthalten will, was für uns im Norden selbstverständlich ist."

Auf der Weltbevölkerungskonferenz 1994 in Kairo haben 179 Staaten ein Aktionsprogramm zur Verbesserung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte verabschiedet. 10 Jahre nach Kairo liegen viele seiner Ziele noch in weiter Ferne ? vor allem aufgrund mangelnder Finanzierung. "Auch die Bundesregierung hat ihre Verpflichtungen von Kairo bei weitem nicht erfüllt", so Bähr. "Das Leben von Frauen und Teenagern und ihr Recht auf freie Entscheidung hat anscheinend keine politische Priorität."

Am 3. Sep. 2004 unter: nachrichten

Weltbevölkerungsbericht 2004

Rund 200 Millionen Frauen weltweit haben keinen Zugang zu modernen Verhütungsmitteln, obwohl sie verhüten wollen. Das geht aus dem aktuellen Weltbevölkerungsbericht 2004 hervor, den die DSW im Auftrag des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) heute in Berlin vorstellt. "Es würde jährlich 3,9 Milliarden US-Dollar kosten, um den Bedarf an modernen Verhütungsmitteln zu decken", so Renate Bähr, stellvertretende DSW-Geschäftsführerin. Diese Summe entspreche den weltweiten Ausgaben für Krieg und Rüstung an zwei Tagen. Mit der Investition könnten 23 Millionen ungewollte Geburten, 22 Millionen Abtreibungen, 1,4 Millionen Fälle von Kindersterblichkeit und 142.000 Todesfälle in Folge von Schwangerschaften verhindert werden. Zudem würden Aktionsprogramme durch mangelnde Finanzierung behindert.

Zwar sei seit der Weltbevölkerungskonferenz in Kairo 1994 die Rate der verheirateten Paare, die Familienplanungsmethoden anwenden von 55 auf 61 Prozent gestiegen. Auch hätten viele Länder ihr Angebot an Familienplanung, Aids-Prävention und Gesundheitsversorgung verbessert. Dennoch bleibe die Bekämpfung von Müttersterblichkeit, Aids und ungewollten Schwangerschaften weit hinter den Zielen von 1994 zurück. "Die Ergebnisse hätten erheblich besser ausfallen können, wenn die Umsetzung des Kairoer Aktionsprogramms nicht durch die mangelnde Finanzierung behindert würde", sagt UNFPA- Vertreterin Bettina Maas.

Das anhaltend hohe Bevölkerungswachstum in vielen armen Ländern zusammen mit dem hohen Ressourcenverbrauch der wohlhabenden Länder trage zur wachsenden Belastung der globalen Umwelt bei, die zu einer Verschärfung der Wasser- und Landknappheit führen werde. Auch würden jedes Jahr noch immer 529.000 Frauen an Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt sterben, weil fast die Hälfte aller Geburten nicht medizinisch betreut werde. Zudem sei HIV/Aids auf dem Vormarsch: Ungefähr 38 Millionen Menschen seien mit dem Virus infiziert. Jedes Jahr würden sich weitere fünf Millionen anstecken, wobei der Anteil der Frauen und Jugendlichen steige: Rund die Hälfte aller Neuinfektionen betreffe junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren.

Während die Nachfrage nach Familienplanungsdiensten bis zum Jahr 2025 voraussichtlich um 40 Prozent zunehmen werde, sei die Finanzierung durch die Geberländer schon heute mangelhaft: 1994 hätten sich die Geber verpflichtet, bis zum Jahr 2005 jährlich 6,1 Milliarden US-Dollar für die Umsetzung des Aktionsprogramms bereit zu stellen. Im Jahr 2003 hätte sich ihr Beitrag mit 3,1 Milliarden Dollar nur auf die Hälfte belaufen.

Besonders negativ wirke sich die Haltung der USA - das größte Geberland im Bereich reproduktive Gesundheit - auf die Umsetzung der Ziele von Kairo aus. Die US-Regierung habe auf internationalen Konferenzen wiederholt den Konsens von Kairo torpediert und binde einen Großteil der US-amerikanischen Entwicklungshilfe an eine "Abstinence-only"-Richtlinie, die Enthaltsamkeit statt Aufklärung und Verhütung fordere.

Am 15. Sep. 2004 unter: nachrichten

Weltbevölkerungsbericht 2003

Millionen junge Menschen können sich nicht vor Aids und ungewollten Schwangerschaften schützen, weil sie keinen Zugang zu Sexualaufklärung und Verhütung haben. Die Förderung der Gesundheit und Bildung von Jugendlichen, insbesondere von Aufklärung und Verhütung, ist jedoch eine Voraussetzung dafür, dass das Potenzial der jungen Generation für die Entwicklung genutzt werden kann. Dies geht aus dem aktuellen Weltbevölkerungsbericht 2003 hervor, den die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) im Auftrag von UNFPA, dem Bevölkerungsfonds der Vereinen Nationen, am Mittwoch in Berlin vorgestellt hat.

Fast die Hälfte der Weltbevölkerung ist unter 25 Jahre alt, 1,2 Milliarden sind Teenager zwischen 10 und 19 Jahren. Weil ihnen Sexualaufklärung vorenthalten wird und Verhütungsmittel fehlen, sind Jugendliche besonders gefährdet, ungewollt schwanger zu werden oder sich mit HIV zu infizieren. "Wenn wir jungen Menschen verweigern, ihr Menschenrecht auf Verhütung wahrzunehmen, setzen wir ihr Leben aufs Spiel", warnt die stellvertretende DSW-Geschäftsführerin Renate Bähr. "Und wir vergeben wider besseres Wissen eine wichtige Entwicklungschance."

Jährlich bekommen rund 14 Millionen Teenager ein Kind. Komplikationen bei einer Schwangerschaft oder während einer Geburt sowie unsachgemäß durchgeführte Abtreibungen gehören zu den Haupttodesursachen für weibliche Teenager in Entwicklungsländern. Alle 14 Sekunden infiziert sich ein Jugendlicher mit HIV. Fast die Hälfte aller Neuinfektionen mit HIV pro Jahr entfallen auf junge Menschen unter 25 Jahren.

Investitionen in die Gesundheit und Bildung von jungen Menschen gehören zu den effizientesten Entwicklungsmaßnahmen, so der UNFPA-Bericht. Sie schaffen die Voraussetzungen für Entwicklung und helfen zugleich, weitaus höhere Kosten zu verhindern, die entstehen, wenn Gesundheit und Bildung vernachlässigt werden.

Neben den Kosten, die den Familien entstehen (für medizinische Betreuung, durch den Wegfall von Einkommen, weil die junge Mutter ihre Ausbildung abbrechen musste), fallen erhebliche volkswirtschaftliche Kosten an, etwa durch Sozialfürsorge für eine Teenagermutter oder Steuereinnahmen, die dem Staat entgehen, weil die Mutter nur ein geringes Einkommen erwirtschaftet. Familienplanung kostet dagegen jährlich durchschnittlich nur 17 Dollar pro Paar.

Zu den Kosten, die einer Volkswirtschaft durch Aids entstehen, zählen der Ausfall der landwirtschaftlichen Produktion, die Betreuung von Patienten, die Versorgung verwaister Kinder ebenso wie die Ausbildung neuen Personals im Gesundheits- und Bildungswesen sowie in der Verwaltung. Eine einzige vermiedene HIV-Infektion spart einem Land, in dem das Pro-Kopf-Einkommen jährlich bei 1000 Dollar liegt, schätzungsweise 34.600 Dollar pro Jahr.

Auf der Kairoer Weltbevölkerungskonferenz hatte sich die internationale Gemeinschaft 1994 auf ein Aktionsprogramm geeinigt, das der Gesundheit und Bildung von Jugendlichen besondere Priorität gibt. "Auch im Zeitalter von Aids bleiben die Regierungen der reichen Länder weit hinter ihren Zusagen zurück", so Bähr. "Doch je weniger wir heute investieren, desto höher werden die Kosten der Untätigkeit in Zukunft ausfallen. Und es sind die Menschen in den ärmsten Ländern, die diesen Preis letztlich bezahlen werden."

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung bittet um Spenden für ihre Aufklärungsprojekte in Afrika unter dem Stichwort "Jugendliche": Spendenkonto 38 38 38 0, Commerzbank Hannover, BLZ 250 400 66.

Am 08. Okt. 2003 unter: politik

Weltbevölkerungsbericht 2002

Mangelnde Gesundheitsversorgung und schnelles Bevölkerungswachstum gehören zu den Haupthindernissen bei der globalen Armutsbekämpfung. Dies geht aus dem diesjährigen UNFPA-Weltbevölkerungsbericht 2002 hervor, den die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) gemeinsam mit UNFPA, dem Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen, am Dienstag in Berlin vorstellt. Obwohl sich in einigen Entwicklungs- und Schwellenländern inzwischen eine Verlangsamung des Bevölkerungswachstums abzeichnet, ist der Zuwachs in den ärmsten Ländern nach wie vor sehr hoch: In den 49 am wenigsten entwickelten Ländern wird sich die Bevölkerung in den nächsten 50 Jahren nahezu verdreifachen. Der Zuwachs der nächsten fünf Jahrzehnte wird damit das Wachstum der vergangenen 50 Jahre erheblich übertreffen.

"Investitionen in Gesundheit und Familienplanung sind unverzichtbar, um die Armut zu beenden", fordert DSW-Geschäftsführer Dr. Hans Fleisch. "Armutsbekämpfung in den ärmsten Ländern kann nur erfolgreich sein, wenn sich das Bevölkerungswachstum verlangsamt." Länder, die in der Vergangenheit in Gesundheit und Familienplanung investiert haben, verzeichnen heute ein geringeres Bevölkerungswachstum und haben sich wirtschaftlich besser entwickelt als Länder, die nicht in Gesundheit investiert haben, so der UNFPA-Bericht.

Fast ein Drittel des weltweiten Fertilitätsrückgangs zwischen 1972 und 1994 ist auf Familienplanungsprogramme zurückzuführen. Wenn arme Familien in Entwicklungsländern viele Kinder haben, steht pro Kopf oft weniger an ohnehin knappen Ressourcen zur Verfügung. Aufgrund der höheren Konsum-Ausgaben können diese Familien weniger Rücklagen bilden und weniger in die Gesundheit und Bildung ihrer Kinder investieren. Menschen, deren Gesundheit von Kindheit an beeinträchtigt wurde und die nur wenig Bildung erwerben konnten, haben auch im Erwachsenenalter kaum Chancen, ihrer Armut zu entkommen.

Investitionen in die Gesundheit, insbesondere von Frauen, trügen daher wesentlich zur Armutsbekämpfung bei. In Entwicklungsländern stellen Gesundheitsprobleme rund um Sexualität und Fortpflanzung, insbesondere jedoch Schwangerschaft und Geburt, ein Fünftel aller gesundheitlichen Probleme dar.

1980 waren 18,9 Prozent der Weltbevölkerung absolut arm, d.h. fast jeder Fünfte musste mit weniger als 1 US-Dollar pro Tag auskommen. Wäre die Fertilität im Laufe der 1980er Jahre in allen Ländern um nur etwa 0,5 Prozent zusätzlich zurückgegangen, wie es in vielen Ländern Asiens der Fall war, wäre nach UN-Schätzungen die weltweite Armut um ein Drittel gesunken - auf heute 12,6 Prozent, also rund ein Achtel der Weltbevölkerung.

Bereits 1994 hat sich die Weltgemeinschaft auf der Kairoer Weltbevölkerungskonferenz auf das Ziel geeinigt, Gesundheitsversorgung rund um Verhütung, Schwangerschaft und Geburt allgemein zugänglich zu machen.

Von diesem Ziel sind viele der ärmsten Länder noch weit entfernt - auch weil die Geberländer ihren finanziellen Verpflichtungen bislang nicht nachkommen. Im Jahr 2000 haben die Industrieländer weniger als die Hälfte der 1994 zugesagten Mittel für diese Bereich zur Verfügung gestellt.

Am 03. Dez. 2002 unter: politik

Weltbevölkerung

Schnelles Bevölkerungswachstum in Entwicklungsländern und Bevölkerungsabnahme in Industrieländern sind die beiden Trends, die die Entwicklung der Weltbevölkerung im kommenden Jahrhundert entscheidend prägen werden. Dies geht aus dem aktuellen demographischen Bericht „Dynamik der Weltbevölkerung 2002“ hervor, den die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) gemeinsam mit dem Berlin Institut für Weltbevölkerung und globale Entwicklung am Mittwoch herausgab. „Der Bericht zeigt deutlich, dass es keinen Grund zur Entwarnung gibt“, so die Geschäftsführerin des Berlin Instituts, Ilsabe von Campenhausen. „Die gegensätzlich verlaufende Bevölkerungsdynamik bleibt einer der beherrschenden Faktoren des kommenden Jahrhunderts.“

Die regionale Verteilung der Weltbevölkerung wird sich in den nächsten 50 Jahren deutlich verschieben. Der Bericht schätzt, dass im Jahr 2050 der Anteil der Menschen in Industrieländern von heute 17 auf knapp 12 Prozent sinken wird - vorausgesetzt die Kinderzahlen nehmen auch in den Entwicklungsländern weiter ab. Im Jahr 1950 lebten noch nahezu 30 Prozent der Weltbevölkerung in den heutigen Industrieländern.

Und so wird die Entwicklung der Weltbevölkerung dem Bericht zufolge aussehen:

In den Industrieländern nimmt die Bevölkerung in den kommenden Jahrzehnten ab und das Durchschnittsalter wird weiter steigen. Ursache dafür sind hauptsächlich die seit Jahren rückläufigen Geburtenraten in den meisten dieser Länder – ein Trend, der sich nur schwer umkehren lassen wird. Geringe Kinderzahlen kennzeichnen die Bevölkerungsentwicklung sämtlicher europäischer Staaten von Spanien bis Russland. In vielen Entwicklungsländern wird die Bevölkerung weiterhin schnell wachsen. Bereits heute findet nahezu der gesamte Zuwachs in den armen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas statt. In vielen von ihnen hat sich der Trend zu sinkenden Kinderzahlen pro Familie inzwischen wieder verlangsamt. Die Vereinten Nationen haben daher in diesem Jahr die Bevölkerungsprojektionen für das Jahr 2050 nach oben korrigieren müssen. Nie waren die Unterschiede auch innerhalb einzelner Entwicklungsländer größer als heute. In einigen von ihnen könnte sich der Trend zu abnehmenden Kinderzahlen in Zukunft sogar deutlichen verlangsamen, warnt der Bericht. In Ländern wie Indien könnten die durchschnittliche Zahl der Kinder pro Frau demnächst wieder steigen. Zwar ist der nationale Geburtendurchschnitt in den letzten Jahren auf 3,2 Kinder pro Frau gesunken. Regional ist diese Entwicklung jedoch sehr unterschiedlich: Während im Bundesstaat Kerala, in dem 32 Millionen Menschen leben, die Fertilität auf 1,8 Kinder pro Frau gesunken ist, liegt der Durchschnitt in Uttar Pradesh - Heimat von 170 Millionen Menschen - bei rund fünf Kindern.

„Wenn wir es nicht schaffen, das Bevölkerungswachstum in allen Regionen zu verlangsamen, werden wir in Zukunft gewaltige Bevölkerungsverschiebungen erleben“, warnt DSW-Geschäftsführer Dr. Hans Fleisch. „Dies stellt - regional und global - eine Gefahr für Sicherheit und Frieden dar, die wir nicht unterschätzen dürfen.“

Am 02. Jan. 2002 unter: politik