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"Die Thunfischbestände im Mittelmeer stehen kurz vor dem Zusammenbruch"

Subventionierung der Fischereiflotte

"Die Thunfischbestände im Mittelmeer stehen kurz vor dem Zusammenbruch" – Das war die dramatische Botschaft einer Anhörung des Fischerei-Ausschusses des Europaparlaments, die am 12. September stattfand. Fischereiexperten, Umweltschützer und Branchenvertreter waren sich offenbar einig darin, dass dringender Handlungsbedarf bestehe: Die jährliche Fangmenge von 50.000 Tonnen müsse halbiert werden, um eine Regenerierung der Bestände zu gewährleisten. Die EU habe in den vergangenen Jahren den Fischfang durch die Subventionierung der Fischereiflotte gefördert. Jetzt wird über neue Subventionen für die Verkleinerung der Flotten diskutiert.

Der begehrte Rote Tunfisch (Thunnus thynnus) werde vor allem für die Trendspeise Sushi verarbeitet. Die Preise lägen bei über 150 Euro pro Kilo. Tunfisch sei damit ähnlich lukrativ wie Kaviar. Obwohl sich die Hauptabnehmer in Japan befänden, werde die Hälfte des weltweiten Thunfischfangs durch französische, italienische und spanische Boote eingebracht. Es gebe zwei Hauptverbreitungsgebiete des Fisches: der Westatlantik und der Ostatlantik, wobei sich offenbar rund 80 Prozent der ostatlantischen Bestände im Mittelmeer befinden.

Große Überkapazitäten der Fischereiflotten, oft unter "Billigflaggen", und seit Kurzem auch die wachsende Verbreitung von Thunfisch-Farmen sollen "den Fortbestand insbesondere des Roten Thunfischs" bedrohen. In Fischfarmen würden gefangene wilde Thunfische gemästet, wodurch sie schneller ein höheres Gewicht erreichten und zu höheren Preisen verkauft werden könnten. Diese Praxis sei neu, kaum geregelt und breite sich schnell aus. 1997 sollen es nur 200 Tonnen Thunfisch aus Farmen gewesen sein, 2005 hingegen bereits 25.000 Tonnen.

Europaparlament: EU unterstützte den Fischfang durch Subventionierung der Fischereiflotte

Es bestand in der Anhörung offenbar kein Zweifel daran, dass die Fangmengen deutlich über der Quote liegen, die von der Internationalen Kommission zum Schutz des Atlantischen Thunfischs (ICCAT) festgelegt wurde.

Auf die Fischereiflotte der Europäischen Union entfallen den Angaben zufolge derzeit 57 Prozent der Fang-Quoten und 60 Prozent der Fischfarm-Produktion des Roten Thunfischs. "Zudem unterstützte die EU in den vergangenen 10 Jahren den Fischfang, indem sie beispielsweise den Ausbau der französischen Fischereiflotte (der größten im Mittelmeer) subventionierte", teilte das Europaparlament mit. Durch eine "Abkehr von dieser Politik" könne die EU einen bedeutenden Beitrag zum Schutz der bedrohten Art leisten.

Auf der Anhörung kritisierte Sergi Tudela vom World Wildlife Fund (WWF) die EU, da sie die "Interessen der Fischerei-Industrie" vor den Artenschutz stelle. Ein für die Gemeinsame Fischereipolitik der EU verantwortlicher Vertreter der Europäischen Kommission räumte ein, dass eine Umstrukturierung der Industrie "unvermeidlich" sei.

Die Europäische Union subventioniere Zuchten und Fangflotten, kritisiert der WWF. "Der Raubbau wird aus Steuergeldern finanziert." Die Artenschutzorganisation fordert die EU auf, die Subventionen zu streichen und ihre tragende Rolle in der ICCAT zu nutzen, um die Plünderung zu stoppen. "Die EU-Kommission darf nicht länger zusehen, wie eine jahrhundertealte Fischerei zugrunde gerichtet wird."

Grüne: Verantwortung übernehmen und jetzt die Verkleinerung der Flotten subventionieren

Während der Anhörung schlugen mehrere Abgeordnete Maßnahmen zum Schutz des Thunfischs vor. Der britische Abgeordnete Struan Stevenson (Europäische Volkspartei - Europäische Demokraten, EPP-ED) forderte angesichts der "offensichtlichen Krise" ein vollständiges Fangverbot in den Laichgebieten. Die Abgeordnete Elspeth Attwooll von der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (ALDE) sprach sich für die Schaffung eines regionalen Sachverständigen-Rates für das Mittelmeer aus, um den Fischfang "rigoroser zu kontrollieren".

Für die Grünen forderte die französische Abgeordnete Marie-Hélène Aubert die Mitgliedsstaaten auf, "Verantwortung zu übernehmen" und EU-Mittel einzusetzen, um der Überfischung entgegenzuwirken. "Nachdem wir die Modernisierung der Flotten subventioniert haben, um unsere Kapazitäten zu erhöhen, müssen wir nun Mittel zur Verkleinerung der Flotten einsetzen", sagte sie. Der deutsche Sozialdemokrat Heinz Kindermann warf die Frage auf, ob die derzeitigen Strafen nicht verschärft werden sollten.

Die Leistungsbilanz des Roten Tunfischs ist beeindruckend. Laut WWF wird er bis zu zwei Meter lang, 700 Kilo schwer und erzielt Geschwindigkeiten von bis zu 70 Stundenkilometern. Den Atlantik könne er in nur 40 Tagen durchqueren.