Windenergie wieder auf gutem Weg

Infobrief 01/12

Die Windenergie ist wieder zurück auf dem Wachstumspfad. Letztes Jahr wurden 895 neue Windräder mit einer installierten Leistung von 2.007 Megawatt aufgebaut. Nach der Flaute im Jahr 2010, in dem nur 1551 Megawatt zugebaut wurden, ist der Markt nun wieder um 30 Prozent gewachsen. Dabei werden die Windräder im Schnitt immer leistungsstärker. Während 2010 noch über die Hälfte der installierten Anlagen der 2-Megawatt-Klasse angehörten, wurden im letzten Jahr mit einem Anteil von 54 Prozent vornehmlich Anlagen zwischen 2,1 und 2,9 Megawatt aufgestellt.

Für das laufende Jahr erwartet der Bundesverband Windenergie einen Zubau von 2.200 Megawatt. Dazu werden dann auch Baden-Württemberg und Bayern immer stärker beitragen, in denen die politischen Entwicklungen des letzten Jahres wegen der komplexen Genehmigungsverfahren sich erst langsam in höheren Ausbauzahlen niederschlagen werden. Es bleibt zu hoffen, dass sich dadurch die Ausbauzahlen in den nächsten Jahren auch wieder dem Rekordjahr 2003 annähern, als etwa 3.200 Megawatt neuinstalliert wurden.

Beim Repowering wurden ebenfalls Erfolge erzielt. Im Jahr 2011 wurden 170 alte Windenergieanlagen mit einer installierten Leistung von 123 Megawatt durch 95 neue Windenergieanlagen mit einer installierten Leistung von 238 Megawatt ersetzt. So konnte mit 40 Prozent weniger Anlagen die installierte Leistung nahezu verdoppelt werden.

Der Ausbau der Offshore-Windenergie verläuft dagegen weiterhin schleppend. Letztes Jahr wurden 33 Anlagen mit einer Leistung von 108 Megawatt ans Netz angeschlossen, wodurch sich die installierte Offshore-Leistung Ende Dezember auf rund 200 Megawatt summierte. Allerdings waren 27 dieser Anlagen schon 2010 errichtet worden, konnten jedoch erst 2011 an das Netz angebunden werden. Hier wird die Unfähigkeit der Bundesregierung deutlich, zügig für die Grundanlagen der Netzanbindung von Offshore-Windparks zu sorgen. Es muss endlich mehr geschehen, denn zum Ende diesen Jahres werden 10 Offshore-Windparks mit einer Leistung von mehr als 2.000 Megawatt im Bau sein. Diese Parks können nur ein Erfolg werden, wenn Sie auch schnell ans Netz angebunden werden und nicht monate- oder gar jahrelang unnütz im Meer stehen.

In der internationalen Perspektive liegt der Ausbau der Windenergie in Deutschland übrigens im Trend des Weltmarktes. In 2011 könnten die prognostizierten 40.000 Megawatt um rund 2.000 Megawatt überschritten worden sein. Mit etwa 20.000 Megawatt Zubau steht China, wie schon im Vorjahr, an der Spitze der Ausbaurangliste.

Energiewende macht Steinkohlekraftwerke unrentabel

Wind- und Solarstrom rauben den Besitzern von Steinkohlekraftwerken den Schlaf. Lacht die Sonne oder weht der Wind, dann verdrängt der grüne Strom die Steinkohlekraftwerke aus dem Markt. Und wenn die Steinkohlekraftwerke bei großer Stromnachfrage auch Strom liefern können, dann drücken die Erneuerbaren-Energien meist immer noch die Preise an der Strompreise. Das macht sich mittlerweile auch an den Zukunftsmärkten (Futures) an der Börse bemerkbar. Hinzu kommt, dass Kohlekraftewerke nie dafür gebaut wurden, schnell rauf und runter zu fahren, je nachdem wie die Sonne scheint oder der Wind weht. Der Energiekonzern Steag hat die Tage bereits eingestanden, dass die Steinkohlekraftwerke schon bald nur noch die Hälfte der Zeit im Jahr laufen werden wie noch vor kurzem. Daher sollen die ältesten Kraftwerke bald abgeschaltet werden. Absurd ist, dass es immer noch einige wenige Neubaupläne für Steinkohlekraftwerke gibt. Noch absurder ist der Plan von Bundeswirtschaftsminister Rösler, den Neubau von Steinkohlekraftwerken mit hunderten Millionen Euro aus Klimaschutzgeldern zu finanzieren.

Energiewende macht neue Atomkraftwerke unrentabel

Deutschland steigt aus der Atomenergie aus, also liefern wir den Deutschen Atomstrom, so dachten sich das einige Atommanager in den Nachbarstaaten. Jetzt drücken Wind- und Solarstrom in Deutschland aber die Börsenpreise nach unten und es ist zu erwarten, dass der Trend weitergeht. Da neue Atomkraftwerke aber sehr teuer sind, sind sie auf hohe Strompreise angewiesen. Diese sind an den Börsen nicht mehr zu erzielen, auch in Holland und Tschechien nicht. In Holland wurde daher der Bau eines neuen Atomkraftwerkes auf unbestimmte Zeit abgesagt. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland verhindert damit bereits den Neubau von Atomkraftwerken im benachbarten Ausland. Die atomfreundliche Regierung in Tschechien hingegen würde am liebsten ein Atom-EEG einführen. Vorbild ist die britische Regierung, die schon geraume Zeit daran bastelt. Gegen die britischen Pläne wurde allerdings bereits eine Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht.

Links:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,811010,00.html
http://www.euractiv.com/energy/campaigners-mount-bid-outlaw-nuclear-subsidies-news-510325
http://www.energyfair.org.uk/
http://www.ceskapozice.cz/en/business/energy-green-biz/cez-talks-guaranteed-nuclear-power-prices-support-temelin

Japan und das Atom

Der vormalige Ministerpräsident Japans, Herr Naoto Kan, der vor wenigen Monaten zurücktreten musste, sagte im Wall Street Journal: "I would like to tell the world that we should aim for a society that can function without nuclear energy," frei übersetzt: Ich möchte der Welt mitteilen, dass wir eine Gesellschaft anstreben sollten, die ohne Atomenergie auskommt.

Derweil wird damit gerechnet, dass in Japan bis zur Jahresmitte sämtliche Atomkraftwerke still stehen. Hintergrund ist, dass die Atomkraftwerke nach ihrer Revision eine regionale Genehmigung zum Wiederanfahren benötigen. Offenbar traut sich kein Politiker in Japan derzeit, eine solche Genehmigung zu erteilen. Mittlerweile ist in Japan auch bekannt geworden, dass die Regierung überlegt hatte, Tokio zu evakuieren. Die Pläne waren lange geheim gehalten worden. Gut möglich, dass die Angst, Tokio evakuieren zu müssen, den damaligen Premier Kan dazu bewogen hat, zum Atomkraftgegner zu werden.

Schon jetzt stehen 50 der vormals 54 Atomkraftwerke still, ohne dass es übrigens zu einem Blackout gekommen ist. Im Sommer wird die Nachfrage nach Strom wieder steigen, da dann die Klimaanlagen laufen. Japan hätte eine sehr einfache Chance, das Problem zu lösen :

Bis zum Sommer könnten in Japan 10 Gigawatt Photovoltaikanlagen installiert werden, wenn dies politisch unterstüzt würde. Bekanntlich war es in Deutschland möglich, alleine im Dezember 3 GW Photovoltaik zu installieren. Teuer wäre das für Japan auch nicht, da die Solarmodulpreise im letzten Jahr stark gefallen sind. Dafür wären nicht einmal Energiespeicher erforderlich, da die Photovoltaik-Module den Strom gerade dann erzeugen, wenn er besonders benötigt wird.

Links:
http://online.wsj.com/article/SB10001424052970204624204577180231906156286..html
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,811196,00.html
http://www.nytimes.com/2012/01/26/world/asia/projections-during-nuclear-crisis-included-evacuating-tokyo.html?_r=2

Ihr Hans-Josef Fell MdB

Sprecher für Energie der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen