Windenergie weiterhin mit großen Zuwächsen

77 Prozent in USA, Spanien und Deutschland

Insgesamt 6.824 Megawatt (MW) Windleistung sind auf dem Globus im vergangenen Jahr neu ans Netz gegangen. Der Hauptwachstumsmarkt ist nach einer Erhebung des dänischen Projektierungsbüros BTM-Consult nach wie vor Europa mit 4.527 MW, gefolgt von den USA (1.635 MW) und Asien (551 MW), teilt die internationale Fachmesse WindEnergy mit. Derzeit gingen rund 77 Prozent der Weltmarktleistung auf die drei Windmärkte Deutschland, USA und Spanien zurück. Hier werden jährlich 5.312 Megawatt produziert.

Im vergangenen Jahr machten die USA einen großen Sprung nach vorn auf Platz zwei mit 1.635 neu errichteten Megawatt. Dies ist insbesondere auf Großprojekte in Texas - dort sind allein 900 MW neu am Netz - und Washington zurückzuführen. Damit befinden sich in den USA unter Hinzuzählung der Vorjahre nach der Erhebung von BTM-Consult nun insgesamt 4.245 MW am Netz. Die sonstigen Windenergiemärkte auf dem Kontinent entwickeln sich noch verhalten: 75 neue Megawatt im Nachbarland Kanada (insgesamt nun 214 MW am Netz), 20 MW neu in Costa Rica (insgesamt 71 MW) sowie jeweils zwei Megawatt neu in Brasilien (insgesamt 24 MW) und im übrigen Amerika. In den nächsten Jahren rechnet BTM-Consult mit 150 bis 250 neuen MW pro Jahr in Kanada und mit 1.200 MW in den USA. Nach den Prognosen könnte 2003 das Ausnahmejahr werden: Weil hier mehrere 2001 begonnene Projekte verwirklicht werden sollen, könnten im nächsten Jahr in den USA sogar 2.500 MW Windkraft neu ans Netz gehen - dies reicht nahezu an die in Deutschland installierten Leistungen heran. Nach der kürzlich veröffentlichten "WindEnergy-Studie 2002", die von der Hamburg Messe im Vorfeld der Fachmesse in Auftrag gegeben wurde, werden nach Prognose der befragten Hersteller und Projektentwickler zunehmend auch Länder mit großem Windpotenzial in Südamerika erschlossen.

Auf dem asiatischen Kontinent hat der indische Windenergiemarkt eine deutliche Wiederbelebung erfahren. Nach 169 Megawatt (im Jahr 2000) wurden in 2001 236 MW neu installiert. Die Gesamtleistung Indiens liegt damit bei 1.456 MW. Zudem ist Japan mit 217 MW in 2001 im Wettbewerb um Platz 2 eindeutig an China (54 MW) vorbeigezogen. Damit sind in Japan derzeit 357 Megawatt neu am Netz, in China - aufgrund der höheren Aufstellungszahlen in den Vorjahren - 406 MW. Nach Einschätzung von führenden Projektierern wird der Windmarkt allein in Indien aufgrund des ebenfalls wachsenden Energiebedarfs nebst guten steuerlichen Bedingungen jährlich sogar um 500 bis 600 Megawatt anschwellen. Der Gesamtmarkt umfasst auf dem Erdteil gegenwärtig 2.237 MW.

Der europäische Markt hat sich einmal mehr als Wachstumslokomotive für die Windbranche erwiesen: 4.527 Megawatt gingen im vergangenen Jahr neu ans Netz (2000: 3.893 MW neu). Insgesamt sind derzeit zwischen Portugal und Polen 17.812 Megawatt Windleistung installiert, davon mit 8.734 MW rund die Hälfte in Deutschland, gefolgt von Spanien. Stark zurückgegangen ist dagegen der Aufbau neuer Anlagen im einstigen Pionierland Dänemark: Von 603 MW (2000 neu am Netz) auf nun 115 MW (2001), wofür vor allem die niedrige Strompreisvergütung verantwortlich gemacht wird. Europäische Länder, die 2001 umfangreich Windparkprojekte verwirklichen konnten, sind Italien (276 MW neu am Netz und damit letztes Jahr weltweit der viertgrößte Windenergiemarkt), Griechenland (84 MW) und Großbritannien (107 MW).

Und das Wachstum geht weiter: Die "WindEnergy-Studie 2002" fasst die Langzeitprognosen der internationalen Hersteller und Projektentwickler bis zum Jahr 2010 zusammen. Das Ergebnis: Bis zum Jahr 2005 werden europaweit 42.000 Megawatt Windenergieleistung (derzeit 18.000 MW) installiert sein, bis zum Jahr 2010 rechnen die Firmen damit, dass in Europa Anlagen mit einer Leistung von etwa 70.000 MW Energie erzeugen. Weltweit gehen die Befragten für das Jahr 2005 von einer installierten Leistung von rund 60.000 MW (derzeit 25.000 MW) aus. Bis 2010 werden es sogar 120.000 MW rund um den Erdball sein - was der installierten Leistung von etwa 100 Atomkraftwerken entspräche.