Krankenkassen entwickeln System gegen überflüssige Operationen

Zukauf-System beim Emissionshandel als Vorbild

Die Krankenkassen sind zurzeit dabei ein System zu entwickeln, mit dem überflüssige Operationen eingedämmt werden sollen. Dazu haben die AOK sowie der Spitzenverband der Krankenkassen ein entsprechendes Konzept vorgelegt. Dieses ist dem Zukauf-System beim Emissionshandel durchaus ähnlich.

Unnötige Operationen sollen durch Zertifikate eingedämmt werden

Wie Günter Wältermann, Vorstandschef der AOK Rheinland/Hamburg, gegenüber dem Handelsblatt mitteilte, sollte man dieses System bei planbaren Leistungen, wie zum Beispiel einer Hüftoperation, durchaus in Betracht ziehen und wenigstens ernsthaft prüfen.

Das vorgestellte System ist vergleichbar mit dem Zukauf-System beim Emissionshandel. Dieses hat das Ziel, den Ausstoß von schädlichen Treibhausgasen deutlich zu verringern. Hierfür erhalten Unternehmen eine bestimmte Menge an Zertifikaten. Jedes dieser Zertifikate berechtigt zum Ausstoß von einer Tonne CO2. Reicht die erhaltene Menge nicht aus, so muss das Unternehmen weitere Zertifikate bei anderen Anbietern einkaufen.

Bei den Krankenhäusern und Kliniken könnte es nun also in etwa genauso aussehen. Zurzeit werden zwischen den Krankenhäusern und den Krankenkassen Budgets vereinbart. Wird dieses Budget jedoch überschritten, so wird jede Leistung darüber hinaus geringer vergütet.

Krankenkassen setzen Grenzen für Operationen

Zurzeit kommt es nicht selten vor, dass Patienten von den Krankenhäusern regelrecht zu einer Operation überredet werden, damit die Klinik durch die eigentlich nicht zwingend notwendige Knie- oder Hüft-OP ordentlich Geld in die Kasse spielen kann.

Seit 2003 sind die Knie-Operationen um mehr als 50 Prozent angestiegen, die Hüftoperationen um beinahe 20 Prozent. Sowohl Krankenkassen als auch Experten sind der Meinung, dass viele Patienten vielmehr aus finanziellen als aus medizinischen Gründen operiert werden. Aus diesem Grund sollen die Kliniken nun verpflichtet werden, mit Zertifikaten zu arbeiten. Für Mehrleistungen sollen diese schließlich von anderen Kliniken, deren Leistungsmenge noch nicht voll ausgeschöpft wurde, überschüssige Zertifikate aufkaufen. So sollen die Kliniken von einer unnötigen Behandlung der Patienten abgehalten werden.