Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) ist eine psychische Erkrankung, bei der vor allem die Regulation von Gefühlen, das Selbstbild, zwischenmenschliche Beziehungen und die Kontrolle von Impulsen beeinträchtigt sein können. Typische Borderline-Symptome sind starke Stimmungsschwankungen, Angst vor dem Verlassenwerden, instabile Beziehungen, innere Leere und impulsives Verhalten. Manche Betroffene verletzen sich selbst oder erleben suizidale Krisen. Die Ausprägung ist jedoch von Mensch zu Mensch verschieden – und es gibt wirksame Behandlungsmöglichkeiten.
Schätzungen für die Allgemeinbevölkerung bewegen sich je nach Studie und Untersuchungsmethode ungefähr zwischen 0,7 und 2,7 Prozent. Eine deutsche epidemiologische Untersuchung mit standardisierten Interviews kam auf eine Fünf- bis Zehn-Jahres-Prävalenz von 0,8 Prozent. [1]
Note
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Er ermöglicht keine Selbstdiagnose und ersetzt keine ärztliche, psychiatrische oder psychotherapeutische Untersuchung. Bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung gilt in Deutschland der Notruf 112.
Übersicht
- Was ist eine Borderline-Persönlichkeitsstörung?
- 10 Anzeichen für Borderline: typische Symptome
- Borderline-Symptome bei Frauen und Männern
- Borderline-Ursachen: Wie entsteht die Störung?
- Borderline, PTBS und komplexe PTBS
- Diagnose: Wer stellt Borderline fest?
- Therapie für Borderline: Was hilft?
- Krise, Selbstverletzung und Suizidgedanken
- Was können Angehörige tun?
- Verlauf: Kann sich Borderline bessern?
- Häufige Fragen zur Borderline-Persönlichkeitsstörung
- Quellen und weiterführende Informationen
Was ist eine Borderline-Persönlichkeitsstörung?
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung gehört zu den Persönlichkeitsstörungen. In der in Deutschland verwendeten ICD-10-GM wird sie als emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ unter dem Code F60.31 geführt. [2] Der früher häufig verwendete Ausdruck „Borderline-Syndrom“ meint in der Regel dasselbe Krankheitsbild.
Betroffene erleben Gefühle häufig besonders intensiv. Stimmungen können sich schnell verändern, und zwischen einem äußeren Anlass und der Stärke der inneren Reaktion kann ein deutliches Missverhältnis entstehen. Gleichzeitig können das Bild von der eigenen Person, persönliche Ziele und Beziehungen unsicher oder wechselhaft sein.
Das bedeutet nicht, dass Menschen mit Borderline absichtlich „schwierig“, manipulativ oder unberechenbar sind. Viele Verhaltensweisen sind Versuche, eine sehr hohe innere Anspannung, Angst, Leere oder Überforderung zu bewältigen. Eine respektvolle Sprache ist deshalb wichtig. Statt Menschen als „Borderliner“ zu bezeichnen, ist die Formulierung „Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung“ genauer und weniger stigmatisierend.
10 Anzeichen für Borderline: typische Symptome
Die folgenden zehn Anzeichen können bei einer Borderline-Störung auftreten. Sie sind keine diagnostische Checkliste. Einzelne Merkmale kommen auch bei anderen psychischen Erkrankungen oder vorübergehend in belastenden Lebensphasen vor. Entscheidend sind das Gesamtbild, die Dauer, die Ausprägung und die Beeinträchtigung des Alltags. [1] [2]
- Starke und schnell wechselnde Gefühle: Traurigkeit, Angst, Wut oder innere Anspannung können sehr intensiv auftreten und sich innerhalb kurzer Zeit verändern.
- Ausgeprägte Angst vor dem Verlassenwerden: Schon eine tatsächliche oder vermutete Zurückweisung kann große Angst, Verzweiflung oder hektische Bemühungen auslösen, eine Trennung zu verhindern.
- Intensive, aber instabile Beziehungen: Beziehungen können zwischen starker Idealisierung und tiefer Enttäuschung schwanken. Nähe wird dringend gewünscht, kann sich zugleich aber bedrohlich anfühlen.
- Unsicheres oder wechselndes Selbstbild: Betroffene können Schwierigkeiten haben, sich selbst, ihre Ziele, Werte oder Zukunftsvorstellungen beständig einzuordnen.
- Impulsives Verhalten: Dazu können unüberlegte Geldausgaben, riskantes Fahren, problematischer Substanzkonsum, Essanfälle oder riskantes Sexualverhalten gehören.
- Selbstverletzung oder suizidale Krisen: Manche Menschen versuchen, unerträgliche Anspannung durch Selbstverletzung zu regulieren. Suizidgedanken, -drohungen oder -versuche müssen immer ernst genommen werden.
- Anhaltendes Gefühl innerer Leere: Betroffene beschreiben mitunter ein Gefühl von Gefühllosigkeit, Sinnlosigkeit oder fehlender innerer Identität.
- Heftige Wut: Es kann zu intensiver Wut, häufigen Konflikten oder Schwierigkeiten kommen, Ärger zu kontrollieren. Nicht alle Betroffenen zeigen Wut nach außen; manche richten sie gegen sich selbst.
- Dissoziation oder Misstrauen unter Stress: In stark belastenden Situationen können ein Gefühl von Unwirklichkeit, Erinnerungslücken, ein verändertes Körpergefühl oder vorübergehende misstrauische Gedanken auftreten.
- Wiederkehrende Krisen und Beeinträchtigungen: Die Beschwerden können Ausbildung, Beruf, Partnerschaften, Freundschaften und die Fähigkeit zur Selbstfürsorge erheblich belasten.
Nicht alle Menschen mit Borderline zeigen dieselben Symptome. Auch die Stärke einzelner Beschwerden kann sich im Verlauf verändern. Ein Online-Test oder eine Liste mit „10 Anzeichen für Borderline“ kann daher höchstens Anlass sein, professionelle Hilfe zu suchen – aber niemals eine Diagnose ersetzen.
Borderline-Symptome bei Frauen und Männern
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung wird in klinischen Einrichtungen häufiger bei Frauen diagnostiziert. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Frauen grundsätzlich wesentlich häufiger betroffen sind. Repräsentative Untersuchungen der Allgemeinbevölkerung zeigen keinen vergleichbar deutlichen Geschlechtsunterschied; möglich sind unter anderem Unterschiede beim Hilfesuchverhalten und ein diagnostischer Genderbias. [1]
Die diagnostischen Kernmerkmale gelten unabhängig vom Geschlecht. Bei manchen Menschen stehen Selbstverletzung, Essstörungen, Angst oder depressive Beschwerden im Vordergrund. Andere fallen eher durch Aggressivität, riskantes Verhalten oder Substanzkonsum auf. Solche Unterschiede sind nicht starr weiblich oder männlich. Entscheidend ist immer die individuelle Symptomatik.
Borderline-Ursachen: Wie entsteht die Störung?
Es gibt nicht die eine Borderline-Ursache. Nach heutigem Wissen entsteht die Borderline-Persönlichkeitsstörung durch ein komplexes Zusammenspiel biologischer, psychischer und sozialer Einflüsse. Fachleute sprechen von einem biopsychosozialen Modell. Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung, führen aber nicht zwangsläufig dazu. Umgekehrt kann eine Borderline-Störung auch vorliegen, ohne dass sich eine einzelne Ursache eindeutig feststellen lässt. [1]
Biologische und temperamentbedingte Faktoren
Eine erbliche Veranlagung, eine erhöhte emotionale Empfindlichkeit und Besonderheiten bei der Verarbeitung von Stress können zur Entstehung beitragen. Das bedeutet nicht, dass ein einzelnes „Borderline-Gen“ existiert. Vererbt werden können vielmehr bestimmte Anteile von Temperament, Stressreaktion oder Impulsivität, die mit weiteren Einflüssen zusammenwirken.
Erfahrungen in Kindheit und Jugend
Belastende Beziehungserfahrungen, emotionale Vernachlässigung, inkonsistente Fürsorge, Gewalt, Missbrauch oder Mobbing werden in Studien als mögliche Risikofaktoren beschrieben. Auch anhaltende Unsicherheit und fehlende Unterstützung bei der Regulation starker Gefühle können eine Rolle spielen. Viele Menschen mit solchen Erfahrungen entwickeln jedoch keine Borderline-Persönlichkeitsstörung. Schutzfaktoren wie verlässliche Bezugspersonen, soziale Unterstützung und frühe Hilfe können Risiken abmildern. [1]
Ist ein Trauma immer die Ursache?
Nein. Traumatische Erfahrungen kommen bei Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung häufiger vor, sind aber weder notwendige Voraussetzung noch alleinige Erklärung. Die frühere Behauptung, jedes Borderline-Syndrom beruhe auf einem verdrängten frühkindlichen Trauma, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Es ist auch nicht zulässig, aus einer Borderline-Diagnose auf Missbrauch oder andere konkrete Erlebnisse zu schließen.
Borderline, PTBS und komplexe PTBS
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist keine schwere Form der Posttraumatischen Belastungsstörung. Borderline, PTBS und komplexe PTBS sind unterschiedliche diagnostische Konzepte. Sie können ähnliche Merkmale aufweisen, etwa starke Gefühlsreaktionen, Dissoziation, ein negatives Selbstbild oder Schwierigkeiten in Beziehungen. Sie können außerdem gleichzeitig auftreten. [1] [4]
Bei einer PTBS stehen das Wiedererleben eines traumatischen Ereignisses, die Vermeidung traumaassoziierter Reize und ein anhaltendes Gefühl gegenwärtiger Bedrohung im Vordergrund. Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung prägen Instabilität von Gefühlen, Selbstbild, Beziehungen und Impulskontrolle das übergreifende Muster.
| Merkmal | Borderline-Persönlichkeitsstörung | PTBS | Bipolare Störung |
|---|---|---|---|
| Typisches Muster | Instabilität von Gefühlen, Selbstbild, Beziehungen und Impulskontrolle | Wiedererleben, Vermeidung und anhaltendes Bedrohungsgefühl nach einem Trauma | Abgrenzbare depressive, manische oder hypomanische Episoden |
| Stimmung | Häufig rasche und situationsabhängige Wechsel | Häufig starke Reaktionen auf Trauma-Erinnerungen oder Auslöser | Veränderungen im Rahmen länger anhaltender Krankheitsepisoden |
| Trauma erforderlich? | Nein | Ja, ein traumatisches Ereignis gehört zur Diagnose | Nein |
| Fachliche Abgrenzung | Erfordert eine sorgfältige Diagnostik des längerfristigen Musters | Erfordert die Prüfung der spezifischen Traumafolgesymptome | Erfordert die Prüfung depressiver und manischer beziehungsweise hypomanischer Episoden |
Wenn zusätzlich zur Borderline-Störung eine PTBS diagnostiziert wird, braucht es einen abgestimmten Behandlungsplan. Traumafokussierte Verfahren können dann Teil der Behandlung sein. EMDR ist jedoch keine Standardbehandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung an sich. Wie das Verfahren bei Traumafolgestörungen eingesetzt wird, erklärt unser Beitrag über Ablauf, Phasen und Wirkung der EMDR-Therapie.
Diagnose: Wer stellt Borderline fest?
Die Diagnose sollte durch entsprechend qualifizierte Fachpersonen gestellt werden, insbesondere durch Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie oder psychologische beziehungsweise ärztliche Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Eine sorgfältige Diagnostik umfasst mehrere Gespräche und kann durch validierte, halbstrukturierte Interviews unterstützt werden. Ein langer stationärer Aufenthalt ist dafür nicht grundsätzlich erforderlich. [1]
Geprüft wird, ob die Merkmale über längere Zeit, in unterschiedlichen Lebensbereichen und mit einer erheblichen Belastung oder Einschränkung auftreten. Ebenso wichtig ist die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen. Ähnliche oder überlappende Symptome können unter anderem bei Depressionen, bipolaren Störungen, ADHS, PTBS, komplexer PTBS, Angststörungen, Essstörungen, Suchterkrankungen oder anderen Persönlichkeitsstörungen vorkommen.
Auch Jugendliche können ausgeprägte und behandlungsbedürftige Borderline-Symptome entwickeln. Die 2022 veröffentlichte deutsche S3-Leitlinie spricht sich nach fachgerechter Diagnostik für eine Diagnosestellung ab zwölf Jahren aus, wenn die Kriterien erfüllt sind. Dabei müssen Entwicklungsstand, Lebensumstände und alterstypische Veränderungen besonders sorgfältig berücksichtigt werden. [1]
Therapie für Borderline: Was hilft?
Die wichtigste Behandlung ist eine strukturierte, speziell auf die Borderline-Persönlichkeitsstörung ausgerichtete Psychotherapie. Die behandelnden Fachpersonen sollten in der jeweiligen Methode qualifiziert sein und Supervision oder Intervision nutzen. Die Behandlungsziele werden individuell festgelegt und können beispielsweise die Verringerung von Selbstverletzung, einen besseren Umgang mit Gefühlen, stabilere Beziehungen und mehr Sicherheit im Alltag umfassen. [1] [3]
Dialektisch-Behaviorale Therapie
Die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) verbindet Einzeltherapie häufig mit Fertigkeitentraining. Betroffene lernen unter anderem, Anspannung früh zu erkennen, Krisen ohne Selbstschädigung zu bewältigen, Gefühle zu regulieren und zwischenmenschliche Situationen klarer zu gestalten. Wenn schwerwiegendes selbstverletzendes oder suizidales Verhalten im Vordergrund steht, wird DBT in der deutschen Leitlinie ausdrücklich empfohlen. [1]
Mentalisierungsbasierte Therapie
Die Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT) unterstützt die Fähigkeit, eigene Gedanken und Gefühle sowie die möglichen inneren Zustände anderer Menschen besser wahrzunehmen und einzuordnen. Auch MBT wird insbesondere bei schwerwiegendem selbstverletzendem oder suizidalem Verhalten empfohlen. [1]
Weitere Behandlungsansätze
Je nach individueller Situation können weitere strukturierte und störungsspezifische Verfahren infrage kommen, beispielsweise Schematherapie oder übertragungsfokussierte Psychotherapie. Nicht der Name der Methode allein entscheidet über die Qualität. Wichtig sind ein nachvollziehbarer Behandlungsplan, klare Absprachen für Krisen, eine tragfähige therapeutische Beziehung und eine passende Qualifikation der Behandelnden.
Welche Rolle spielen Medikamente?
Medikamente sind nicht die primäre Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung und sollen Psychotherapie nicht ersetzen. Sie können zeitlich begrenzt zur Behandlung bestimmter Symptome oder zusätzlicher Erkrankungen eingesetzt werden. Nutzen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen müssen dabei sorgfältig geprüft werden. Die gleichzeitige Einnahme vieler Psychopharmaka sollte möglichst vermieden werden. [1] [3]
Wann ist eine stationäre Behandlung notwendig?
Eine stationäre oder teilstationäre Behandlung kann in akuten Krisen, bei erheblicher Selbst- oder Fremdgefährdung oder dann erforderlich sein, wenn eine ambulante Behandlung vorübergehend nicht ausreicht. Außerhalb solcher Situationen wird nach Möglichkeit eine kontinuierliche ambulante, störungsspezifische Behandlung angestrebt. Übergänge zwischen Klinik und ambulanter Versorgung sollten verbindlich geplant werden.
Krise, Selbstverletzung und Suizidgedanken
Selbstverletzung ist nicht automatisch ein Suizidversuch. Sie kann beispielsweise der kurzfristigen Regulation extremer Anspannung dienen. Dennoch erhöht sie das gesundheitliche Risiko und muss ernst genommen werden. Suizidgedanken, konkrete Vorbereitungen oder das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, sind Warnzeichen für eine akute Krise.
Bei unmittelbarer Gefahr:
- Notruf 112 wählen oder die nächste psychiatrische Notaufnahme aufsuchen.
- Eine gefährdete Person möglichst nicht allein lassen.
- Gefährliche Gegenstände oder Medikamente nur dann entfernen, wenn dies ohne eigene Gefährdung möglich ist.
Bei dringenden, aber nicht unmittelbar lebensbedrohlichen Beschwerden hilft in Deutschland der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr, anonym und kostenfrei unter 0800 1110111, 0800 1110222 oder 116 123 erreichbar. [5]
Was können Angehörige tun?
Angehörige können unterstützen, indem sie zuhören, Gefühle ernst nehmen und zugleich klare, verlässliche Grenzen setzen. Abwertungen wie „Du übertreibst“ verschärfen häufig die Situation. Ebenso wenig hilfreich ist es, jede Verantwortung zu übernehmen oder sich in Krisen erpressbar zu fühlen.
Suizidankündigungen und Selbstverletzung sollten immer ernst genommen werden. In akuten Situationen ist professionelle Hilfe wichtiger als der Versuch, die Krise allein innerhalb der Familie oder Partnerschaft zu lösen. Mit Zustimmung der betroffenen Person können Angehörige in Psychoedukation, Therapieplanung und Krisenvereinbarungen einbezogen werden. Auch Angehörige dürfen eigene Beratung und Entlastung in Anspruch nehmen. [1]
Verlauf: Kann sich Borderline bessern?
Ja. Die frühere Vorstellung, Borderline sei grundsätzlich unbehandelbar, ist falsch. Studien zeigen, dass sich besonders impulsives Verhalten, Selbstverletzungen und akute Krisen im Verlauf deutlich verringern können. Schwierigkeiten mit Selbstbild, Beziehungen, Depression oder gesellschaftlicher und beruflicher Teilhabe können länger bestehen und weitere Unterstützung erfordern. [1]
Eine Besserung verläuft nicht immer geradlinig. Krisen oder Rückschritte bedeuten nicht automatisch, dass eine Behandlung gescheitert ist. Frühzeitige, strukturierte Psychotherapie und eine kontinuierliche Versorgung verbessern die Chancen, Symptome zu bewältigen und Lebensqualität zurückzugewinnen.
Häufige Fragen zur Borderline-Persönlichkeitsstörung
Borderline – was ist das einfach erklärt?
Borderline ist eine psychische Störung, bei der Gefühle, Selbstbild, Beziehungen und Impulse schwer zu regulieren sein können. Die Symptome sind unterschiedlich ausgeprägt und können den Alltag erheblich belasten. Borderline ist behandelbar und keine Beschreibung des Charakters oder des Wertes eines Menschen.
Was sind die häufigsten Borderline-Symptome?
Häufig genannt werden starke Stimmungsschwankungen, Angst vor dem Verlassenwerden, intensive und instabile Beziehungen, ein unsicheres Selbstbild, Impulsivität, innere Leere, heftige Wut, Selbstverletzung sowie Dissoziation unter Stress. Nicht jedes Symptom muss vorhanden sein.
Was bedeutet der Begriff „Borderliner“?
„Borderliner“ ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung. Viele Betroffene empfinden den Ausdruck als reduzierend oder stigmatisierend. Besser ist es, von Menschen mit Borderline oder von Betroffenen zu sprechen.
Ist Borderline dasselbe wie eine bipolare Störung?
Nein. Bei Borderline können Stimmungen sehr schnell und häufig als Reaktion auf zwischenmenschliche Situationen wechseln. Bipolare Störungen sind dagegen durch depressive und manische oder hypomanische Episoden mit jeweils eigenen diagnostischen Kriterien gekennzeichnet. Beide Erkrankungen können verwechselt werden oder gleichzeitig auftreten; die Abgrenzung gehört in fachliche Hände.
Ist Borderline immer die Folge eines Traumas?
Nein. Traumatische und andere belastende Erfahrungen sind mögliche Risikofaktoren, aber keine notwendige Voraussetzung. Borderline entsteht nach heutigem Wissen durch das Zusammenwirken verschiedener biologischer, psychischer und sozialer Einflüsse.
Kann EMDR bei Borderline helfen?
EMDR ist kein Standardverfahren zur Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung selbst. Wenn zusätzlich eine PTBS diagnostiziert wurde, kann eine traumafokussierte Behandlung einschließlich EMDR Bestandteil eines abgestimmten Gesamtbehandlungsplans sein. Ob und wann das sinnvoll ist, muss individuell fachlich beurteilt werden. [4]
Wann sollte man professionelle Hilfe suchen?
Professionelle Unterstützung ist sinnvoll, wenn starke Gefühle, Impulsivität, Selbstverletzung, wiederkehrende Beziehungskrisen oder ein instabiles Selbstbild den Alltag deutlich beeinträchtigen. Bei Suizidgedanken, konkreten Vorbereitungen oder akuter Gefahr muss sofort Hilfe über den Notruf 112 oder eine psychiatrische Notaufnahme organisiert werden.
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Quellen und weiterführende Informationen
| [1] | (1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14) Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde: S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung, AWMF-Registernummer 038-015, Fassung vom 14. November 2022. Die Leitlinie befindet sich laut AWMF im August 2026 in Überarbeitung. URL:https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/038-015 |
| [2] | (1, 2) Bundesministerium für Gesundheit: ICD-Code F60.31 – Emotional instabile Persönlichkeitsstörung, Borderline-Typ. URL:https://gesund.bund.de/icd-code-suche/f60-31 |
| [3] | (1, 2) National Institute for Health and Care Excellence: Borderline personality disorder – recognition and management, Clinical Guideline CG78. URL:https://www.nice.org.uk/guidance/cg78 |
| [4] | (1, 2) Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung, AWMF-Registernummer 155-001, 2026. URL:https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/155-001 |
| [5] | TelefonSeelsorge Deutschland: Krisenhilfe unter 0800 1110111, 0800 1110222 und 116 123. Bundesministerium für Gesundheit: Notruf 112 und ärztlicher Bereitschaftsdienst 116117. URLs:https://www.telefonseelsorge.de/undhttps://gesund.bund.de/ |
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