Saale-Kanal
BUND übergibt 22000 Unterschriften für naturnahe Flüsse
Gerhard Timm, BUND-Bundesgeschäftsführer: "Wertvolle Biotope und Hochwasserschutzflächen im Saale-Mündungsgebiet stehen auf dem Spiel. Viele Millionen Euro sollen in einen Kanal fließen, auf dem nicht einmal ein Schiff pro Woche fahren wird. Außerdem erhöht der Kanal den Druck in Richtung Elbausbau. Mit uns fordern mehr als zweiundzwanzigtausend Bürgerinnen und Bürger: Verkehrsminister Stolpe muss gegen die Verbauungen und Vertiefungen der Flüsse vorgehen und Konzepte für lebendige Flüsse auf den Tisch legen."
NABU-Bundesgeschäftsführer Gerd Billen warnte die Bundesregierung vor folgenschweren Rückschritten bei der nach der Hochwasserkatastrophe vom letzten Jahr neu ausgerichteten Flusspolitik: "Die beschlossene Abkehr vom weiteren Ausbau der Flüsse muss sich im Bundesverkehrswegeplan klar widerspiegeln. Projekte wie der Saale-Elbe-Kanal oder Eingriffe an der Weser, am Main, der Havel und der Ausbau der Wasserwege von Berlin zur Oder müssen aus der Planung gestrichen werden. Nach der EU- Wasserrahmenrichtlinie ist Deutschland in der Pflicht, bis 2015 für alle Flüsse einen optimalen ökologischen Zustand zu erreichen."
Holger Wesemüller, Leiter der Berlin Vertretung des WWF, wendet sich insbesondere gegen die geplanten Vertiefungen der Unterläufe an Elbe, Weser und Ems: "Mit dem Ausbaggern der norddeutschen Flüsse würde man zig Millionen Euro an Steuergeldern versenken. Die Vertiefungen wären ein böser Schildbürgerstreich auf Kosten der Natur. Sie gefährden wertvolle Auenwälder, Röhrichte, Überschwemmungs- und Wattflächen." Zudem nehme die Hochwassergefahr bei Sturmfluten zu.
Eine WWF-Studie weist nach, dass durch die bereits realisierten Vertiefungen der Flussunterläufe die Wassermassen aus der Nordsee insbesondere bei Sturmfluten schneller und in erheblich größerem Umfang in die Flüsse eindringen und dort zu höheren Wasserständen führen. Seit 1950 seien z.B. in Hamburg die höchsten Sturmflutwasserstände um ca. 70 cm angestiegen. Die Auswirkungen der Fahrwasserausbauten der Elbe haben daran einen Anteil von ca. 30 Prozent (25 cm). "Werden die neuen Pläne umgesetzt, wird sich diese Situation weiter verschärfen", warnt Wesemüller.
Verkehrsminister Stolpe müsse seine Verantwortung wahrnehmen und solche fragwürdigen Projekte stoppen. Stattdessen seien abgestimmte Konzepte zur flussangepassten Schifffahrt und zum ökologischen Hochwasserschutz notwendig. Bei der Jahrtausendflut 2002 habe nach Ansicht der Verbände der herkömmliche Hochwasserschutz mit Deichbauten und Deicherhöhungen seine Grenzen gezeigt. Da inzwischen schon mehr als 80 Prozent der Hochwasser dämpfenden Flussauen verbaut worden seien, drohten bei kommenden Wetterextremen erneut dramatische Überschwemmungen.
Auch Bundesumweltminister Trittin und Bundeskanzler Schröder müssten den Stolpe-Plänen für unüberlegte und sinnlose Flussausbauten eine klare Absage erteilen. Die Verbände fordern, alle Wasserstraßen-Projekte aus dem Entwurf des Bundesverkehrswegeplanes heraus zu nehmen und auf den Prüfstand zu stellen. Statt überzogener Flussausbauten seien Bund und Länder gefordert, Programme zum ökologischen Hochwasserschutz und zur Wiederherstellung natürlicher Flutungsräume aufzulegen.
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