Nach schweren Verstößen

Entlassener EnBW-Reaktorchef kritisierte AKW-Sicherheit

Der frühere Reaktorchef des Atomkraftwerks Neckarwestheim, Eberhard Grauf, hat einem Zeitungsbericht zufolge vor seiner Entlassung die Sicherheit der Kernkraftwerke der Energie Baden-Württemberg (EnBW) massiv kritisiert. Dies belegten interne Dokumente, heißt es in einem Bericht der "Stuttgarter Zeitung". Bisher habe das für die Atomaufsicht zuständige Umweltministerium in Stuttgart behauptet, dies habe bei der Entlassung keine Rolle gespielt. EnBW war wegen massiver Verstöße gegen elementarste Sicherheitsvorschriften in seinen Atomkraftwerken in die Kritik gekommen.

Der international renommierte Atomexperte war als Chef des zweiten Reaktorblocks in Neckarwestheim Ende Juni überraschend abgelöst worden. Die EnBW hatte die Entlassung den Angaben zufolge mit "verbalen Ausfällen" und "querulatorischem" Verhalten Graufs begründet.

Die Zeitung bezog sich nun auf einen Vortrag, den Grauf vor dem EnBW-Chef Utz Claassen und weiteren Managern vor seiner Entlassung gehalten hatte sowie auf "geheime Protokolle" einer Befragung von Grauf durch das Umweltministerium. Demnach habe Grauf beklagt, dass die EnBW nichts aus den schweren Sicherheitsverstößen im Jahr 2001 im Atomkraftwerk Philippsburg gelernt habe. EnBW hatte in Phillippsburg 17 Jahre lang gegen Sicherheitsvorschriften verstoßen. So war regelmäßig das Not- und Nachkühlsystems nicht ordnungsgemäß gefüllt, wenn der Reaktor angefahren wurde. Im Ernstfall hätte nicht ausreichend Kühlmittel zur Verfügung gestanden. Auch in den Meilern in Obrigheim und Neckarwestheim waren die Notkühlsysteme nicht ordnungsgemäß.

Grauf soll Zweifel an dem auf Druck der Atomaufsicht eingeführten Sicherheitsmanagement geäußert haben. Es handele sich dabei um "Alibi- und Beruhigungsinstrumentarien", die die Situation "eher schlechter als besser" machten. Besorgt habe sich Grauf auch über die angeblich gleichgültige Stimmung der Kraftwerksbelegschaft geäußert. Dort greife "der Götz-von-Berlichingen-Standpunkt in einem bedenklichen Maß um sich".

Gegenüber der "Stuttgarter Zeitung" habe das Umweltministerium nun erstmals eingeräumt, dass Grauf "Sicherheitsfragen kritisch angesprochen" habe. Dies sei aber nicht der Grund der Kündigung gewesen. Die EnBW verwies der Zeitung zufolge auf die bisher genannten Gründe.

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