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Gottlieb verteidigt den Verteidigungsminister Guttenberg

Kommentar zum Kommentar

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist des Plagiats beschuldigt. In seiner 2006 vorgelegten Doktorarbeit wurden jetzt viele Passagen entdeckt, die zuvor schon andere Autoren formuliert hatten. Das ist zwar in der Wissenschaft üblich, aber nur mit Quellenangabe und nur, um aus den Erkenntnissen anderer eigene Schlussfolgerungen zu ziehen oder die eigenen Aussagen mit denen kompetenter Fachleute zu untermauern. Keinesfalls ist es zulässig, Zitate nicht als solche zu kennzeichnen und dadurch fremde Texte als eigene auszugeben, sich also mit fremden Federn zu schmücken. Genau dies wird zu Guttenberg vorgeworfen. Die entsprechende Nachricht in den ARD-Tagesthemen vom 16. Februar 2011 durfte Sigmund Gottlieb vom Bayerischen Rundfunk kommentieren. Gerd Kallweit kommentiert den Kommentar:

Karl-Theodor zu Guttenberg ist ein Meister der Imagepflege. In seinen Ämtern als Wirtschafts- und als Verteidigungsminister ist es ihm bisher immer gelungen, andere für schuldig zu erklären, wenn ein Schatten auf seine Lichtfigur zu fallen drohte. Schnell und rigoros setzte er angebliche Schuldige vor die Tür. Im Fall des Plagiat-Vorwurfs bestreitet er jede Absicht und lässt verlauten, Zitatzeichen und Quellenangabe könnten vielleicht hier und dort vergessen worden sein. Das soll wohl ungefähr heißen: Ich habe den Text diktiert, die oder derjenige, die/der ihn dann getippt hat, könnte den einen oder anderen Zitat-Hinweis überhört haben. Diesmal dürfte es dennoch nicht ganz leicht sein, den Schwarzen Peter weiterzureichen. Aber wozu hat man Freunde bei den Medien? Es blieb Sigmund Gottlieb vorbehalten, nach Schuldigen zu suchen, und der bediente sich einer altbewährten Methode: Er drehte den Spieß einfach um.

„... Jetzt soll er auch noch abgekupfert haben“, lässt Gottlieb zunächst wissen. Was nach Feststellung der Professoren, die Guttenbergs Dissertation überprüft haben, eine Tatsache ist, schiebt Gottlieb in den Bereich der Gerüchte. Und das in einem Tonfall, der die Annahme nahe legt, auch die bisherigen Vorwürfe gegenüber dem Minister entbehrten wahrscheinlich jeder Grundlage.

„Was an dem Vorwurf dran ist oder nicht, wird man sehen“, fährt der BR-Kommentator fort, „Jetzt wird geprüft“. Und dann holt er zum vernichtenden Schlag aus: „Warten wir doch einfach aufs Ergebnis, auch wenn es manchen schwerfällt, zum Beispiel der Opposition, die verzweifelt hofft, vielleicht lässt sich aus einer solchen Gelegenheit doch ein wenig politisches Kapital schlagen.“ Bisher hat die Opposition sich stark zurückgehalten und das Thema weitgehend den Medien überlassen. Gottlieb kann also kaum kritische Aussagen zitieren, aber er weiß, dass die Opposition „verzweifelt hofft“. Damit sind die Schuldigen gefunden: Die Politiker der Parteien, die im Bundestag nicht die Regierung stützen, werden selbstverständlich aus der Mücke einen Elefanten, aus einer (noch nicht einmal bewiesenen) Lappalie einen Skandal machen. Da ihnen das nicht gelingen wird, sind sie selbst in ihrer Hoffnung jetzt schon verzweifelt.

Guttenberg hingegen „glänzt mit den Markenzeichen Glaubwürdigkeit und Erklärungskompetenz“, stellt Gottlieb fest. Da ist sie also wieder, die Lichtgestalt. In diesem Zusammenhang ausgerechnet Glaubwürdigkeit anzuführen, das klingt, als wolle man einen auf frischer Tat ertappten Einbrecher zum Hausbeschützer deklarieren. Übrigens, Herr Gottlieb, hatten Sie nicht gerade empfohlen, „Warten wir doch einfach aufs Ergebnis ...“ ?

Mit einem anscheinenden Versöhnungsangebot an die Opposition (wer weiß, wozu man die vielleicht noch braucht) klingt der Kommentar aus: Guttenberg habe Maßstäbe gesetzt, an denen er jetzt gemessen werde. Soll wohl heißen: Ich verstehe ja, dass ihr ihn kritisieren wollt, wo er doch mit seiner Untadeligkeit die Messlatte so hoch gelegt hat. Auch dieser Satz dient aber eigentlich nur der Überhöhung des Ministers. Welche Maßstäbe hat er denn wirklich gesetzt – außer dem, immer schnell Schuldige für Fehler und Schäden zu benennen?

Der Plagiat-Vorwurf trifft nicht den Politiker, sondern den Menschen zu Guttenberg. Und Menschen machen Fehler. Dieser menschliche Fehler ist natürlich auch im Zusammenhang mit politischen Leistungen bzw. Verfehlungen zu bewerten. Ob es sich um einen Skandal handelt, sei dahingestellt. Ein Skandal ist es aber, dass ein derart die Tatsachen verdrehender Kommentar in den ARD-Tagesthemen ausgestrahlt wurde.

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