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Pferdesteuer zuerst in Hessen - in Bad Sooden-Allendorf bereits ab 2013

Ein Griff in die Kacke?

Pferdesteuer: Ein Griff in die Kacke? Pferdehalter in ganz Deutschland sind in Alarmbereitschaft: Als erste Gemeinde in ganz Deutschland hat die hoch verschuldete hessische Gemeinde Bad Sooden-Allendorf eine Pferdesteuer ab 2013 beschlossen. Pferdehalter sollen ab dem kommenden Jahr 200 Euro pro Tier und Jahr bezahlen. Die Befürworter einer Pferdesteuer argumentieren, dass ja schließlich auch Hundehalter zur Kasse gebeten werden. Die Entscheidung der Gemeindeväter von Bad Sooden-Allendorf kann man ruhigen Gewissens als typisches Beispiel für die kurzfristige und betriebsblinde Denke, die den gemeinen Politiker auszeichnet, sehen. Denn mit dieser Entscheidung hat der Ort, der touristisch als "Die Perle im Werratal" wirbt, einen gewaltigen Shitstorm provoziert. Also ein Stück Negativwerbung vom Feinsten, den sich ein Fremdenverkehrsort mit Kurgästen eigentlich nicht leisten sollte, will er künftig nicht sieben- bis achtstellige Beträge aufwenden, um das ramponierte Image wieder aufzupolieren.

Nicht nur die Reiterschaft ist aufgebracht und organisiert gerade eine große Demonstration gegen die Einführung der Steuer, auch sämtliche Reitervereinigungen, der Bauernverband, der Bund der Steuerzahler und der Landessportbund haben sich neben diversen Politikern bereits hinter die Reiter gestellt. Gemessen am möglichen Ertrag haben sich die Damen und Herren Gemeinderäte also für einen vergleichsweise geringen Ertrag - nicht umsonst wird die Pferdesteuer als Bagatellsteuer eingestuft - jede Menge Ärger an die Backe beschlossen.

Was die Damen und Herren Räte angesichts der Dollarzeichen in den Augen übersehen: Es handelt sich bei einem Pferd längst nicht mehr um ein Luxusgut wie zu Zeiten der Adelsherrschaft. Fast 90 Prozent der Pferde in Deutschland sind Freizeitpferde. Diese haben in etwa den Gegenwert einer hochwertigen Taucherausrüstung oder eines Kleinwagens, der mit Ach und Krach noch einmal durch den nächsten TÜV schlittern kann - also beileibe kein Luxusgut. Für die Landwirtschaft, vom Bauern, der sein Heu verkaufen kann, bis zum Betreiber eines Pensionsstalls, in dem die Pferde untergebracht werden, stellt das Tier zudem einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar - als Faustregel gilt: 5 Pferde sorgen für einen Arbeitsplatz.

Die Folge: So mancher Pferdehalter, der sich sein Hobby ohnehin nur mit erheblichen Einschränkungen in anderen Bereichen finanziert, wird abwandern, andere werden ihren Bestand reduzieren. So mancher Betrieb wird schließen müssen und der Haushaltsposten "Einnahmen aus der Pferdesteuer" wird sich spätestens im nächsten Jahr als Luftnummer erweisen - ganz zu schweigen vom Imageschaden für den Urlaubsort.

Mit einem Funken Hirn hätten die Räte langfristige und tragfähige Konzepte für die Zukunft des Ortes entwickelt, statt sich auf einen Tropfen auf den heißen Stein zu stürzen. Andere Orte machen es schließlich vor. Hier sind die Pferdehalter in den Tourismus eingebunden und bereichern mit Veranstaltungen und touristischen Angeboten den Veranstaltungskalender. Dass diese Herangehensweise hervorragend funktioniert, beweist Bodenmais, eine Gemeinde im Bayerischen Wald, der das Wasser finanziell ebenfalls bis zum Hals steht. Trotzdem glänzt sie mit den höchsten Übernachtungszahlen in der Region - weil an wichtigen Stellen Profis am Ruder sitzen und das Gemeindeschiff steuern.

Meine persönliche Konsequenz als Pferdehalter wäre: Ich würde einmal pro Woche den anfallenden Mist aus meinem Stall vor die Tür des Rathauses kippen. Sollen die sich doch um die Entsorgung kümmern, schließlich zahle ich dafür ja auch Steuern...

Harry Sochor

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