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Steinbrück - Kanzlergehalt zu gering | Politiker verdienen zu wenig

Peer Steinbrück hat (vielleicht) recht und handelt falsch!

Peer Steinbrück zum Verdienst als Bundeskanzler Grundsätzlich hat Peer Steinbrück vielleicht sogar recht? Vielleicht hat er ja recht, wenn er das Gehalt eines Bundeskanzlers mit dem eines Sparkassendirektors vergleicht und die These aufstellt, dass der Bundeskanzler im Vergleich zum Sparkassendirektor zu wenig verdient. Irgendwann sollte diese Frage vielleicht nochmals gestellt und dann in einer intensiven Diskussion beantwortet werden. Die Betonung liegt auf „irgendwann“! Die Ursachen für die Probleme, mit denen Steinbrück jetzt konfrontiert wird, bestehen aus a) der Art und Weise, wie er die Diskussion angestoßen hat, und b) dem Zeitpunkt der Diskussion.

Kurz zur Art und Weise. Wir haben es eigentlich mit zwei Fragen zu tun. Frage 1: Wie viel sollte ein Bundeskanzler verdienen? Frage 2: Wie groß darf der Abstand zwischen dem Gehalt eines Bundeskanzlers und dem eines Sparkassendirektors sein, damit dieser Abstand als gerecht empfunden wird? Nimmt man Frage 2 als Grundlage weiterer Überlegungen, so könnte man ja durchaus auch die Diskussion führen, ob Sparkassendirektoren vielleicht zumindest zum jetzigen Zeitpunkt X zuviel verdienen und man hier Gehälter begrenzen müsste, um den richtigen Abstand zwischen Sparkassendirektoren und BundeskanzlerInnen herzustellen. Das würde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mehr Beifall finden als Steinbrücks Hinweis, dass Kanzler zu wenig verdienen (und eigentlich MEHR verdienen müssten). Es wäre aber vielleicht auch Populismus? Die Frage soll hier unbeantwortet bleiben.

Halten wir einfach fest: Hätte Peer Steinbrück die Diskussion anders aufgezogen, wäre die Reaktion vielleicht ganz anders ausgefallen. Man hätte eventuell eine grundsätzliche Diskussion darüber starten können, ob die Höhe von Einkommen in dieser Gesellschaft wirklich noch an Leistung gekoppelt ist, hätte eventuell den Bogen zur Entwicklung schlagen können, dass die Mittelschicht in Deutschland ausdünnt, hätte vielleicht (!) mit etwas Geschick nicht nur eine spannende Diskussion angestoßen, sondern auch eine, die dem eigenen Image zum Vorteil gereicht. Allerdings wäre hier viel Geschick gefragt gewesen. Das hat Steinbrück möglicherweise (derzeit?) nicht. Und so ist es eventuell doch besser, einfach zu sagen, es ist der falsche Zeitpunkt für solche Diskussionen. Nicht jetzt. Irgendwann vielleicht, aber NICHT jetzt!

Der eindeutig falsche Zeitpunkt

Es wirkt irgendwie falsch, wenn ein Politiker, der das Bundeskanzleramt anstrebt, eine Gehaltsdebatte in einer Zeit anstößt, in der die Frau, die den Posten derzeit innehat, Bürger auf härtere Zeiten einstimmt, in der der Strom sehr viel teurer wird, in der eine weitere Verteuerung der Lebensmittel durch die Presse geistert. Es wirkt (einmal mehr) so, als würde sich jemand aus der politischen Elite von denen entfernen, die ihn wählen sollen, als würde er „sein eigenes Süppchen kochen“. Stellen Sie sich einen Top-Manager vor, der der Belegschaft „seines“ Unternehmens erzählt, es gäbe in diesem Jahr kein Weihnachtsgeld und man habe zukünftig unentgeltlich zwei Stunden pro Woche mehr zu arbeiten, weil man jetzt zusammenstehen und alles dafür tun müsse, um den Standort zu retten. Und am nächsten Tag macht dann die Runde, dass jener Top-Manager sich zugleich dafür stark macht, dass sein eigenes Gehalt angehoben wird. So etwas soll es geben. Und das kommt in der Regel nicht gut an! Das kommt in der Regel gar nicht gut an!

Möglicherweise wären die Reaktionen der jetzt von Herrn Steinbrück initiierten Diskussion also auch dann ganz anders gewesen, wenn er einen anderen Zeitpunkt gewählt hätte? Vielleicht ja! Wieder eine Annahme: Peer Steinbrück wird Bundeskanzler und trägt anschließend in entscheidender Weise dazu bei, dass die europäische Krise beendet wird. Deutschlands Wirtschaft boomt, die Gewerkschaften können für Arbeitnehmer Lohn- und Gehaltserhöhungen herausschlagen, die den Namen Lohn- und Gehaltserhöhungen auch wirklich verdienen, die Arbeitslosigkeit wird abgebaut und irgendwie ist alles gut. (Ich bin ein Fantast, ich weiß!) Würde Herr Steinbrück in solch einem Moment kommen und mahnen, dass der Bundeskanzler im Vergleich zu Sparkassendirektoren zu wenig verdient und mehr verdienen sollte, würden vielleicht nur noch notorische Neider klagen?! Das wäre vielleicht der RICHTIGE Zeitpunkt für solch eine Diskussion.

Authentizität kontra Diplomatie

Herr Steinbrück sagt, was er denkt. Und tatsächlich ist das wohl etwas, was Sympathien in einer Zeit bringen kann, in der viele Menschen es durchaus schätzen, wenn jemand gradlinig wirkt und nicht so, als sei er stetig auf Wahlkampf getrimmt. Aber authentisch (echt) zu wirken, ist halt auch nicht automatisch immer etwas, was einem Sympathiepunkte einbringt, nicht einmal in der heutigen Zeit. Diplomatischer und besser wäre es gewesen, den richtigen Zeitpunkt für die Diskussion zu berücksichtigen, was bedeutet, die Diskussion zum jetzigen Zeitpunkt NICHT anzustoßen.

Und so könnte es für die SPD ausgesprochen schwierig werden, ihre Wählerschaft für den Kandidaten Steinbrück zu mobilisieren, wenn er es nicht ganz schnell schafft, irgendwie doch noch kräftig zu punkten. Selbst in den Reihen der SPD mag wohl manch einer die Bundestagswahl 2013 bereits zum jetzigen Zeitpunkt verloren sehen? Na ja, man kann ja einmal ein bisschen herumrechnen und vielleicht schafft es die FDP ja nicht in den Bundestag und wenn dann die Grünen... so richtig stark... und vielleicht... die SPD macht es sich jedenfalls derzeit nicht einfach!

Oder: Steinbrück macht es der SPD derzeit nicht einfach? Oder so!

Ansgar Sadeghi

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