Stammzellen aus extra erzeugten Embryos treffen auf Widerstand

Nach US-Vorstoß

Die von US-Forschern eingeräumte Erzeugung menschlicher Embryos zur gezielten Gewinnung von Stammzellen stößt in Deutschland auf ein negatives Echo. Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Ernst-Ludwig Winnacker, sagte in der Donnerstagausgabe des "Berliner "Tagesspiegel", er bedauere diesen Tabubruch. Es sei gut, dass es in Deutschland ein Embryonenschutz-Gesetz gebe, das dergleichen verhindere.

Winnacker fügte hinzu, er könne in dem amerikanischen Vorstoß "keinerlei wissenschaftlichen Durchbruch" sehen. Für die Forschung gebe es weltweit bereits genug Stammzell-Linien, die ja unbegrenzt vermehrbar seien. Insofern liege die Vermutung nahe, dass hinter der Stammzellen-Herstellung der US-Wissenschaftler rein kommerzielle Interessen steckten.

Der SPD-Obmann in der Enquete-Kommission "Recht und Ethik der modernen Medizin", Wolfgang Wodarg, nannte es "nicht unwahrscheinlich", dass auch die nach Deutschland importierten Stammzellen ausschließlich zu Forschungszwecken hergestellt wurden. Es sei für Wissenschaftler "verlockend", frische Embryonen zur Gewinnung von Stammzellen zu verwenden. Das Einfrieren und spätere Auftauen überzähliger Embryonen aus künstlichen Befruchtungen könne nämlich die Qualität der daraus gewonnenen Stammzellen beeinträchtigen, sagte Wodarg in Berlin. Der Obmann der PDS-Fraktion in der Kommission, Ilja Seifert, kritisierte, die Herstellung menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken führe zu einer Kommerzialisierung der Frau, die zu einem Lieferanten der benötigten Eizellen funktionalisiert werde.

Der Vorsitzende des Nationalen Ethikrats, Spiros Simitis, forderte schnelle politische Weichenstellungen. "Wir dürfen die wichtigen Entscheidungen bei der Gentechnik nicht mehr beliebig lange hinausschieben", sagte Simitis dem "Tagesspiegel". Die Nachricht aus den USA zeige, "dass wir es nicht mit abstrakten Visionen oder Horrorszenarien zu tun haben, sondern mit konkreten Vorgängen".