Offiziere haben Angst vor Kriegseinsatz in Mazedonien

Geiselnahmen befürchtet

Viele Offiziere der Bundeswehr befürchten, dass ein Kriegseinsatz in Mazedonien "in einem Fiasko enden könnte". Der Einsatz sei wegen der "völlig unzuverlässigen explosiven politischen Rahmenbedingungen auf mazedonischem Boden so gefährlich", argumentieren die Offiziere. Den albanischen UCK-Truppen sei "wirklich nicht zu trauen". Es wäre verhängnisvoll, wenn sie Soldaten der deutschen Streitkräfte - hauptsächlich Fallschirmjäger und Artilleristen - zu Geiseln nehmen würden.

Auf dem Balkan - in Bosnien und im Kosovo - sind seit Jahren rund 8.000 Bundeswehrsoldaten gemeinsam mit ihren alliierten Kameraden bemüht, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Jetzt sollen etwa 3.000 NATO-Soldaten die Waffen der albanischen Extremisten, die immer wieder in schwere militärische Auseinandersetzungen mit der mazedonischen Armee verwickelt sind, einsammeln. Die Bundeswehr soll ein Kontingent von 400 bis 500 Soldaten stellen. Es wäre der dritte Einsatz von deutschen Soldaten auf dem Balkan.

Einigkeit besteht unter den verantwortlichen Offizieren auch, dass ein längeres militärisches Engagement der Bundeswehr in Mazedonien wegen der fehlenden materiellen und personellen Möglichkeiten "nicht zu machen ist". Dieselbe Bundeswehr, die jahrzehntelang für eine Landesverteidigung gegen die Rote Armee hochgerüstet wurde, behauptet nun, sie ginge "auf dem Zahnfleisch" und habe nach Aussage von Generalinspekteur Harald Kujat keine "Durchhaltefähigkeit" für einen weiteren Auslandseinsatz.

Ein Kriegseinsatz von 30-Tagen würde die Bundeswehr nach internen Schätzungen 35 Millionen Mark kosten. "Was passiert und wer bezahlt, wenn es durch die zu erwartenden Ereignisse zu einem dritten lang andauernden Balkan-Einsatz der Bundeswehr kommt", fragen in Berlin besorgte Parlamentarier. Der Bundeswehr-Verband warnte nachdrücklich davor, die "Bundeswehr leichtfertig in ein Abenteuer zu schicken".