Bruch der Ölpipeline in Ecuador

Ölpest

In Ecuador ist in der vergangenen Woche, die staatliche SOTE-Ölpipeline gebrochen. 8.000 bis 10.000 Barrel Rohöl seien durch das Leck über Flüsse bis in den Papallacta-See gelangt, der zu 40 Prozent mit Rohöl bedeckt ist, berichtet die Umweltorganisation Pro Regenwald. Auch die berühmten Thermalquellen von Papallacta seien verseucht worden. Darüber hinaus sei das Rohöl in das Trinkwasserwerk bei Papallacta geflossen. Die Anlage, die etwa 40 Prozent der Einwohner von Quito mit Trinkwasser versorgt, musste geschlossen werden. Die Bevölkerung der Haupstadt Quito wird nun mit Trinkwasser aus einen Stausee an einem anderen Ort notversorgt.

Nach Angaben des ecuadorianischen Fernsehsenders "Telerama" soll es sich um die schlimmste Umweltkatastrophe des Landes handeln. Der Fernsehsender und die Tageszeitung "El Hoy berichten", dass der Bruch der SOTE- Pipeline durch Bauarbeiten an der neuen OCP-Schwerölpipeline verursacht wurde, die maßgeblich von der Düsseldorfer WestLB finanziert wird. Auch die staatliche Ölfirma Petroecuador beschuldigt OCP, die Katastrophe verursacht zu haben.

OCP lehnte in einer Pressemitteeilung jegliche Verantwortung ab, blieb aber detailliertere Auskünfte bislang schuldig.

Die auf dem Papallacta-See ausgebrachten Ölsperren hätten das Rohöl nicht aufhalten können, si dass weitere Flächen verseucht wurden. Aus dem Rohöl verdunstende flüchtige Bestandteile hätten schon jetzt zu einer unerträglichen Belastung der Luft geführt. Nach Angaben der Tageszeitung "La Hora" mussten bereits zwei mit Reinigungsarbeiten beschäftigte Ingenieure der Armee mit Erstickungssymptomen unverzüglich in ein Krankenhaus eingeliefert werden.

Ölkatastrophe im Cayambe-Coca-Naturschutzgebiet

Der Unglücksort befindet sich im Paramo in circa 3.500 Metern Höhe im Cayambe-Coca Naturschutzgebiet. Am Dienstag morgen um 4:50 Ortszeit hatte ein plötzlicher starker Druckabfall in der SOTE-Pipeline die sofortige Stillegung des Pumpbetriebs erfordert. Über den Sucos-Fluss ergossen sich mindestens 8.000 Barrel Rohöl über mehrere Kilometer bis in den Papallacta-See.

In den Abendnachrichten von "Ecuavisa" und "24 Horas" wurde gezeigt, dass bis zum Nachmittag - mehr als 36 Stunden nach dem Pipelinebruch - noch immer Rohöl aus der zerborstenen Ölpipeline austrat. Demnach würden pro Sekunde etwa zwei Liter, also rund 45 Barrel pro Stunde, aus der defekten Rohrleitung fließen. Die Pipeline sei weiterhin außer Betrieb und wird repariert.

Im Fernsehen wurden im Rohöl verendete Fische und völlig mit Öl verschmierte Vögel, darunter eine seltene Entenart, gezeigt. Im Papallacta-See und Sucos-Fluss leben bedrohte Flussenten, Andenmöwen und Chipilos, eine weitere aquatische Vogelart.

Durch das Vulkangestein am Westende des Sees filtriere sich das Wasser und fließt direkt in das Trinkwasserreservoir Tuminguina, das mehr als ein sechstel des Trinkwassers für die Hauptstadt Quito liefere. Dank der Regenzeit seien die Tanks nahe Quito allerdings gefüllt und der Ausfall von Tuminguina wird laut Angaben der städtischen Wasserwerke EMAP momentan nicht zu Wasserknappheit führen, so die Umweltorganisation.

Vorwürfe gegen WestLB-finanzierte neue Pipeline

Obwohl Anwohner den Unfall beobachtet haben und dem Unternehmen OCP die Schuld an der Zerstörung der SOTE zuweisen, wies OCP sämtliche Vorwürfe zurück, kritisiert Pro Regenwald. Die größte ecuadorianische Umweltorganisation "Fundación Natura" habe Anzeige bei den staatlichen Behörden erstattet. Mitarbeiter einer staatlichen Untersuchungskommission hätten bereits den Unglücksort besichtigt und Beweise aufgenommen.

Bereits vor wenigen Wochen hat OCP an seiner im Bau befindlichen Pumpstation in Lago Agrio im Amazonas bei einem "Probelauf" einen schweren Ölunfall verursacht, bei dem große Mengen Rohöl in ein benachbartes Sumpfgebiet flossen und die Trinkwasserquellen der Anwohner verseuchten. Zahlreiche Umweltorganisationen in Ecuador, USA und Europa protestieren seit langem vehement gegen den Bau der neuen Pipeline. Auch der ehemalige Weltbank-Mitarbeiter und Ökologie-Experte Robert Goodland beklagt in einem Gutachten (September 2002), dass die WestLB-Pipeline massiv gegen Weltbankstandards verstößt.