Erste Fairhandelsmesse in Nordrhein-Westfalen

Standortfragen

Am vergangenen Freitag und Samstag fand im Rahmen des 11. Kongresses des Eine-Welt-Netzes NRW im Telekom Tagungshotel in Neuss die erste Fairhandelsmesse Nordrhein-Westfalens statt. Über 50 Aussteller aus ganz Deutschland zeigten eine breite Palette an fair gehandelten Produkten. Auf dem Kaffee-Forum diskutierten die knapp 300 Kongressteilnehmer, die in der Eine-Welt-Arbeit engagiert sind, über bessere Standorte der Weltläden, über die Erschließung neuer Kundenschichten, über finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten für Investionen in die Weltläden sowie die Zusammenarbeit von hauptamtlichen Mitarbeitern und den vielen ehrenamtlichen Verkäufern. Das damit verbundene Profil des Weltladens als Wirtschaftsunternehmen stieß auch auf Kritik, beispielsweise von Cafe Libertad aus Hamburg. Der Kongress des Eine-Welt-Netzes beschäftigte sich mit Kinderarbeit auf den Baumwollfeldern in Indien und den UN-Milleniumszielen zur Bekämpfung der Armut.

"Alternative zu bisherigen weltwirtschaftlichen Strukturen"

In der Ansprache zur Eröffnung der Fairhandelsmesse betonte Monika Dülger vom Büro für fairen Handel des Eine-Welt-Netzwerks, dass der Faire Handel eine wichtige Alternative zu bisherigen weltwirtschaftlichen Strukturen sei. So habe der Internationale Zusammenschluss der Fairhandelsunternehmen der Welthandelsorganisation (WTO) Forderungen unterbreitet, die unter anderem fairere Welthandelspreise und eine Demokratisierung der Strukturen der WTO umfassten.

Weiterhin sagte sie, dass inzwischen weltweit 5 Millionen Menschen vom fairen Handel lebten. Für das Jahr 2010 solle der Marktanteil des Kaffees auf 3 Prozent steigen. In Großbritannien läge dieser Wert im übrigen derzeit bei 20 Prozent. Im Kaffeeforum sollten Lösungsmöglichkeiten ausgetauscht werden, wie dieses Ziel erreicht werden könne.

Der Neusser Landrat Dieter Patt erklärte in seiner Ansprache, dass es in Neuss eine lange Tradition in der Eine-Welt-Arbeit gebe. Er selbst habe enge Kontakte in die Cauca-Region in Kolumbien und unterstütze dort Projekte, die sich um Alternativen zum Coca-Anbau bemühten.

Der nordrhein-westfälische Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration, Armin Laschet, sagte bei der Eröffnung, er selbst habe beim Zuschnitt der Ministerien der CDU-FDP-Landesregierung von Nordrhein-Westfalen den Wunsch gehabt, die Zuständigkeit für Eine-Welt-Fragen vom Umwelt- in sein Ministerium zu holen. Da sich sein Ministerium um die Integration der Migranten kümmere, sollte es auch die Frage behandeln, wie es um die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen in den Ländern, aus denen die Migranten stammten, stünde.

Laschet sagte eine Weiterführung der Eine-Welt-Arbeit zu, wobei sich der Schwerpunkt auf "internationale Entwicklungszusammenarbeit" verlagern werde. Er wolle Nordrhein-Westfalen als das Bundesland positionieren, das sich am stärksten im Bereich der Nord-Süd-Beziehungen engagiere. Dabei spiele der Faire Handel eine wichtige Rolle. Er habe fair gehandelten Kaffee in seinem Ministerium durchgesetzt und wolle in Zukunft alle regionalen Kaffees probieren.

Weltläden als Wirtschaftsunternehmen

Im Kaffeeforum der Messe wurde die Professionalisierung der Weltläden und deren Profilierung als sozial und ökologisch orientierte Wirtschaftsunternehmen diskutiert. So versuchen die großen Fairhandelsunternehmen wie die gepa, El Puente oder Dritte-Welt-Partner, aber auch der Dachverband der Weltläden neue Kundenschichten zu gewinnen und sich über betriebswirtschaftliche Konzepte auf dem Markt zu bewähren.

Martin Müller von der Weltläden-Basis Fairhandelsgesellschaft in Gelsenkirchen berichtete, wie er es geschafft habe, einen fair gehandelten Schalke-Kaffee als offizielles Merchandising-Produkt von Schalke 04 zu etablieren. Damit habe er den Fairen Handel zu einer Käuferschicht gebracht, an die bislang nicht gedacht worden sei.

Alle Vertreter der Fairhandelsorganisationen im Kaffeeforum favorisierten eine Werbestrategie, die die Qualität der Produkte des fairen Handels in den Mittelpunkt stellt. Markus Frieauff vom Weltladen-Dachverband in Mainz und Hildegund Appelt vom gepa-Fairhandelshaus in Wuppertal vertraten die Ansicht, die Weltläden sollten sich als Fachgeschäft für fair gehandelte Produkte verstehen.

Dachverband und gepa bieten Leitfäden für die Professionalisierung der Weltläden an, mit betriebswirtschaftlichem Know-How für Investitionen in die Einrichtung der Weltläden. Geboten wird auch eine Standardanalyse über Kriterien für gute Standorte von Weltläden.

"Fragwürdige Werbekampagnen und Vertriebsstrukturen"

Scharfe Kritik an dieser strategischen Ausrichtung kam von einem Vertreter des Café Libertad aus Hamburg. Gegenüber ngo-online erklärte er, sein basisdemokratisch organisiertes Kollektiv unterstütze lieber die Kaffeebauern in Chiapas direkt "statt hier in fragwürdige Werbekampagnen und Vertriebsstrukturen wie Supermärkte zu investieren".

Der "Café Libertad" sei im Endverbraucherpreis preiswerter als der Transfair-Kaffee, weil es keinen Zwischenhandel bei ihnen gebe und keine "Geschäftsführer mit Dienstwagen". Mit seinen betriebswirtschaftlich orientierten Leitfäden habe sich der Weltladen-Dachverband den kapitalistischen Spielregeln angepasst.