Solarenergie-Förderverein kritisiert Umweltverbände

"Mutlos"

Der Solarenergie-Förderverein Deutschland kritisierte erneut die Umweltverbände wegen ihrer zum Teil zögerlichen Haltung zum Ausbau erneuerbarer Energien. Die Verbände trügen eine Mitschuld daran, dass trotz brennender Aktualität, Ölkrise und "beunruhigender Anzeichen für die heraufziehende Klimakatastrophe" das Thema Energiepolitik im vergangenen Wahlkampf kaum beachtet worden sei. Dies, obwohl in diesen Jahren die richtigen Weichen in der Energiepolitik gestellt werden müssten. Größere Umweltverbände würden aber wider besseren Wissens keine konsequente Energiewende fordern, sondern den Neubau "effektiverer" fossiler Kraftwerke.

Der Solarenergie-Förderverein verweist auf ein längeres Gespräch "mit einem maßgeblichen Funktionär" eines großen deutschen Umweltverbandes. "Wir waren uns einig darüber, dass als Ersatz für überalterte fossile Kraftwerke keine neuen fossilen Kraftwerke mehr gebaut werden dürften, sondern Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien." Auch über die Machbarkeit habe Einigkeit geherrscht, denn auch die entsprechende EUROSOLAR-Studie sei dem Umwelt-Funktionär bekannt gewesen.

Trotzdem fordere aber sein Umweltverband den Neubau "effektiverer" fossiler Kraftwerke. "Natürlich fordert er auch die Halbierung des Energieverbrauchs und die vermehrte Nutzung erneuerbarer Energien, und was ein Umweltverband sonst noch so fordert", schreibt der Solar-Verein polemisch.

Auf den Vorwurf, der Neubau effektiverer fossiler Kraftwerke gehöre nicht in den Forderungskatalog eines Umweltverbandes, habe der Funktionär wie folgt argumentiert: "Wir müssen darauf achten, dass wir noch Ernst genommen werden." - "Wir müssen politikfähig bleiben" - "Wir stellen fest, dass sich nun auch die CDU für unsere Forderungen interessiert und sie sehr aufmerksam liest."

Der Solarenergie-Förderverein sieht in dieser Argumentation "ein grundlegendes Missverständnis" der Aufgaben eines Umweltverbandes. Denn wenn man immer nur das sage, was die Bevölkerung ohnehin für richtig halte, hätte man die Existenzberechtigung verloren. "Unsere Aufgabe ist es nicht, das zu sagen, was die Mehrheit ohnehin meint", schreibt der Verein. "Wir müssen vielmehr die Bevölkerung mit den umweltpolitischen Notwendigkeiten vertraut machen." Nicht die augenblickliche politische Stimmung, sondern technische und wirtschaftliche Realisierbarkeit müssten Maßstab sein.

Zur Politikfähigkeit heißt es kritisch, hier würden die Aufgaben von politischen Parteien und von Umweltorganisationen verwechselt. Parteien müssten eventuell Kompromisse schließen können. "Aber Umweltverbände müssen umweltpolitische Forderungen ohne Abstriche vortragen. Die Parteien, die sich dem Umweltschutz verpflichtet wissen, brauchen für ihre eigene Weiterentwicklung engagierte Denkanstöße aus den Umweltverbänden. Auch aus taktischen Gründen ist es für die Parteien hilfreich, auf weitergehende Forderungen der Umweltverbände verweisen zu können", meint der Solarverein.

Bezüglich der CDU heißt es in der Stellungnahme scharf: "Klar liest die CDU die Forderungen des erwähnten Umweltverbandes sehr sorgfältig und wird sich gerade das heraussuchen, was ihr am besten ins Konzept passt - vermutlich die Forderung nach effektiveren fossilen Kraftwerken."

Auf diese Weise mache man sich "lieb Kind, darf überall mitreden - und bewegt nichts", lautet die vernichtende Kritik des Solarenergie-Förderverein.

Vor diesem Hintergrund plegt der Solarenergie-Förderverein nach eigener Einschätzung eine "Kultur der kompromisslosen Forderungen". Die Forderungen seien weder durch Kompromissangebote verwässert, noch fordere man "aus taktischen Gründen das Unmögliche, um das Mögliche zu erreichen, sondern wir orientieren uns am inhaltlich Notwendigen".

Der Verein fordert einen Umstieg zu hundert Prozent auf Erneuerbare Energien. "Wir fordern kostendeckende Vergütung für alle Erneuerbaren Energien und wir fordern eine drastische Anhebung der Energiesteuern sowie zum Ausgleich ein persönliches Energiegeld für alle Bewohner Deutschlands."