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Kommt die Rente für Selbstständige in Deutschland?

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Die Rentenkasse sind leer. Nun kommt die Rente für SelbständigeDie Altersvorsorge ist in Deutschland eine Thematik, die nicht jeder Selbstständige ernst nimmt. Der Arbeitsminister Hubertus Heil von der SPD hatte am 8. Dezember 2020 deshalb den Vorschlag einer Altersvorsorgepflicht für Selbstständige einzuführen, dies soll Selbstständige vor einer Altersarmut bewahren. Betroffene sollen dabei in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen oder in Verträge, welche als Minimum dasselbe Leistungsspektrum abdecken.


Rentenpflicht in Deutschland für Selbstständige unter 35 möglich?

Die geplante Vorsorgepflicht scheint beinahe als sicher, jedoch werden dabei nicht nur Selbstständige erfasst, sondern auch Freiberufler. Die Pflicht umschließt jeden unter dem 35. Lebensjahr, welcher bisher nicht versicherungspflichtig ist. Menschen mit einer geringfügigen Tätigkeit mit bis zu 450 Euro im Monat werden hierbei nicht einbezogen.

Die Details gelten aber noch nicht als gesichert, denn das Arbeitsministerium arbeite derzeit noch an einen Gesetzesentwurf. Dies war auch angekündigt im Koalitionsvertrag. Derzeit bleibt aber noch abzuwarten, ob wie die Pflicht ausgestaltet wird.

Welche Alternativen zur gesetzlichen Rente gibt es?

Selbstständige und Freiberufler haben somit die Möglichkeit, entweder in die gesetzliche Rente einzuzahlen oder einen Vertrag mit einer Versicherung abzuschließen, welche gewissen Faktoren entsprechen muss.

Die Vorsorgeverträge richten sich dabei nach dem Alter. Die Anbieter werben bezüglich eines idealen Mix aus Sicherheit und Rendite. Bisher mussten sich Freiberufler und Selbstständige ohne Altersvorsorge auf eine Rentenlücke in Höhe von mehreren hundert Euro pro Monat einstellen. Dies wird es in Zukunft aufgrund dieser Pflicht nicht mehr geben.

Kann es eine Altersarmut in Deutschland geben?

Tatsächlich ist die Altersarmut auch in Deutschland ein großes Problem, denn viele Menschen ab dem 65. Lebensjahr können nur dank der staatlichen Hilfen ohne gravierende Einschränkungen oder gar Obdachlosigkeit leben.

Die Europäische Union definiert eine Altersarmut bei maximal 60 Prozent des nationalen Medianeinkommens. Bei einem Einkommen von 1.400 Euro (Singlehaushalt) wäre die Grenze zur Armutsgefährdung bei 840 Euro.

Wenn eine Person bei 40 Prozent des nationalen Medianeinkommens liegt, dann gilt diese als arm. Dies würde einem Einkommen von 560 Euro entsprechen. Die WHO und OECD sprechen aber von einer Armut, wenn der Wert von maximal 50 Prozent erreicht wurde.

Bedroht sind in erster Linie Selbstständige und Freiberufler, denn eine Pflicht zur Vorsorge gibt es nicht. Die Thematik wird immer weiter aufgeschoben, bis dann nicht mehr so viel Geld gespart werden kann, um im Alter davon zu leben.

Besonders betroffen sind aber auch Frauen, denn häufig wird bei selber Arbeit weniger verdient im Vergleich zu den männlichen Arbeitskollegen und auch andere Faktoren wie eine Schwangerschaft oder die Elternzeit spielen hierbei eine erhebliche Rolle.

Corona verschärft aktuell missliche Lage bei Senioren

Der Schuldneratlas 2020 verzeichnet bei Senioren einen Anstieg von 23 Prozent innerhalb von nur einem Jahr. Durch Corona wird die Lage aber zusätzlich erschwert, somit bleibt vielen Senioren lediglich 12 Euro für den Alltag. Verdeutlicht wird die Lage insbesondere dadurch, dass im Freistaat Bayern laut des Sozialverbandes VdK Bayern e.V. derzeit 592.923 Menschen über dem 65. Lebensjahr von der Armut bedroht sind.

Es fällt auf, dass es insbesondere Menschen sind, welche zuvor einen Leidensweg erfahren mussten. Im Bericht des BR wurde von einem Fall berichtet, welcher aufgrund von Leberkrebs nicht arbeiten konnte – er wartete lange auf eine passende Organspende. In dieser Zeit war das Arbeiten nicht möglich und alle Ersparnisse mussten aufgewendet werden.

Aufgrund dieser Ursache erhält die Person aktuell eine Rente von 500 Euro, welche direkt für die Miete aufgewendet werden muss. Das Sozialamt unterstützt den Senior und stellt 12 Euro am Tag zur Verfügung – selbst mit äußerster Sparsamkeit ist der Alltag nur schwer zu bestreiten. Zumal hiervon auch Medikamente bezahlt werden müssen, da die Krankenkasse nicht alle Kosten übernimmt.

Rentner haben weitere Belastungen durch Corona-Krise

Damit sich vor einer Infektion geschützt werden kann, werden auch Hygieneartikel benötigt. Entsprechend muss Geld aufgewendet werden für Mundschutz und Desinfektionsmittel. Die Kosten sind durch die Corona-Krise in beiden Fällen gestiegen. Desinfektionsmittel ist viermal teurer geworden als vor der Krise – von zwei auf sieben Euro in der Apotheke.

Beim Mundschutz sieht es ähnlich aus, denn eine FFP2-Maske gibt es teilweise erst ab fünf Euro. Nur eine FFP2-Maske schützt aber auch verlässlich gegen den Virus. Mit einer sogenannten Community-Maske wird insbesondere nur eine Tröpfcheninfektion vorgebeugt und Aerosole werden unter Umständen verringert.

Der Staat hatte daher kostenlose FFP2-Masken zu Weihnachten und Silvester verteilt, die Kosten musste die Krankenkasse übernehmen. Hinzu unterstützten vermehrt Vereine und auch die Tafeln, dass sowohl Community-Masken als auch FFP2-Masken und diverse andere Hygieneartikel verteilt werden.

Verdi-Boss: Mindestlohn hilft gegen Altersarmut

Damit die Altersarmut bekämpft werden kann, muss aber auch dafür gesorgt werden, dass die Löhne steigen. Derzeit ist es so, dass das aktuelle Gehalt in der Regel nicht ausreicht. Immer mehr Menschen verdienen so wenig, dass im Alter unter Umständen nicht die Höhe der Grundsicherung erreicht wird (durchschnittlicher Bruttobedarf: 813 Euro).

Im Jahr 2010 waren es 8,7 Millionen Menschen, dessen Gehalt unter der Grundsicherungsgrenze lag. Im Jahr 2018 waren es dann aber schon 10,5 Millionen Menschen – ein Anstieg von etwa 20 Prozent. Die Gründe sind vielseitig, unter anderem gab es mehr Arbeitnehmer durch den Konjunkturbooms (circa vier Millionen). Hierunter befanden sich auch viele Geringverdiener.

Experten, wie der Verdi-Boss sind der Überzeugung, dass ein höherer Mindestlohn und generell mehr Tarifverträge dazuführen werden, dass viele Menschen trotz Arbeit nicht unter der Grundsicherungsschwelle landen.

Krise weitet Schere zwischen Arm und Reich weiter

Die Krise verschärft zusätzlich die Lage zwischen Arm und Reich, laut der Ansicht des Landesverbandes der kommunalen Migrantenvertretungen (LAKA). Hiervon insbesondere Menschen mit ausländischen Wurzeln betroffen. Das liegt darin, dass „in den Berufen, die nicht leicht auf Homeoffice umstellbar sind, ist der Migrantenanteil hoch“.

So zeigen sich derzeit auch viele Fälle in der Umzugsbranche, denn die Branche konnte insbesondere innerhalb des ersten Lockdowns nur schwer arbeiten. Die Rechtslage war nämlich eher unklar – es gab auch die Meldung, dass der Betrieb weit möglichst eingeschränkt werden sollte.

Besonders prekär wurde die Situation aber, weil sich viele Arbeitnehmer in der Kurzarbeit befunden haben. Die Löhne sind gesunken, wodurch kaum mehr Budget übrig war für Anschaffungen oder generell für einen Dienstleister. Der Margenträchtige Vollservice-Umzug wird seither nur selten gebucht, zudem hat sich auch der Anteil an Mitarbeiterumzüge je nach Betrieb sogar halbiert.

Tipps für eine sichere Altersvorsorge

Es muss berücksichtigt werden, dass die Geburtenrate in Deutschland sehr niedrig ist. In Zukunft heißt das konkret, dass es noch weniger Arbeitnehmer gibt, welche in die Rentenkasse einzahlen werden. Die Absicherung über die staatliche Altersvorsorge ist unter diesen Umständen kaum gewährleistet. Es müssen daher im Alter definitiv abstriche gemacht werden – in besonderen Fällen kann es auch zur Altersarmut kommen.

Wie im Artikel bereits erwähnt, muss auch eine private Absicherung erfolgen. Das gilt nicht nur für Frauen, welche weniger verdienen aufgrund von Schwangerschaften oder Lohnungleichheit, sondern auch für Männer. Maßnahmen für die Altersvorsorge sollten dabei so früh wie möglich begonnen werden, idealerweise sogar schon mit dem Start des Berufslebens.

Allerdings sollte auch in diesem Falle niemals alles auf eine Karte gesetzt werden. Die Zinsen schwanken und immer wieder kann es zu Krisen kommen. Die Corona-Krise hatte zum Beispiel auch kaum jemand vorhersehen können. Ein Finanzcrash erschien den Experten im Jahr 2020 oder 2021 teilweise aber für möglich.

Bei der Altersvorsorge besteht häufig auch der Umstand, dass ganze Staaten oder Unternehmen auch in die Insolvenz rutschen können. Das eingezahlte Kapital wäre somit verloren, dieses Risiko kann immer bestehen. Deswegen sollte auf verschiedene Investments gestreut werden.

Am beliebtesten ist dabei die sogenannte Betriebsrente oder generell eine staatlich geförderte Rente, wobei hier auch die Gebühren berücksichtigt werden müssen. Hinzu darf sich auch nicht alleine darauf verlassen werden, denn das Modell ist teilweise nur für Besserverdiener geeignet.

Eine weitere Möglichkeit ist die Anschaffung eines Eigenheimes, dieses Objekt wird über die Jahre abbezahlt und kann dann im Anschluss verkauft oder vermietet werden. Eine sehr teure Region sollte entsprechend nicht gewählt werden, denn das Risiko einer Immobilienblase besteht und auch die Wertsteigerung über die nächsten Jahrzehnte erscheint oftmals ausgeschlossen.

Die Rente im Ausland verbringen als alternative?

Für viele ist es auch eine Möglichkeit, dass die Rente eben nicht in Deutschland verbracht wird, sondern eben in einem günstigeren Land. Der Vorteil ist, dass die Lebenskosten weitaus geringer sind, wodurch die Lebensqualität erhöht wird. Weiterhin gibt es in dem Land vielleicht auch Optionen, um etwas hinzuzuverdienen (so zum Beispiel als Dolmetscher).

Als besonders beliebt erscheinen Türkei, Bosnien und Thailand. In diesen Ländern reicht es vor allem auch schon, wenn ein Haus gekauft wird. Weitere Steuern oder diverse Gebühren gibt es hier nämlich kaum. Selbst die Kosten für Strom und Wasser liegen teilweise bei lediglich fünf bis 10 Euro im Monat. Die Mieten wiederum liegen je nach Ort bereits bei zwischen 80 bis 300 Euro für eine Wohnung in guter Lage.

Fazit: Eine sichere Altersvorsorge hilft gegen Altersarmut

Die Altersarmut gibt es auch in Deutschland und daher sollte sich jeder nach individuellen Lösungen umsehen. Es gibt dabei nicht nur eine Rentenversicherung, sondern eben auch diverse Zusatzversicherungen.

Selbstverständlich sollte aber auch in andere Möglichkeiten investiert werden als Zusatz. Eine Immobilie als Anlageobjekt kann helfen, um Mieteinnahmen als Nebeneinkommen zu generieren und später kann das Haus – in der Regel mit Wertsteigerung – auch noch verkauft werden.

Möglichkeiten wie Aktien oder Kryptowährungen können auch eine Option sein, aber selbstverständlich steigt mit den Renditen auch das Risiko. Ein Totalverlust ist nie ausgeschlossen.

Foto von Harrison Haines von Pexels https://www.pexels.com/de-de/@harrisonhaines?utm_content=attributionCopyText&utm_medium=referral&utm_source=pexels

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