"2.265.489 Versuchstiere zu Forschungszwecken verbraucht"

In Laboratorien

Der Deutsche Tierschutzbund beklagt, dass auch 2004 die Versuchstierzahlen in Deutschland weiter angestiegen seien. Dies belege die Bilanz der Versuchstierstatistik des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. Nach dieser seien 2.265.489 Tiere zu Forschungszwecken und somit 153.000 mehr als im Vorjahr "verbraucht" worden. Die Gentechnologie sei offenbar auch bei Tierversuchen "eine neue Spielwiese für die Wissenschaft". Eine Expertengruppe des Verbraucherschutzministeriums versucht weiterhin, Alternativmethoden zu den Tierversuchen "ausfindig zu machen".

Die 2004 am häufigsten in wissenschaftlichen Versuchen verwendeten Tierarten seien Mäuse (1.316.522), Ratten (493.885), Fische (167.235) und Kaninchen (104.491). Doch auch 1.078 Altweltaffen, 530 Neuweltaffen und 169 Halbaffen, 4.306 Hunde und 628 Katzen hätten in zumeist qualvollen Versuchen ihr Leben lassen müssen.

Für das Bundesministerium für Verbraucherschutz ist es "erfreulich, dass die Zahl der Hunde um 580 auf 4306, die der Katzen um 25 auf 628 und die der Affen um 159 auf 1608 reduziert wurde". Menschenaffen seien, wie in den Vorjahren, nicht gemeldet worden. Gegenüber 2003 sei der Rückgang bei toxikologischen Prüfungen um 17.247 auf 160.974 Tiere zu betonen. Bei Versuchen zu diagnostischen Zwecken sei dagegen eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 23.866 auf 39.013 Tiere zu verzeichnen gewesen.

Für die Erforschung von Erkrankungen bei Menschen oder Tieren seien 56 Prozent der Tiere eingesetzt worden. 44 Prozent dienten demnach nicht diesem Zweck. Auf Grund gesetzlicher Vorschriften wurden insgesamt 15 Prozent der Tiere eingesetzt, schreibt das Ministerium. Demnach wurden wurden 85 Prozent der Versuchstiere benutzt, ohne dass gesetzliche Vorschriften dies vorsahen. Für den Deutschen Tierschutzbund besonders alarmierend ist "die Tatsache, dass sich im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der gentechnisch veränderten Tiere um 25 Prozent von 254.155 auf 317.177 erhöht hat und dass diesmal sogar 19 gentechnisch veränderte Affen zum Einsatz kamen".

"Der Tierversuch ist und bleibt Tierqual", schreiben die Tierschützer. "Hinzukommt, dass die Gentechnologie offenbar eine neue Spielwiese für die Wissenschaft ist und sich jetzt auch schon auf Versuche mit Affen ausdehnt. Die Neugier der Forscher macht offenbar vor keinerlei ethischen Grenzen Halt."Gerade gentechnisch veränderte Tiere aber müssten oft schon aufgrund ihrer Veränderung des Erbgutes besondere Qualen erleiden, lange bevor sie überhaupt im Versuch eingesetzt würden, beklagt Wolfgang Apel vom Deutschen Tierschutzbund. "Dabei haben wir kürzlich in einer wissenschaftlichen Studie belegt, dass die Forschung, die mit solchen Tieren betrieben wird, wie auch die tierexperimentelle Forschung insgesamt, keinen sinnvollen Beitrag leistet, kranken Menschen zu helfen."

Wie viele Tiere im Jahre 2004 im Vergleich zum Vorjahr zu welchen Versuchswecken eingesetzt wurden, beispielsweise in der Grundlagenforschung oder für Giftigkeitsprüfungen, lasse sich der Statistik nicht entnehmen. Die Bundesregierung habe aus der entsprechenden Tabelle, "Zentralstück der Versuchstierstatistik, kurzerhand über 460.000 Tiere, das heißt über 20 Prozent der erfassten Versuchstiere, ausgegliedert, da diese "nur" zu wissenschaftlichen Zwecken getötet wurden".

"Dies ist eine Verschleierungstaktik, die wir nicht hinnehmen werden. Hier verlangen wir eine sofortige Nachbesserung. Die neue Bundesregierung muss sich nun zu ihrer Verantwortung für den Schutz der Tiere, so wie er seit 2002 als Staatsziel im Grundgesetz verankert ist, bekennen und eine echte Kehrtwende herbeiführen. Wir brauchen endlich angemessene Fördermittel zur Umstellung der Forschung auf tierversuchsfreie Verfahren und eine Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen, um hierfür die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen", so Apel.

Nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums ist es "ein wichtiges Ziel der Bundesregierung", Tierversuche "weiter zu verringern" und durch Alternativmethoden zu ersetzen, um die Anzahl der Tierversuche "auf das absolut unerlässliche Maß zu beschränken". Für diesen Zweck sei von der Bundesregierung eine Expertengruppe gebildet worden, die an Hand der jährlich gemeldeten Versuchstierdaten Bereiche "ausfindig machen soll", in denen Tierversuche reduziert oder durch andere Methoden ersetzt werden können. Über die Ergebnisse dieses Ausfindigmachens erfährt man nichts Näheres.