Waldzustandsbericht womöglich nur noch alle vier Jahre Jahre

Bedenken zerstreuen

Die Zukunft des jährlichen Waldzustandsberichts steht offenbar auf der Kippe. Nach einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" bestätigte das Bundeslandwirtschaftsministerium Pläne, wonach die seit 1982 jeden Herbst erscheinende Analyse nur noch einmal pro Legislaturperiode herauskommen soll, also alle vier Jahre. Dies sei der Wunsch von Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU). Seehofers Ziel hierbei sei der Abbau von Bürokratie. Der Bericht werde zudem möglicherweise in einer Gesamtbilanz zur Lage von Landwirtschaft, Fischerei und Forst aufgehen, da auch der jährliche Agrarbericht in der bisherigen Form nicht mehr erarbeitet werden solle, schrieb die Zeitung.

Seehofer hoffe, Bedenken in seinem eigenen Hause gegen einen solchen Schritt zerstreuen zu können. Der letzte reguläre Bericht solle in diesem Herbst erscheinen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz BUND erklärte, bei Seehofers Plänen handle sich um einen massiven Versuch, die Aufmerksamkeit von dem Thema wegzulenken. BUND-Agrarsprecher Hubert Weiger verlangte in der Zeitung, die jährlichen Erhebungen beizubehalten und um das Thema Bodenzustand erweitern, da die Bodenversauerung durch Stickstoffeinträge aus Landwirtschaft und Verkehr zunehmend das Trinkwasser gefährde. Das allerdings hieße über die Folgen der Intensiv-Landwirtschaft zu reden, was Seehofer offenbar vermeiden wolle.

Robin Wood: Die Intensiv-Tierhaltung ist der Motor der Ammoniak-Emissionen

Die Umweltschutzorganisation Robin Wood hatte im Januar anlässlich der Veröffentlichung des Waldzustandsberichts 2005 beklagt, mit 71 Prozent lägen die Waldschadenszahlen für 2005 nur einen Prozentpunkt unter dem Nega­tiv-Rekord aus dem Vorjahr. Der Zustand der Eichen, der am stärksten geschädigten Baumart, habe sich sogar noch weiter verschlechtert. Nur noch 15 Prozent sähen äußerlich intakt aus. "Die alarmie­rend hohen Schadenszahlen in den beiden Jahren zuvor waren von vielen auf den besonders trockenen Sommer 2003 zurückgeführt worden - um sie sodann ad acta zu legen", so Rudolf Fenner von Robin Wood. "Doch obwohl es dieses Mal keine extremen Wetterereignisse gab, sind die Schäden fast genauso groß."

Dies liege insbesondere an dem hohen Eintrag von Stickstoffverbindungen. Sie überdüngten den Waldbo­den und ließen ihn versauern. "26 Pro­zent der Stickstoffverbindungen kommen als Stickoxid-Abgase aus den Auspuffen von LKWs und Autos. Noch mehr, nämlich 53 Prozent, stammen aber mittlerweile aus der Landwirtschaft - vor al­lem aus der Tierproduktion mit ihren hohen Ammoniak-Emissionen." Ammoniak dunste aus dem Tiermist. Wenn die Bauern die Gülle auf den Acker aus­brächten, verwehe der Wind die Stickstoffverbin­dungen, bis sie mit dem nächsten Niederschlag wieder auf den Boden regneten.

Die Intensiv-Tierhaltung, die auf eine möglichst "billige und schnelle Produktion von Fleisch, Eiern und Milch" setze, sei "der Motor dieser Ammoniak-Emissionen". Sie komme nicht ohne hohe Stickstoff-Importe in Form von proteinreichem Tierfutter und Düngemitteln aus. "Auswüchse dieser industriali­sierten Tierproduktion sind Agrarfabriken, wie sie derzeit hauptsächlich in Ostdeutschland - in Bran­denburg und Sachsen-Anhalt - entstehen: Schweinemastanlagen mit einer Jahresproduktion von nahezu 200.000 Mastschweinen."

"Wenn sich Seehofer auf der Grünen Woche bei den Bauern mit seinem Bekenntnis zur konventi­onellen Landwirtschaft einschmeichelt, ist das genau das falsche Signal. Wir brauchen eine gezielte Förderung der ökologischen Landwirtschaft", so Fenner.