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Familiengerechter Betrieb statt jobgerechte Familie

"Überlange Arbeitszeiten"

Auf einer Tagung von Gewerkschaften, der Hans Böckler Stiftung und dem Bundesfamilienministerium forderte Regina Görner vom IG Metall-Vorstand am Dienstag, die Betriebe könnten nicht "die jobgerechte Familie" erwarten, sondern müssten "familiengerechte Jobs" anbieten. Zentrale Bedeutung hätten dabei verlässliche Arbeitszeiten. Angesichts überlanger und nicht familiengerechter Arbeitszeiten, enger finanzieller Spielräume und der Sorge um die Rückkehr ins Arbeitsleben nach der Elternzeit reiche der Ruf nach staatlichem Handeln allein nicht aus. Vielmehr sei die Wirtschaft gefordert.

Auch der DGB-Vorsitzende Michael Sommer hatte in einer Presseerklärung auf die besondere Rolle der Wirtschaft hingewiesen. Junge Leute seien heutzutage wesentlich später ökonomisch abgesichert als ihre Eltern. Die vielen befristeten Arbeitsverhältnisse und die damit verbundene Unsicherheit erschwere die Entscheidung für Nachwuchs.

Zudem fühlten sich Eltern in vielerlei Hinsicht von Betrieben benachteiligt. Sie klagten über familienunfreundliche Arbeitsbedingungen, würden als weniger leistungsfähig angesehen und könnten nach der Elternzeit oft nicht problemlos auf ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren.

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen sagte, beim Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft sei ein besseres Zeitmanagement für Arbeit, Kinderbetreuung, Fürsorge und die Partnerschaft erforderlich. "Die Betriebe sind gefordert, Raum und Zeit für Kinder zu schaffen". Die Ministerin kritisierte, dass für Frauen mit Kindern häufig "eine gläserne Decke" eingezogen werde, was ihre Berufschancen angehe. Sie hob zudem hervor, dass mehr Wert auf frühkindliche Betreuung gelegt werden müsse. "Gerade auf den Anfang kommt es an".

Der Wissenschaftler Professor Hans Bertram von der Humboldt-Universität Berlin sagte, dass in Deutschland immer mehr junge Männer keine Familie gründeten. Vor allem, wenn sie in anspruchsvollen, modernen Berufen wie etwa im Softwarebereich arbeiteten. Dort hätten nur 60 Prozent einen Partner und 30 Prozent Kinder. Das gelte auch für Frauen, insbesondere in Führungspositionen. Er folgerte daraus, dass die Arbeitszeiten besser an die Bedürfnisse von Familien angepasst werden müssten.

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