Monsanto verzichtet vorläufig auf Anbau von Genmais in Hessen

Wahlkampf

Politiker denken manchmal langfristiger und strategischer als die Manager großer Konzerne. Glaubt man den politischen Kommentatoren, so werden nach Wahlen "unpopuläre" Entscheidungen getroffen, während im Vorfeld von Wahlen vielfach Gesetze im Interesse der breiten Bevölkerung verabschiedet werden. Diese Spielregeln der westlichen Demokratien scheinen die Manager des Saatgutkonzerns Monsanto gerade erst zu erlernen. Einem Bericht des "Handelsblattes" zufolge verzichtet der Saatgutkonzern Monsanto "vorerst" auf den Anbau von Genmais in Nordhessen. Das geplante Versuchsfeld werde in diesem Jahr nicht angelegt, habe das Unternehmen am Mittwoch in Düsseldorf mitgeteilt. Im derzeitigen Landtagswahlkampf sei der Druck zu groß geworden, schreibt das Blatt. Allerdings gebe Monsanto den Standort nicht endgültig auf.

Ursprünglich habe die Firma in Niedermöllrich bei Wabern auf einem 13 Hektar großen Versuchsfeld einen etwa 2500 Quadratmeter großen Versuchsanbau geplant, heißt es in dem Zeitungsbericht. Dort habe eine gegen Schädlinge resistente Genmaissorte getestet werden sollen.

Im beginnenden Landtagswahlkampf seien die Eigentümer der Flächen jedoch "massiv unter Druck gesetzt" worden, habe es von dem Unternehmen geheißen. Gegen das Projekt habe es erheblichen Widerstand auch vom Landkreis und der Gemeinde Wabern gegeben. Grüne und SPD hätten der CDU-Landesregierung vorgworfen, Schäden für die Region in Kauf zu nehmen und "sich über eine breite Ablehnung hinweg zu setzen".

Monsanto: Angstpolitik

Das jetzige "Moratorium" habe Monsanto damit begründet, dass "Angstpolitik ein Forschungsvorhaben in Hessen verhindert" habe. "Es ist ein politisches Armutszeugnis, dass die sichere Erforschung innovativer Technologien von einigen Kreisen auf kommunaler Ebene mit ideologisch motivierten Vorurteilen derart bekämpft wird", so Ursula Lüttmer-Ouazane, Geschäftsführerin der Monsanto Agrar Deutschland.

Landwirtschaftsverband: Gute Argumente

Annemarie Volling von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hingegen kommentierte: "Monsanto musste sich vom Acker machen und den geplanten Genmais-Anbau in Nordhessen stoppen, weil ein breites Aktionsbündnis zwischen Bauern und Verbraucher mit vielfältigen Aktionen, großer Energie und guten Argumenten den Gentechnik-Konzern zum Rückzug bewegen konnte."

Daraus könne man bundesweit lernen. "Wir warten nicht darauf, bis die Politik einschreitet, um die systematische Verunreinigungsstrategie der Gentechnikindustrie zu verhindern. Bäuerliche Selbsthilfe und Widerstand lohnen sich, David kann Goliath mit viel Phantasie und Entschlossenheit besiegen."

Man setze auf Gentechnikfreie Regionen und auf viele Einzelerklärungen von Bäuerinnen und Bauern, Gärtnern und Imkern, "um den Qualitätsmarkt für gentechnikfreie Lebensmittel" weiter bedienen zu können. Schon jetzt hätten sich 107 Gentechnikfreie Regionen in Deutschland gegründet, über 27.000 Bauern hätten ihr "Recht auf gentechnikfreie Erzeugung" erklärt.

Auch 320 Verarbeitungsunternehmen aus dem Bundesgebiet hätten den Aufruf der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft an die Politik unterzeichnet, "die Erhaltung gentechnikfreier Land- und Lebensmittelwirtschaft sowie den Bezug gentechnikfreier Rohstoffe zu gewährleisten".