Redaktionelle Einordnung 2026
Was vom Mentaltraining Bestand hat: Zielsetzung, mentale Vorstellung, Selbstgespräche und Entspannungsverfahren gehören zu den Techniken, die in der Sportpsychologie eigenständig untersucht werden. [1] [2]
Was wir heute klarer trennen: Neurolinguistisches Programmieren (NLP) ist nicht mit sportpsychologischem Mentaltraining gleichzusetzen. Für spezifische NLP-Wirkungsversprechen ist die wissenschaftliche Evidenz deutlich schwächer. [3]
Der folgende Beitrag stammt ursprünglich aus dem Jahr 2012. NGO-Online ordnet seine Aussagen deshalb aus heutiger Sicht ein und unterscheidet zwischen etablierten mentalen Trainingsansätzen und weitergehenden NLP-Annahmen.
Grundlagen zum professionellen Coaching finden Sie auch im Coaching-Lexikon und unter Coaching für Führungskräfte.
Wir wissen mittlerweile um die Bedeutung mentaler Fähigkeiten im Sport, doch werden entsprechende Ansätze im Wirtschaftsleben noch immer unterschiedlich genutzt. Es sind nicht nur Konzerne, sondern auch mittelständische und kleinere Unternehmen, die sich mit Fragen zu Motivation, Zielsetzung und mentaler Stärke beschäftigen.
Professionelles Coaching kann dabei einen strukturierten Rahmen schaffen, um Ziele, Verhaltensmuster und persönliche Ressourcen zu reflektieren. Entscheidend ist jedoch, zwischen wissenschaftlich untersuchten Methoden des Mentaltrainings und weitergehenden NLP-Annahmen zu unterscheiden.
Was wir vom Spitzensport lernen können
Mentale Fähigkeiten können im Sport helfen, Aufmerksamkeit, Zielsetzung, Selbstgespräche und den Umgang mit Druck bewusst zu gestalten. Für den beruflichen Alltag lassen sich daraus einzelne Prinzipien ableiten - allerdings nicht jede Methode und nicht jedes Wirkungsversprechen lässt sich ohne Weiteres übertragen.
Ziele - Wo will ich hin?
Wünsche, Visionen und Ziele werden im Alltag häufig miteinander vermischt. Wünsche betreffen oft Dinge, die wir von anderen oder von unserer Umwelt erwarten. Ob sie sich erfüllen, liegt nicht vollständig in unserer Hand. Ziele richten den Blick dagegen stärker auf das eigene Handeln und auf konkrete nächste Schritte.
Sie wollen beispielsweise mehr Verantwortung übernehmen oder sich für eine Führungsposition qualifizieren? Dann ist eine möglichst klare Zielsetzung hilfreich: Welche Position möchten Sie erreichen? Welche Fähigkeiten benötigen Sie dafür? Welche nächsten Schritte liegen tatsächlich in Ihrem Einflussbereich?
Entscheiden Sie sich bewusst für Ihre Ziele. Dann wird auch deutlicher, welche Hindernisse Sie bearbeiten müssen - beispielsweise Ihre Führungskompetenz weiterzuentwickeln, eine Fortbildung zu absolvieren oder zusätzliche Verantwortung zu übernehmen - und wer Sie dabei unterstützen könnte.
Wer bereits Führungsverantwortung trägt oder sich auf eine neue Rolle vorbereitet, findet dazu ausführliche Informationen unter Coaching für Führungskräfte: Methoden, Ablauf, Kosten und Wirkung.
Menschen, die uns unterstützen, können wichtige Ressourcen für Selbstvertrauen, Rückmeldung und Motivation sein.
Fokussieren Sie sich im Job auf Kollegen und Vorgesetzte, die Ihnen wohlgesonnen sind, und erlauben Sie ihnen, konstruktive Kritik zu üben. Besonders wertvoll ist Rückmeldung dann, wenn sie konkret, ehrlich und auf Entwicklung ausgerichtet ist.
Den inneren Dialog bewusst wahrnehmen
Unsere Gedanken und Bewertungen beeinflussen, wie wir Situationen wahrnehmen und wie wir darauf reagieren. Im Mentaltraining wird deshalb häufig mit Selbstgesprächen, Bewertungen und persönlichen Erwartungen gearbeitet.
Menschen neigen dabei nicht selten dazu, eigene Erfolge abzuwerten oder sich innerlich stark zu kritisieren:
"Ich bin Mutter von drei Kindern und arbeite nur 15 Stunden - da kann ich ja wohl keine beruflichen Höhenflüge erwarten."
Hilfreicher kann es sein, solche pauschalen Bewertungen zu überprüfen und durch realistischere, handlungsorientierte Gedanken zu ersetzen:
"Es gibt noch andere Wege, mich in der Firma zu beweisen."
Oder:
"Die anstehenden Aufgaben kann ich auch in der mir zur Verfügung stehenden Zeit gut erfüllen."
Wenn Sie es als Nachteil empfinden, nur wenige Arbeitsstunden pro Woche zur Verfügung zu haben, konzentrieren Sie sich zugleich auf Ihre Stärken: Ihr Organisationsgeschick und Ihre Fähigkeit, sich in der verfügbaren Zeit hochkonzentriert auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Unsicherheit oder Nervosität müssen dabei nicht vollständig verschwinden. Entscheidend ist vielmehr, trotz solcher Gefühle handlungsfähig zu bleiben und den eigenen Fortschritt realistisch einzuschätzen.
Entspannen Sie sich
Stress bewältigt jeder Mensch auf unterschiedliche Weise. Der eine geht nach Feierabend ins Fitnessstudio, die andere hört Musik, liest oder bewegt sich in der Natur.
Entspannung und Regeneration sind dabei nur ein Teil des Umgangs mit Belastung. Auch persönliche Ressourcen, soziale Unterstützung und die jeweiligen Arbeitsbedingungen spielen eine Rolle.
Wie psychische Widerstandsfähigkeit heute verstanden wird, erläutern wir ausführlich im NGO-Online Lexikon zur Resilienz.
| Verhaltensebene | Programme und Routinen, die Erholung und Wohlbefinden unterstützen |
| Körperebene | Entspannungstechniken, Bewegung und bewusste Regeneration |
| Mentale Ebene | Selbstgespräche, gedankliche Neubewertung und bewusste Aufmerksamkeitssteuerung |
| Emotionale Ebene | Umgang mit Gefühlen, Motivation und positive Aktivitäten |
Methoden wie autogenes Training, Fantasiereisen, progressive Muskelentspannung, Feldenkrais, Yoga oder Qi Gong können zur Entspannung beitragen. Welche Methode passt, ist individuell unterschiedlich.
Auch bewusstes Atmen kann helfen, die Aufmerksamkeit wieder auf den gegenwärtigen Moment zu richten. Gerade in Stresssituationen kann eine kurze Unterbrechung sinnvoll sein: wahrnehmen, was gerade geschieht, einige ruhige Atemzüge nehmen und anschließend die nächsten Schritte neu ordnen.
Gestresste Menschen reagieren häufig ungeduldiger und machen eher Fehler. Umso wichtiger sind Erholung, realistische Prioritäten und ein Umgang mit Belastung, der nicht ausschließlich auf Durchhalten setzt.
Sich spüren und vertrauen
Emotionen und Stärke sind keine Gegensätze. Auch in Führungspositionen beeinflussen Gefühle, Erwartungen und zwischenmenschliche Wahrnehmung das Verhalten.
Die Vorstellung, erfolgreiche Führung müsse ausschließlich rational, hart und möglichst emotionsfrei sein, greift deshalb zu kurz. Fachkompetenz, Konsequenz und Verhandlungsgeschick bleiben wichtig. Ebenso wichtig können jedoch Selbstwahrnehmung, Empathie, Motivation und die Fähigkeit sein, mit eigenen und fremden Emotionen konstruktiv umzugehen.
Selbstvertrauen entsteht nicht allein aus positivem Denken. Es kann wachsen, wenn Menschen eigene Kompetenzen erkennen, Erfahrungen sammeln, Rückmeldungen erhalten und schwierige Situationen erfolgreich bewältigen.
Eine realistische Selbstbeschreibung könnte beispielsweise lauten:
"Ich kann gut mit Menschen umgehen. Zu Führung gehört für mich auch, auf andere zuzugehen, zuzuhören und Probleme frühzeitig wahrzunehmen. Diese Fähigkeiten möchte ich in einer Führungsrolle gezielt einsetzen."
Vorstellen und konzentrieren
Mentale Vorstellungen können dazu genutzt werden, Situationen und gewünschte Handlungsabläufe vor dem inneren Auge durchzugehen. Im Sport wird diese Form des mentalen Trainings beispielsweise eingesetzt, um Bewegungen, Wettkampfsituationen oder bestimmte Abläufe gedanklich vorzubereiten. [1]
Auch im beruflichen Kontext kann eine solche Vorstellung helfen, sich mit einer bevorstehenden Situation vertrauter zu machen.
Sie können sich beispielsweise ein wichtiges Gespräch möglichst konkret vorstellen: Wie betreten Sie den Raum? Was möchten Sie sagen? Welche Reaktionen sind denkbar? Wie wollen Sie mit kritischen Nachfragen umgehen?
Dabei können mehrere Sinneseindrücke einbezogen werden. Manche Menschen stellen sich besonders deutlich Bilder vor, andere eher Stimmen, Körperempfindungen oder einzelne Handlungsschritte.
Solches "Kopfkino" ersetzt keine fachliche Vorbereitung und garantiert keinen Erfolg. Es kann aber eine Möglichkeit sein, Aufmerksamkeit zu bündeln, Abläufe gedanklich zu strukturieren und sich auf eine konkrete Situation vorzubereiten.
Auch der sogenannte Flow-Zustand wird häufig im Zusammenhang mit konzentrierter Leistung beschrieben. Er lässt sich jedoch nicht einfach herbeidenken. Wahrscheinlicher wird konzentriertes Arbeiten, wenn Anforderungen und Fähigkeiten zueinander passen, Ablenkungen reduziert werden und eine Tätigkeit genügend Aufmerksamkeit bindet.
Quellen und weiterführende Literatur
| [1] | (1, 2) Liu, Y. et al. (2025): The Effects of Imagery Practice on Athletes' Performance: A Multilevel Meta-Analysis with Systematic Review. Behavioral Sciences, 15(5), 685. |
| [2] | Hatzigeorgiadis, A. et al. (2011): Self-Talk and Sports Performance: A Meta-Analysis. Perspectives on Psychological Science. |
| [3] | Sturt, J. et al. (2012): Neurolinguistic programming: a systematic review of the effects on health outcomes. British Journal of General Practice, 62(604), e757-e764. |
